Moderne Diktaturen unter dem Deckmantel des Umweltschutzes

Ich erinnere mich noch dunkel an die ersten Erfahrungen der Menschen mit den Grünen: sie fühlten sich irgendwie betrogen. Gewählt hatten sie eine Partei, die sich für den Wald einsetzt, bekommen haben sie eine Partei im Parlament, die offenbar gegen alles ist, was Menschen als Familie kannten. Darüber hinaus bot sie einen Schutzraum für Pädophile und viele hielten wohl aus weltanschaulichen Gründen offenbar auch nicht viel von Körperpflege. Und jetzt? Treten sie wieder als Schützer von Walen und Delphinen auf und als Retter des Welt-Klimas. Ich will ihnen gar nicht absprechen, dass ihnen diese Themen auch wichtig sind – wer will schon eine Überfischung der Meere? Bisher, und das heißt eben auch in der Zeit, als sie mitregieren konnten, hatten allerdings gesellschafts- und  familienpolitische  Themen immer den Vorrang. Wer sich darüber wundert, hat die politische Seite der Naturmystik nicht verstanden:

an anderer Stelle habe ich ausführlich beschrieben, was ich unter „Naturmystik“ verstehe. Hier nur in Kürze: der Begriff „natürlich“ ist im Deutschen mehrdeutig. Er bezeichnet einmal alles, was als Teil der Natur gekennzeichnet wird. Wir wenden ihn aber auch auf Menschen an und meinen damit soviel wie „echt“ „man selbst sein“. Der Naturmystiker hat also kurz gesagt die Vorstellung, dass er über die Rückwendung zur Natur viel mehr erreicht als saubere Luft, er findet zu sich selbst. Und letztlich ist ihm dieses Projekt noch wichtiger als der Umweltschutz. Im Zweifelsfall wird der Naturmystiker eher die Zersiedelung der Landschaft in Kauf nehmen, wenn er sich selbst in der Natur-Stille der (nun durch ihn noch mehr zerstörten Natur) zu sich selbst findet. Vor diesem Hintergrund ist die Schwerpunktsetzung der Grünen also nicht erstaunlich. Erstaunlich ist vielmehr, wie viele Menschen ihnen immer noch auf den Leim gehen, aber dazu später mehr.

Nun könnte man dieses Anliegen ja trotzdem für sehr menschenfreundlich halten, auch wenn man sich vielleicht darüber wundert, weshalb eine Partei sich gründet, die anderen Menschen helfen möchte, zu sich selbst zu finden. Sollte so ein therapeutisches Anliegen Politik werden? Man muss nicht viel über die Naturmystik nachdenken, um auch noch einen anderen als den therapeutischen Aspekt darin zu sehen: das „zu sich selbst finden“ ist ein Programm der Vereinzelung des Menschen. Denn es gehört ebenfalls zur Naturmystik zu glauben, dass der Weg zu sich selbst nur von anderen geistigen Wesen behindert werden kann, und daher ist es sinnlos, alle Kräfte für den Natur- und Klimaschutz zu mobilisieren, solange die Menschen noch unter dem vermeintlich störenden Einfluss anderer Menschen, Geister oder Gott stehen. Der erste Schritt besteht daher darin, den Menschen von diesen Einflüssen zu isolieren. Die Familie besteht heute nur noch in einer reinen wirtschaftlichen Versorgungseinheit, während die Kinder bereits mit wenigen Monaten in öffentlichen Einrichtungen erzogen werden. Ehen sind keine Arbeits- sondern in der Regel Bett- und teilweise Freizeitaktivitäts-Gemeinschaften. Vereine stehen unter dem Verdacht der „Vereinsmeierei“, Gespräche in öffentlichen Lokalen sind „Stammtischparolen“, „Social Media“ produziert „Fake News“ und Religionsgemeinschaften stehen unter Fundamentalismus-Verdacht, solange sie nicht aktiv deutlich machen, dass sie auf einer Linie mit den öffentlichen Einrichtungen liegen.

Die einzige Form, in der Gemeinschaft noch geduldet wird, ist die Versorgung der Alten, weil die Kosten für die Pflege so hoch sind und man von einer weltanschaulichen Beeinflussung offenbar hier nicht mehr ausgeht. Von dieser Ausnahme abgesehen steht jede Form privater Gesellschaft, die strukturelle Form annimmt und über ein Gelegenheitstreffen unter Freunden hinaus geht, verpönt.

Leider kenne ich dieses Prinzip auch aus dubiosen Religionsgemeinschaften. Wenn ein Pastor zu mächtig wird und einen Alleinherrschaftsanspruch entwickelt, werden ihm alle Arbeitskreise in seiner Gemeinde suspekt, die nicht unter der Aufsicht der von Hand ausgewählten Mitarbeiter stehen. Dann werden Gebetskreise abgeschafft, Hauskreisleiter müssen zur Gemeindeleitung loyal sein.

Jede Diktatur hat also kurz gesagt ein Interesse an der Vereinzelung des Menschen, weil sie die Festigung und den Abgleich politischer und weltanschaulicher Überzeugungen verhindern kann. Daher ist das Recht, sich ohne Erlaubnis zu versammeln sogar im deutschen Grundgesetz verankert. Die Verantwortlichen wussten damals sowohl um die Bedeutung privater Versammlungen als auch die Notwendigkeit, sie gegen die Interessen einer Regierung zu schützen.

Dieses Recht wird auch nicht in Frage gestellt, es ist trotzdem bedroht. Die Menschen fürchten den Einfluss anderer Menschen als Störquelle für ihr inneres Lebens-Navi. Leider fürchten sie den Einfluss nur von privaten Einflüssen, nicht aber, wenn es um den Einfluss öffentlicher Medien geht.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.