Daten und Fakten

Kaum etwas scheint die Deutschen so zu beunruhigen wie die Sicherheit ihrer Daten und die Sorge vor Fake-News. In diesem Beitrag geht es um die Bedeutung dieser beiden Begriffe in der Naturmystik, denn ohne sie lässt sich kaum erklären, weshalb über ihren Missbrauch so leidenschaftlich debattiert wird.

In der Naturmystik gilt der menschliche Geist als die Größe in der Natur, die fehlgeleitet werden kann und dadurch den Kontakt zur Natur verliert. Der Mensch ist dann fremdbestimmt und benimmt sich daneben, fühlt sich aber auch irgendwie gespalten. Für den Umgang mit anderen Menschen ist diese Sichtweise natürlich eine Bürde, weil jede Aussage eines Menschen potentiell vom natürlichen Weg ablenkt. Eine naturmystische Gesellschaft benötigt daher einen Weg, um menschliche Aussagen in einen Stand zu erheben, in dem sie den Wert einer Naturtatsache haben, und genau das sind die sog. „Fakten“. Als Fakten werden in der Naturmystik Aussagen klassifiziert, die für einen anderen Menschen zur Natur werden (sollen).

Bei dem Begriff Daten ist es genau anders herum: Während bei Fakten der menschliche Geist zur Natur wird, machen Daten Natur zu Geist. Wenn Daten über Menschen gesammelt werden, steht dahinter die Beobachtungsposition eines Naturwissenschaftlers, der mit stochastischen Mitteln arbeitet. Das Verhalten eines Menschen wird dann nicht als Ergebnis eines geistigen Prozesses gedeutet sondern als natürliches Geschehen, auch wenn dieses sich für den einzelnen so anfühlen mag, als habe er eine Entscheidung frei getroffen. Dass man z.B. eine bestimmte Partei wählt, liegt nicht an weltanschaulichen Gründen sondern z.B. an dem Hormon-Coctail im Blut des Wählers (z.B. ob es mehr männliche oder weibliche Sexualhormone enthält). Es scheint eine Funktion des Geistes zu sein, dahinter steckt aber ein rein natürliches Geschehen, und dieser Glaube drückt sich im Begriff der „Daten“ aus.

In beiden Begriffen geht es also um das Persönlichste eines Menschen, nämlich das Menschsein selbst und die Frage nach der Freiheit des Menschen. Beide Begriffe kennzeichnen den Übergang zwischen menschlicher Freiheit und Naturnotwendigkeit. Daher ist die Sorge um den Missbrauch an diesen empfindlichen Stellen auch so verständlich. Wenn jemand Daten sammelt, kann er sie auch nach den Regeln eines entfremdeten und damit böswilligen Geist missbrauchen und zur Manipulation und Beherrschung der Menschen einsetzen. Und wenn man Fakten fälschen kann oder gar die Möglichkeit einer alternativen Sichtweise nur denkbar macht, dann steht am Ende der Vertrauensverlust in jede Debatte und die völlig Isolation des Menschen, der jeden Versuch einer verbindlichen Aussage aufgegeben hat.

Das Tragische ist dabei, dass die Naturmystik nicht ohne diese Begriffe auskommt, so umkämpft der Umgang mit ihnen auch sein mag. Die Sorge um den Datenmissbrauch spricht nämlich nicht grundsätzlich dagegen, dass Daten erhoben werden. Möchte der Mensch sich nämlich wirklich und konsequent als Teil der Natur sehen, kann er auch wie jeder andere Bereich der Natur nach naturwissenschaftlichen und daher auch stochastischen Methoden erforscht werden. Er muss also einerseits dem Blick auf sich selbst als Teil der Natur zustimmen, und möchte aber doch gleichzeitig die Kontrolle darüber haben, welche Daten denn in die Untersuchung einfließen dürfen. Das ist aus wissenschaftlicher Sicht natürlich nicht zulässig, und spätestens hier zeigt sich, dass die Naturmystik letztlich in einem Widerspruch gefangen ist, der sich vielleicht an kaum einer anderen Stelle so klar zeigen lässt: Gerade der Umstand, dass der Mensch bewusst eine bestimmte Form des Verhaltens zu seiner Umwelt wählen kann, macht ihn zu einer Größe, die eben nicht nur Teil der Natur ist sondern die geeignet ist, die Natur zu beherrschen. Eben diese Fähigkeit gehört zu seiner Natur. Will der Naturmystiker aber aus der Position des Herrschers heraus kommen und nur Teil der Natur sein, wird er aber zum Beherrschten, was er ebenfalls nicht möchte. Die Lösung könnte nur darin bestehen, die Naturwissenschaften selbst aufzugeben, also das Herrschen selbst zu unterbinden, aber sie sind die einzige Zugangsform zur Natur, die nicht unter dem Generalverdacht steht, dass der menschliche Geist auch schon den Zugang zur Natur versperrt. Die Naturwissenschaften bieten ja gerade vermeintlich intersubjektive Werkzeug eder Naturbetrachtung an und spielen daher in der Naturmystik als Korrektiv gegen die Einflüsterungen des menschlichen Geistes eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund bleibt der Naturmystiker gefangen in seiner Angst vor Kontrolle und der Ergebenheit in sein Schicksal als beherrschter Natur.