Angstmacherei zahlt sich aus

Die Grünen hatten einen zwar nicht ganz überraschenden aber fulminanten Erfolg bei der Europa-Wahl 2019. Geworben haben sie u.a. mit einem Plakat, auf dem steht, dass eine starke Gesellschaft sich keine Angst machen lässt. Aber stimmt das? Liest man die wichtigsten Gründe der Grünen-Wähler für ihre Entscheidung, werden dort als Top-Themen Klima und Umweltschutz genannt. Angst-Themen. Gewählt wurden sie vor allem von jüngeren Wählern, also eben der Gruppe, die für Beeinflussung besonders empfänglich ist und oft auch noch nicht gelernt hat zu unterscheiden, dass Politik auf der Ersatzbank etwas anders funktioniert als Politik in der Praxis. Der einzige grüne Ministerpräsident in Baden Württemberg ist heute ein strammer Unterstützer der Auto-Industrie. Die Grünen haben von der Angst profitiert. Nach ihrem Wahl-Erfolg stehen sie unter dem Druck, den Temperatur-Anstieg zu verhindern. Immerhin ist es ein Wahlversprechen, dass sich gut messen lässt.

Greta und das Ende der Kindheit

Jede Protestbewegungen braucht ihre Ikonen. Mal sind sie laut, manchmal mutig, manchmal auch einfach telegen. Mit Greta Thunberg gibt es allerdings einen neuen Helden-Typ, denn sie macht – eigentlich nichts. Sie geht nicht zur Schule, und sagt im Fernsehen nur Dinge, die so auch alle anderen sagen. Keine großen neune Ideen, nichts! Schaltet man den Ton aus, wenn sie redet, sieht man ein kleines Mädchen, das für sein Alter erstaunlich kindlich und unreif wirkt, mit geflochtenen Zöpfen. Ein bisschen mollig vielleicht, mit einem ausdruckslosen Gesicht und Rehblick. Was ist hier los? Wäre sie keine Ikone, würde man sie einfach für ein Mädchen mit Zöpfen und Rehblick halten.

Die 68er mussten sich gegen das Establishment noch wehren und nicht zuletzt gegen die Medien. Durch das Internet ist allerdings eine Kultur entstanden, in der sich eine Jugendkultur als Gegenbewegung überhaupt nicht mehr formieren, und das heißt eben auch „entwickeln“ kann, weil alles, was dort als Bewegung entsteht, in Echtzeit medial kommentiert wird. Der geschützte Raum der Peer-Group, in den Erwachsene keinen Zutritt hatten, war nicht nur ein Ort, in dem freundschaftliche Kontakte geknüpft, sondern in dem auch sehr politisch diskutiert wurde. Dieser Raum hat sich durch das Internet immer stärker in den öffentlichen Raum verlagert, wo Diskussionen von der Öffentlichkeit verfolgt werden können. Gegebenenfalls auch juristisch. Die Entstehung von Gruppen kann daher nicht mehr langsam wachsen, sondern muss sich auch in der Anfangsphase, also dann, wenn potentielle Anhänger noch unsicher sind und mit neuen Ideen vielleicht erst vertraut gemacht werden müssen, bereits der öffentlichen Kritik stellen. Es ist daher kein Wunder, dass jugendlicher Protest heute praktisch nur noch auf Bestellung funktioniert. Man regt sich nach Vorgabe auf. Youtuber haben vielleicht mal eine blaue Locke, bewegen sich und reden vielleicht anders als Menschen mit 50 oder 70, aber inhaltlich halten sie sich doch meistens an sehr bürgerliche Standards. Jugendkultur ist zur reinen Show verkommen, und das vielleicht um so mehr, je weniger eigenständig sie inhaltlich ist. Dass die wirkliche Ikone einer Jugendbewegung allerdings ein Mädchen mit geflochtenen Zöpfen ist und so harmlos wirkt wie man sich das kaum besser vorstellen kann, veranschaulicht diesen Mainstream-Protest schon fast grotesk gut.

Das Klima vor der Wahl

Ob die Temperatur steigt oder nicht, ist eigentlich keine Frage der politischen Einstellung. Und auch Größen wie die Durchschnittstemperatur im Laufe des Jahres oder über mehrere Jahre hinweg kann man gefahrlos messen. Wenn es um die Ursachen geht, ist Lage schon nicht mehr so einfach, denn auf der einen Seite hat praktisch alles, was auf der Welt passiert, auch Einfluss auf das Klima, wie das gerne strapazierte Beispiel mit dem Schmetterlingsflügel zeigt, andererseits macht genau diese Komplexität es auch so schwierig, klare Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu beschreiben. Und immer dann, wenn Zusammenhänge unklar werden, spielen politische Einstellungen auf einmal doch eine Rolle. Nur so ist zu erklären, dass die Antwort auf die Frage, ob sich das Klima vor allem durch den Einfluss des Menschen verändert, stark von der Parteizugehörigkeit abhängt (Quelle: tagesschau.de). Man wundert sich daher auch nicht mehr, dass es dem Klima gerade in Wahljahren immer ganz besonders schlecht zu gehen scheint. Wenn die Menschen die Grünen schon nicht freiwillig wählen, dann doch gefälligst aus Angst. Leider hat die Erfahrung mit den Grünen gezeigt, dass sie sich immer nur dann für Umwelt und Klima stark gemacht haben, wenn sie in der Oppositionsrolle waren. Der einzige grüne Ministerpräsident ist längst ein vehementer Automobil-Verteidiger geworden, und dort, wo die Grünen mitregieren durften, sind Themen wie Gendermainstreaming, Stärkung einer matriarchalen Familienkultur und Sexualisierung von Kleinkindern auf einmal viel wichtiger als der Umweltschutz. Die Grünen haben leider seit dem Beginn ihrer Geschichte zwei Seiten: ihre grüne Seite zeigen sie nur in der Opposition und im Wahlkampf. Ihre eigentlichen Absichten zeigen sie leider immer erst, wenn sie tatsächlich an Gesetzen mitwirken dürfen. Sie sind damit schlicht eine Mogelpackung.