Greta und das Ende der Kindheit

Jede Protestbewegungen braucht ihre Ikonen. Mal sind sie laut, manchmal mutig, manchmal auch einfach telegen. Mit Greta Thunberg gibt es allerdings einen neuen Helden-Typ, denn sie macht – eigentlich nichts. Sie geht nicht zur Schule, und sagt im Fernsehen nur Dinge, die so auch alle anderen sagen. Keine großen neune Ideen, nichts! Schaltet man den Ton aus, wenn sie redet, sieht man ein kleines Mädchen, das für sein Alter erstaunlich kindlich und unreif wirkt, mit geflochtenen Zöpfen. Ein bisschen mollig vielleicht, mit einem ausdruckslosen Gesicht und Rehblick. Was ist hier los? Wäre sie keine Ikone, würde man sie einfach für ein Mädchen mit Zöpfen und Rehblick halten.

Die 68er mussten sich gegen das Establishment noch wehren und nicht zuletzt gegen die Medien. Durch das Internet ist allerdings eine Kultur entstanden, in der sich eine Jugendkultur als Gegenbewegung überhaupt nicht mehr formieren, und das heißt eben auch „entwickeln“ kann, weil alles, was dort als Bewegung entsteht, in Echtzeit medial kommentiert wird. Der geschützte Raum der Peer-Group, in den Erwachsene keinen Zutritt hatten, war nicht nur ein Ort, in dem freundschaftliche Kontakte geknüpft, sondern in dem auch sehr politisch diskutiert wurde. Dieser Raum hat sich durch das Internet immer stärker in den öffentlichen Raum verlagert, wo Diskussionen von der Öffentlichkeit verfolgt werden können. Gegebenenfalls auch juristisch. Die Entstehung von Gruppen kann daher nicht mehr langsam wachsen, sondern muss sich auch in der Anfangsphase, also dann, wenn potentielle Anhänger noch unsicher sind und mit neuen Ideen vielleicht erst vertraut gemacht werden müssen, bereits der öffentlichen Kritik stellen. Es ist daher kein Wunder, dass jugendlicher Protest heute praktisch nur noch auf Bestellung funktioniert. Man regt sich nach Vorgabe auf. Youtuber haben vielleicht mal eine blaue Locke, bewegen sich und reden vielleicht anders als Menschen mit 50 oder 70, aber inhaltlich halten sie sich doch meistens an sehr bürgerliche Standards. Jugendkultur ist zur reinen Show verkommen, und das vielleicht um so mehr, je weniger eigenständig sie inhaltlich ist. Dass die wirkliche Ikone einer Jugendbewegung allerdings ein Mädchen mit geflochtenen Zöpfen ist und so harmlos wirkt wie man sich das kaum besser vorstellen kann, veranschaulicht diesen Mainstream-Protest schon fast grotesk gut.

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