Medien und Jugendkultur

Der Spiegel spricht in seiner aktuellen Ausgabe von der neuen „APO“ und zeigt Bilder von Rezo und anderen Youtubern. Natürlich sind sie kein Teil des Parlamentes und damit irgendwie eine „Außerparlamentarische Opposition“, aber in einem wesentlichen Punkt unterscheiden sie sich von der alten APO: die stand nämlich nicht nur in Opposition zum Parlament sondern auch zu den Medien, während zeitgenössische Youtuber zwar mehr Mut bei der Wahl ihrer Frisur haben, inhaltlich aber ziemlich hart am Mainstream segeln. Die Karikatur dieses Mainstream-Protestes ist ja für mich nach wie vor Greta Thunberg.

Das alles könnte nach Freundschaft zwischen Medien und linken Youtubern klingen. Leider ist die Freundschaft bestenfalls einseitig. Während Youtuber sich für Pressefreiheit stark machen, haben sich Medien wie die tagesschau kurz nach der Wahl für eine Beschränkung der Meinungsfreiheit im Internet stark gemacht – nur wenige Tage nachdem sie selbst dem Video von Rezo zu einer beispiellosen Öffentlichkeitswirksamkeit vor der Wahl verholfen haben. Erst durch die Berichterstattung wurde aus einem beliebten Youtube-Video ein Massen-Medium. Die Medien haben dabei formal nur über einen Trend berichtet, sich aber gleichzeitig an der polemischen -aber für Youtuber absolut zulässigen! – Einseitigkeit, die ihnen selbst nicht möglich ist, zu beteiligen, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Das sieht weniger nach einer Freundschaft aus als nach dem Verhältnis eines Bauern zu seiner Mast-Sau.

Ob sich die Youtuber diese Vereinnahmung gefallen lassen und möglicherweise sogar brav für eine Beschränkung ihrer eigenen Redefreiheit stark machen (!), wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen müssen. Dann erst zeigt sich, ob sie das Maul auch aufreißen können, wenn sie dafür kein Lob von den Medien bekommen.