Trennung von Staat und…

Muss man Staat und Kirche trennen? Es ist natürlich nicht erstaunlich, wenn Nicht-Christen das wünschen – das ist ihnen ja auch völlig unbenommen.

Die interessantere Frage ist, wie man als Christ selbst dazu stehen sollte. Denn das Problem ist keineswegs trivial, schließlich gab es in der Zeit der ersten Christen weder den erkennbaren Wunsch noch die Möglichkeit, politisch mitzumischen. Wenn man sich über Christ und Politik Gedanken macht, muss man also unweigerlich auf das AT zurückgreifen, wobei man immer fragen muss, ob diese Prinzipien im NT angewandt werden können.

Ich möchte daher zunächst doch versuchen, das NT heranzuziehen:
Da ist zunächst die Aufforderung, in seinem Stand, oder Beruf, zu bleiben (1.Kor. 7,17-24). In den Beispielen geht es zwar nicht um Politik, aber das Prinzip geht über die Beispiele hinaus: Es ist immer eine Gefahr, dass Menschen, die Christen geworden sind, sich ihrer irdischen Pflichten auf einmal entbunden oder zu Höherem berufen fühlen. Sie sind vielleicht versucht, ihren Ehepartner zu verlassen, sehen sich nicht mehr zum Gehorsam gegenüber ihren Vorgesetzten verpflichtet und wähnen sich schon im Himmel. Und diese Haltung hat tatsächlich einen guten Grund! Wir sind dieser Welt tatsächlich gestorben und sollen uns nicht mehr vor Menschen fürchten.
Dass wir doch unserem Alltag verpflichtet bleiben liegt nicht an unserem bürgerlichen Empfinden, sondern an der Furcht vor Gott. Daher nennt Paulus unsere Pflichten unsere „Berufung“, um anzuzeigen, dass Gott es ist, der uns in dieser Welt an einen bestimmten Platz gestellt hat – und sei es als Sklave eines bösen Herrn!

Mit der gleichen Begründung werden Christen auch zum Gehorsam gegenüber der Obrigkeit angehalten: Gott hat sie eingesetzt und Gehorsam gegen die Obrigkeit ist Gehorsam gegen Gott.

Man kann also durchaus mit dem NT zeigen, dass christlich politisches Engagement schnell an Grenzen stößt. Es wäre beispielsweise ausgesprochen unpassend, wenn Christen mit Sitzblockaden o.ä. versuchen würden, christliche Werte in der Politik durchzusetzen. Es wäre so unanständig, als wollten sie Druck auf Handwerker oder Künstler ausüben, nach christlichen Maßstäben zu wirtschaften. Gott wird jeden zur Rechenschaft ziehen, der nicht zur Ehre Gottes in seinem Beruf gelebt hat – auch die Politiker. Politik ist nicht unser Verantwortungsbereich, solange es nicht unser Beruf ist.

Und das ist nicht verboten. Natürlich darf ein Christ, der ernsthaft sein Gewissen geprüft hat, auch Politiker werden. Denn wenn Gott die Obrigkeit einsetzt, kann es schwerlich eine Sünde sein, Obrigkeit zu sein.

Es gibt aber auch Formen von legitimer und gebotener Einmischung: Erstens ist Einmischung legitim, wenn die Form gewahrt wird. Wenn eine Regierung die Möglichkeit der Petition gewährt, Demonstrationen erlaubt und sich vom Bürger wählen lässt, gibt es keinen Grund, diese Möglichkeiten nicht auch zu nutzen. Aber hier muss man den feinen Übergang wahren, von der stillen, ordentlichen Form der politischen Äußerung hin zum politischen Druck, der eine unzulässige Einmischung darstellt (Berufsverletzung).
Zweitens ist Einmischung geboten, wenn es um den Schutz anderer Menschen geht. Spr. 24,11f wird man kaum nur auf das AT beziehen können: „Rette die, die zum Tode geschleppt werden; und die zur Schlachtung hinwanken, o halte sie zurück!
Wenn du sagst: Siehe, wir wussten nichts davon! – ist es nicht so: der die Herzen prüft, er merkt es, und der auf deine Seele achthat, er weiß es? Er vergilt dem Menschen nach seinem Tun.“

Spätestens, wenn es um das Leben anderer Menschen geht, ist Einmischung auch gegen den Willen und gegen die Gesetze des Staates nötig. Aber nur soweit, das Leben der anderen geschont wird. Der Ungehorsam ist aber auch geboten, wenn es um die Verbreitung des Evangeliums geht. In diesem Zusammenhang steht auch der Satz „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“.
Ein Recht zum aktiven Widerstand gegen die Obrigkeit sehe ich hierin nicht.

Man kann also sagen: Nicht-Politiker müssen sich aus der Politik heraushalten. Aber Christen gehorchen der Obrigkeit nicht aus Menschenfurcht, sondern aus Gottesfurcht. Und die Gottesfurcht setzt auch die Grenzen des Gehorsams.

Und jede Obrigkeit tut gut daran, sich nicht darüber zu ärgern, sondern sich ihrer Berufung vor Gott bewusst zu werden und sich von Gottlosen Beratern fern zu halten.
„Man entferne die Schlacken aus dem Silber, so gelingt dem Goldschmied ein Gerät.
Man entferne den Gottlosen vom König, so steht sein Thron fest durch Gerechtigkeit.“ (Sprüche 25,4f)

Wo das nicht geschieht und eine gottlose Regierung herrscht, steht ihr Thron bestenfalls fest durch Gewalt und Schrecken, aber nicht durch Gerechtigkeit. Und wenn die Geschichte etwas gelehrt hat, dann dies.
Denn bisher endeten alle atheistischen Revolutionen ausnahmslos in Diktaturen.

Vegetarismus und Menschenwürde

Es gibt verschiedene Gründe, kein Fleisch zu essen: manche Menschen vertragen es nicht, manche mögen es nicht, manche mögen die Art nicht, wie bei uns Tiere gehalten und geschlachtet werden oder fürchten sich vor übertragbaren Krankheiten.

Meistens ist mir der Vegetarismus aber mit einer anderen Begründung vorgestellt worden: mit einer Polemik gegen die christliche Trennung zwischen Tier und Mensch. Nur durch diese Trennung wird dem Menschen seine herausgehobene Würde gesichert und gleichzeitig der Fleischgenuss erlaubt.
Lehnt man diese Trennung ab, wird der Mensch zu einem von vielen Tieren und manche Zeitgenossen überbieten sich geradezu darin, ihn im Wert immer weiter unten in der Skala zu sehen (z.B. unter den Bakterien, weil die schon so alt und erfolgreich sind etc.). Unter anderen Tieren sei es aber nicht mehr möglich, andere „Mitgeschöpfe“ einfach aufzuessen.
Das klingt chic, ist es aber nicht. Denn wenn die Scheu, Tiere zu essen, so begründet wird, verliert man jeden Grund für Menschenwürde! Das darf man nicht vergessen.
Es gibt dann nur zwei Möglichkeiten:
Entweder schätzt man alle Lebewesen gleich wert oder man bemisst ihren Wert nach irgendwelchen Eigenschaften.
Wenn alle Lebewesen gleich wertvol sind, muss man sich umbringen. Denn in jeder Sekunde verenden Bakterien in meinem Magen, während ein Mensch durch seinen Tod vielen Bakterien zur Nahrung dienen kann. Es wäre also grob unmoralisch, am Leben zu bleiben, einem Leben, das so viele andere Leben kostet.
Faktisch wählen daher alle (noch lebenden) Gegner der Menschenwürde den zweiten Weg und unterscheiden sich nur in der Wahl der Eigenschaften, die sie für besonders schützenswert halten. Die Einen schützen die Leidensfähigkeit, die Anderen nur Lebewesen mit Augen …
Alle Eigenschaften haben gemeinsam, dass der Wert eines Menschen von bestimmten Eigenschaften abhängt und ein Mensch also seinen Wert verlieren kann. Was ist nämlich mit Menschen, die keine Augen haben, kein Bewusstsein entwickeln (zumindest nach allem, was man sagen kann), mit Menschen ohne Augen ohne erkennbaren Willen zum Leben? Darf man sie nun töten? Die Antwort müsste für den überzeugten Gegner der christlichen Menschenwürde klar lauten: ja, selbstverständlich.

Es gibt natürlich noch eine andere Möglichkeit: man vermeidet jede Wertzuweisung. Nur ist die Menschenwürde dann erst recht obsolet.

Nach dem dritten Reich hat man aus einem tiefsitzenden Schrecken über die Gräueltaten der Nazis die Menschenwürde in der Verfassung verankert; leider ohne sie zu begründen. Und dieses Versäumnis rächt sich, denn jeder Schrecken verfliegt und es war nur eine Frage der Zeit, bis spätere Generationen diese Menschenwürde ablehnen, deren religiöse Grundlagen keinen Rückhalt in der Bevölkerung mehr hatte.

kommiggezz in fenseeeehn?

Der G8-Gipfel ist zu Ende, und alle sind zufrieden: die Politiker sowieso, aber auch alle Demonstranten. Peter Wahl von „attac“ nannte die Blockaden einen vollen Erfolg. Aber wie kann eine Blockade ein Erfolg sein, wenn sie nichts blockiert?
Auch Greenpeace war zufrieden, obwohl sie bei ihrem Versuch, eine Petition zum Strand zu bringen, erwartungsgemäß kläglich gescheitert sind.

Worin der Erfolg besteht ist klar: es geht um Medienwirksamkeit. Für Greenpeace sind Schlauchboot-Einsätze schon immer ein wirkungsvolles Mittel gewesen, öffentliches Interesse zu gewinnen (was sich dann in hochschnellenden Spendeneinnahmen wiederspiegelt). Das Ergebnis ist dabei völlig egal, es geht um die Nummer „hilfloser Aktivist kämpft für gute Sache“.
Und Peter Wahl nannte als Grund für den Erfolg, dass „Bilder um die Welt gingen“.

Man mag das als gegeben hinnehmen, als Spielregeln der Mediendemokratie. Aber diese Inszenierungen sind aus mindestens zwei Gründen bedenklich:

Erstens entstehen so eben nicht nur Schaukämpfe, sondern auch echte Gewalt. Es gilt immer, den schmalen Grat nicht zu verlassen und gleichzeitg gefährlich und gewalttätig genug zu sein, um die Medien anzulocken, aber nicht zu übertreiben, um keine schlechte Presse zu bekommen. Nur beherrschen eben nicht alle diese Kunst, und die Anwesenheit von Gewalttätern bei den Demonstrationen war für niemand eine ernsthafte Überraschung.
Wenn die Medien es für ihre vornehmste Pflicht halten, immer vor allem dann zu berichten, wenn Blut fließt oder zu fließen droht, dann machen sie sich schuldig, diese Gewalt zu fördern. Die ZEIT ist da keine Ausnahme und hatte auch ihre Titelseite der Straßenschlacht gewidmet. In allen Krisengebieten der Welt werden mittlerweile Schaukämpfe, Schauunruhen, Schaudemonstrationen iniziiert, bei denen es zu ganz realen Verletzungen und sicher nicht selten zu Toten kommt. In den Medien wird auf den Schau-Charakter immer nur hingewiesen, wenn das Anliegen inhaltlich angeprangert werden soll.

Zweitens sind diese Spielregeln zutiefst undemokratisch. Sie bevorzugen die junge akademische Mittelschicht, die genug Zeit und geistige Ressourcen besitzt, um sich politisch zu engagieren. Und sie bevorzugt alle, die bereit sind, in Maßen Gesetze zu übertreten.
Und obwohl sie ständig mit dem Habitus auftreten, Druck „von unten“ zu machen und damit stillschweigend die Zustimmung der restlichen Bevölkerung für sich in Anspruch nehmen, handelt es sich zunächst nur um eine kleine politisch aktive Gruppe, die erfolgreich das Bild vermittelt, es gebe ungefähr zwei Positionen, die man zur Globalisierung einnehmen kann: vor dem Zaun und dahinter. Damit gibt ein kleiner Teil der Bevölkerung seiner Meinung möglicherweise ein weit größeres Gewicht, als es die Qualität seiner Argumente erwarten ließe. Und das ist schlichtweg undemokratisch.

Meines Erachtens gehört es nun zu einem starken Bürgertum, sich zumindest bei wichtigen Themen (ich bin noch nicht einmal sicher, ob „Globalisierung“ ein sinnvoll fassbares Thema ist, geschweige denn ein wichtiges) aus intelligent gesuchten Quellen ein eigenes Bild zu verschaffen, oder – was vermutlich der bessere Weg ist – , sich der Berichterstattung völlig zu enthalten.

Denn man muss ganz nüchtern feststellen, dass sich alle politischen Medien in Deutschland in diesen Tagen in ihrer Berichterstattung an den beiden Punkten schuldig gemacht haben: sie waren gewaltfördernd und undemokratisch.

Mission und Courage

Der Buddhismus wird im Westen oft als Vorbild hingestellt, weil er nicht missioniert. Aber wenigen scheint bewusst zu sein, dass er aus den gleichen Gründen, die ihn von der Mission zurück halten, auch keine Courage fördert.

Im Buddhismus spielt sich alles Wesentliche im Inneren des Menschen ab: der Mensch hat den Zugang zur Wahrheit und die Fähigkeit sie zu entdecken in sich selbst. Das Nirwana wird durch Prozesse im Geist des Menschen angestrebt. Dies ist ein fundamentaler Gegensatz zum Christentum, in dem das Heil außerhalb vom Menschen, nämlich in Christus am Kreuz erworben wurde!
Für den Buddhisten gibt es folglich auch kein völliges Verlorensein, sondern nur eine mehr oder weniger große Erkenntnis bis hin zur Erleuchtung.

Das klingt für westliche Ohren sehr verlockend, hat aber mehrere Tücken: Wenn alle Menschen den gleichen Zugang zur Wahrheit haben, können sich die Menschen, die hier besonders viel entwickeln, etwas darauf einbilden und Bewunderung der anderen genießen – was im Christentum grundsätzlich verpönt ist, eben weil Erkenntnis ein Geschenk des Heiligen Geistes ist.
Ein weiteres Problem ist die faktische Nicht-Hinterfragbarkeit. Der Buddhismus betont zwar, grundsätzlich von jedem selbst durch Erfahrung bestätigt werden zu können, aber in der Praxis scheint kaum jemand die Buddha-Natur in seinem Leben zu erreichen und folglich auch nicht beurteilen, was Buddha über diesen Zustand lehrt. Durch ihre Heilige Schrift ist in Buchreligionen mehr Transparenz möglich.
Ein Problem, um das es hier aber vor allem geht, ist die mangelnde Courage. Umstände werden nicht verändert sondern die Leidensfähigkeit wird erhöht. Der Buddhist mag in der Meditation Gefühle der umfassenden Liebe und Vereinigung mit aller belebten und unbelebten Natur erleben – aber er setzt sich nicht für sie ein. Buddhisten behaupten oft, die geistige Grundlage für den Umweltschutz zu liefern, indem sie die Einteilung der Welt in Subjekt und Objekt negieren. Wenn der Mensch sich als Eins mit der Natur begreift, fehlt ihm tatsächlich der Grund, sie auszubeuten. Es fehlt ihm aber auch der Grund, sich für sie einzusetzen. Vgl. den Aufsatz von Lambert Schmithausen:
http://www.tibet.de/tib/tibu/2002/tibu61/61natur.html

Eine ähnliche Haltung hat der Buddhismus zur Politik. Er verdankt seine Verbreitung zwar im Wesentlichen dem politischen Willen verschiedener Könige, hat aber seinem Wesen nach kein großes politisches Interesse. Lange Zeit galt daher die Diktatur im Westen als die typische Staatsform, die man in buddhistischen Gesellschaften gefunden hat. Was kann ein Herrscher sich mehr wünschen als ein Volk, dass dem Leid durch Meditation entfliehen möchte?

Nun spielt „Sittlichkeit“ im Buddhismus aber durchaus eine Rolle. Von Buddha selbst werden einige anrüchige Handlungen aufgezählt, wie das Quälen anderer Lebewesen, die Ehe brechen, hochstapeln, neidisch sein etc. Aber das Ziel dieser Ethik ist nicht ein bestimmter Zustand, z.B. ein friedliches Zusammenleben oder die Sorge um andere Lebewesen, sondern:
„Sie soll überschießenden Egoismus dämmen und sie soll das Leben „kühl“, das Herz leicht und glücklich machen“. (Greschat, Die Religion des Buddhisten, 1980, S.133)
Eine Handlung wird nicht gelobt, weil sie nützt, weil sie aus Liebe oder Aufopferung geschieht (ein Begriff, der im Buddhismus schlichtweg unsinnig ist), sondern weil sie eine seelische Leistung darstellt, die einen guten Fortschritt in der Erkenntnis beweist.

Es gibt im Buddhismus also Sittlichkeit, die auch gegen die eigenen Begierden beachtet wird. Aber sie ist immer eine Dienerin des Erwachens, und dient keinem bestimmten Zweck. Etwas zu tun, um Umstände zu verändern, setzt die Unterscheidung von Subjekt und Objekt voraus. Ob man diese Unterscheidung verwendet, um seine Mitmenschen und die Umwelt zu unterdrücken, oder um ihr in aufopferungsvoller Liebe zu dienen, hängt dann möglicherweise noch von anderen Einstellungen ab.

Man wird also erwarten dürfen, dass der Buddhismus nicht mehr Einsatz zum Schutz der Umwelt bei den Menschen bewirkt, sondern dass stattdessen mehr über „Naturbewusstsein“, „ökologisches Denken“ und „Einssein mit der Natur“ geredet wird.

Und nebenbei bemerkt: selbstverständlich gibt es im Buddhismus auch Mission, auch wenn sie hier tatsächlich eine ungleich geringere Rolle spielt als im Christentum:
Während der ersten zwei Jahrhunderte nach Buddhas Tod war seine Jüngerschar nicht von der anderer Schulen zu unterscheiden. Erst durch Aschoka, Herrscher eines Großreiches, der sich zum Buddhismus bekehrte, wurde der Buddhismus generalstabsmäßig, gewaltsam und flächendeckend verbreitet und zur Staatsreligion. Dieses Vorgehen mag unbuddhistisch gewesen sein. Aber man darf nicht vergessen, dass es vorher keine Anzeichen für eine Entwicklung zur Weltreligion gab und dass wir uns vermutlich nur wegen dieser Phase überhaupt für den Buddhismus interessieren.
Und wer sich in den Buchläden umsieht, stellt fest, dass auch der sog. „Dalai Lama“ offenbar nichts gegen die Verbreitung seiner Lehre einzuwenden hat. Zwar gewaltfrei, aber das tun christliche Missionare auch. Zur Gewalt kam es auch hier vor allem, wenn ein Herrscher die Religion in die Finger bekam und mit seinen Mitteln der Verbreitung nachhalf.

Heidnische Motive der Kreuzzüge

Im engeren Sinn werden unter „Kreuzzügen“ die Kriege gegen den Islam verstanden, die zur Befreiung Jerusalems geführt wurden.
Nun will ich hier nicht auf die zahlreichen Motive eingehen, die hinter diesen Kriegen standen, außer auf eines, dass vor allem im Verdacht steht, aus diesen Kriegen erst religiöse Kriege zu machen: der Versuch, der Christenheit wieder ihre Heiligen Stätten zurück zu erobern.

Erst durch dieses Motiv wird aus einem Kreuzzug überhaupt etwas anderes als der normale Krieg aus politischen und wirtschaftlichen Gründen.
Aber genau hier liegt auch das Problem: im Christentum gibt es überhaupt keine „Heiligen Stätten“!
Ich kann die Suche nach dem wahren Ursprung dieser Vorstellung leicht abkürzen, denn im ganzen Heidentum wimmelt es davon und auch moderne Neu-Heiden tragen es wie eine Errungenschaft vor sich her, dass sie wieder besondere Orte im Wald, Bäume und Steine verehren. Es ist daher müßig zu fragen, ob die Christen diese Vorstellung aus Rom übernommen haben, von den Kelten, den Germanen oder sonst wem. Nur eins muss man klar sagen: christlich ist sie nicht. Man kann hier geradezu von einem Kuriosum des Christentums sprechen, dass es keine heiligen Orte kennt.

Im AT gab es zwar ein Heiligtum, das aber gerade nicht magisch verstanden wurde. Im NT gibt es auch das nicht, weil hier im „Geist und in der Wahrheit“ angebetet wird (das sagt Jesus im Gespräch mit der Samariterin Joh 4,23).
Speziell über das Grab Jesu (eines der wichtigsten aller vermeintlichen „Heiligtümer“) wird gesagt, was auch für alle anderen Heiligtümer und auch Reliquien gelten muss: als die Frauen am Ostermorgen zum Grab gingen und dem Leichnam Jesu die letzten Ehren erweisen wollten, mussten sie sich fagen lassen „Was sucht ihr den Lebenden unter den Toten?“ (Lk 24,5)
Das Grab Jesu ist theologisch bedeutungslos.

Nach dieser Belehrung liefen die Frauen weg von der Gruft (V.9) und verkündeten es den Jüngern.

Wieviel Leid wäre den Menschen erspart geblieben, wenn sie statt um ein Grab zu kämpfen, Jesu Auferstehung verkündigt hätten, so wie die Frauen es an Ostern taten?

Man muss der Kirche also vorwerfen, dass sie sich vom heidnischen Aberglauben in den Wahnsinn treiben ließ. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie darüber, dass die Menschen sich von diesem abergläubischen Wahnsinn abschrecken lassen um sich erst recht dem neuheidnischen Aberglauben zuwenden.

Zum Staunen gibt es hier aber weniger Grund als zum Erschrecken:

„Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse.
Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden“ (Joh 3,19f)

Auch Menschen, die sich über die Finsternis empören (so wie Hitler z.B. über die Hexenverfolgungen) können die Finsternis immer noch mehr lieben als das Licht, vor dem sie bloß stehen.

Schafft die Entwicklungshilfe ab!

Die Entwicklungshilfe trat Anfang der 50er Jahre an, um – im Gegensatz zur Mission – eine säkulare Methode zur Bekämpfung des Elends in der Welt zu proben. Im Vordergrund steht seitdem nicht mehr die jeweilige Kultur und ihre weltanschauulichen Grundlagen für Armut und Ungerechtigkeit, sondern die Wirtschaft.
Entwicklungspolitik bedeutete damals vor allem, Geld zu geben. Leider musste man die Erfahrung machen, dass Geld eine natürliche Fließrichtung in die falschen Hände zu besitzen scheint: ungewollt finanzierte man Bürgerkriege und – was langfristig vielleicht noch dramatischer ist – die Umverteilung des Landes von den Armen zu den Reichen!
Aufgrund dieser Erfahrungen begann man, den Geldstrom immer mehr zu lenken – ohne die Probleme in den Griff zu bekommen. In ihrem Buch „Tödliche Hilfe“ führt Brigitte Erler umfassend, kompetent und mit spürbarer Betroffenheit ihre Gründe aus, ihre Stelle als Referentin im Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit fristlos zu kündigen. Sie kommt zu dem Schluss: „Entwicklungshilfe trägt dazu bei, in den meisten Entwicklungsländern ausbeuterische Eliten an der Macht zu halten und im Namen von Modernisierung und Fortschritt Verelendung und Hungertod zu bringen.“ (S.9)
Entweder flossen die Gelder direkt in die Hände der Reichen und Mächtigen der Länder, oder es wurden Betriebe gebaut, die zwar Arbeitsplätze schafften, aber gleichzeitig die einheimische Industrie zerstörten. Im besten Fall kassiert die Regierung der jeweiligen Länder das Geld für Entwicklungshilfe ein, um ihre eigenen Projekte günstig zu finanzieren.
Frau Erler schreibt:
„Die meisten Menschen in der dritten Welt leben auf dem Lande und von der Landwirtschaft. Die Modernisierung der Landwirtschaft raubt den Subsistenz- und Kleinbauern wie in Bangladesh Grund und Boden und damit ihre Existenzgrundlage. Die Kommerzialisierung der Landwirtschaft wie in weiten Teilen Afrikas, wo im Sahel feinste Bohnen produziert werden, schränkt den für die eigene Ernährung verfügbaren Boden ein. Sie macht die Bauern von einem weit entfernten und nicht beeinflussbaren Markt abhängig (das gilt auch für Organisationen, wie „TransFair“, Anm. MW). Den Todesstoß versetzt ihnen dann die Nahrungsmittelindustrie, welche die Eigenproduktion ortsüblicher Nahrungsmittel unrentabel macht.“ (S.83)

Das grundsätzliche Problem besteht darin, dass sich kaum ein Entwicklungshelfer die Finger schmutzig machen will: Verhandelt wird am Telefon, man schläft in den luxuriösesten Hotels (die oft nur von Entwicklungshelfern bewohnt werden) und fährt in europäischen Nobel-Geländewagen durch die Savanne.
Auf diese Weise kann man keine tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen herbeiführen, sondern sie nur finanzieren und dadurch verschlimmern. Entwicklungshilfe muss sich den Vorwuft gefallen lassen, den Korruptionsapparat „von oben bis unten“ (Erler, S. 84) am Laufen zu halten und die Reichen von ihrer Steuerpflicht völlig zu entbinden.

Nun fragt man sich, wieso dies nicht zu einem Aufschrei in der Bevölkerung führt. Ganz einfach, weil alle Beteiligten einen Nutzen davon haben, außer denen, für welche die Hilfe gedacht ist. Die deutsche Industrie lässt sich Investitionen bezahlen, die einheimischen Eliten der Entwicklungsländer verdienen sich eine goldene Nase, die deutschen Politiker stehen als Gutmenschen da, und die Medien können immer nur über einzelne Probleme in der Entwicklungspolitik berichten, wenn sie zufällig darauf stoßen.
„So betreiben die deutsche Industrie, die deutsche Bürokratie und die herrschenden Schichten in den Entwicklungsländern in schöner Eintracht ihre gemeinsamen Interessen voran. Ihre Zielgruppe sind die Ärmsten der Armen – als Opfer.“ (Erler, S. 86)

Derzeit fordern Globalisierungsgegner in Heiligendamm eine Aufstockung des Etats für Afrika auf 50Mrd Euro. Das würde Afrika vermutlich den Rest geben…

Zu allem Überfluss hat die Entwicklungshilfe ihr ursprüngliches Ziel, rein wirtschaftliche Hilfe zu leisten, ohne die Kultur zu verändern, so weit verlassen, dass der Unterschied zur Mission obsolet ist: Als Beispiel dienen der Ausgabenplan des „evangelischen Entwicklungsdienstes“. 2006 wurden 9,7% der Fördergelder in Bildung investiert, 9,6 in Gesundheit, 7,2 in „Landwirtschaft, Kleingewerbe, Kleinkredit“, 2,5 in den Bereich „Wiederaufbau, Katastrophenvorsorge“, 2,2 in „Umwelt und Wasser“ und 0,3 in „Infrastruktur und soziale Dienste“.
Wo aber blieben die übrigen 68,5%? Die größten Blöcke waren mit 32,7% der Bereich „Integrierte ländliche Entwicklung und städtische Entwicklung“ und die „Stärkung der Zivilgesellschaft“ mit 23,2%. Mit 11,6% noch einer der größten Bereiche nennt sich „Menschenrechte, Frieden, Demokratie“, und mit 1% werden „Medien und Kommunikation“ gefördert. Das klingt sehr nach dem Aufbau einer Gesellschaft nach westlichem Vorbild (Frau Erler spricht von „Spielwiesen der Emanzipation“ und nennt als Beispiel die oft sehr kaltschnäuzige Familienplanung an, die durchaus auch gegen den Willen der Länder eingefordert wird!).

Letztlich ist dies aber eine unfreiwillige Bestätigung der Mission: Gesellschaft verändert sich dort, wo Menschen sich verändern. Den Rest erledigen sie dann am besten ohne fremde und demütigende Eingriffe von außen.

Religion und Magie

Sowohl bei Laien als auch unter Religionswissenschaftlern scheint die Vorstellung zu herrschen, in den sog. „Naturvölkern“ zeige sich eine besonders ursprüngliche Form der Religion. Auf diese Vorstellung stützt Freud ausdrücklich sein Buch „Totem und Tabu“, und sogar Pater Wilhelm Schmidt, der eigentlich die These vom Urmonotheismus vertrat, baute seine Argumentation auf der Vorstellung, in bestimmten rezenten Gesellschaften ursprüngliche Gesellschaften zu finden.

Und da die Magie ein universales Element dieser Gesellschaften ist, hat sie den Ruf, mit Totemismus, Animusmus u.ä. (je nach Auffassung) eine der ältesten Formen der Spiritualität zu sein. Hieraus habe sich dann viel später der Polytheismus und dann noch viel später – als Gegenreaktion zum Polytheismus – der Monotheismus entwickelt.
In Deutschland haben die Nazis diese These besonders bunt ausgemalt, indem sie das Christentum als jüdischen Einfall in ein vermeintlich stolzes und starkes Deutschland darstellten, wodurch dieses gedemütigt und geschwächt worden sei. Da diese Vorstellung ein Grund für den Hass gegenüber den Juden war, ist es eigentlich erstaunlich, wie wenig diese These öffentlich und kritisch diskutiert wurde. Nicht zuletzt, weil es gute Gründe gibt, diese Religionsgeschichte nicht blind zu glauben:

Da ist zum Einen das Problem, dass Magie viel zu eigenartig ist, um sie mit einfachsten und simplen menschlichen Regungen zu erklären: Auch der Magier unterscheidet sehr wohl zwischen alltäglichen Handlungen, bei denen er in unserem Sinne sehr rational vorgeht (z.B. bei der Jagd) und magischen Handlungen, die oft nur von Spezialisten und nach genauen Regeln ausgeführt werden. Man kann also nicht von einer bestimmten Form zu denken oder die Welt wahrzunehmen ausgehen.
Ebensowenig kann man magische Handlungen als reine „Ausrdruckshandlungen“ erklären – wie z.B. ja jemand aus Enttäuschung das Bild der Geliebten zerreißt. Denn damit kann man noch nicht erklären, wie es zu der Vorstellung kommt, diese Geste habe eine Wirkung. Denn wie gesagt: der Unterschied zwischen Wollen und Vermögen ist offensichtlich in allen Kulturen vorhanden, weil sie sonst überhaupt nicht lebensfähig wären.

Es spricht aber noch etwas anderes gegen die Vorstellung einer ursprünglich magischen Spiritualität: nämlich die Beobachtung moderner Religionen. Hier finden wir überall und immer wieder das Phänomen, dass Religion zur Magie entwickelt wird, aber nie, dass eine magische Handlung sich zur Verehrung eines Gottes entwickelt. Also man kann beobachten, dass z.B. unter Christen immer die Gefahr virulent ist, das Gebet als eigenes Werk zu betrachten. Dann geht es nicht mehr um die Bitte an Gott, sondern um den Willensakt. Es genügt dann nicht vertrauensvoll zu glauben, dass Gott helfen kann und mir ein liebevoller Vater ist, sondern man muss vor allem glauben, dass das erbetene Ergebnis eintrifft! Auf diesem Wege hat man das Gebet zu einem Instrument des eigenen Willens gemacht und erfüllt damit die Kriterien einer magischen Handlung. Ich habe es umgekehrt noch nie erlebt, dass magisch denkende Christen von selbst anfingen, ihre magische Haltung aufzugeben. Hier ist immer ein klares Wort nötig, dass die Menschen noch einmal wach rüttelt und sie auf Gott hinweist. Geschieht dies nicht, wird das Gebet zur Kunst, die vor allem von Spezialisten beherrscht wird – ähnlich einem Schamanen.

Aufgrund dieser Beobachtung halte ich auch die Magie in anderen Kulturen für eine degenerierte Form der Religion.

Auf einem ähnlichen Weg könnte es auch zum Polytheismus gekommen sein: zunächst wurden die Eltern und andere Menschen, die von Gott erzählten, verehrt. Bis schließlich Gott vergessen war und alle religiösen Empfindungen bei den Lehrern hängen blieben. So rückten verehrte Menschen stufenlos in die Stellung von Göttern. Dieses Phänomen kann man bei Buddha beobachten: er lehrte eigentlich eine atheistische Religion und war für die Menschen nur ein Vorbild. Wer sich aber heute ansieht, mit welcher Hingabe Buddhafiguren (oder auch der „Dalai Lama“) von Gläubigen Buddhisten mitunter verehrt werden, wird kaum umhin kommen, diese Figur als das Abbild eines Gottes zu verstehen.

Die vorgeschlagene Erklärung für Magie und Polytheismus bietet eine Möglichkeit, gerade die Erklärungsbedürftigkeit beider Phänomene ernstzunehmen. Es sind eben keine trivialen Vorgänge, wenn Menschen anfangen, ihre Eltern anzubeten, nur weil diese tot sind! Und es ist auch nicht trivial, dass Menschen scheinbar sinnlose Handlungen ausführen, um ihr Ziel zu erreichen, dass sie durchaus auch auf anderen Wegen erreichen könnten (z.B. einen Feind zu töten). Wenn wir von einer ursprünglichen Gottesvorstellung ausgehen, können wir das magische Verhalten als Rudiment erklären und als Bestandteil einer Vorstellungswelt, die auch ihren Teilhabern nur zu oft unverständlich ist.

Die Erklärung erlaubt auch eine differenzierte Sicht auf die Christianisierung: Wo das Wort Gottes gepredigt wird, kommt es zu einem Kulturbruch. Aber dieser Kulturbruch führt die Menschen zurück an ihre Wurzeln der Gotteserkenntnis, von denen sich ihr Kult weit entfernt hat. Der Glaube an den einen Gott, der durch seinen Willen etwas schaffen kann, ist den Menschen zu allen Zeiten fremd und vertraut.
Auf diese Weise haben die Reformatoren gegen die stark instrumentalisierten Formen des Glaubens in der katholischen Kirche gekämpft. Aber so fremd und unorganisch dieser Eingriff war, so sehr entsprach er doch den eigentlichen Grundlagen der Kirche, nämlich dem offenbarten Wort Gottes.

Wann funktioniert Demokratie?

Was ist die wichtigste Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie?
Der Freiheitswille der Bevölkerung? Der kann zu blutigen Revolutionen oder Bürgerkriegen führen, die hinterher dankbar in eine Diktatur eingetauscht werden (wie z.B. nach der Franz.Rev.).

Ist es eine freie Presse? Wohl kaum, denn erstens ist eine funktionierende Demokratie ohne freie Presse denkbar. Zweitens kann die freie Presse das Wahlergebnis ebenso negativ beeinflussen wie eine gelenkte. Man kann also bestenfalls sagen, dass eine zurückhaltende, ausgewogene und bürgernahe Berichterstattung die Wahlentscheidungen der Bürger positiv beeinflussen kann. Aber den direkten Nutzen der freien Presse hat tatsächlich nur die Presse.

Was ist dann die wichtigste Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie?
Die Antwort dürfte ebenso eindeutig wie unpopulär sein:

1. Voraussetzung ist der Glaube an einen Gott, der über der Regierung steht. Nur dadurch sind Regierungen abwählbar. Diese Voraussetzung ist aber nur dann erfüllt, wenn alle Bürger einen Zugang zu der Offenbarung Gottes haben. Solange der König sich zwar einem Gott unterordnet, aber hinter verschlossenen Türen den Rat seiner Hofmagier einholt, macht es für das Volk keinen Unterschied, ob der König sich als Gott versteht oder nicht. Diese Voraussetzung ist nicht durch eine allgemeine Akzeptanz verschiedener „Werte“ zu erreichen, die dann gleichsam als Bürgerwille über der Regierung stehen. Denn allgemeine Akzeptanz ist unsichtbar! Der einzelne Bürger kann nur durch die Medien einen Blick auf sie werfen, wodurch aber eine Diktatur der Medien entsteht. Sie allein bestimmen, was allgemein akzeptiert ist, welche Umfragen veröffentlicht werden und was sie der Regierung als Bürgerwillen präsentieren. Diesen Zustand haben wir leider in Deutschland erreicht. Die einzige Möglichkeit, diese Voraussetzung zu erfüllen, ist eine schriftlich fixierte und gesellschaftlich anerkannte, religiöse und damit unantastbare Grundlage für Leben und Glauben der Menschen. Und selbst dann ist die Voraussetzung nur erfüllt, wenn der Laie auch Zugang zu ihr hat. Was nützt eine heilige Schrift, wenn sie nur von einer Experten-Kaste ausgelegt werden darf? Dann wäre es kein Unterschied zu dem Fall mit dem König und seinen Hofmagiern. Es ist nicht erstaunlich, dass eine Regierung lieber eine kleine Gruppe respektabler Gelehrter um sich hat. Diese kann sie nach eigenem Gusto einsetzen und mit stattlichen Gehältern bestechen. Das Ergebnis verdient es noch nicht einmal, eine „Aristokratie“ genannt zu werden.

2. Voraussetzung ist eine Kultur, der Unterordnung. Eine Gesellschaft wird nur dann dauerhaft demokratisch regiert werden, wenn die Mehrheit bereit ist, sich an Spielregeln zu halten, auch wenn sie der Gegenpartei nützt. Ist das nicht der Fall, kommt es zum Bürgerkrieg und danach ist alles möglich.

Fehlt die erste Voraussetzung, kann eine Regierung nicht abgesetzt werden – es entsteht eine Scheindemokratie, in der immer wieder das Oberhaupt im Amt bestätigt wird. Fehlt die zweite, kann keine neue Regierung gebildet werden und es kommt zum Bürgerkrieg.
Es ist daher kein Wunder, dass die Demokratie ihren Siegeszug in protestantischen Kirchen begann und seitdem nicht zu stoppen ist. Durch die Anerkennung der Obrigkeit als Gottes Dienerin und den allgemeinen Zugang zu einer heiligen Schrift erfüllt sie die Voraussetzungen wie keine zweite Religion. Die Demokratie kann mit Einschränkungen kopiert werden. Aber selbst dann nur, wenn die beiden Voraussetzungen zu einem Mindestmaß erfüllt werden.