Die Suche nach einer neuen Leitwissenschaft

Der klassische Atheismus liebte die Physik, und mit ihr die Vorstellung, dass sich alle Erscheinungen letztlich aus der Beschaffenheit der kleinsten Teilchen erklären lassen (wobei man über deren Herkunft letztlich nichts sagen konnte, sondern auf der Ebene der Materie bereits viel voraussetzen musste). Die Suche nach dem vermeintlichen „Gottesteilchen“ ist zwar  immer noch nicht abgeschlossen, sie ist aber eigentlich längst überholt, seit die Biologie zur neuen Leitwissenschaft erklärt wurde.

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Politische Naturmystik

Befragt nach ihrem Glauben, geben – einer aktuellen Umfrage des ARD zufolge – die Mehrheit der Deutschen an, dass der Glaube für sie keine oder keine große Rolle spielt. Es ist wohl nicht gewagt zu vermuten, dass die meisten Befragten bei dem Begriff „Glaube“ an eine der Weltreligionen dachten und sich nicht als Christen, Muslime oder Juden bezeichnen. Der Buddhismus hat eine Sonderrolle, weil er es geschafft hat, von vielen gar nicht als Religion wahrgenommen zu werden, was für die Umfrage  entscheidend sein könnte. Hätte man sich wirklich für die Bedeutung von Religion und nicht von bestimmten Religionen interessiert, wäre die Umfrage mit Sicherheit anders ausgefallen. Interessantere Fragen wären z.B. gewesen:

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Martin Schulz bei Anne Will

Knapp eine Stunde dauerte das Interview bei Anne Will. Die Medien haben ihren Wunschkandidaten Martin Schulz gegen Sigmar Gabriel durchgesetzt, indem sie noch vor Beginn des Wahlkampfes Umfrageergebnisse einer potentiellen Direktwahl gegen Angela Merkel veröffentlichten und ihn auf dieser Grundlage schon vorab als „chancenlos“ einstuften. Nach so einem Auftakt war an eine Nominierung Gabriels natürlich nicht mehr zu denken. Sein Abgang war nicht freiwillig und wurde auch nur in zweiter Linie von seinen Parteikollegen forciert. Es war die Entscheidung der Medien.

Nun kam also sein erstes langes Interview und das unter Idealbedingungen: Eine ausgesprochen aufgeräumte Anne Will, die nur wirklich naheliegende Fragen stellte, ein Publikum, das bereit war, wirklich jede Banalität mit Klatschorgien zu feiern und genug Zeit für Schulz, um alle Fragen in Ruhe und ohne nennenswerte Unterbrechungen zu beantworten. Ein Traum also für jeden Politiker. Schulz wurde nicht wirklich interviewt. Er bekam eine Bühne.

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Medien sorgen sich um Falschmeldungen – bei den anderen

Falschmeldungen scheinen gerade viele Journalisten zu beunruhigen. Falschmeldungen in den Social Media. Wohlgemerkt. Hinter dem edlen Ansinnen, für die Wahrheit einzutreten, verbirgt sich ein ganz schlichter Machtkampf zwischen den eingesessenen Presse-Konzernen und den einschlägigen Plattformen, in denen öffentliche Meinung heute gebildet wird. Seit Jahren wird daher der Druck durch die deutsche Wahrheitspresse auf Facebook und Konsorten erhöht, „Falschmeldungen“ sowie „Hass-Reden“ zu löschen.

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Wann kommt endlich die Lebenspartnerschaft für alle Volljährigen?

Statt eine „Ehe für alle“, die wirklich niemand will, brauchen wir eine abgeschwächte Lebenspartnerschaft für alle. Die Forderung nach einer Ehe für alle kann niemand ernsthaft wollen. „Wann kommt endlich die Lebenspartnerschaft für alle Volljährigen?“ weiterlesen

The Great Trump

Im Präsidentschaftswahlkampf geht es nicht um Clinton oder Trump. Es geht auch nicht um Machogehabe und Emails, Fakten und Emotionen. Und nach meiner Einschätzung geht es in diesem Wahlkampf noch nicht einmal vor allem um rechts gegen links sondern um den Kampf zwischen Aristokratie und Proletariat. Mit dem Auftreten von Donald Trump ist der amerikanische Traum von einer egalitären Gesellschaft, in der jeder alles werden kann, auch offiziell zerplatzt.

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Jetzt auch Bill Clinton

Wir haben ja schon vor einiger Zeit vermutet, dass die Hautfarbe einer Person nicht nur vom Gesundheitszustand sondern auch von seiner politischen Position beeinflusst wird. Heute trifft es Bill Clinton, der seiner Frau in den Rücken gefallen ist und – schwupps – orange wird! Wer hätte das gedacht. Außerdem schreit er offenbar nur herum und sieht ähnlich aus wie der deutschen Presse liebstes Monster Donald Trump. Offenbar kann jeder Politiker zum Orange-farbenen Monster mutieren, wenn er politisch ins konservative Lager rutscht.

Wie analysiert man Wahlergebnisse?

Z.Zt. kommt es ja häufiger vor, dass alle alten Parteien Federn lassen müssen. Sollten Sie in der Verantwortung stehen, dieses Ergebnis journalistisch kommentieren zu müssen, halten Sie sich einfach an folgende Faustregeln:

Verluste der SPD sind traurig, machen Sie ein ernstes Gesicht. Letztlich ist es aber keine existentielle Bedrohung, denn die Partei ist ja schon alt und die Grünen können übernehmen.

Verluste der CDU weisen grundsätzlich auf ein grundsätzliches Problem hin!

Verluste der Grünen gibt es eigentlicht nicht und falls doch handelt es sich um den Prozess der Normalisierung nach einem fantastischen Höhenflug für den sie natürlich perfekt aufgestellt ist (bringen Sie diesen Gedanken ohne Atemzug, Punkt oder Komma zu Ende!).

Verluste der Linken sind o.k. weil keiner sie liebt, aber SPD und Grüne sich längst damit abgefunden haben, mit ihr zu regieren. Sie sind ein peinliches aber für manche Parteien notwendiges Übel.

Verluste der FDP sind lustig. Sollte sie aber gewinnen, weisen Sie darauf hin, dass die FDP ja nur davon „profitiert hat, dass…“ Und achten Sie auf jeden Fall darauf, das Wort „profitiert“ zu verwenden, das akzeptiert man im Zusammenhang mit der FDP sofort – wegen „Profit“ und so.

 

Wenn Politik Natur wird

Vor einigen Jahren habe ich die Naturmystik als Mainstream-Religion Europas beschrieben. Mittlerweile sehe ich die Notwendigkeit, meine damalige Darstellung um ein wichtiges Element zu erweitern: die Menschen wollen nicht einfach die Natur in sich verwirklichen, in dem sie vermeintlich entfremdende Einflüsse aufdecken und eliminieren, sondern sie haben ihre besondere Fähigkeit als Kultur- und Sprachwesen als Gabe der Natur akzeptiert und sehen sich heute als genuin staatenbildend. Der Mensch ist damit im öffentlichen Bewusstsein ein zoon politikon, der Staat keine Zweckgemeinschaft oder notdürftiges Übel sondern er gehört vielmehr zum Wesen der menschlichen Natur. Gehorsam gegenüber dem Kollektiv ist damit nicht einfach im Hinblick auf die sonst drohenden Strafen geboten sondern wird zum existentiellen Anliegen, so dass gleichzeitig die größte Sorge darin besteht, nicht mehr dazu zu gehören. Damit dieses Gefühl auch frühzeitig verankert wird, werden Kinder fast von Geburt an nicht mehr von den Eltern sondern vom Kollektiv betreut und lernen, ihre Eltern zu hinterfragen, nicht aber das Kollektiv. Wahrheit entwickelt sich in diesem System nicht durch Argumente sondern organisch. Oder anders gesagt: sie entwickelt sich aus dem ängstlichen Schielen auf Stimmungen im Kollektiv und dem Gespür dafür, was man noch sagen kann und welche (neuen) Grenzen zu akzeptieren sind. Der Hinweis darauf, dass man mit der Zeit gehen muss, ist eine deutliche Umschreibung für die Vorstellung einer organischen Wahrheit. Dieser Hinweis entkräftet Gegenpositionen vollgültig.

Der Staat wird in der Naturmystik nicht durch Gott begründet aber auch nicht einfach durch Abstimmung oder Angst vor dem Chaos, sondern durch das, was dem Naturmystiker heilig ist, nämlich durch die Natur selbst. Die Theorie vom Staat als natürlichem Auftrag des Menschen erklärt nach meiner Einschätzung die Atmosphäre aktueller Diskurse.

Die Rolle der Medien in der Flüchtlingskrise

Angela Merkel gehört für den Spiegel im September 2016 zur Rige der „entrückten“ Altkanzler, die den Bezug zur Bevölkerung verloren haben. Die „tagesschau“ lässt keine Gelegenheit aus, um den Begriff vom Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels in ihren Berichten und Kommentaren einfließen zu lassen.

In Wahrheit kann man Angela Merkel nur einen Vorwurf machen: sie wollte alles richtig machen. Und das darf ein Kanzler tatsächlich nicht.

Die ausführlichere Antwort muss bei der Berichterstattung über die Flüchtlinge an der italienischen Grenze ansetzen.

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