Ehe und Familie im Grundgesetz

Im letzten Beitrag habe ich nassforsch behauptet: „Wer die Ehe zwischen Mann und Frau gegenüber der homosexuellen Beziehung nivellieren will, kämpft gegen das Grundgesetz.“
Zu meiner Überraschung musste ich lesen, dass das Bundesverfassungsgericht diese Bedenken zumindest für den Fall der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft nicht sieht (ob es zu der Frage nach einem Adoptionsrecht Homosexueller steht, weiß ich nicht, bin aber für Hinweise auf entsprechende Urteile dankbar). Die Begründung kann man auf der Homepage einsehen: http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg64-02.html

Am Ende des Textes erscheinen zwei Einzelpositionen, die an der Abstimmung zwar nichts geändert haben, aber immerhin als namentlich gekennzeichnete Beiträge einsehbar sind. Die beiden Gegner des Urteils verweisen im Kern auf das gleiche Problem: das Bundesverfassungsgericht habe mit seinem Urteil nicht die Strukturprinzipien der Ehe geschützt.

Ich bin überzeugt, dass der Einwand trifft, weil das Bundesverfassungsgericht in seiner Frage nicht von der Institution sondern von den ganz konkreten einzelnen Ehen ausgegangen ist.
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Politische Wissenschaft

Das Bundesministerium für Justiz hat eine Studie in Auftrag gegeben, in der die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften untersucht werden sollte. Das Ergebnis war: den Kindern geht es nicht schlechter, wichtig ist nur die Qualität der Beziehung zu den Eltern, nicht deren sexuelle Orientierung.
Die Frankfurter Rundschau fand das Ergebnis gleich so vorhersehbar, dass sie ein bisschen genervt tat, dass so eine Frage überhaupt gestellt wird, aber immerhin sei ja jetzt auch dem Letzten klar, dass man Homosexuelle nicht die Adoption vorenthalten oder sie in irgendeiner Form schlechter als andere Paare stellen dürfe.
Genau das war auch schon vorher das Anliegen von Frau Zypries. Wie konnte sie so sicher sein, dass eine wissenschaftliche Studie sich so passgenau in ihr politisches Profil fügt? Die folgende kleine Kritik könnte den Teil einer Antwort liefern. „Politische Wissenschaft“ weiterlesen

Struktur und Meinung

Die Älteren unter uns können sich vielleicht noch an Eva Herman erinnern. Sie war Journalistin und wurde aus ihrem Berufsstand ausgespuckt, weil sie die politisch falsche Meinung über Autobahnen hatte oder so ähnlich. Aber eigentlich war allen ziemlich klar, dass ihr eigentliches Vergehen ihr Versuch war, in diversen Veröffentlichungen die Rolle der Frau als Mutter zu stärken.
Der nahe liegende Vorwurf, sie sei ja selbst eine Karrierefrau, die sich nicht aufs Muttersein beschränkt habe, kam natürlich prompt und traf voll ins Schwarze. Aber dieser Vorwurf offenbarte eigentlich ein Dilemma mit weitreichenden Folgen: es ist aus strukturellen Gründen unmöglich, eine andere Position als den Feminismus in der Öffentlichkeit zu finden. Alle Frauen, die in Politik und Medien arbeiten, haben sich bereits für ein Modell entschieden, je mächtiger und einflussreicher sie sind, desto stärker kommt dieser Effekt zum Tragen. Auf diese Weise kann sich eine politische Haltung in kürzester Zeit parteiübergreifend durchsetzen, ohne, dass sie jemals diskutiert oder ernsthaft in Frage gestellt wurde.
Das psychologische Konzept, das dabei im Hintergrund arbeitet, ist der bekannte Wunsch des Menschen, kognitive Dissonanzen zu vermeiden. Also im Klartext bedeutet es, dass Menschen versuchen, Widersprüche zwischen Leben und Denken oder Gefühlen und Denken zu vermeiden. Das klingt integer, weil man im ersten Moment an die Fälle denkt, wo sich das Handeln an den Überzeugungen orientiert. Die Vermeidung kognitiver Dissonanzen ist aber in der Regel eine kognitive Vermeidung, d.h. das Denken wird an das Handeln angepasst.
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Der Turmbau zu Babel

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel steht in Genesis 11. Sie taucht zwar in fast jeder größeren Kinderbibel auf, wird jenseits des 7. Lebensjahres aber weder von Christen noch von Nicht-Christen viel beachtet . Dabei berichtet die Geschichte von einer hochinteressanten Phase, einer sehr frühen menschlichen Gesellschaft. Die Situation, in der sich die Menschen befanden, war überaus heikel:
Die Gruppe wuchs und begann, unübersichtlich zu werden. Vermutlich bildete sich schon auf einer sehr frühen Stufe so etwas wie Lokalpatriotismus, die Leute aus der Sippe X konnten die aus der Sippe Y nicht leiden, die Bauern hatten Vorbehalte gegenüber den Handwerkern und die Viehhirten gegenüber den Ackerbauern, die Sesshaften gegenüber denen, die eigentlich lieber weiterziehen wollten…
Bis zu diesem Zeitpunkt lebten alle in einer großen und immer größer werdenden Gruppe, aber nun wurde die Frage virulent, wie man den Zusammenhalt der Gemeinschaft sichern können würde. Denn, dass die Notwendigkeit bestand, haben die damaligen Oberhäupter offenbar so gesehen. Und man kann sich leicht vorstellen, welche Sorgen sie mit der Vorstellung eines Auseinanderbrechens der Gemeinschaft verbanden: wenn die Sippen nicht mehr zusammen halten würden, wären sie in kürzester Zeit befeindet. Diese Erfahrung dürften sie zu diesem Zeitpunkt schon gemacht haben. Die Menschen befanden sich außerhalb der Gemeinschaft im rechtsfreien Raum und ahnten wohl instinktiv, dass sie einander zum Wolf werden würden – zumindest außerhalb des Rudels.

Woher kam dieses ängstliche Zusammenglucken? „Der Turmbau zu Babel“ weiterlesen

Nein zu schwul-lesbischen Zensur-Forderungen für den „6. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“

Am 20. Mai beginnt in Marburg der „6. Internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“. Schwulen- und Lesbenverbände sowie linksorientierte Kreise werfen dem von der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (Frankenberg/Nordhessen) veranstalteten Kongress vor, dass dort Referenten auftreten, „die Homosexuelle zu Heterosexuellen therapieren wollen“ und stellen Verbots- und Zensur-Forderungen für diese Veranstaltung auf. Als Gegenreaktion wurde am 20.04.09 von 370 Persönlichkeiten die „Initiative für Freiheit und Selbstbestimmung“ gestartet. Eine Online-Unterzeichnung der Erklärung ist möglich …

Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger

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Dr. theol. Lothar Gassmann: Kommt die Diktatur Europa? Kommt eine Verfolgung bibeltreuer Christen?

Mit der freundlichen Erlaubnis von Dr. Lothar Gassmann persönlich erhaltet Ihr in der Anlage zu diesem Posting eine interessante Rede vom letzten Wochenende zum Thema Europa. Im Rahmen einer Demonstration der Partei Bibeltreuer Christen wurde sie von Dr. Lothar Gassmann vor dem Verfassungsgericht in Karlsruhe gehalten.
Ich möchte diese Rede hier gerne zur Diskussion stellen.
Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger

Die Europäische Union (EU) steht in großer Gefahr, sich zu einer Diktatur zu entwickeln.
Begründung:
1. Nur in den wenigsten Ländern wurde die Bevölkerung befragt, ob sie der EU beitreten will.
2. Alle wesentlichen Entscheidungen in der EU werden zentralisiert.
3. Die Bevölkerung in den einzelnen Ländern und die nationalen Parlamente haben kaum Möglichkeiten, auf die laufende europäische Gesetzgebung Einfluss zu nehmen. Gelegentliche Wahlen und das mit hohen Hürden versehene Petitionsrecht können daran nur wenig ändern.
4. Die EU hat sich in allen entscheidenden Bereichen von Politik, Wirtschaft und Justiz de facto eine Totalermächtigung eingeräumt.
5. Die Bundesrepublik Deutschland büßt ihre Souveränität immer mehr ein, ebenso die anderen der EU angeschlossenen Staaten.
6. Das Recht der einzelnen Staaten (z.B. das deutsche Grundgesetz) wird zunehmend vom „Europarecht“ verdrängt.
7. Das Bundesverfassungsgericht als höchstes deutsches Gericht muss seine entscheidenden Kompetenzen an den Europäischen Gerichtshof abgeben.
8. Die EU erstrebt Aufrüstung und eine Europa-Armee.
9. Die EU-Politik kann – insbesondere durch ihre „Nichtdiskriminierungs“-Klausel – eine Einschränkung der Meinungs- und Predigtfreiheit zur Folge haben.
10. Die Präambel und die Grundwerte-Definition des EU-Verfassungsvertrags stehen in wesentlichen Punkten im Gegensatz zum christlichen Glauben und könnten – besonders im Blick auf die „Nichtdiskriminierungs“-Klausel – eine Christenverfolgung in Europa herbeiführen.

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Was ist ein Weltaidstag?

An einem Weltaidstag geht es um drei Ziele „Aufklärung, Schutz und Solidarität“. Dabei kann man die Botschaft viel einfacher und klarer formulieren: Es geht um freien Sex mit Kondomen. Über die Schwächen von Kondomen soll nämlich gerade nicht aufgeklärt werden. So bekennt Ann Furedi aus England auf einem Abrteibungskongress ganz offen:

„Mein Sohn“, so sagt Ann Furedi, „soll in einer Welt leben, in der er soviel Spaß mit Sex haben kann wie er will. Und wir wissen doch, dass Verhütung nicht funktioniert. Wir brauchen Abtreibungen als Sicherungssystem. Es wird mehr Abtreibungen geben, wenn mehr Frauen Spaß beim Sex haben – und das ist doch nicht schlecht“.
Und wenn die Verhütung mit Kondomen nicht sicher funktioniert, dann auch nicht der Schutz vor Geschlechtskrankheiten. Das Risiko ist nicht groß und die Ausfälle der Kondome beruhen meist auf Fehler in der Verwendung. Aber ein gewisses Risiko bleibt bestehen auf das man auch ehrlicherweise hinweisen sollte – wenn man die Aufklärung schon vollmundig als erstes Ziel eines Weltaidstages nennt.

Das dritte Ziel bestätigt leider, was Frau Furedi schon über die Sicherheit von Verhütungsmitteln allgemein sagt: es gibt sie nicht. Denn wenn man gleichzeitig die Verwendung von Kondomen jedem von riesigen Plakatwänden und von allen Seiten einschärft und gleichzeitig mit den Infizierten seine Solidarität erklärt, dann ist das ein stillschweigendes Bekenntnis, dass es in einer Gesellschaft, in der es keine eheliche Treue mehr gibt, auch trotz Kondomen selbstverständlich immer zur Verbreitung von Geschlechtskrankheiten kommen wird. Gleichzeitig will man aber das Thema „Treue“ nicht anrühren. Es werden unglaubliche Geldmengen in die AIDS-Forschung gesteckt und der unaufhaltsame Tod durch die Immunschwächekrankheit billigend in Kauf genommen, um Sex nicht an die Ehe binden zu müssen (es geht nicht um Sex, davon haben Verheiratete ohnehin mehr als Unverheiratete), sondern um die Ehe!
Es geht nicht um die Frage, ob Sex für Menschen wichtig ist, sondern ob man den Anspruch der Treue noch erträgt, Sex nur mit einen einzigen Menschen zu praktizieren. Das Thema „AIDS“ könnte so einfach vom Tisch sein. Und dabei hätten vermutlich viele derjenigen, die am Weltaidstag dem Mainstream folgen gar keine Probleme mit dem Anspruch der Treue und träumten vielleicht selbst einmal von einer lebenslangen Beziehung. Aber an diesem Tag werden sie aufgefordert, diese Träume aufzugeben, ein gewisses Ansteckungsrisiko und Abtreibung als Verhütungsergänzung billigend in Kauf zu nehmen und ihren Wunsch nach freiem Sex über alle anderen Wünsche zu stellen. Man kann daher ohne Risiko die Aufgabe eines Weltaidstages so beschreiben:
Ein Weltaidstag ist einfach das umständliche Bekenntnis einer Gesellschnaft, ihre Sexualität nicht mehr im Griff zu haben.

Homosexualität in der Bibel

In diesem Beitrag geht es um eine Besprechung einzelner Kapitel des Buchs „Streitfall Liebe“ von Valeria Hinck. Auf der Homepage von „zwischenraum“ ist dieses Buch kostenlos als Download erhältlich. Ich werde daher einzelne Kapitel kommentieren, ohne sie noch einmal zusammenzufassen. Für die Auswahl der Kapitel und in den Kapitel für bestimmte Abschnitte gibt es verschiedene Gründe, in der Regel habe ich aber Argumente übersprungen, wenn ich den Eindruck hatte, sie seien ihrerseits von anderen Argumenten abhängig, auf die ich schon eingegangen bin. Falls Sie den Eindruck haben, ich hätte doch noch etwas Wichtiges übersehen oder ich sollte doch noch ein weiteres Kapitel kommentieren, dann merken Sie das ruhig als Kommentar oder über die Kontaktseite an. Ich werde versuchen, den Punkt zu ergänzen.
Ich hoffe, dass ich das Thema „Homosexualität“ danach erst mal etwas ruhen lassen kann, weil mir einige andere Themen eigentlich mehr unter den Nägeln brennen…

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Faschismus und Matriarchat

Individualität setzt Herrschaft voraus. Eine Gesellschaft, die keine Autoritäten duldet, wird auch keine Exzellenz dulden, keine eigenen, dem Kollektiv noch unbekannten, Gedanken zulassen und schon bei besonderen Fähigkeiten und Interessen nervös werden. Eine egalitäre Gesellschaft tendiert natürlicherweise zur Gleichförmigkeit ihrer Mitglieder.
Das Ende so einer Entwicklung – die sehr schnell zu Ende gehen kann – ist die Diktatur, wobei hier Faschismus und Kommunismus den gleichen autoritätsfeindlichen Zug und den gleichen Hass auf alle Vaterschaft erkennen lassen.

Der folgende Auszug stammt aus dem Buch „Biblisches Ethos im Zeitalter der Moralrevolution“. Georg Huntemann, der Autor, war Professor für Ethik und Apologetik an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule (STH) in Basel und Doktor der Theologie sowie der Philosophie. Außerdem hatte er einen Lehrauftrag in Löwen und war Pastor in der Martinikirche in Bremen:

„Faschismus und Nationalsozialismus waren keine autoritativen Weltanschauungen, sondern sie waren genau das Gegenteil davon. Der Nationalsozialismus war eine Anti-Vater-Gott-Revolution, die mit ihm bereits einen Höhepunkt erreichte und heute unter anderen ideologischen Karosserien aber mit gleichem Fahrgestell ihre konsequente, inhaltlich wie strategisch-technisch gleichartige Fortentwicklung erlebt.
Die unbedingte Hingabe an den „Führer“, dieses Überfahrenwerden personaler Selbständigkeit, die Bejahung der Gruppe, die Vorordnung des Kollektivs vor dem einzelnen ist anti-personalistisch gegen göttliche Autorität als absolute Autorität gerichtet. Bedeutsam ist, daß der Nationalsozialismus nein sagte zum Gewissen, das er als eie „jüdische Erfindung“ verurteilte.
[…]
Die mehr oder weniger motivierte atheistische Philosophie der Kritischen Theorie oder des Neomarxismus hat deswegen den Nationalsozialismus gründlich mißverstanden. Der Kampf dieser Bewegung gegen absolute Autorität überhaupt, wie wir ihn im ersten Kapitel darstellten, setzt in mancherlei Weise – auch wenn es selbstverständlich diesen Philosohen nicht bewußt ist – den antiautoritativeen Trend des Nationalsozialismus fort.
[…]
Bekanntlich hat Dietrich Bonhoeffer – übrigens in der Theologenwelt seiner Zeit sehr einsam – die NS-Bewegung als antiautoritäre Bewegung praktisch als Vatermordgesellschaft – erkannt.
Zwei Tage nach der sog. „Machtergreifung“ Hitlers vom 30. Januar 1933, am 1. Februar, hielt Dietrich Bonhoeffer einen Rundfunktvortrag über das Thema „Der Führer und der einzelne in der jungen Generation“, der am Schluß der Sendung abgeschaltet wurde. Inhalt und Umstände dieses Vortrages zeigen Bonhoeffer als einen Mann der konservativen politischen Opposition von Anfang an. Wir wissen, daß er es bis zum Ende blieb. Während den sozialistischen Parteien, sowohl der KPD als auch der SPD, die Massen davonliefen und gerade in Berlin SA-Stürme „bekehrte“ Kommunisten aufnahmen (z.B. der SA-Sturm 5 von Horst Wessel), formte sich der eigentliche Widerstand gegen das sozialistische System Hitlers („Du bist nichts, dein Volk ist alles“) in einer konvervativen Opposition, die dann auch (mit Bonhoeffer) den Aufstand des 20. Juli vorbereitete und durchführte. Bonhoeffer für „links“ zu vereinnahmen, war und ist Teil des Spiels von Absurditäten in der modernen, zeitgenössischen Theologie.
Es ist bezeichnend, daß dieser abgebrochen Rundfunktvortrag, der so etwas wie eine konvervative Proklamation gegen das NS-Regime war, etwas später in der konservativsten Wochenzeitung des damaligen Deutschland, nämlich in der sog. „Kreuz-Zeitung“ („Neue Preußische Zeitung“) am 25. Februar mit nur geringen Kürzugen veröffentlicht wurde. Bonhoeffer stellt das Amt „von oben“, die Autoritätsstruktur konservativer, abendländischer Rechtstaatlichkeit gegen den Führer als den Diktator „von unten“. Er stellt die durch das Gebot Gottes legitimierte Autorität gegen die Ditktatur der Masse. Bonhoeffer schrieb: „Der Führer hat Autorität von unten, von den Geführten her, das Amt hat Autorität von oben her, die Autorität des Führers hängt an seiner Person, die Autorität des Amtes ist überpersönliche Autorität von oben her, ist Selbstrechtfertigung des Volkes, Autorität des Amtes ist Anerkennung der gegbenen Gesetze; Autorität von unten ist geliehene Autorität, Autorität des Amtes ist ursprüngliche Autorität…Es besteht ein entscheidender Unterschied zwischen Autorität des Vaters, des Lehrers, des Richters, des Staatsmannes einerseits und der Autorität des Führers andererseits. Jene haben Autorität durch ihr Amt und allein in ihm; der Führer hat Autorität durch seine Person. Die Autorität jener kann angetastet, verletzt werden, aber sie bleibt bestehen; die Autorität des Führers steht jeden Augenblick gänzlich auf dem Spiel, sie ist in der Hand der Gefolgschaft; den Führer wähle ich mir, Vater, Lehrer kann ich nicht wählen.“ (S. 326ff)

Und gerade aus dieser Charakteristik ergibt sich das Bedrohliche eines Führers „von unten“: er lebt nur durch die allgemeine Zustimmung und kann Gegenstimmen nicht dulden. Andererseits besitzt er aber wenigstens zeitweise die Kraft und Zustimmung der Masse und kann sich über jedes Recht und jede Ordnung hinwegsetzen. Die technische Möglichkeit und Gefahr einer Vermassung ist durch die Verbreitung der Medien heute größer als je zuvor.

„Der 27jährige Dietrich Bonhoeffer stößt so auf den Nerv der Auseinandersetzung zwischen Diktatur und konservativ-abendländischer Autorität. Bonhoeffer sieht den Untergang des einzelnen in seiner Verantwortung durch die erdrückende Macht des Kollektivs.“ (S.329)

Solange dieser Zusammenhang nicht gesehen wird, besteht die Gefahr, dass gerade die Angst vor einer Diktatur zur Diktatur führen kann. C.S. Lewis lässt das den Teufel Srewtape in der Hölle an die Absolventen der Abschlussprüfung folgendes sagen:

„Es ist unsere Aufgabe, das Verhalten, die Sitten, die ganze Geisteshaltung, die Demokratien normalerweise bevorzugen, zu fördern und zu unterstützen, denn sie dienen dazu, die Demokratie zu zerstören.“ (aus „Das Gewicht der Herrlichkeit“, S. 26

Wer nämlich gegen alle Autorität Sturm läuft, arbeitet gerade dem Agitator, dem Demagogen und Volksverhetzer in die Arme. Die Bereitschaft der Deutschen, sich einem hasstriefenden Machtmenschen anzuschließen, entstand nicht zufällig aus dem Erleben einer als schwach empfundenen demokratischen Regierung, die über die chaotischen Machtkämpfe der politischen Flügel auf den Straßen nicht mehr Herr wurde. Die Menschen hatten danach gerade nicht mehr die ordentliche Macht erhofft, die Kraft Amtes ausgeübt wird, sondern den starken Mann an der Spitze, sie wählten einen Mann aus dem Pöbel der Straßenkämpfe.

Ich habe den Titel „Faschismus und Matrarchat“ gewählt, weil in diesem jener über weite Teil fortlebt: auch das Matriaracht ist eine Vater-Mörder-Religion, die einen Hass auf alle Vaterschaft und alle Autorität hat. Das Ziel des Matriarchates ist keine Demokratie, in der verschiedene Meinungen nebeneinander stehen und nach einem geordneten Verfahren ausgezählt werden, sondern die sog. „Konsens-Demokratie“. Hierbei soll wie der Name sagt ein Konsens festgestellt und „Minderheitenmeinungen einbezogen“ werden. Wer auch immer die Macht hat, diesen „Konsens“ festzustellen, wird faktisch mit der Macht eines Diktators ausgestattet. Wer ihm oder ihr widerspricht, widerspricht dem Volk.
Wie jeder Diktatur ist auch das Matriarchat ein Aufstand gegen den Vater-Gott. Die feministische Theologie wendet sich daher nur am Rande gegen einzelne Stellen, in denen Frauen Leitungsämter in der Kirche versagt werden, sie wendet sich vor allem gegen Gott als Vater selbst und das Erlösungswerk seines Sohnes:

„Rosenberg [Alfred Rosenberg, Chefideologe des Dritten Reichs, Anm. MW.] ärgert sich – wie die Feministen auch – über das Sündenverständnis des Apostels und seine Lehre von der Versöhnung und Erlösung durch Christus. Diser – im Grunde feministisch denkende -Chefideologe wollte ein nicht vermitteltes, sondern unvermitteltes Einssein mit Gott; denn, so meinte dieser Freund „biblischer Textkritik“ -: „Die wissenschaftliche Textkritik hat so weit vorgearbeitet, daß alle technischen Voraussetzungen für eine zusammenschauende Neuschöpfung gegeben sind.“ [Alfred Rosenberg, Vorträge über das Vaterproblem, 1954, S. 142.]
Die vermittelnde Erlösung durch den Sühnetod Jesu Christi ist für den Feminismus wie für den NS-Rassismus genauso ein Ärgernis wie das biblische – vor allem eben paulinische – Verständnis der Sünde.“ (S.405f)

Die Abschaffung aller Autorität und Vaterschaft in Faschismus, Kommunismus und Matriarchat hat ihre Wurzeln in dem Aufstand des Menschen gegenüber Gott, vor dem er nicht als Sünder stehen und nicht seine Gnade annehmen will. Umgekehrt kann eine Hinwendung zu wahrer Vaterschaft nur dort gelingen – und nicht in Macho-Gehabe abgleiten – wo sie in Gott ihr Urbild sieht. Jeder Mann und Vater, der den Namen verdient, muss aber zuerst lernen, seine Knie vor seinem Vater im Himmel zu beugen:

„Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jede Vaterschaft in den Himmeln und auf Erden benannt wird: er gebe euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen; dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in Liebe gewurzelt und gegründet seid, damit ihr imstande seid, mit allen Heiligen völlig zu erfassen, was die Breite und Länge und Höhe und Tiefe ist, und zu erkennen die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, damit ihr erfüllt werdet zur ganzen Fülle Gottes.“ (Eph. 3,15-19)

Artikel des Monats April 2008

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