Wann funktioniert Demokratie?

Was ist die wichtigste Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie?
Der Freiheitswille der Bevölkerung? Der kann zu blutigen Revolutionen oder Bürgerkriegen führen, die hinterher dankbar in eine Diktatur eingetauscht werden (wie z.B. nach der Franz.Rev.).

Ist es eine freie Presse? Wohl kaum, denn erstens ist eine funktionierende Demokratie ohne freie Presse denkbar. Zweitens kann die freie Presse das Wahlergebnis ebenso negativ beeinflussen wie eine gelenkte. Man kann also bestenfalls sagen, dass eine zurückhaltende, ausgewogene und bürgernahe Berichterstattung die Wahlentscheidungen der Bürger positiv beeinflussen kann. Aber den direkten Nutzen der freien Presse hat tatsächlich nur die Presse.

Was ist dann die wichtigste Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie?
Die Antwort dürfte ebenso eindeutig wie unpopulär sein:

1. Voraussetzung ist der Glaube an einen Gott, der über der Regierung steht. Nur dadurch sind Regierungen abwählbar. Diese Voraussetzung ist aber nur dann erfüllt, wenn alle Bürger einen Zugang zu der Offenbarung Gottes haben. Solange der König sich zwar einem Gott unterordnet, aber hinter verschlossenen Türen den Rat seiner Hofmagier einholt, macht es für das Volk keinen Unterschied, ob der König sich als Gott versteht oder nicht. Diese Voraussetzung ist nicht durch eine allgemeine Akzeptanz verschiedener „Werte“ zu erreichen, die dann gleichsam als Bürgerwille über der Regierung stehen. Denn allgemeine Akzeptanz ist unsichtbar! Der einzelne Bürger kann nur durch die Medien einen Blick auf sie werfen, wodurch aber eine Diktatur der Medien entsteht. Sie allein bestimmen, was allgemein akzeptiert ist, welche Umfragen veröffentlicht werden und was sie der Regierung als Bürgerwillen präsentieren. Diesen Zustand haben wir leider in Deutschland erreicht. Die einzige Möglichkeit, diese Voraussetzung zu erfüllen, ist eine schriftlich fixierte und gesellschaftlich anerkannte, religiöse und damit unantastbare Grundlage für Leben und Glauben der Menschen. Und selbst dann ist die Voraussetzung nur erfüllt, wenn der Laie auch Zugang zu ihr hat. Was nützt eine heilige Schrift, wenn sie nur von einer Experten-Kaste ausgelegt werden darf? Dann wäre es kein Unterschied zu dem Fall mit dem König und seinen Hofmagiern. Es ist nicht erstaunlich, dass eine Regierung lieber eine kleine Gruppe respektabler Gelehrter um sich hat. Diese kann sie nach eigenem Gusto einsetzen und mit stattlichen Gehältern bestechen. Das Ergebnis verdient es noch nicht einmal, eine „Aristokratie“ genannt zu werden.

2. Voraussetzung ist eine Kultur, der Unterordnung. Eine Gesellschaft wird nur dann dauerhaft demokratisch regiert werden, wenn die Mehrheit bereit ist, sich an Spielregeln zu halten, auch wenn sie der Gegenpartei nützt. Ist das nicht der Fall, kommt es zum Bürgerkrieg und danach ist alles möglich.

Fehlt die erste Voraussetzung, kann eine Regierung nicht abgesetzt werden – es entsteht eine Scheindemokratie, in der immer wieder das Oberhaupt im Amt bestätigt wird. Fehlt die zweite, kann keine neue Regierung gebildet werden und es kommt zum Bürgerkrieg.
Es ist daher kein Wunder, dass die Demokratie ihren Siegeszug in protestantischen Kirchen begann und seitdem nicht zu stoppen ist. Durch die Anerkennung der Obrigkeit als Gottes Dienerin und den allgemeinen Zugang zu einer heiligen Schrift erfüllt sie die Voraussetzungen wie keine zweite Religion. Die Demokratie kann mit Einschränkungen kopiert werden. Aber selbst dann nur, wenn die beiden Voraussetzungen zu einem Mindestmaß erfüllt werden.