Christen im Strudel von Verschwörungstheorien. Ein Beispiel: Pastor Matutis

Zwangsimpung: Paranoia-Bild aus der E-Mail von Pastor Matutis

„Obwohl Gesundheitsexperten vor Panikmache warnen, sehen manche Christen die Schweinegrippe und die damit verbundene Impfung als Zeichen für die Endzeit. So wurde im Internet die Vision eines charismatischen Theologen veröffentlicht. Johannes Matutis, Pastor der freien Nazarethkirche Berlin, warnt davor, sich impfen zu lassen. Ein Video auf der Internetplattform Youtube suggeriert, mit der Impfung bekomme man zugleich auch das im biblischen Buch der Offenbarung angekündigte Malzeichen injiziert, das für den Antichristen stehe.“ Dies meldete idea-spektrum trocken und nüchtern am 18.11.09. Hier kann man die Ketten-Mail von Pastor Matutis nachlesen [ 1,2,3]

Ich bin Allgemeinmediziner und Ältester in einer charismatischen Profilgemeinde der evangelischen Landeskirche und bekam diese „Endzeit-Prophetie“-Ketten-eMail gleich von mehreren verunsicherten Gemeinde-Mitgliedern zur Prüfung weitergeleitet und war gleich nach den ersten Zeilen fassungslos. Um es kurz zu machen: Wir bibelorientierten Christen haben oft ein Problem mit der hohen Kompatibilität von Endzeitbeschreibungen in der Bibel und den Angeboten aus dem New-Age-Supermarkt der Verschwörungstheorien. Am abschreckenden Beispiel von Herrn Pastor Matutis sieht man jedoch ganz dramatisch wohin es führt, wenn sich unsere Geschwister auf den nach unten führenden Strudel von Verschwörungstheorien einlassen und ihr gesamte Denken im Gefängnis eines geschlossenen Verschwörungs-Weltbild landet.
Gott informiert seine Herde über die Endzeit nicht aus den vergifteten Quellen des New-Age-geprägten Verschwörungstheoretikern und schon gar nicht aus antisemitischen Quellen!
Diese Botschaft von Herrn Pastor Matutis kann Menschenleben gefährden … unsere Geschwister sollten unbedingt davor gewarnt werden!
Ich habe Herrn Pastor Matutis per Mail vor den Konsequenzen seines Tun gewarnt (s. Anlage).

Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger

Sehr geehrter Herr Pastor Matutis,

ich bin evangelikaler Christ, der als Hausarzt gegen Schweinegrippe impfen wird. Mir wurde Ihre E-Mail von mehreren besorgten Gemeindemitgliedern zugesendet. Ich habe sie nun endlich gelesen und frage mich fassungslos, wie können Sie Ihre Mitgeschwister nur so in die Irre führen?
Ihre Verschwörungstheorien sind absolut kompatibel mit hochesoterischen Gedankengut, weshalb Sie auch dort veröffentlicht werden. Wollen Sie Beispiele: http://www.xinos.net/kommentare/
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Struktur und Meinung

Die Älteren unter uns können sich vielleicht noch an Eva Herman erinnern. Sie war Journalistin und wurde aus ihrem Berufsstand ausgespuckt, weil sie die politisch falsche Meinung über Autobahnen hatte oder so ähnlich. Aber eigentlich war allen ziemlich klar, dass ihr eigentliches Vergehen ihr Versuch war, in diversen Veröffentlichungen die Rolle der Frau als Mutter zu stärken.
Der nahe liegende Vorwurf, sie sei ja selbst eine Karrierefrau, die sich nicht aufs Muttersein beschränkt habe, kam natürlich prompt und traf voll ins Schwarze. Aber dieser Vorwurf offenbarte eigentlich ein Dilemma mit weitreichenden Folgen: es ist aus strukturellen Gründen unmöglich, eine andere Position als den Feminismus in der Öffentlichkeit zu finden. Alle Frauen, die in Politik und Medien arbeiten, haben sich bereits für ein Modell entschieden, je mächtiger und einflussreicher sie sind, desto stärker kommt dieser Effekt zum Tragen. Auf diese Weise kann sich eine politische Haltung in kürzester Zeit parteiübergreifend durchsetzen, ohne, dass sie jemals diskutiert oder ernsthaft in Frage gestellt wurde.
Das psychologische Konzept, das dabei im Hintergrund arbeitet, ist der bekannte Wunsch des Menschen, kognitive Dissonanzen zu vermeiden. Also im Klartext bedeutet es, dass Menschen versuchen, Widersprüche zwischen Leben und Denken oder Gefühlen und Denken zu vermeiden. Das klingt integer, weil man im ersten Moment an die Fälle denkt, wo sich das Handeln an den Überzeugungen orientiert. Die Vermeidung kognitiver Dissonanzen ist aber in der Regel eine kognitive Vermeidung, d.h. das Denken wird an das Handeln angepasst.
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Man liest wieder Marx

Zeitweise war „das Kapital“ von Karl Marx seit der Finanzkrise vergriffen. Die Marxisten freuts und wir fragen uns: was erkennt man daran?
Interessieren sich die Deutschen jetzt auf einmal für volkswirtschaftliche Zusammenhänge? Dann gäbe es sicher Bücher, die ihnen hier besser weiter helfen könnten. Nein, die ernüchternde Antwort ist wohl eher, dass sich hier ein urdeutscher Reflex zeigt, der alle Hilfe vom Staat erwartet. Dieser Reflex funktioniert flächendeckend, schichtenübergreifend, altersunabhängig und unter dem Wohlwollen praktisch aller deutscher Medien.
Ich habe ja schon an anderer Stelle etwas darüber gelästert, dass ein Staat, der selbst kein Geld besitzt, den Finanzmarkt retten möchte. Besonders bizarr ist dieses ungebrochene Vertrauen aber wenn man bedenkt, dass gerade der deutsche Staat die seltene Leistung vollbracht hat, in einem einzigen Jahrhundert gleich zweimal bankrott zu gehen: nämlich 1923 und 1948 (Quelle: Wikipedia). Der marxistische Teil Deutschlands war dann in den 80er Jahren noch ein drittes Mal und nach nur etwa 40 jährigem Bestehen zahlungsunfähig. Woher kommt also das ungebrochene Vertrauen der Deutschen? Oder ist er doch nicht auf Deutschland beschränkt?

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Technik und Politik

Die technische Entwicklung beeinflusst unser Gehirn, sie prägt unseren Alltag, sie lässt Berufe sterben und aufblühen. Aber bisher wurde m.W. (ich lasse mich gerne eines Besseren belehren) wenig über ihren Einfluss auf die Politik nachgedacht.
Welche Auswirkungen hat es auf eine politische Kultur, wenn geistige Arbeit von elektronischen Helfern erledigt wird? Denn darum geht es ja: alles, was wir heute an Beispielen für moderne technische Entwicklung anführen würden, wären Beispiele, in denen es darum geht, das Gehirn zu entlasten. Elektronik entlastet unser Gehirn als Speicher, es entlastet uns von Recherchen, die Suchmaschinen für uns erledigen. Es entlastet uns vor unangenehmen Gedanken, indem wir Musik hören, gegen virtuelle Gegner spielen, oder Filme sehen – und zwar jederzeit und überall.
Spätestens, seit es mp3-Player gibt, muss niemand mehr Langeweile ertragen oder sich mit schweren Gedanken plagen, wenn er nicht will.

Welche Entwicklung wir durchgemacht haben, kann man am besten erkennen, wenn man sich die Aufmerksamkeitsspanne früherer Zuhörer vor Augen führt:
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Politische Paradiesvorstellungen

Jede Weltanschauung hat vermutlich ihren Traum vom Paradies: die Kommunisten träumen von der Zeit, in der die Menschen ohne Besitz miteinander lebten (allerdings auch ohne Staatseigentum…), die Naturmystiker träumen von der Zeit, bevor die Christen die Menschen von der Natur entfremdet hatten, die Nazis von der vermeintlichen Größe Deutschlands, bevor die Juden das Christentum gebracht haben, andere träumen von „früher“ ohne es genauer zu datieren oder vom Leben wie im Naturzustand.
Diese Träume sind eine nicht zu unterschätzende Quelle der politischen Aktivität, denn bekanntlich ist ein positiver Reiz immer stärker als ein negativer, also Belohnung motiviert stärker als Strafe. Die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies nennt man in der Politik allerdings lieber „Vision“ o.ä. Tatsächlich handelt es sich nach meiner Einschätzung allerdings immer um Vorstellungen, die im jeweiligen politischen Lager irgendwo in der Vergangenheit zu verorten sind.

Interessanterweise ähneln sich diese Vorstellungen irgendwie alle: immer leben die Menschen in Frieden miteinander und sich selbst. Das Leben erscheint immer irgendwie klar geregelt und die Menschen kennen keine Angst. Das klingt zu naiv? Finde ich auch, aber ich habe es in vielen Beschreibungen der Welt von „früher“ so verstanden. Kein Wunder, dass es Leute gibt, die für diesen Zustand zu kämpfen bereit sind.

Wie sieht es aber mit dem Christentum aus, denn immerhin habe ich ihm den Begriff des „Paradieses“ entlehnt? In der Bibel wird ein Paradies beschrieben, ein Garten mit den vier Strömen, in dem die Menschen ohne Scham und Schuld mit Gott in einer glücklichen Welt leben konnten.
Dass diese Zeit endete, war die Strafe für den Ungehorsam der Menschen (Gen 1-3) und hatte eine Konsequenz, die das christliche Paradies von allen anderen unterscheidet: Gott versperrte den Zugang durch die Cherubim (mächtige Engel), die mit flammendem Schwert ausgerüstet waren. Das Paradies war für immer verloren und kein Mensch sollte jemals wieder dortin zurück kehren.
Als Christ stehe ich daher immer etwas verloren zwischen dem wortgewaltigen Gequatsche von Visionen, dem „neuen Menschen“, einer „neuen Gesellschaft“ oder auch nur dem Kampf für eine bessere Welt. Nicht weil ich diese Ziele alle ablehne, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass dadurch starke Sehnsüchte geweckt werden, die nicht erfüllt werden können und im besten Fall Politik-Müdigkeit hervorrufen, im schlechtesten aber einen gigantischen Hass auf die Bösewichte, die dem vermeintlichen Paradies im Wege stehen. Und die beiden größten Schreckens-Regime wurden auf einer Woge aus großen Erwartungen und Begeisterung getragen.
Eine christliche Partei wird niemals die gleiche Leidenschaft und Begeisterung unter ihren Anhängern hervorrufen können, wie eine rote, grüne oder braune Partei. Christen haben in dieser Welt nicht ihr Herz verloren und glauben auch nicht, hier das große Glück finden zu können.
Unser Heil hängt nicht von dem ab, was Menschen in dieser Welt erreichen können, sondern von dem, was ein Mensch bereits für uns getan hat: Wer glaubt, dass Jesus für seine Sünden gestorben ist, kommt nicht ins Gericht sondern kann in Frieden mit Gott leben, hier und nach dem Tod. Und er kann sich darauf freuen, dass Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen wird, die jeden menschlichen Traum von einem Paradies übersteigt.

Und das klingt zu fantastisch? Zunächst einmal klingt jede irdische Erlösungshoffnung fantastisch, denn politische Träumerei ist alt und ermüdend. Man muss sich schon sehr viel Mühe geben, dafür noch etwas Begeisterung aufzubringen – oder vielleicht sehr jung und unerfahren sein.
Aber man muss sich umgekehrt auch sehr viel Mühe geben, an dem Auferstehungsbericht Jesu eine Schwäche zu entdecken: er kann nicht nur symbolisch gemeint sein, weil er dafür viel zu detailiert geschildert wird. Er nützte damals auch keinem Jünger, weil der Glaube an Jesus alle Jünger einer brutalen Verfolgung ausgesetzt hat. Die weltweite Verbreitung des Christentums haben die ersten Christen nicht mehr miterlebt. Wer sich fragt, weshalb er gerade die Hoffnung der Christen an ein Leben nach dem Tod teilen sollte, findet die Antwort u.a. in den Berichten von der Auferstehung.

McCain oder Obama? Wen werden die Deutschen wählen?

Ganz so weit ist es sicher noch nicht, aber es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass langsam aber sicher auch Wahlkämpfe global werden. Das hat zum Einen ganz naheliegende Gründe: die im Ausland lebenden Bürger müssen überzeugt werden und die außenpolitische Reputation des Staatsoberhauptes hängt (leider) mit dem Ruf des ganzen Landes in der Welt zusammen.
Das alles erklärt aber noch nicht, weshalb sich auch das Ausland so engagiert am Wahlkampf beteiligt, und dass es das tatsächlich tut, konnte man spätestens seit der Diskussion in Deutschland über die geplante Rede Obamas vor dem Brandenburger Tor erkennen. Die Argumente, die für und gegen diesen Ort ins Feld geführt wurden, waren an sich alle unverdächtig. Interessant war aber, dass vor allem linke Politiker für und konservative Politiker gegen dieses Setting plädierten. Und das riecht schon sehr nach deutschem Wahlkampf. Die Medien waren hier noch weniger zurückhaltend und haben schon längst Ms. Clinton zur Lieblingskandidatin gekürt. Aber jetzt kämpfen sie treu und tapfer für Obama. Die Berliner – also nicht nur die in Berlin lebenden Amerikaner – freuen sich auf die Rede Obamas und würden ihn mit klarer Mehrheit wählen: 70% der Stimmen bekäme Obama – wenn jemand die Deutschen fragen würde (lt. einem Bericht der FTD).
Und wenn man sich das Gekeife über George W. Bush anhörte, mochte man kaum glauben, dass es hierbei um das Staatsoberhauptes eines anderen Landes ging.

Die Frage ist nur: was soll das eigentlich? Wieso setzen sich Deutsche so für oder gegen einen amerikanischen Präsidenten ein?
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Wieviel darf der Staat Steuern?

Die Empörung über reiche „Steuersünder“ ist groß. Bei mir überwiegt die Empörung über die Abgabenlast in Deutschland. Der Spitzensteuersatz betrifft mich zwar nicht, aber er lässt durchaus die Frage aufkommen, wo eigentlich die ethischen Grenzen der Steuerpolitik liegen.
Denn wenn es nicht gerade der Staat wäre, der Menschen mehr als die Hälfte ihres Besitzes wegnimmt, dann hätte jeder Verständnis für das Bemühen, sein Eigentum in Sicherheit zu bringen und jeder würde sich über den Dieb aufregen, wenn er doch sein Ziel erreicht. Allein die Tatsache, dass es der Staat ist, der die Regeln bestimmt, führt dazu, dass aus einem Schutzinstinkt eine „Sünde“ wird und der Beraubte sich noch öffentlich als „Dieb“ und „Krimineller“ beschimpfen lassen muss.
Ich will gar nicht das grundsätzliche Recht des Staates auf Steuern in Frage Stellen. Ich halte aber einerseits das Recht eines Staates auf Steuern für begrenzt und andererseits die deutschen Strafen auf Steuerdelikte für unangemessen hoch.

„Der Botschafter des Fürstentums, Prinz Stefan von und zu Liechtenstein, wies im Sender N24 darauf hin, dass das Thema in seiner Heimat ein anderes Gewicht hat: «Wenn jemand bei uns in Liechtenstein Steuern hinterzieht, dann ist das so, wie wenn sie eine Verkehrsübertretung machen.» Steinbrücks Sprecher sagte, dass es sich bei Steuerhinterziehung um kriminelle Taten handele. Die betroffenen Personen handelten wie Diebe, Räuber oder Hehler.“ (welt online)

Und die werden in Deutschland entsprechend bestraft:

„Ondracek trat zudem dem Eindruck entgegen, deutsche Gerichte zeigten sich zu milde gegenüber Steuersündern. „In Steuersachen sind Gefängnisstrafen keine Ausnahmen.“ Jedes Jahr würden Haftstrafen zwischen 1500 und 1600 Jahre wegen Steuerhinterziehung verhängt, sagte er. Nach dem derzeit geltenden Recht drohen Steuersündern bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe. Er beklagte jedoch, dass zu viele Verfahren mit einem „Deal“ endeten.“ (faz)

Die Koalition denkt natürlich über noch härtere Strafen nach und wird sie vermutlich auch einführen. Aber warum genügt es nicht, die vorenthaltenen Steuern um meinetwegen das dreifache zurückzufordern? Wieso sollen Steuerhinterzieher denn ins Gefängnis? Soll etwa deutlich gemacht werden, dass dies die letzte in Deutschland gültige Ethik ist: die Sünde wider den Staat?
Wenn dieser Eindruck entsteht, ist es Zeit für Christen zu widersprechen: Der Staat ist nicht der Urheber der Ethik sondern ein Diener Gottes. Wo eine Regierung vergisst, wem sie Rechenschaft schuldet, wird sie verantwortungslos und kennt in ihrer Gier und Gestaltungswut keine Grenzen. Und wo sie Gottes Recht wahren soll, lässt sie nur das Gesetz ihrer Gier gelten und gibt dies als Tugend aus.
Dabei gilt:
Spr 29,4 Ein König richtet das Land auf durchs Recht; wer aber viel Steuern erhebt, richtet es zugrunde.

Was bedeutet es, Staat und Kirche zu trennen?

Bedeutet die Trennung, dass Kirchen nicht als Parteien antreten dürfen? Darf der Bundeskanzler nicht gleichzeitig Kirchenoberhaupt sein darf? Darf er überhaupt in einer Kirche sein? Oder genügt es, wenn er versucht so zu entscheiden, als wäre er kein Christ? Wie sollte er dann entscheiden? Dürfen Christen wählen? Dürfen sie christliche Parteien wählen?
Fragen über Fragen. Dabei ist das Thema durchaus wichtig und hinter der Forderung verbergen sich tatsächlich historische Erfahrungen, die auch Christen auf die Notwendigkeit einer wie auch immer gearteten Trennung gestoßen haben.

Einige dieser Erfahrungen hätte man sich sparen können, wenn man die Bibel ernst genommen hätte.
Ich werde versuchen, hier einige Grundsätze aufzuzeigen:

1. Der Mensch ist nicht Gott. Diese schlichte Feststellung hat weitreichende Konsequenzen: es gibt keine „Gottkönige“, wie sie in der Antike üblich waren. Ein König, wenn ein Volk glaubt, nicht ohne ihn auszukommen, ist an Gottes Gebote gebunden. Er darf nichts von ihnen weglassen und nichts hinzufügen. Beides hieße, Unschuldige zu bestrafen und Schuldige zu schonen.
Jede Regierung ist Gott Gehorsam schuldig.

2Kön 23,25 „Seinesgleichen war vor ihm kein König gewesen, der so von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften sich zum HERRN bekehrte, ganz nach dem Gesetz des Mose, und nach ihm kam seinesgleichen nicht auf.“
1Sam 12,14 „Möchtet ihr doch den HERRN fürchten und ihm dienen und seiner Stimme gehorchen und dem Munde des HERRN nicht ungehorsam sein, und möchtet ihr und euer König, der über euch herrscht, dem HERRN, eurem Gott, folgen!“

Im NT hat sich daran nichts geändert. Die Apostel haben immer deutlich gemacht, dass die Gebote des Staates sie nicht betreffen, wenn sie Ungerechtigkeit erzwingen wollen, denn „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ (Apg 5,29) Da Christen grundsätzlich aber schuldig sind, den Staat zu respektieren und ihm zu gehorchen (Röm 13), kann man daraus das stillschweigende Verständnis voraussetzen, dass der Staat sich in seinem Bemühen um Gerechtigkeit selbstverständlich an Gottes Geboten zu halten hat.

2. Der Mensch besitzt ein begrenztes Urteilsvermögen weil er keine Einblicke in das Innenleben eines anderen Menschen nehmen kann.

1Sam 16,7 „Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der HERR sieht auf das Herz.“
Daraus ergibt sich der nächste Punkt:

3. Nicht das Wort, sondern das Werk zählt vor Gericht. Dem Staat obliegt es nicht, seine Bürger auf deren Bekenntnis hin zu richten. Dazu zählt auch der Eid, den manche für Einwanderer gerne vorschreiben würden. Wem nützt denn so eine Heuchelei? Die Lehre eines Menschen entspricht doch nicht unbedingt dem, was im Herzen ist, und kann natürlich geheuchelt sein. Hier zählt nur die Tat.

Siehe hierzu das Gleichnis von den ungleichen Söhnen (Mt 21,28ff): der eine sagt, er wolle gehorchen und gehorcht nicht, der andere sagt, er wolle nicht gehorchen aber gehorcht. Nur der Zweite hat den Willen Gottes getan. Dieses Gleichnis ist eine wichtige Warnung an Theologen, die sich viel mit Richtigkeiten beschäftigen, denn es zählt letztlich nur die Frucht. An ihr wird man erkennen, was wirklich im Herzen des Menschen ist und was nur ein Lippenbekenntnis.
Ein Gericht, dass also Irrlehren verurteilt, übersteigt seine Kompetenz. Denn dieses Lippenbekenntnis zählt nichts. Vor Gericht darf nur die Tat gelten.
Wenn über die mangelnde Trennung von Kirche und Staat in der europäischen Geschichte geklagt wird, dann handelt es sich in aller Regel um Verstöße gegen eben diesen Grundsatz!

Die Trennung von Staat und Kirche bedeutet also vor allem: der Staat darf sich nicht selbst überheben. Er darf nicht von Gottes Geboten abweichen, weil er sich dann selbst zum Gott machen würde. Es ist nicht seine Aufgabe, Lebensstile festzulegen, soweit sie nicht den Geboten Gottes widersprechen oder Gesetze zu erlassen, mit denen er nicht Unrecht verhindern, sondern ein Bewusstsein für etwas schaffen möchte. Es ist nicht seine Aufgabe, Bürger in ihrer sexuellen Entwicklung zu begleiten (im Gegensatz zu den Grünen, die – natürlich homosexuelle – Bürger eben hier unterstützen möchten. So steht es in ihrem Grundsatzprogramm). Er darf nicht eigenen Vorstellungen vom guten Leben und gerechten Zusammenleben zu verwirklichen suchen.
Und er darf nur äußerliche Vergehen richten, weil er nicht in die Herzen der Menschen sieht. D.h. auch, dass er keine Verbrechen mit dem Hinweis auf die Seelenlage eines Verbrechers entschuldigen darf. Der Staat führt ein sichtbares Schwert und darf es auch nur dort einsetzen, wo er etwas sehen kann. Ganz im Gegensatz zum Wort Gottes, das ebenfalls ein Schwert ist, aber die Gedanken im Innersten der Menschen richtet.

Hebr 4,12 „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.“
(und man darf das wohl als Hinweis auf seine Besonderheit verstehen, wodurch es von aller weltlichen Gewalt unterschieden wird)

Für die Kirche hingegen bedeutet die Trennung von Kirche und Staat, dass sie sich nicht auf die äußerlichen, politischen Themen verengen darf, weil sie sonst die Gerechtigkeit vor Gott und die Gerechtigkeit vor Menschen verwechselt. Jemand, der gut bürgerlich lebt, wird sich dann leicht für einen guten Christen halten, und jemand, der als Verbrecher in die Kirche kommt, findet keine Vergebung für sein zerknirschtes Herz, weil die Kirche nur die gleiche Gerechtigkeit wiederholt, die er auch von seinen Richtern kennt.

Ich weiß, dass man heute gerade die politische und „aktuelle“ Predigt rühmt. Aber steckt in diesem Urteil über eine Predigt nicht die Heuchelei der Gerechten, die gerne in dem unterrichtet werden möchten, was ihnen ohnehin keine Schwierigkeiten bereitet? Oder im schlimmsten Fall sogar an dem Vergnügen, die üblichen Verdächtigen, die man schon aus den Zeitungen kennt, wieder mal am Pranger zu sehen?
Wer stattdessen die Feindesliebe, Demut und Selbstverleugnung predigt, wird nie viel Lob erhalten. Aber dies ist das Amt in der Kirche. Denn nur wo Gottes Gerechtigkeit klar gepredigt wird, entsteht auch die Sehnsucht nach seiner Vergebung. Und sie zu predigen, ist dann die höchste Aufgabe der Kirche.

Plädoyer für einen schwachen Staat

Keine Religion der Welt kommt mit weniger Staat aus, als das Christentum.

Der Staat übernimmt bislang die Aufgabe des Königs, der die Kraft eines Volkes repräsentiert, für die Einheit sorgt und nach außen repräsentieren kann.
Der Staat betätigt sich als Priester, indem er an Gedenktagen oder an Gedenkorten für sein Volk büßt, und der Staat ist Prophet, indem er Gesetze erlässt und durch sie das Bewusstsein für Richtig und Falsch, für Gut und Böse erschafft.

Keine dieser Funktionen stehen ihm zu, denn Jesus ist für uns König Priester und Prophet in einem. Wir benötigen keinen starken Menschen an der Spitze, keinen Repräsentanten in teuren Autos. Wir benötigen auch keinen Menschen, der sich um unsere Schuld kümmert oder unser Bewusstsein prägen möchte.

Die wenigen Aufgaben, die noch bleiben sind: das Gesetz Gottes auslegen, Kriege führen und gegebenenfalls einen losen Rat aus gewählten Vertretern verschiedener Gebiete einzuberufen.
Von diesen Parlamenten sollte es aber möglichst viele geben, damit die einzelnen Vertreter wirklich als Personen entsandt werden können und nicht einfach als Vertreter einer Partei gewählt werden. Die Parlamentarier sollten nur zu bestimmten Zeiten zusammenkommen und dieses Amt nicht hauptberuflich erfüllen, da sonst automatisch eine Oligarchie entstünde.

Eine derartige Gemeinschaft kleinster Bevölkerungssplitter könnte international nie zu Ehren kommen, es gäbe keine repräsentativen Großprojekte, aber es wäre ein Leben mit niedrigen Steuern und viel Gerechtigkeit (O.K. die Reihenfolge stimmt nicht ganz).

Sollte es eine christliche Politik in Deutschland geben, sollte es ihr anhaltendes Ziel sein, die Kommunen zu stärken und Politik immer von oben nach unten zu delegieren und damit genau dem gegenwärtigen Trend entgegen zu wirken.

Solange es diese Regierungsform nicht gibt, gehorchen wir der irdischen Obrigkeit soweit wie möglich und freuen uns auf die Wiederkunft Christi.

Was haltet ihr von dem Entwurf?

Die vier kleinen Weisen

„Vier sind die Kleinen der Erde, und doch sind sie wohlerfahrene Weise:
Die Ameisen, ein nicht starkes Volk, und doch bereiten sie im Sommer ihre Speise, die Klippdachse, ein nicht kräftiges Volk, und doch legen sie im Felsen ihre Wohnungen an; die Heuschrecken haben keinen König, und doch ziehen sie allesamt aus in geordneten Scharen; die Eidechse kannst du mit Händen fangen, und doch ist sie in Königspalästen.“ (Spr. 30,24f)

Worauf ist ein Volk stolz? Sind wir stolz auf den Stand unserer Wissenschaft, die es uns erlaubt, die Natur zu beherrschen und uns planvoll zu verhalten. Aber sind wir dann mehr als ein Ameisenhaufen, der das gleiche tut? Und die Ameisen handeln ja wenigsten noch nach ihrem Wissen…
Sind wir stolz auf unsere hohe Zivilisation? Auf unsere kunstvollen Bauten, die uns umgeben und in denen wir leben? Darin unterscheiden wir uns aber nicht von den Klippdachsen, deren Häuser die Berge sind, die an Größe, Erhabenheit und Festigkeit von keinem Bauwerk der Menschen jemals übertroffen wurden.
Sind wir stolz, wenn wir die Massen mobilisieren können? Egal ob als Feldherr, Popstar, im Internet oder als Politiker. Aber hier lehrt uns der Text, dass die Heuschrecken das Gleiche noch viel besser können, und sogar ganz ohne „König“!

Den Bock schießt aber die Eidechse ab: wenn irgend jemand stolz auf Statussymbole jeglicher Art ist, wird er von diesem Tier gedemütigt. Du wohnst in einem Schloss? Ja, das tut die Eidechse auch. Du fährst ein Auto für 1 Millionen Euro? Das tun die Milben im Stoff deines Autos auch. Was gibt dir das Recht, dich über sie zu erheben? Ja, was eigentlich? Die großartigen Dinge, mit denen wir uns umgeben, können niemals zu unserer Ehre beitragen. Sie erheben uns noch nicht einmal über den Stand eines Tieres.

Niemals war die Kritik an der Eitelkeit der Völker, der Könige und des Menschen allgemein schonungsloser als in diesem Text (lest den nächsten Zahlenspruch mal, da geht es in Hinblick auf den König noch weiter. Wenn es nicht so ein ernstes Thema wäre, könnte es als komischer Text durchgehen).

Und was erhebt nun den Menschen, d.h. aber: was macht ihn eigentlich zum Menschen? Es ist allein die Gottesfurcht, also die Niedrigkeit vor Gott, oder wie es der Autor der Sprüche an anderer Stelle schreibt:
„Das Endergebnis des Ganzen lasst uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote! Denn das soll jeder Mensch tun.“ (Prediger 12,13)