Können Elektronikartikel religiöse Bedürfnisse ansprechen?

Mit dem Erscheinen der iwatch einer bekannten Obstfirma wurde mehr oder weniger offen von „quasi-religiösen“ Reaktionen in den Medien gesprochen. Und in der Tat scheint das Verhältnis der Kunden zu Firmen wie Apple, google und Amazon sich  grundlegend von dem anderer Kundenbeziehungen zu unterscheiden. Nicht nur, dass Journalisten freiwillig Werbung für die Produkte in redaktionellen Beiträgen machen, es werden sogar Bücher geschrieben wie „111 Gründe, Apple zu lieben – eine Verbeugung vor der coolsten Marke der Welt“. Sorry, seit wann verbeugt man sich vor einem Telefonhersteller? Das Thema ist aber zu ernst, um sich lange mit Spott aufzuhalten, denn ich bin davon überzeugt, dass der Mensch ein genuines religiöses Interesse hat. Und auch, dass er über dieses Bedürfnis anfällig für Verführungen ist. Denn wie bei allen Bedürfnissen gibt es Ersatzbefriedigungen, die sich in der Regel durch unangenehme Begleiteffekte auszeichnen und regelmäßig viel Geld kosten. Bevor ich mich mit den Elektrofirmen beschäftige, lohnt sich aber ein kurzer Überblick über die religiösen Umtriebe in westlichen Industrienationen. Im Gegensatz zu kommunistischen Ländern, in denen sich gerne Diktatoren als Ersatzgötter zu Verfügung stellen, dürften bei uns selten Politiker verehrt werden. Auch die sog. „Idole“ Jugendlicher haben nur oberflächliche Gemeinsamkeiten mit Religionen, weil sie nicht in der Lage sind, größere Teile des Lebens zu beherrschen (vielleicht unterschätze ich das aber auch). Es gibt viel offensichtlichere Formen der Religiosität von denen unsere Kultur förmlich durchsetzt ist: es gibt strenge Speisevorschriften, die wenn schon nicht das ewige Leben doch immerhin ein etwas längeres und gesünderes Leben in Aussicht stellen sollen (der wissenschaftliche Nachweis fehlt in der Regel oder ist sogar negativ), die Esoterikabteilungen sind in den meisten Buchhandlungen die größten gleich nach der Belletristik und lassen sich kaum noch sinnvoll eingrenzen. Bücher über Homöopathie, die sich aus dem antroposophischen Menschenbild entwickelt hat, stehen nämlich heute nicht mehr in der Esoterikabteilung, sondern bei den Medizinbüchern! Fengshui findet man unter Inneneinrichtung, Yoga bei Sport und Psychologie und der Buddhismus taucht in fast jedem Zusammenhang auf. Die Aufklärung hat offensichtlich ein Wirrwarr an Aberglauben hinterlassen.

Diesen religiösen Beschäftigungen fehlt aber etwas Entscheidendes: 1. das Allgemeingültige, jemand, der wirklich über allem steht. 2. die Community, also eine „Kirche“. Und genau hier setzen die modernen Konzerne wie Apple, google und Amazon an. Sie sind im Begriff eine Produktwelt zu entwickeln, die tatsächlich das ganze Leben umfassen kann und durch Symbole, Foren vor allem aber durch tragbare Telefone eine Community erzeugt. Und der Eifer ihrer Jünger ist ein Zeichen für den Wunsch, genau diese Macht über allem fest zu installieren. Während man so etwas früher ein „Monopol“ nannte und die Entwicklung eher bedrohlich empfand, scheinen sich heute viele willig bis sehnsüchtig den Giganten hinzugeben. Aber Angst und Verehrung gehen leicht ineinander über, wie seit dem Helsinkisyndrom bekannt ist.

Welche Bedürfnisse befriedigen diese Konzerne nun genau? „Können Elektronikartikel religiöse Bedürfnisse ansprechen?“ weiterlesen

Mircea Eliade über kulturelle Zeitströmungen

Woran liegt es, dass wir manche Theorien der Geistesgeschichte auch nach Jahrhunderten in jedem Buchladen und in allen denkbaren Ausgaben finden, während andere für immer in Vergessenheit geraten? Woran liegt es, dass manche Interpretationen in den Bildungskanon des Bürgertums aufgenommen werden, während andere als unwichtig abgetan werden?
Mircea Eliade, einer der bedeutendsten Religionswissenschaftler des 20. Jahrhunderts, kommt zu einem Ergebnis, das nachdenkliche Menschen wohl schon befürchtet haben: „Einer der faszinierendsten Aspekte der „kulturellen Zeitströmungen“ ist, dass es völlig unerheblich ist, ob die fraglichen Fakten und ihre Interpretation richtig oder falsch sind. Keine noch so heftige Kritik kann einer Moderichtung Einhalt gebieten.“
Dieses Zitat stammt aus dem Buch „Das Okkulte und die moderne Welt – Zeitströmungen in der Sicht der Religionsgeschichte“. Es handelt sich m.W. um sein einziges Buch, in dem er sich explizit mit dem Westen und seinen verborgenen religiösen Verwicklungen bis in die jüngere Vergangenheit beschäftigt. Eliade übergeht „Moderichtungen“ nicht einfach mit einem Kopfschütteln, sondern sieht in ihnen die Möglichkeit, etwas über die „Unzufriedenheiten, Wünsche und Sehnsüchte des abendländischen Menschen“ zu erfahren.
Eine dieser Moderichtungen und Mode-Deutungen ist Freuds „Totem und Tabu“, in dem Freud die Ursprünge der Religion in einer Art Ur-Vatermord vermutet. Wer sich die ehrfürchtigen und völlig ernsthaften Rezensionen auf Amazon zu diesem Buch durchliest, kann sich kaum vorstellen, dass dieses Buch wissenschaftlich bedeutungslos ist.

„Umsonst bewiesen die Ethnologen jener Zeit, von W.H.Rivers und F.Boas bis hin zu A.L.Kroeber, B.Malinowski und W.Schmidt die Absurdität eines solchen uranfänglichen „totemistischen Gastmahles“. Vergeblich wiesen sie darauf hin, dass man in den Anfängen der Religion einen solchen Totemismus nicht finden kann, dass er keine univiersale Erscheinung ist; nicht alle Völker haben ein „totemistisches Stadium“ durchlaufen. Umsonst hatte schon Frazer den Beweis erbracht, dass von den vielen hundert totemistischen Stämmen nur vier einen Ritus kannten, der dem zeremoniellen Töten und Verzehren des „Totemgottes“ entsprach (ein Ritus, den Freud als unumstßliches Merkmal des Totemismus ansah). Und schließlich hat dieser Ritus mit dem Ursprung des Opferkultes nichts zu tun, ist doch der Totemismus in den älteren Kulturen überhaupt nicht zu finden. Vergeblich wies Wilhelm Schmidt darauf hin, dass die prähistorischen Völker den Kannibalismus nicht kannte, […]
Freud ließ sich durch solche Einwände nicht im geringsten beirren, und jener rohe „abenteuerliche Roman“ ist seither bei drei Generationen abendländischer Intelligenz zu einem kleinen Evangelium geworden.“

Vor diesem Hintergrund ist es auch fraglich, welchen Sinn Begriffe wie „Allgemeinbildung“ oder „Bildungsbürgertum“ haben.

Kunst nach der Aufklärung

Nachdem der Mensch durch die Aufklärung gelernt hat, sich selbst, seine Mitmenschen und die Natur wie Maschinen zu behandeln (vgl. den Beitrag „Gehorsam und Geist„), entstand auf der anderen Seite das offensichtliche Bedürfnis, den verlorenen Transzendenzbezug des Menschen in dunkler und undeutlicher Form nachzubilden. Das Zeitalter des Sturm und Drang betonte das Recht des Individuums auf eigenes Empfinden und die Bedeutung des subjektiven Erlebens. Es entstand der Genie-Kult der Romantik, wobei der Begriff wohl bewusst zwischen Ironie und Ernst laviert und so einerseits die Sehnsucht nach religiöser Verehrung bedient, ohne den aufgeklärten Verstand zu verprellen.
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Türkischstämmige Frauenrechtlerin und deutscher Evangelikaler einig: GRÜNE unwählbar!

Interessanterweise gibt es zwischen der türkischstämmigen Frauenrechtlerin Seyran Ates und mir, einen wertkonservativen bibeltreuen Evangelikalen eine biographische Gemeinsamkeit:
Wir haben beide früher GRÜN gewählt und warnen heute eindringlich andere Menschen davor dies ebenfalls zu tun.
In der heutigen Ausgabe meiner GRUEN-LIBERALEN (und im übrigen ehemals konservativen) Tageszeitung DIE WELT erklärt Seyran Ates, warum sie die GRÜNEN aus großer Enttäuschung heraus seit vielen Jahren nicht mehr wählt
Bei den Grünen begegnet man den meisten Kopftuchträgerinnen und VerteidigerInnen des Kopftuchs, den meisten Kulturrelativisten und Multikulturalisten. Den meisten Grünen ist sehr schwer zu erklären, warum ein eigener Straftatbestand Zwangsheirat so wichtig ist, und dass Ehegattennachzug für Frauen ohne Deutschkenntnisse selten einen Segen darstellt. Bei der doppelten Staatsbürgerschaft sind die Grünen schon mal eingeknickt, und von Parallelgesellschaften will ein Grüner selten was hören. Eine kritische Diskussion über Moscheebauten kann den einen oder anderen Grünen sehr aggressiv machen.
All diese Punkte sind in der Tat bei den GRÜNEN mehr oder weniger scharf zu kritisieren. Vor allen Dingen aber in Kombination mit dieser bessermenschlichen Verlogenheit und dem Drang vor offensichtlichen Problemen die Augen zu verschließen oder gar mit der Faschismuskeule zu antworten … kommt es immer öfter zu dem Ergebnis, dass sich in Mitten unserer Gesellschaft das Gegenteil von den propagierten GRÜNEN Zielen (Frauenrechte, Selbstbestimmung, friedliches Miteinander unterschiedlicher Kulturen) entwickelt.

Mein Ansatzpunkt ist natürlich nicht uuunbedingt ein feministischer …
Einst selbst Parteimitglied bei den GRÜNEN (Die größten Kritiker der Elche waren früher …), habe ich mich im Rahmen meiner Rückbesinnung auf ein christlich-biblisches Menschenbild dieser Partei zunehmend entfremdet. OK das ist alles ein weites Feld. Ich möchte nicht langweilen und es daher kurz machen: Ich werde eine These formulieren, dann schnell die Lupe auf ein mich ausgesprochen irritierendes Detail richten und das ganze dann schließlich mit einem kleinen Clou enden lassen … Was im übrigen eine probate Methode für Blogautoren ist, die größer erscheinen wollen, als es ihre intellektuelle Substanz hergibt…
These: Die strategisch brillianten 68er – in dessen Tradition die GRÜNEN ja unbestritten stehen – haben wesentliche christlich-abendländische Werte-Grundlagen, die Ehe zwischen Mann und Frau sowie die Familie als Kernzelle der Gesellschaft erfolgreich dekonstruiert, die Rückbesinnung auf einen gesunden Patriotismus durch unsägliche Faschismusdefinitionsausweitungsdiskurse blockiert und durch die sexuelle Revolution sowie linksalternative Sozialingenieurstechniken eine Verwahrlosung weiter Teile der Unterschicht zu verantworten.
Lupe: Sie sind ja lobenswerterweise mutige Streiter gegen Präimplantations-Diagnostik und Stammzelltherapie. Das Absurde ist nur: Wird das im Reagenzglas von den GRUENEN Löwenmüttern heftigst gegen die Reproduktionsindustrie verteidigte Embryo in den Uterus einer Frau eingepflanzt, ist es plötzlich zum Abschuß durch Abtreibung freigegeben, sofern sich die Frau dafür entscheidet … Zu diesem absurden Antagonismus gesellt sich nun auch noch die interessante Konstellation, dass deren Heilsbringer und Weltenretter der gute Barak Obama die böse Stammzelltherapie forciert!
Clou: Vielleicht sehnen sich sogar die GRUENEN in einiger Zeit nochmal nach dem guten alten George W. Bush – wie jeder weiss, ein entschiedener Stammzellforschungsgegner – zurück!

Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger
Türkischstämmige Frauenrechtlerin und deutscher Evangelikaler einig: GRÜNE unwählbar!

Wer interessiert sich eigentlich für den Mittelstand?

Nach Adam Smith ist der Wohlstand des Mittelstandes das wichtigste Ziel der Politik, weil sein Wohlergehen der ganzen Gesellschaft nützt. Wer die Ober- und Unterschicht fördert, erreicht nur diese Schichten, aber es hat keinen positiven Streu-Effekt. In beiden Schichten versackt das Geld, während im Mittelstand dadurch Arbeitsplätze entstehen.
Deswegen ist es eigentlich wichtig zu fragen, welche politische Richtung sich für den Mittelstand einsetzt. Die FDP ist traditionell die Partei, die hier am Meisten zu bieten hat und der das Problem auch durchaus bewusst ist. Aber da sie gleichzeitig wirtschaftsliberal ist, kann sie der Ketten- und Konzernbildung nichts entgegensetzen und sieht achselzuckend zu, wenn kleine Geschäfte geschluckt werden.
Die Linke unterstützt denselben Prozess, weil in ihren Augen „Marktversagen“ immer dem Staatsmonopol in die Hände spielt. Der Mittelstand ist für sie nur ein lästiges Überbleibsel, eine nervende Übergangsform, die am Ende der kapitalistischen Wirtschaft ohnehin verschwunden ist. Und dem Zusammenbruch der Wirtschaft fiebert die Linke ja entgegen, weil sie darin ihre Legitimation sieht, den Staat als Allesbesitzer und -verwalter umzufunktionieren. Es wäre dämlich zu denken, es gehe ihr um die Armen. Dann hätte sie ja ein Interesse daran, Arbeitslose mit Arbeit zu versorgen. Die Politik der Linken war immer darauf ausgelegt, die Schwächen des Kapitalismus zu katalysieren und herauszustellen. Sie möchte Probleme nicht mildern sondern verschärfen. Eine verbesserte Arbeitsmarktpolitik liegt gar nicht in ihrem Interesse, weil der Weg zum Sozialismus – nach ihrem Geschichtsbild – auf diese Weise nur verzögert wird.
Der freie Markt bewegt sich aber in einzelnen Wirtschaftsbereichen auf das gleiche Ziel zu, nämlich die Konzentration auf wenige Giganten, die Großteile der Bevölkerung zu Arbeitnehmern macht. Soweit ich sehe, gibt es in Deutschland keine Partei, der ich Förderung und Schutz des Mittelstandes zutrauen kann. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Konservativ die Umwelt schützen

Viele kennen vermutlich schon die Seite, auf der Annie Leonard für eine grüne Umweltpolitik wirbt. Wer sie noch nicht kennt, sollte sie sich auf jeden Fall ansehen, denn sie ist ein kleines didaktisches Wunder und sehr unterhaltsam. Aber, wie alle didaktischen Wunder, eine gefällige Verkürzung.
Annie Leonard kommt zu dem bekannten Ergebnis, dass sich die weltweite Umweltzerstörung durch einen politischen grünen Weg abwenden lässt. Dieses Ergebnis hängt am Ende ihres Vortrages ziemlich haltlos, weil sie bis zu diesem Punkt eigentlich ganz gut die Akteure der Misere benannt hat: und das sind zu allererst die Konsumenten! Sie werden zwar von Unternehmen und deren Werbung verführt und von der Politik als Käufer betrachtet, aber sie sind es doch letztlich selbst, die sich verführen lassen. Wieso also wirbt sie am Ende für eine neue Politik?
Ganz einfach: weil alles andere eine Moralpredigt wäre. Sie müste Dinge sagen wie „Seid bescheiden“, „Macht nicht jede Mode mit“, „mäßigt eure Begierden“ etc… das klingt ziemlich christlich und deswegen ziemlich konservativ. Aber genau diese Forderungen sind das Einzige, was der Umwelt wirklich helfen kann. Es ist natürlich viel komfortabler, einfach zu kaufen, was man will und sich von seiner Wochenzeitung einreden zu lassen, dass die eigentlichen Bösewichter die Großkonzerne und Politiker sind – und welche Zeitung kann es sich schon leisten, ihre Kunden zu ermahnen? Aber die Triebfeder hinter der ausufernden Produktion von Müll ist eben das gedankenlose und gierige Kaufverhalten. Es gibt eine sehr kleine und elitäre Gegenbewegung wie den Versand „manufaktum“, der von einem grünen Unternehmer gegründet wurde. Und gerade das ökologisch korrekte Angebot dieses Kaufhauses sieht über weite Strecken einfach unglaublich konservativ aus. Vieles gehörte zum Alltag der 50er Jahre.
Das Ganze ist allerdings als Nobel-Kaufhaus angelegt und wird niemals die Massen versorgen können. Trotzdem zeigt es ganz anschaulich, dass ökologisches Konsumverhalten konservativ ist.
Die Politik wird keine Wunder vollbringen und keine Energiequellen auftun, die keine Nebenwirkungen haben. Umweltschutz beginnt nach wie vor mit so Banalitäten wie Auto stehen lassen, die alten Kleider auftragen, endlich auf Papier gedruckte Medien abbestellen (dafür gibt es mittlerweile wirklich keinen Grund mehr), technische Geräte so lange wie möglich reparieren lassen und nicht einfach zu ersetzen, etc… klingt ziemlich spießig. Viel spießiger, als sich weltmännisch über den Green New Deal auszulassen.
Von Politikern wird man so etwas nicht hören, weil sie ihre Arbeit gerne aufgewertet sehen. Von den Medien ebenfalls nicht, weil die Leser Kunden sind und keine Moral-Predigten hören wollen. Wer Umweltschutz wirklich ernst nimmt, drückt das nicht über sein Wahl- sondern über sein Konsumverhalten aus. Der Kern des Problems ist nicht die falsche Parteizugehörigkeit oder das falsche Weltbild, sondern eine Menge kleiner falscher Entscheidungen der Haushalte.

Von der gar nicht so freien Presse

Dieser Beitrag ist eigentlich ein Unterpunkt zu dem Beitrag „Struktur und Meinung„, in dem es mir darum ging zu zeigen, wie Entwicklungen durch Strukturen gebahnt oder zumindest begünstigt werden.
Hier soll es darum gehen, welche Bahnen es in den freien Medien gibt.
Das Recht auf freie Presse ist mit gutem Grund in unserem Grundgesetz verankert und wird m.W. auch von niemandem in Frage gestellt. Die Frage ist nur: wie frei ist die freie Presse wirklich? Ich denke hier nicht an die Fälle staatlicher Übergriffe, über die sich Journalisten schnell ereifern, sondern um strukturelle Einflüsse. Hier denkt man vielleicht an die Werbung oder die schmeichlerischen Rabatte für Journalisten, durch die eine freie Berichterstattung nur mit angezogener Handbremse möglich ist, oder man denkt an die teilweise vielleicht allzu große Nähe zwischen Politikern und Journalisten. Vielleicht denkt man noch an die Abhängigkeit von den Konsumenten, die bestimmte Dinge einfach nicht wissen wollen und ein in einem gewissen Rahmen aufgeräumtes Weltbild erwarten.
Aber es gibt noch ganz andere Einflüsse, die der Berufsstand des Journalisten selbst mit sich bringt.
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Was ist los mit den christlichen Kleinparteien?

Die PBC hat bei der Europawahl 2009 bundesweit 0,3 % der Stimmen bekommen und verschlechterte sich zur Europawahl von 2004 um 0,1 %, dass sie vermutlich an die AUF verloren hat, die eben gerade 0,1 % der Stimmen erhielt.
Die Werbespots beider Parteien haben mir die Schamröte ins Gesicht getrieben – „wir schreiben Europa mit C…“. Das wirkte nicht nur unprofessionell, was man bei kleinen Parteien entschuldigt, sondern auch ungengagiert und desinteressiert.

Mein Wunsch für die nächste Wahl wäre eigentlich ein kleines Set aus Wünschen:

1. Macht die AUF-Partei dicht. Das Konzept einer gemeinsamen Partei für Evangelikale und Katholiken ist nicht nötig, denn die CDU war als traditionell katholische Partei trotzdem für viele Evangelikale wählbar, bevor sie sich in ihrer Familien- und Sexualpolitik vom Christentum weg bewegt hat. Umgekehrt könnte eine evangelikal geprägte Partei auch für Katholiken attraktiv sein, denn ein gemeinsames Themenspektrum gibt es tatsächlich.
2. Gebt der PBC einen neuen Namen, der zwar den christlichen Bezug aber keine evangelikalen Spezialitäten enthält. Ein Evangelikaler kann zwar eine christlich demokratische Union wählen, aber er hätte vermutlich Schwierigkeiten mit einer katholisch demokratischen Partei o.ä….
Wie wärs einfach mit CDP?
3. Bringt die Steckenpferde zum Metzger. Man mag ja von der Israel-Politik der PBC halten was man mag, aber sie gehört in einem Parteiprogramm einfach nicht in den ersten Teil. Wenn das Programm nicht nur von Freaks Zustimmung erfahren soll, muss es auch allgemeiner angelegt sein und politischen Gestaltungswillen für alle wichtigen Bereiche eines Programms deutlich machen.
4. Etwas mehr Propaganda vor einer Wahl wäre nicht übertrieben. Ich glaube, dass es das Potential für eine Stimmenzahl weit über der 5%-Hürde gibt, wenn man die Wähler zu überzeugen versteht. Das wäre in meinen Augen eine gute und überfällige Ergänzung zur CDU.
5. Vielleicht fällt mir noch mehr ein…

Wie Familie und Kirche die bürgerlichen Freiheiten sichern (sollten)

Familie und Kirche erscheinen vielen als eng. Die Kirche wacht über der Lebensführung ihrer Mitglieder und die Eltern über dem Leben der Kinder. Man könnte also das Gefühl haben, dass beide Institutionen eigentlich nur eine Quelle der Einschränkungen sind, die es abzuschütteln gilt. Tatsächlich sind diese Institutionen die Voraussetzungen dafür, dass der Staat einen Gang runter schalten kann. Wo es kein Verbrechen gibt, braucht man auch kein Gesetz. Erst wenn das Verbrechen auftaucht, spricht man von einer „Gesetzeslücke“. Und selbst wenn es das Gesetz gibt, muss der Staat die Kontrolle nur so weit treiben, wie es das Maß an Gesetzesübertretungen erfordert. Wenn z.B. das Betreten einer Wiese verboten ist – z.B. weil dort ein Nistgebiet einer vom aussterben bedrohten Vogelart ist – und sich alle daran halten, genügt ein einfaches Schild und niemand muss sich darum kümmern. Wenn alle paar Jahre mal ein Chaot das Gebiet betritt, wird sich daran nicht viel ändern. Wahrscheinlich genügt sogar zunächst ein Schild „Bitte nehmen Sie Rücksicht auf brütende Gänse“ o.ä., und erst später ist ein ausdrückliches Verbot nötig. Zunächst kommt man mit Bußgeldern, später wird mit Anzeigen gedroht. Wenn es häufiger vorkommt, dass Spaziergänger das Verbot missachten, wird aber irgendwann jemand nötig, der regelmäßig dort die Grenzen abgeht und gegebenenfalls Bußgelder verhängt. Je nachdem, wie reizvoll das Betreten ist, oder vielleicht, weil es zum politischen Kampfplatz wird, reicht ein einzelner Aufpasser nicht mehr aus, und man fängt an, gewaltige Zäune zu bauen, Überwachungskameras zu installieren, die Strafen zu verschärfen etc… oder das Verbot einfach von der Masse überrennen zu lassen.
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Das Ende des Internets

Jede Gesellschaft bringt die Technik hervor, die sie braucht. Und ebenso kann sie die Technik auch wieder ablegen, wie einen Wintermantel. Dieser Gedanke ist schwer verdaulich in einer Kultur, die vom Mythos der ewigen Evolution allen Lebens geprägt ist. Wir haben doch eher das Bild, dass die Technik wie eine großer Turm ist, bei dem zwar jede Etage auf der darunter liegenden aufbaut, aber die Richtung immer gleich bleibt, nämlich steil nach oben.
Tatsächlich können Wissenschaften aussterben oder doch zur Bedeutungslosigkeit herabsinken. Heute wird jemand, der sich mit dem Verlauf der Gestirne auskennt, nicht mehr berühmt. In westlichen Kulturen ist die Kunst des Fährtenlesens praktisch ausgestorben. Von vielen Techniken alter Kulturen scheinen wir noch nicht einmal zu wissen, dass es sie gab, nur dass wir ihre kulturellen Leistungen nicht erklären können. Seefahrernationen haben Schifsrümpfe entwickelt, vor denen noch ein moderner Bootsbauer beeindruckt ist. Theologen konnten im Mittelalter berühmt werden, wenn sie es schafften, eine Synthese zwischen der Bibel und den berühmten antiken Autoren zu konstruieren. Heute könnten sie mit dieser Kunst kaum noch einen Kurs in einer Volkshochschule voll kriegen.
Wer sich für das Thema interessiert, wird in dem Buch „Der Untergang des Abendlandes“ noch erstaunlichere Beispiele aus der Mathematik finden. Wir haben nicht nur weiter entwickelt, sondern auch viel Wissen und viele Fertigkeiten verloren. Das muss kein Grund zum Klagen sein, aber man fängt natürlich an zu fragen, wieso unsere Gesellschaft gerade ihre Techniken entwickelt hat, und ob sie möglicherweise irgendwann aussterben.
Ich möchte das mal anhand des Internets durchspielen, eine Technik, von der man sich kaum vorstellen kann, dass eine Gesellschaft auf sie einmal verzichten wird. Es ist aber denkbar, dass es sich in wenigen Jahrzehnten zu einer reinen Datenbank entwickeln wird und Chats und Foren aussterben werden.
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