Eine Biologie der Gnade

Wer die Evolutionsbiologie verstehen möchte, muss sich die Gesellschaft ansehen, in der sie entstand: das England des 19. Jahrhunderts. Es war eine Zeit der großen Umbrüche, die durch Industrialisierung und Technisierung bewirkt wurden. Für viele Menschen bedeutete diese Zeit den Verlust der Selbstständigkeit und es wurde normal, zur Arbeit zu gehen, d.h. irgendwo seine Arbeitskraft zu verkaufen. Die gleichzeitige Verbreitung der Maschinenarbeit mag dazu geführt haben, dass die Menschen selbst sich als Teile einer großen unüberschaubaren Maschine fühlten.
Wenn dieses Gefühl zum Lebensgefühl wurde, war es nur eine Frage der Zeit, bis man begann, dieses Gesellschaftsmodell auch auf die Natur zu übertragen. Durch die Geschichte von der Evolution aller Lebewesen wurde jedem Tier eine Funktion im gesamten Ökosystem zugewiesen, eine sog. „ökologische Nische“, die ihm gleichzeitig Grund seines Lebens und der Grund seiner Daseinsberechtigung war.

Die sich an diese Naturgeschichte anschließende Biologie betrachtete fortan jedes Lebewesen nur noch als die Summe verschiedener Funktionen. Ein Tier zu erforschen bedeutete gleichsam, zu verstehen, wie es funktioniert. Sein Verhalten zu untersuchen bedeutete, dem Verhalten einen biologischen Nutzen zuzuordnen, was die Forschung um einen guten Teil ihrer Begeisterung gebracht hat.
Über diese Entwicklung beklagt sich auch Burkhard Müller in dem Buch „Das Glück der Tiere – Einspruch gegen die Evolutionstheorie“ (nein er ist kein Kreationist und mag Kreationisten noch weniger als Evolutionisten). Aber es gelingt ihm m.E. nicht, der evolutionistischen Sicht auf die Natur eine neue eigene entgegen zu stellen.

Tatsächlich ist genau das auch nicht ganz leicht, weil Tiere ja tatsächlich zweckmäßig organisiert und konzipiert sind. Daran wird sich auch nach der Evolutionsbiologie nichts ändern.

Auch eine Biologie der Gnade leugnet keinen biologischen Nutzen, aber sie wechselt den Blick: sie betrachtet das Tier nicht mehr als Funktionseinheit, sondern als Individuum. Sie beschreibt Verhalten nicht nur als Ergebnis der Naturgeschichte, sondern als Ergbnis eines subjektiven Willens. Also das Tier sucht nicht Futter, weil dieses Verhalten sich bewährt hat, sondern weil es Hunger verspürt und etwas fressen möchte. Ein Körper besitzt seine Merkmale nicht nur, weil sie den Vorfahren nützlich waren, sondern auch, weil sie seinem Besitzer nützlich sind. Das Tier lebt nicht, um die Evolution voran zu bringen, sondern weil Gott ihm das Leben geschenkt hat. Der Körper ist also nicht nur ein Werkzeug für Aufgaben, sondern zu allererst ein Geschenk. Aus dem Ökosystem wird ein Raum, den Gott dem Tier zur Verfügung stellt und der damit Gegenstand von Wünschen und Ängsten ist.

In dem Moment, wo wir beginnen, das Tier als Individuum zu betrachten, wird dessen Umwelt zum Gegenüber eines empfindsamen Willens, zu etwas, das von dem Willen getrennt empfunden und nicht von diesem hervorgebracht wird, und damit zu einem Reich der Gnade. Denn nur Individuen kennen Gnade – und Bedrohung. Nur ihnen kann etwas gegeben werden. Betrachten wir das Tier als Funktionseinheit, dann verschwindet es in einem „Öko-System“ der Wechselwirkungen, in dem es sich seinen Platz durch seine Funktion erworben hat und in seinen Funktionen aufgeht, so wie der Mensch im Industriezeitalter. Nur in einer Biologie der Gnade können wir das Tier als Individuum und seinen Lebensraum als eine Gabe der Güte Gottes verstehen.

Je mehr wir uns mit der subjektiven Seite des Tieres beschäftigen, desto stärker rückt auch der Gedanke an Gott wieder in den Blick. Denn wenn die Lebewesen als lebende Geister begriffen werden, brauchen wir eine Erklärung und einen Ursprung dieser Geister. Dadurch wird unser Blick automatisch auf Gott gelenkt. Wer die Naturwissenschaft von Gott losgelöst betreiben möchte, muss auch die Geschöpfe ent-geisten und als Maschinen betrachten. Und wer wieder beginnt, die Tiere als lebende Geister ernst zu nehmen, kommt kaum um den Gedanken Gottes herum.

Das klingt nach einer einfachen Umformulierung, hat aber in der Praxis große Auswirkungen:
In der Evolutionsbiologie wird der Blick auf Lebewesen stark verengt. Man erklärt immer das Verhalten der Tiere, dass einem offensichtlichen Zweck dient. Ausreißer, besonders findige Lösungen, niedliche Gefühlsäußerungen etc. gehören eher den als unwissenschaftlich geltenden Anekdotensammlungen an. Aber bestimmt nicht die Heldentat eines einzelnen Pferdes nicht völlig zu Recht unser Bild dieser Tiere insgesamt? Wieso kann nicht alles, was wir mit einer Tierart erleben zu unserem wissenschaftlichen Wissen über diese Art gehören?
Zweitens lässt sich eine vielzahl von Verhaltensweisen in einer Biologie der Gnade direkt und leichter erklären. So z.B. das Trauerverhalten mancher höherer Säugetiere. Wie erklärt man, dass eine Affenmutter noch mehrere Tage nach dem Tod ihres Kindes, sich rührend um seinen toten Körper kümmert, bevor sie es verlässt? Dieses Verhalten bietet doch keinen Überlebensvorteil, sondern ist einfach Ausdruck der Trauer (man müsste dieses Verhalten als ungünstigen Nebeneffekt einer allgemeinen Sorge für das Kind deuten, aber die Erklärung bliebe unbefriedigend, weil sie eigentlich nicht das beobachtete Verhalten, sondern etwas anderes erklärt und letztlich nur umständlich sagt, dass man das Verhalten selbst aber nicht erklären kann).
Drittens wäre der Blick offen für nicht-nützliche Zusammenhänge, wie z.B. das häufige Auftreten der Zahl 5 in der Biologie oder das ästhetische Empfinden.
Viertens gäbe es wieder mehr Freude am Wissensammeln. Heute muss sich Forschung in der Biologie daran messen lassen, ob sie die Evolutionstheorie weiter stützt. Experimente müssen am besten immer der großen Theorie dienen, während das stille, fleißige aber hochvergnügte Sammeln von Erkenntnissen über Tiere an sich langsam ausstirbt.
Fünftens würde der Forscher selbst zum Lob Gottes geführt weil es zur Forschung ganz natürlich dazu gehört. Dieses Gefühl der Begeisterung dürfen Biologen derzeit nur privat empfinden, aber in Lehrbüchern hat es keinen Platz. Aber manche Dinge kann man nicht beschreiben, ohne Gott dafür zu loben.

„Die Herrlichkeit des HERRN bleibe ewig! Der HERR freue sich seiner Werke!“ (Psalm 104,31)

vgl.: http://bibel-kommentar.de/Psalm%208,3.html

Das Monster mit den gelben Augen

Seit vielen Generationen verbarg sich das Dorf vor der Sonne in einer uralten Höhle. Die Menschen litten unter der Dunkelheit. Sie gruben sich in den Berg hinein und richteten sich halbwegs erträglich ein. Bis eines Tages in einer sehr tiefen Spalte ein Monster entdeckt wurde, dessen Augen gelb leuchteten – viel mehr sah man zu dieser Zeit nicht von ihm.
Die Menschen vergrößerten die Spalte und staunten, als sie sahen, wie groß und wie schrecklich dieses Monster tatsächlich war. Aber sie freuten sich an dem Licht seiner gelben Augen. Sie konnten vieles in ihrer Höhle zum ersten Mal erkennen, es war eine unvorstellbare Aufbruchstimmung unter den Dorfbewohnern. Sie würden die Sonne nie mehr vermissen.

Doch bald stellte sich heraus, dass das Licht des Monsters die Menschen tötete. Zunächst wollte niemand den Zusammenhang wahrhaben. Erst als fast zwei Drittel der Bewohner dem Licht unter grausamen Schmerzen zum Opfer fielen, sperrten die Überlebenden das Monster in einen Käfig. Sie arbeiten mit schockstarren Gesichtern und ohne Fragen zu stellen oder viel darüber zu reden. Der Käfig war allerdings raffiniert gebaut: er erlaubte es den Bewohnern, das Licht der Monsteraugen auf einen kleinen Bereich leuchten zu lassen, den sie nun für verschiedene Tätigkeiten verwenden konnten, ohne selbst Schaden zu nehmen.
Man sprach später voller Verachtung über die Dummheit der älteren Höhlenbewohner, das Monster zu benutzen, um mit seinem Licht die ganze Höhle und sogar die Menschen zu beleuchten.
Nur wenige begannen sich zu fragen, ob man das Monster nicht besser in der Spalte gelassen hätte. Aber die Mehrheit konnte diesen Gedanken leicht zerstreuen: das Monster war bei allen Gefahren doch die beste Möglichkeit, um überhaupt etwas zu sehen; außer der Sonne natürlich, aber das war ein lächerlicher Gedanke…

Schöpfungslehre in den Biologie-Unterricht

tagesschau.de hat auf seinen Webseiten eine Umfrage stehen, die zwar mittlerweile schon abgeschlossen ist, deren Ergebnis jedoch für Vertreter der Schöpfungslehre trotzdem interessant sein könnte. Gefragt wurde: „Sollte die christlichen Schöpfungslehre in den Biologieunterricht aufgenommen werden, wie es Hessens Kultusministerin Karin Wolff und Bischof Walter Mixa fordern?“
Die absolute Mehrheit … mehr als 2/3 aller Teilnehmer antworteten verblüffenderweise mit „Ja“ …

Ja: 29290 Stimmen, dies entspricht circa 68.4%
Nein: 13262 Stimmen, dies entspricht circa 31.0%
Weiß nicht: 272 Stimmen, dies entspricht circa 0.6%
Stimmen gesamt: 42824

Das ist doch mal ein Grund zur Freude … Allerdings muss ich ehrlich zugeben, dass mich erst eine kleine Kampagnen-Rundmail, der seinen Ausgangspunkt beim Evangeliumsrundfunk hatte auf diese Umfrage hingewiesen hat … Sollte das Umfrageergebnis hierdurch vielleicht ein wenig geschönt erscheinen, so liesse sich daraus zumindestens auf eine extrem hohe Mobilsierungsfähigkeit der Online-Christenheit schließen 😉 Auch nicht schlecht … werden wir von Theokonservativ bei Gelegenheit mal drauf zurückkommen …
Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger

Schöpfungslehre in den Biologie-Unterricht

Hitlers Naturreligion

In diesem Jahr ist eine Dissertation von Thomas Schirrmacher (seine vierte, soviel ich weiß) mit dem Titel „Hitlers Kriegsreligion“ erschienen.
http://www.genialebuecher.de/p_info.php?products_id=1476

Der monumentale Umfang dieser Dissertation liegt zu ca. 60% an den reichhaltigen Zitaten, für die der Autor eine Sondergenehmigung des Freistaates Bayern erhalten hat. Leider ist es nicht erlaubt, die Zitate in anderen Quellen zu verwenden. Ich bin daher darauf angewiesen, auf die Seiten aus der Dissertation zu verweisen.

Ich möchte hier nur auf einen Aspekt hinweisen, der aus zwei Gründen interessant ist:
1. er steht soweit ich sehe im Zentrum von Hitlers Denken
2. wurde er bisher nicht hinreichend beleuchtet und lebt munter weiter.

Es handelt sich um Hitlers Naturverehrung. Dies fällt auf den ersten Blick nicht so auf, weil er viele christliche Begriffe benutzt. Oft spöttisch, aber durchaus auch „tief religiös“ wie er selbst sagen würde.
Anhand der Zitate im Überblick lässt sich aber gut zeigen, was Hitler meint, wenn er „Gott“ sagt. Dies sieht man einerseits daran, wenn er der Natur göttliche Attribute zuschreibt (die Natur „rächt“ die Übertretungen ihrer Gebote, woraus er folgert dass im Sinne ihrer Gebote zu handeln „für das Werk des Herrn“ zu kämpfen Bd1, S.56) andererseits daran, dass er der Natur eine verehrende Haltung entgegenbringt: Hitler forderte eine demütige Unterordnung unter die Natur (Bd.1, S.157) und glaubt, der Mensch werde durch den Anblick der Natur „der frömmste Mensch“ allerdings nicht im Sinne der „Kirchenfrömmigkeit“. Die Demut bestand für Hitler in dem Verzicht, die Natur beherrschen und letztlich ergründen zu wollen. Die Natur sei unbeherrschbar und der Mensch habe dafür den Begriff der „Allmacht“ geprägt.

Alles religiöse Empfinden erklärt Hitler damit aus der Anschauung der Natur und ihrer Bewunderung.
Nun könnte Peter Singer wieder darauf hinweisen, dass Hitler auch eine Nase hatte, nur hatte seine Nase vermutlich nichts, seine Naturverehrung hingegen sehr viel mit seiner Politik zu tun.
Für Hitler war alles Christliche eine Entfremdung von der Natur: durch die Nächstenliebe kam etwas in die Welt, dass es im Tierreich so nur unter Klanmitgliedern gibt – eine Art Eltern- und Sippenliebe, die sich aber nicht auf den Feind ausdehnt.
Dieses Verhalten war für Hitler ein Verstoß gegen die Natur. Überhaupt dem Individuum eine besondere Bedeutung zuzugestehen, angesichts er Millionen von Lebewesen auf der Erde, war für Hitler unvorstellbar. Er nahm damit die mordernen Argumente für die Euthanasie und Abtreibung vorweg (vergleiche auch meinen Beitrag „Vegetarismus und Menschenwürde“). Für Hitler stand der Mensch allein in der Natur und von ihr ausgestattet mit dem Wunsch zu überleben. Keine Religion sollte sein Verhalten bestimmen sondern allein die Natur und ihre Gesetze.

Hitlers „grüne“ Einstellungen waren kein Zufall, sondern die wirksame Grundlage seiner menschenverachtenden Ideologie. Durch seine dumpfe Naturergebenheit nahm er dem Menschen die Würde. In einem seiner Tischgespräche fragte er „Wer hat die Schuld, wenn die Katze die Maus frisst?“.
Das ist der Zynismus des modernen Naturalisten und Naturmystiker.

Die folgenden Links verweisen zu Rezensionen des Buches „Naturschutz und Nationalsozialismus“ und die Eröffnungsrede des damaligen Bundesumweltministers Jürgen Trittin zu dem Kongress, aus dem das Buch hervorgegangen ist:

http://www.sehepunkte.de/2004/11/4499.html
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=62&count=18&recno=16&sort=datum&order=down&geschichte=115
http://www.falter.at/heureka/archiv/02_5/09.php
http://www.bmu.de/reden/archiv/bundesumweltminister_juergen_trittin/doc/703.php

Eine Erklärung der Fossilabfolge

Die Abfolge der Fossilien erlaubt mit Einschränkungen einen Blick auf die Entwicklung der Fauna und Flora in einer bestimmten Gegend.
Für Kreationisten sind diese Funde scheinbar schwer zu erklären, weil man (wie es nach der Evolutionstheorie auch zu erwarten wäre) auf den unteren Schichten die eher niederen Lebewesen und auf den höheren Schichten auch zunehmend höher entwickelte Lebewesen findet.

Ich möchte hier eine  kreationistische Erklärung dieses Befundes vorstellen:
Gott gebot den Tieren im Wasser und in der Luft (Gen 1,22) sich zu vermehren und Luftraum und Meer zu füllen. Ein ähnliches Gebot erhalten später auch die Menschen und es galt vermutlich auch für die Landtiere.
Daraus darf man wohl schließen, dass nicht nur die Menschen, sondern auch die ganzen Tiere in Kleinstpopulationen (auch nur jeweils ein Pärchen?) erschaffen wurden. In den folgenden Jahren verbreiteten sich Tiere und Pflanzen auf der ganzen Erde. Wenn dieses Szenario stimmt, kann man die Schichtenfolge soweit ich sehe, sehr leicht erklären, denn es gibt bei so einer Ausbreitung verschiedene bekannte Gesetzmäßigkeiten:

Ein Lebewesen kann nur dort überleben, wo es Nahrung findet. Das bedeutet, ein Gebiet wird immer zuerst von Pflanzen, dann von Tieren besiedelt, dann von Tieren, die Tiere fressen, und dann erst von Tieren, die auch große Tiere fressen. Die Schichtenfolge ist zunächst einfach eine Abfolge der Nahrungskette.

Ein zweites Gesetz lautet, dass niedere Tiere (am unteren Ende der Nahrungskette) tendenziell eine schnellere Vermehrungsrate haben als höhere Tiere. Dies liegt wohl vor allem an der oft höheren Geburtenfolge und den zahlreicheren Nachkommen. Das führt in der konventionellen Landwirtschaft auch zu dem Problem, dass nach dem Versprühen von Insektiziden, sich zuerst die niederen Tiere und erst mit deutlicher Verzögerung ihre Fressfeinde wieder erholen. Zum Anderen mag es an dem größeren Nahrungsangebot für niedere Tiere liegen als für höhere.
Ein dritter Effekt dürfte die Kraft des Wassers sein, dass viele Lebewesen einfach in den großen Meeresströmungen einfach verteilte. Daraus folgt aber nicht nur, dass man tendenziell im Meer die ältesten Lebewesen finden dürfte, sondern auch, dass sich das Leben an Land anhand der Küsten ausgebreitet hat. Hier werden zunächst nur Tiere erfolgreich gewesen sein, die ihre Nahrung auch im Wasser finden – also Amphibien. Erst dann konnten sich auch andere Landtiere niederlassen, die sich von den Amphibien ernährten. usw.

Diese Erklärung ist möglicherweise sogar besser als die Erklärung durch eine Entwicklung. Sie erklärt nämlich einerseits das plötzliche Auftreten einer Tierart, was die Evolutionstheorie vor arge Erklärungsnöte stellt. Zweitens erklärt sie Verteidigungsmechanismen der niederen Tiere gegen Fressfeinde, die man in der jeweiligen Schicht noch gar nicht findet. Z.B. muss man sich doch fragen, weshalb die Trilobiten sich mit einem derart aufwändigen Panzer umgeben, obwohl sie anfänglich die größten Tiere zu sein scheinen. Klar, man kann das mit dem „Monsterwurm“ erklären, der sich wegen seiner fehlenden Hartteile leider nicht nachweisenlässt, man muss es aber nicht.

Ein möglicher Einwand lautet, dass man die sukzessive Ausbreitung der einzelnen Tiergruppen nicht anhand ihres Vorkommens in den Schichten nachvollziehen kann. Aber dieser Einwand lässt sich recht einfach entkräften: wenn wir von einer Räuber-Beute-Beziehung ausgehen, benötigt der Räuber immer eine Menge an Beutetieren, die weit über der eigenen Populations-Stärke liegt. Gehen wir von dem Szenario aus, dass Gott die Menschen und Tiere in einen Garten gesetzt hat, von wo aus sie sich verbreitet haben, dann fanden z.B. räuberische Amphibien praktisch unbegrenzte Ausdehnungsmöglichkeiten. In dieser Situation gab es daher keinen Grund, sich in Herden oder anderen sozialen Verbänden zusammen zu schließen, denn Gruppen sind kostenintensiv und lohnen sich nur in Konkurrenz-Situationen oder Druck durch Predatoren. Die günstigste Strategie bestand daher in einer möglichst dünnen Besiedlung der ganzen Welt. Für einen Predator bedeutete dies aber, dass die optimalen Beutetiere noch nicht in einer ausreichend hohen Konzentration vorlagen. Hat ein Löwe also ein Gnu gefressen, gab es im Umkreis von ein paar hundert Kilometern keine Gnus mehr und er musste sich wohl mit Kleinsäugern begnügen. Irgendwann waren die ökologischen Nischen des Gnus dann besetzt und die Wahrscheinlichkeit für den Löwen auf ein Gnu zu treffen deutlich gestiegen. Dadurch hat sich die Ernährungssituation des Löwen erheblich verbessert, weil Kosten und Nährwert bei Kleinsäugern für ihn sehr ungünstig sind. Die Besiedlung eines bislang unbesiedelten Gebietes wäre also gar nicht als geografische Ausbreitung denkbar sondern als schrittweise Verdichtung der ökologischen Nischen. Auch hier mag die Rückkehr des Wolfes den Prozess veranschaulichen: er traf in Deutschland auf ein Paradies, in dem es keinen anderen Beutegreifer in seiner Größe gibt und hat sich in wenigen Jahren in fast ganze Deutschland ausgebreitet. Ausgebremst wurde er wohl nur durch die teilweise sehr dichte Besiedlung und Jäger. Unter optimalen Umständen hätte der Wolf sich vermutlich in wenigen Jahren in ganz Europa ausbreiten können, also nach geologischen Maßstäben schlagartig. Erst nach und nach kommt es zu der Notwendigkeit, größere Rudel zur Revierverteidigung zu bilden und sich mit kleineren Revieren zu begnügen.

Widersprüchliche Schöpfungsberichte?

Ein häufig erhobener Vorwurf gegen die Glaubwürdigkeit des Schöpfungsberichtes ist, dass es ja eigentlich zwei gebe, die sich zu allem Überfluss auch noch zu widersprechen scheinen:

Nach dem ersten Schöpfungsbericht erschafft Gott die Pflanzen am dritten und die Menschen am sechsten Tag, also eindeutig nach den Pflanzen. Im zweiten Schöpfungsbericht beginnt die Schöpfung mit dem Menschen, und es wird ausdrücklich gesagt, dass noch keine Pflanzen gemacht wurden.

Wie löst man das Problem? Man löst es wie jedes Problem, indem man es ernst nimmt:
nehmen wir mal an, der zweite Schöpfungsbericht sei tatsächlich völlig unabhängig vom ersten entstanden und erzähle etwas völlig anderes, dann erhalten wir nach den Kritikern der Berichte etwa folgendes Bild: Gott erschuf den Menschen. Aber da es noch keine Pflanzen gab, musste er ihn zunächst im Matsch abstellen, bis der Garten fertig war.

Es ist wohl ziemlich offensichtlich, dass man den Text natürlicherweise niemals so lesen würde. Jeder liest ihn so, dass Gott den Menschen in einen fertigen Garten stellt, einen Garten also, der vor dem Menschen erschaffen wurde.

Nun werden die Kritiker natürlich darauf hinweisen, dass in Gen 2,5 ausdrücklich steht, dass „all das Gesträuch“ nicht gesprosst war, bevor die Erschaffung des Menschen berichtet wird.
Der Einwand ist ziemlich leicht zu entkräften, denn hier wird doch offensichtlich eine Begründung und keine Reihenfolge genannt. Also weil es noch nicht geregnet hatte und weil es noch keinen Menschen gab, hatte Gott die Pflanzen noch nicht wachsen lassen.
Der Mensch war also der Grund für die Entstehung der Pflanzen, auch wenn diese strenggenommen drei Tage früher entstanden.

Das Problem entsteht also nur, wenn man sich künstlich doof stellt.

Neo-Atheismus : neue Fundamentalisten auf dem Vormarsch!

Schlaglichtartig machte uns DER SPIEGEL mit seinem Titel „Gott ist an allem Schuld! Der Kreuzzug der neuen Atheisten“ Ende Mai klar, dass sich etwas geändert hat in der Lufthoheit über den Seelen Deutschlands. Und nicht nur in Deutschland – weltweit blasen die sogenannten „neuen Atheisten„, oft auch „Brights“ genannt zum Angriff auf alles Religiöse.
Obwohl das Thema „Vormarsch der Gottlosen“ mittlerweile schon in Polylux bei Deutschlands zehnmalklugen Popkultur-Diva Tita von Hardenberg genüßlich zelebriert wurde, scheint es trotzdem wohl mehr als ein Sommer-Hype zu werden.
Die Helden der Bewegung sind Christopher Hitchens, Daniel Dennett, Michel Onfray, Sam Harris. Nicht zu vergessen der neue Atheisten-Papst und Erfinder der Meme Richard Dawkins. In Deutschland spielt die Giordano Bruno Stiftung eine Schlüssel-Rolle, denn hier findet man die Crème de la Crème der deuschen Atheisten.

Man will also nichts weniger, als nun endlich – ohne lange zu fackeln – die Aufklärung vollenden … Auf dass alle Atheisten werden!
Und bist Du nicht willig … hört man da die neuen atheistischen Fundamentalisten schon flüstern.

Diese ganze Welle kommt dabei mit einem ausgesprochen intoleranten, aggressiven Habitus daher. Woher kommt diese Wut? Kann man den Amerikanern bis heute nicht den 11. September 2001 verzeihen, den in dieser Frage wohl entscheidenden Wendepunkt der Geschichte. Ist wieder mal der wiedergeborene G. W. Bush oder sind gar die vorlauten, immer frecher werdenden Kreationisten und intelligenten Designer Schuld? Oder reibt man sich „nur“ an den eifernden Islamisten aus dem Karikaturenstreit und dem entstehenden Großkalifat Eurabia?
Ich denke es gibt eine verworrenes Konglomerat von Ursachen. Ich werte den neuen Atheismus hauptsächlich als eine Art Massen-Verschwörung gegen die in den Feuilletons vielbeschriebene Rückkehr der christlichen Religion. Mit staunenden Augen mußten ansonsten selbstsichere Intellektuelle mit ansehen, wie sich beispielsweise eine immer größer werdende Menge von Jugendlichen wieder vermehrt christlich geprägten konservativen Werten und … was für sie am allerschlimmsten war … dem Papst zuwandte. Die Religion sollte doch absterben … Das Gegenteil war jedoch der Fall. Um so stärker wuchs die Wut und der Hass der Atheisten. Ein großer Teil der Wut, die durch islamistische Eiferer entsteht wird gerne bevorzugt an den Christen abgearbeitet [-> TAZ, was bist Du feige!]
Sehr schön fasst das Markus Reder von der katholischen Tagespost zusammen: „Solche Attacken sind ein sicheres Indiz dafür, dass die Rückkehr der Religion kein Feuilleton-Phänomen ist, sondern Realität. Es geht nicht darum, eine machtvolle Renaissance des Christentums herbeizureden. Doch da ist etwas in Bewegung geraten. Das zeigen gerade diese Angriffe. Wo der Glaube wächst, da wachsen auch Widerstände. Für Christen ist das weder neu noch erschreckend: Nicht der Atheismus ist der Verstehensschlüssel für das 21. Jahrhundert, sondern die Religion.“
Ich persönlich finde einen weiteren Aspekt noch ausgesprochen wichtig. Viele Blogger aus dem christlich-neokonservativen Spektrum verbünden sich auf dem Gebiet der Islamismus-Kritik gerne mit den USA-freundlichen Libertären … und gerade hier gibt es eine riesengroße Schnittmenge zur „neuen Atheismus-Szene“. Mir gefällt das nicht, aber das ist das gute an dem Thema „neuer Atheismus“ … hier kann man die manchmal sehr verschwommenen Standpunkte sehr scharf voneinander getrennt darstellen.
Wir werden auf dieses Thema hier daher in Zukunft einen besonderen Schwerpunkt legen.
… Zumal wir theocons ja mittlerweile selber im Zentrum der atheistischen Angriffe stehen 😉
Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger
Neo-Atheismus : neue Fundamentalisten auf dem Vormarsch!