Obama im Krieg

Die USA beteiligen sich an einem Militärschlag gegen das Regime in Lybien. Unter George W. Bush haben sie sich auch mit Militärschlag gegen einen Diktator gewendet, aber der Einsatz wurde in Europa völlig anders bewertet. Am deutlichsten ist der Stimmungswandel in Frankreich zu sehen: dort herrschte unter Bush brüske Ablehnung und heute beteiligen sie sich aktiv an dem Einsatz. Aber auch die Grünen bedauern offensichtlich, dass Deutschland sich nicht am Krieg beteiligt – sorry, die neue Wortwahl ist jetzt „militärisches Engagement“. Wie dem auch sei: Deutschland hat sich enthalten, ist aber sehr um eine ausgewogene Stimmung bemüht – und unterstützt den Krieg indirekt, indem es sich in Afghanistan stärker engagiert. Sowohl in Lybien als auch im Irak wurden die Menschen von einem grausamen Despoten unterdrückt, wobei der Zustand im Irak sogar noch schlimmer gewesen sein soll. Darüber hinaus bestand die – von der Weltgemeinschaft anerkannte – Gefahr eines Angriffes durch Giftwaffen, die aber während der langen Vorphase des Krieges beseitigt wurden, so dass der letzte Nachweis bis heute fehlt. Wäre Deutschland mit in den Krieg gezogen, wenn die Menschen im Irak auf Demonstrationen beschossen worden wären? Warum nicht dann, wenn willkürlich Menschen erschossen werden – und ohne große öffentliche Aufmerksamkeit? War das wirklich der große Unterschied zur Obama-Regierung? Würde Europa einen Angriff auf den Iran oder Nord-Korea unter Obama ebenso scharf verurteilen, wie einen Krieg unter Bush? Das wird kaum jemand ernsthaft annehmen.

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Evan Sayet: Wie moderne Liberale denken

Auf der „Gegenstimme“ hab ich es schon gepostet. Aber diese Gedanken haben einfach weitestmögliche Verbreitung verdient: Die deutsche Übersetzung des brillanten Vortrages des bekannten US-amerikanischen Comedians und politischen Kommentators Evan Sayet über die Denkweise hinter der Political Correctness, dem aggressiven Atheismus und dem gesellschaftspolitischen Erbe der 68er-Generation… viel Vergnügen!

www.youtube.com/watch?v=eaE98w1KZ-c

Ich würde mich selbst als Republikaner des 13. September bezeichnen. Aufgewachsen war ich als liberaler New Yorker Jude, wesentlich liberaler geht`s kaum noch – obwohl es noch im Kleinformat war im Vergleich zu dem, was man heute „liberal“ nennen würde. Ich ging von der High School und wusste über Politik nur eines: Dass die Demokraten gut und die Republikaner böse sind.
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Vom Kampf um einen Begriff

Die Konferenz gegen Rassismus ist gleich am ersten Tag eskaliert und scheint allen Recht gegeben zu haben, die ihr fern blieben. Nun ist die Empörung groß und man hört in vielen Zeitungen das Seufzen „es hätte so schön werden können…“. Dabei haben weder die Befürworter einer Teilnahme noch die Boykottierenden das eigentliche Problem gesehen: wie kann es zu so derben Meinungsverschiedenheiten kommen, wenn alle einer Meinung sind, nämlich in ihrer Verurteilung des Rassismus? Auch Irans Präsident ist angetreten, um gegen Rassismus zu kämpfen, zumindest ist das sein Anspruch. Die Demonstranten machen gegen ihn Stimmung, indem sie „no racism“-Fähnchen hochhalten und alle anderen Parteien rechtfertigen ihre Teilnahme oder Absage mit ihrem ganz persönlichen Kampf gegen Rassismus und Intoleranz.
Der Grund dafür liegt natürlich in der Konturlosigkeit des Begriffs „Rassismus“. Und für den gibt es einen einfachen Grund: Es scheint zwar der gutbürgerliche linke Konsens zu sein, dass wir keine „Moral“ brauchen und schon gar keinen Gott, der diese Moral einmal einklagen wird. Aber in dieser Gebots-Phobie gibt es ein Loch, und das ist das Dritte Reich, von dem ebenfalls alle sagen, dass es so etwas nie wieder geben darf. Wenn man heute also moralisch urteilen möchte, gibt es bekanntlich kein wirkungsvolleres Mittel, als immer eine Verbindung zum Dritten Reich hinzubiegen. Dieses Verfahren kann man als „Sack-Ethik“ bezeichnen: man nimmt einen Sack, schreibt „Rassismus“ oder „Faschismus“ darauf und schlägt auf alles, was sich in diesem Sack befindet. Die Kunst besteht lediglich darin, alles in den Sack zu packen, was einem nicht gefällt. Dieses Spiel hat in Deutschland die politische Linke erfunden und Ahmadinedschad zeigt, wie leicht es zu durchschauen und zu torpedieren ist. Da der Begriff „Rassismus“ immer weiter ausgedehnt wird, nimmt er sich dieses Recht auch selbst heraus. Was sich im Anschluss an seine Rede abspielte, zeugt nicht vom Problembewusstsein um die Verwendung einer Ethik, die nur noch von politischen Launen und stimmungsvollen Begriffen lebt, sondern von dem unbeugsamen Anspruch, dass der Westen sich die Deutungshoheit über mächtige Begriffe keinesfalls aus der Hand nehmen lassen möchte und sie notfalls auch mit Gewalt zu verteidigen bereit ist. Und genau das ist besorgniserregend, weil die Sack-Ethik ein potentes Mittel für Diktaturen ist.
Ja, es ist Heuchelei, vom Kampf gegen Rassismus zu reden, wenn man eigentlich den Kampf gegen die persönlichen Feinde meint. Aber Ahmadinedschad hat diese Heuchelei nur kopiert und karikiert.

Bibel und Koran

Auf mehreren Seiten im Internet vergleichen Muslime Koran und Bibel und kommen natürlich regelmäßig zu dem Ergebnis, dass der Koran großartige Prosa ist und mit der modernsten Naturwissenschaft übereinstimmt, keine Widersprüche enthält und sehr aufgeklärt ist, im Gegensatz zur Bibel, auf die das alles nicht zutreffe.
Zu der Prosa kann man nicht viel sagen, solange man kein Arabisch lesen kann, außer dass von der angeblich großartigen Prosa in den deutschen Übersetzungen des Koran nichts übrig geblieben ist. Aber es ist auf jeden Fall überfällig, das Christen sich zu diesen Vorwürfen äußern.

Als Erstes möchte ich jedem raten, Bibel und Koran selbst zu lesen. Vorausgesetzt natürlich, man möchte auch eine Meinung zu den beiden Religionen haben – oder vielleicht sogar zwei…
Für jeden, der sich für Religion interessiert wäre es wohl zu wenig, dazu nur Tages- und Wochenzeitungen zu lesen. Sowohl den Koran als auch die Bibel gibt es in gut lesbaren deutschen Übersetzungen und beide sind entweder günstig im Buchhandel erhältlich (zum Preis von wenigen Tageszeitungen!) oder stehen sogar kostenlos im Internet: Den Koran gibt es im Projekt Gutenberg, ansonsten gibt es gute meist englischsprachige Seiten dazu bei Wikipedia. Die Bibel kann man in allen gängigen Übersetzungen auf dem bibelserver lesen, der eine gute Suchfunktion enthält. In über hundert Übersetzungen kann man sie hier lesen. Mit Hilfe von Suchmaschinen (von denen es nicht nur google gibt…) findet man leicht diverse Kommentare und Ausarbeitungen.
Aber ich empfehle jedem Anfänger, sich nicht von herrschenden Auslegungen den Blick vorschnell verengen zu lassen und sich die Texte selbst durchzulesen.

Und dann kann jeder auch selbst beurteilen, ob Bibel und Koran wirklich „eigentlich“ das Gleiche lehren und ob man die beiden Bücher wirklich auf einer Ebene ansiedeln kann. Vielleicht wird der Leser dann auch verstehen, weshalb es in manchen muslimischen Ländern bei Todesstrafe verboten ist, Bibeln einzuführen, während ich hier auf einer christlichen Homepage jeden dazu ermuntere, den Koran zu lesen.

Mit einem wichtigen Mythos über den Koran möchte ich aber schon an dieser Stelle aufräumen: es liegt keine Version des Koran vor, die den Anspruch erheben kann, die „Originalfassung“ dessen zu sein, was Mohammed aufgeschrieben hat. Christine Schirrmacher schreibt in ihrem Buch „Der Islam“:
„Auch von muslimischer Seite unbestritten ist die Tatsache, daß bei Muhammads Tod der Koran nicht vollständig als schriftliche Offenbarung vorlag.“ (S.121)
Sie schildert dann ausführlich die verschiedenen Etappen, auf denen dann die Koran-Fragmente nach dem Tode Muhammads „von Zetteln, Steinen, Palmstengeln und den Herzen der Menschen“ zusammengetragen worden sind (nach einem Zitat mehrere muslimischer Berichte). So sind Texte, die eine sehr gute Überlieferungskette bis auf Muhammad für sich beanspruchen konnten, nicht im heutigen Korantext enthalten, andere wurden später wieder entfernt, weil sie zeitlich begrenzt gültig waren (auch das wird von muslimischen Theologen nicht bestritten!). Und in der frühislamischen Literatur finden sich „Tausende von Koranvarianten“, „die sich im heute offiziel gültigen Korantext nicht finden“ (Schirrmacher, S.124).
Muslime erklären diese Abrogationen (Text-Änderungen) teilweise mit dem Koran selbst, der ausdrücklich diese Abrogationen in sich nennt. Denn schon zu Muhammads Zeiten wurden den Menschen seine ständigen Textveränderungen zu viel. Im Koran heißt es deswegen: „Wenn wir einen Vers anstelle eines anderen bringen – und nur Gott weiß am besten, was er offenbart -, sagen sie: Du erfindest ja nur etwas“ (16,101)

„Rotraud Wieland weist auf den darin liegenden Widerspruch hin: Einerseits kann der heilige Text abrogiert werden, andererseits soll er von Ewigkeit existiert haben und heilig, wahr und unfehlbar sein. Diesen Widerspruch hat die muslimische Koranwissenschaft wohl niemals aufzulösen versucht.“ (Schirrmacher, S. 128)

Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, dass der Korantext nur in Konsonanten aufgeschrieben war, der laut Welch Watt „wenig mehr als eine Gedächtnisstütze“ sein konnte. „Demjenigen, der den Text kannte, half sie, ihn genau zu wiederholen. Wer den Text aber nicht kannte, konnte kaum etwas damit anfangen“ (zitiert nach Schirrmacher, S. 135).
Aus den vielen voneinander abweichenden Lesarten wurde im 8. Jahrhundert dadurch beseitigt, dass man diakritische Punkte auf den Konsonanten festlegte und Vokale einfügte. Nach Schirrmacher errreichte diese Lesart aber erst im 10. Jahrhundert stärkere Akeptanz bei den Korangelehrten.
Wenn man zu den wenigen Einzelbeispielen, die muslimische Gelehrte als Abrogationen anerkennen noch diejenigen nimmt, sie man als Erklärung beispielsweise für Ungleichmäßigkeiten im Stil des Korantextes (wie Reimwechsel, ungleichmäßige grammatische Konstruktionen etc…) fast zwingend benötigt, kommt man auf ein ernüchterndes Ergebnis:
„Man kann davon ausgehen, daß nur die wenigsten Suren an einem Stück, wie sie heute der Koran enthält, offenbart worden sind. Vielmehr detuet vieles darauf hin, daß die einzelnen Suren Kompilationen aus mehreren Bruchstücken darstellen, deren ursprünglicher Text von Muhammad oder späteren Koransammlern überarbeitet worden ist. Daß dies Komposition der Suren trotz ihrer Zusammenstellung aus häufig zu verschiedenen Zeiten entstandenen Teilen nicht dem Zufall überlassen blieb, sondern bewußte Kompilation war, ist in neuerer Zeit auch von der westlichen Islamwissenschaft aufgegriffen und vertreten worden“ (Schirrmacher, S. 125. Sie verweist hier auf „Neuwirth. Studien. S.315)

Nun ist das Problem der Kritik der alten Textfragmente natürlich auch im Christentum vorhanden, aber mir ging es an dieser Stelle vor allem darum, den Mythos auszuräumen, „der Koran“, wie er heute vorliegt, sei eine ursprüngliche Textfassung. Dieses Problem ist für Muslime allerdings bedrohlicher als für Christen, weil der Koran nach islamischem Verständnis direkt der Wortlaut Allahs ist, der bei der Niederschrift alles Persönliche Muhammads ausgeklammert hat. Ein Einfluss von Redakteuren ist hier kaum mit dem Verständnis des Koran als Wort Allahs zu vereinbaren. Die Bibel wurde hingegen von Menschen, „getrieben vom Heiligen Geist“, aufgeschrieben, so dass man also einen wirklichen menschlichen Prozess annehmen muss, mit menschlichen Eigenarten wie Rechtschreibfehlern und einer Sprache, die dem jeweiligen sozialen Hintergrund der Schreiber entsprach, die alle nur das Eine verband: die Texte sind lt. 2.Tim 3,16 nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet (entspricht dem Wortlaut des Textes).

Mit dem Vorwurf der Muslime, die Christen und Juden hätten nur eine verfälschte Fassung von Gottes Willen in den Händen versuchen sie natürlich, den Koran als, obwohl spätere, so doch ursprüngliche Offenbarung hinzustellen. Und hier gibt es einen großen Unterschied, obwohl auch Christen behaupten, an älteren Offenbarungen, nämlich das Alte Testament, anzuknüpfen: während man im Islam blind daran glauben muss, dass diese Offenbarung ursprünglich ist und direkt von Allah kommt, kann jeder die akribischen Anbindungen der Christen an das Alte Testament überprüfen und in jeder Bibel direkt nachlesen, ob es sich dort wirklich so verhält, wie die Christen behaupten.
Auch dies ist ein Grund, weshalb ich jedem, der sich für Religion im Allgemeinen, das Wesen von „Buchreligionen“ oder Islam oder Christentum im Besonderen interessiert, empfehle, selbst mit dem Lesen anzufangen.

Obamanie

Die Deutschen lieben Obama so, wie sie Bush hassen. Gerade jetzt zum Ende von Bushs Amtszeit, scheint die Verachtung selbst in renommierten Medien keine Grenzen zu kennen…Beispiele spare ich mir, weil sie ohnehin allgegenwärtig sind.
Man hat den Eindruck, der ganze Konflikt zwischen Amerika und Europa werde jetzt noch einmal und demonstrativ auf die Person George W. Bushs zugespitzt und der Wunsch, den Konflikt zu beenden, konzentriert sich jetzt auf die Person Obamas.

Dabei dürfte jedem klar sein, dass dieses Verhalten zwar menschlich plausibel aber nicht besonders klug ist. Denn Bush war ein demokratisch gewählter Präsident, dessen Wahl ein beredtes Zeugnis dafür ablegte, dass die amerikanische Gesellschaft anders strukturiert ist als die der meisten europäischen Staaten, und daran hat sich bislang nichts geändert und es würde sich auch nach einer Wahl von Obama nichts ändern – der übrigens selbst einer Kirchengemeinde angehörte. Obama wäre schon aus diesem Grund in Deutschland praktisch ein chancenloser Kandidat. Davon abgesehen ist auch er für die Führungsrolle der USA in der Welt, statt im Irak will er das Truppenkontingent in Afghanistan erhöhen (wobei er in dieser Position aus strategischen Gründen noch wankt), er hat nichts gegen das Recht auf freien Waffenbesitz einzuwenden und hat schon seine Unterstützung für eine Erweiterung des Abhörgesetzes signalisiert. Von Deutschland erwartet er militärisches Engagement in Afghanistan und könnte Deutschlands Politiker vor erheblich schwierigere Entscheidungen stellen, als dies unter Bush der Fall war!

Und selbst wenn er gewählt wird, was in Amerika längst nicht so sicher ist, wie es sich hierzulande viele hoffen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es wieder eine konservative Regierung gibt, denn Demokraten und Republikaner wechseln sich in Amerika mit schöner Regelmäßigkeit ab.
Was bedeutet das nun für uns? Zunächst wohl vor allem, dass Amerika anders ist und anders bleibt und alles, was an Bush kritisiert wurde, auch weiterhin kritisiert werden wird. Die einzige sinnvolle Frage ist daher nicht, „Wer wird Präsident?“, sondern „Wie geht Europa damit um, dass es andere Weltanschauungen in der Welt gibt 🙂 ?“.

Der Hobbyfilmer

Bin Laden hat sich den Bart gefärbt und nach meinem ersten Eindruck auch etws geschnitten. Was will uns der populärste Hobbyfilmer der Welt damit sagen? Vielleicht, dass er gefallen möchte? Neu ist nämlich auch der deutliche Versuch, den Mainstream des Westens zu treffen: also ein bisschen Bush-Bashing, Wirtschaftskritik und Klimawandel, wobei ich bezweifel, dass er ein Gespür für Irone besitzt, sonst hätte er vermutlich gemerkt, dass man schlecht über den Klimawandel jammern kann, wenn man so großen Nutzen aus dem Verkauf von Erdöl zieht.
Er scheint also langsam zu lernen, dass der Westen stark und seine Gunst eine mächtige Waffe ist. Und erfolgreiche Vorbilder hat er ja, z.B. den tibetischen Exilkönig, der hier aber erheblich routinierter wirkt.
Meine Theorie ist, dass Bin Laden in irgendwelchen Rattenlöchern davon träumt, eines Tages auch einmal so populär zu sein, wie der Mann aus Tibet. Vielleicht wird er ja sogar zum Kirchentag eingeladen, die richtigen Themen hat er ja schon drauf. Dann kann er ebenso seine Religion in Großveranstaltungen vor andächigem Publikum verkündigen, seine politischen Ziele verfolgen und verdient sogar noch viel Geld mit Büchern. Zur Marke „Bin Laden“ sollten dann allerdings auf jeden Fall auch selbst gedrehte Homevideos gehören. Hier hat er eindeutig den Erfahrungsvorsprung.