Dekonstruktion der Dekonstruktion

Wenn die Altherrenriege der Postmoderne wie Focault oder Derrida eine Lieblingsbeschäftigung hatte, dann war es sicherlich die Dekonstruktion der Axiome des abendländischen Denkens und der Religion: es gibt keine große Erzählung mehr … kurz: es gibt keine Wahrheit mehr. Bei Timothy Keller habe ich kürzlich ein wunderbares Beispiel dafür gehört: Ihr kennt doch die weitverbreitere Relgionsparabel „Gott ist wie ein Elefant und die Religionen verhalten sich wie blinde Elefantenforscher“…
… der eine hält den Schwanz und beschreibt den Elefanten als Schlange, der andere berührt das Bein und sagt ein Elefant ist wie ein Baum, der nächste fasst ihm am Ohr und sagt ein Elefant sei ein riesiger Fächer. Dieses Bild soll zeigen wie die verschiedenen Religionen immer nur ein Teil des Bildes haben und wie arrogant und dogmatisch es sei, zu behaupten die volle Wahrheit über Gott zu haben. ABER: Die einzige Möglichkeit wie diese Parabel irgendeinen Sinn macht, ist daß der Parabelerzähler kurz: die Postmoderne den ganzen Elefanten gesehen hat. Wenn diese also konstatiert alle Religionen sehen nur einen Teil der Wahrheit, nimmt sie für sich in Anspruch eine Sicht auf die Wahrheit zu haben, die kein anderer hat und macht sich damit ironischerweise derselben spirituellen Arroganz schuldig die sie selber uns Christen vorwirft. In anderen Worten zu sagen „alle Wahrheit ist relativ in Abhängigkeit zur Gruppe, der man angehört“ ist selbst ein Wahrheitsstatement, aber besonders tricky, weil es Nebelkerzen verwendet um sich selbst toleranter als den Rest darzustellen. Viele „open minded“-Typen fühlen sich natürlich wesentlich erleuchteter als diejenigen, die weiter an absoluten Wahrheiten festhalten, ohne zu merken, daß sie sich in einem ebenso dogmatischen Glaubenssystem befinden wie alle anderen … vielleicht sogar in einem stärkeren … … wenn du also ein Postmoderner bist, dessen default mode der Relativismus ist, weil du Teil einer community bist, wo man sich auf dieses Glaubenssystem als „common sense“ geeinigt hat rate ich dir folgendes: SEI EIN SKEPTIKER … SCHAU DIR DEINEN EIGENEN POSTMODERNEN GLAUBEN AN … MIT DEM GLEICHEN KRITISCHEN APPARAT MIT DEM DU ANDERER LEUTE GLAUBEN BEURTEILST … www.youtube.com/watch?v=aOJImh3QNZ87

Dekonstruktion der Dekonstruktion

Wie rechts ist der ARD?

Anlässlich des Berichtes über den Konzern google, in dem 61% der Mitarbeiter „weiß“ seien, habe ich mir mal die Mitarbeiter bei dem ARD angesehen. Um es kurz zu machen: bunt ist das nicht.

 

Eine Liste aller Moderatoren und Sprecher der tagesschau mit Fotos und Namen lässt den Schluss zu, dass der Prozentsatz von 61% „weißer“ Mitarbeiter locker überboten wird.

Nicht anders sieht es bei den tagesthemen aus, im Nachtmagazin, im Bericht aus Berlin, und noch nicht einmal den Bericht über das Wetter vertraut man nicht-weißen Mitarbeitern an.

Unter den 11 Intendanten gibt es, soweit ich das aus Bild und Namen schließen kann, keinen einzigen mit Migrationshingergrund. 2 von 11 sind Frauen, was einem Prozentsatz von weniger als 20% entspricht.

Fight Club reloaded …

Ich hab mir gerade „Der kommende Aufstand – Revolutionäre Bewegung als Abenteuerroman mit soziologischer Sicht“ heruntergeladen, um mal 9 Monate vor meinem linksradikalen Sohn das derzeit angesagteste Buch dieser Szene gelesen zu haben … Soweit ich über DE:BUG und FAZ (Nils Minkmar) mitbekommen habe, wird ein neoanarchistischer Weg zwischen Sabotage und Landkommune propagiert sowie nebenbei mal eben die gesamte bürgerliche Linke dekonstruiert und der Lächerlichkeit preisgegeben. Ich als Konservativer erwarte mir daher natürlich rhetorisch brilliante Munition für den täglichen popkuturellen Kampf mit dem politischen Gegner … Aber jetzt mal Schluß mit lustig … In der Zusammenschau mit Ulfkottes “ Vorsicht Bürgerkrieg! “ erhalten wir nun sicherlich eine realistischen Ausblick auf die Zukunft Deutschlands. OK Leute wenn vor uns also wirklich die zur Anarchie führenden kommenden Aufstände in Deutschland liegen sollten … die Macht werden danach selbstverständlich nicht unsere revolutionären Kinder bekommen, sondern die Dorgenbosse, libanesischen Clans und Warlords … die Decke der Zivilisation ist nun mal HAUCHDÜNN … Als Pietist kann ich da nur sagen: „Ja Herr Jesus, komme bald!!!“ …
Fight Club reloaded …

Jan Fleischhauer: Ein konservativer Michael Moore für Deutschland!

Jan Fleischhauer … Einer der coolen neuen konservativen Helden und Autor des Buches „Unter Linken“ hat – wie ich am Sonntag in der WELT am SONNTAG las sein wirklich brilliant polemisches Buch „Unter Linken“ in Michael-Moore-Art verfilmt … passt alles sehr gut in den konservativen Aufbruch den wir zur Zeit erleben.

Mein Motto: coolness is conservativ, isn´t it?

Unter Migranten

Unter Linken bei Sat 1

Unter Linken bei N24

Unter Linken bei Maischberger
Jan Fleischhauer: Ein konservativer Michael Moore für Deutschland!

Der Biologismus-Vorwurf

Folgende vorwurfsfolle Frage wurde mir gestellt: „Du findest also das der überwiegende Teil der muslimischen Migranten genetisch bedingt nicht in der Lage sind eine vernünftige Bildungsst…ufe zu erreichen?“

hier meine antwort …

Nein natürlich nicht! Wie kommst Du denn da drauf? Ich bin bestimmt nicht in allen Punkten auf Sarrazin-Linie und habe wie Du auch sein Buch noch nicht gelesen, um beurteilen zu können, ob er das genauso überhaupt geschrieben hat.
Ausserdem stehe ich meinen muslimischen Mitbürgern in vielen Fragen der sagen wir mal „konservativen Lebensführung“ (Homo-Ehe, Sex vor der Ehe, Abtreibung) selbstverständlich bedeutend näher als ich beispielsweise Dir und wahrscheinlich auch Sarrazin stehe. Ich habe in meinen Beiträgen nur das kulturelle Klima der politcal correctness und der Denkverbote im journalistischen Deutschland beschrieben.
Aber … ich sehe in der Tat wie auch Sarrazin viele Punkte einer gescheiterten Integration und da muss man der Politik immer mal wieder den Finger in die Wunde legen. Und das macht Sarrazin brilliant, der ist für die doch „like pain in the ass“!! Wenn morgen und in den nächsten MOnaten das Sarrazinbuch auf Platz 1 in den Bestsellerlisten steht, wird das eine Menge Druck aufbauen, darauf kannst Du Dich aber mal verlassen. Und es gibt einfach viele viele Probleme … Aus meiner Sicht ist beispielsweise die muslimische Community herausgefordert dem Problem der exzessiven Gewaltbereitschaft die durch muslimische Jugendliche in unserer Schulen gebracht wird und die übrigens auch von seriösen Studien unterlegt werden [-> www.kfn.de/versions/kfn/assets/fob109.pdf ] mit entgegenzutreten.
Wir Deutschen sind bei jeder Fascho-Gewalttat sofort auf der Straße und erfüllen die Städte mit Lichterketten … ich vermisse diese Verantwortung für die inakzeptablen Gewalttaten der eigenen Leute sehr bei den muslimischen Verbänden.
Und ich sage Dir noch eins … Ich sehe einen großen Teil der Lösung in der Civil Society im bürgeschaftlichen Engagement und zwar nicht mit irgendwelchen faschounterwanderten Bürgerwehren, sondern mit wirklichen gemeinschaftsorientierten transkulturellen Bürgergruppen MIT den werteorientierten Muslimen zusammen, von denen ich allerdings mehr Selbstkritik und Engagement erwarte.
Und was kann man sonst machen? OK eine Ächtung von gewaltverherrlichendem GangstaRap zum Beispiel auf RadioEins … Das wäre ja auch schon mal ein Anfang!!!

Der Turmbau zu Babel

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel steht in Genesis 11. Sie taucht zwar in fast jeder größeren Kinderbibel auf, wird jenseits des 7. Lebensjahres aber weder von Christen noch von Nicht-Christen viel beachtet . Dabei berichtet die Geschichte von einer hochinteressanten Phase, einer sehr frühen menschlichen Gesellschaft. Die Situation, in der sich die Menschen befanden, war überaus heikel:
Die Gruppe wuchs und begann, unübersichtlich zu werden. Vermutlich bildete sich schon auf einer sehr frühen Stufe so etwas wie Lokalpatriotismus, die Leute aus der Sippe X konnten die aus der Sippe Y nicht leiden, die Bauern hatten Vorbehalte gegenüber den Handwerkern und die Viehhirten gegenüber den Ackerbauern, die Sesshaften gegenüber denen, die eigentlich lieber weiterziehen wollten…
Bis zu diesem Zeitpunkt lebten alle in einer großen und immer größer werdenden Gruppe, aber nun wurde die Frage virulent, wie man den Zusammenhalt der Gemeinschaft sichern können würde. Denn, dass die Notwendigkeit bestand, haben die damaligen Oberhäupter offenbar so gesehen. Und man kann sich leicht vorstellen, welche Sorgen sie mit der Vorstellung eines Auseinanderbrechens der Gemeinschaft verbanden: wenn die Sippen nicht mehr zusammen halten würden, wären sie in kürzester Zeit befeindet. Diese Erfahrung dürften sie zu diesem Zeitpunkt schon gemacht haben. Die Menschen befanden sich außerhalb der Gemeinschaft im rechtsfreien Raum und ahnten wohl instinktiv, dass sie einander zum Wolf werden würden – zumindest außerhalb des Rudels.

Woher kam dieses ängstliche Zusammenglucken? „Der Turmbau zu Babel“ weiterlesen

Grüne Toleranz

Die katholische deutsche Bischofskonferenz hat sich vor Kurzem für den Bau von Moscheen „mit Maß“ ausgesprochen. Ma hört das Zähneknirschen zwar deutlich heraus, wo offen nur von den Ängsten der Bewohner, aber nicht von den eigenen gesprochen wird, aber man sollte dieses Bekenntnis nicht zu niedrig hängen: hier stellt sich eine Religionsgemeinschaft offen dazu, anderen Religionen den benötigten Raum zu geben. Wo hat es das schon mal gegeben?

Diese Anmerkung erscheint mir dringend notwendig, denn die Erklärung der deutschen Bischöfe wird sonst eher als längst überfällig belächelt, und dafür gibt es keinen Grund. Denn gerade die Befürworter eines „Fahrplans“ für die Gleichstellung des Islam, also die Grünen und andere Linke, fordern gleichzeitig die Anpassung an eine „Leitkultur“! Ja, Sie haben richtig gelesen. Volker Beck schreibt auf seiner Homepage über Integration u.a.:

„Der Begriff Leitkultur, wurde ursprünglich von Bassam Tibi in die politikwissenschaftliche Debatte eingeführt, um einen gesellschaftlichen Wertekonsens zu beschreiben („Die Werte für die erwünschte Leitkultur müssen der kulturellen Moderne entspringen, und sie heißen: Demokratie, Laizismus, Aufklärung, Menschenrechte und Zivilgesellschaft.“, vgl. Europa ohne Identität, 1998, S. 154). Er wurde vor allem von Friedrich Merz politisch auf die nationale Ebene verengt. Bündnis 90/Die Grünen haben diese „Leitkultur“ immer kritisiert: Zu Recht.“

Klar, weil die eine Leitkultur grün und die andere christlich ist. Beck rühmt sich jetzt damit, nicht die christliche, sondern die grüne Leitkultur zu fordern. Er versucht die christliche Version als „nationale Verengung“ abzukapseln, wobei er natürlich auch weiß, dass das Christentum eben nicht nur in Deutschland eine lange Geschichte hat. Möglicherweise hat er da selbst etwas national verengt. Es gibt keine objektiven Gründe, sich für die eine und gegen die andere Leitkultur zu stellen. Dieses Verfahren ist unehrlich und grenzt an Diffamierung.

Deswegen hat er auch grundsätzlich nichts gegen ein Bekenntnis von Einwanderern zur Verfassung, weil es „im Grunde richtig ist, die Bedeutung von Demokratie, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung der Geschlechter und Toleranz gegenüber Homosexuellen als Werte hervorzuheben.“
Hat er wirklich nicht gemerkt, dass es sich hierbei um einen grünen Zuschnitt handelt? Als Christ liebe ich zwar beispielsweise Demokratie, halte aber Homosexualität für eine furchtbare Sünde, die ein Staat auf keinen Fall dulden darf. Und die Gleichberechtigung der Geschlechter ist im Christentum nur soweit erwünscht und denkbar, wie sie nicht an der patriarchalen Grundordnung rührt, die im Christentum eben unverzichtbar ist.

Die Grünen haben also nur dann nichts gegen Multikulturalismus, solange er sich unter grüner Hoheit verwirklicht. Und so eine „Toleranz“ ist wohl keine Kunst, oder? In vielen christlichen Kirchen gibt es entweder eine Bekenntnisgrundlage oder wenigstens das allgemeine Bekenntnis zur Heiligen Schrift, wodurch ebenfalls ein Rahmen für sehr verschiedene Gottesdienstkulturen abgesteckt wird. Nur haben Christen das nicht im großen Stil als besonders tolerant hervorgehoben. Es gehörte eher zum Alltag einer weltweiten Kirche, sich mit der Frage auseinander zu setzen, wie man das Evangelium in unterschiedlichen Kulturen lebt. Wobei Christen hier natürlich viele Fehler gemacht haben und vermutlich noch machen.
Toleranz ist aber eher dort interessant, wo man zusammen leben kann, obwohl es keine gemeinsamen weltanschaulichen Grundlagen gibt. Also Christen und Muslime können tolerant sein, indem sie sich nicht gegenseitig mit Gewalt überziehen. Innerhalb einer Kirche oder Moschee würde man nicht unbedingt von Toleranz reden, wenn die Menschen dort miteinander auskommen. Ebenso ist es recht billig, tolerant im Rahmen des eigenen Parteiprogrammes zu fordern.
Die Bischöfe sind also trotz allen Spotts toleranter als die Grünen, die sich nur für die Muslime einsetzen, die den grün-bürgerlichen Rahmen teilen. Denn dieser Rahmen ist erheblich enger als die Forderung der Bischöfe, den Bau „mit Maß“ zu betreiben. Dadurch wird ledliglich ein äußerlicher Rahmen zugeschnitten – auch wenn ich von dem Sinn dieser Formulierung nicht überzeugt bin. Die Grünen fordern nicht weniger als den Umbau der muslimischen Gemeinde von einer derzeit faktisch partriarchalen zu einer modernen linken Gesellschaft.
Besonders nervig empfinde ich es, dass die Grünen für ihr Weltbild mittlerweile so blind zu sein scheinen, dass sie ihre Forderungen an die Menschheit als selbstverständlich und unhinterfragbar hinstellen und vermutlich wirklich so sehen – vermutlich würden sie am liebsten ihr ganzes Parteiprogramm im Grundgesetz aufnehmen lassen – und andere Positionen nur noch mit Borniertheit erklären können. Dass ihnen dieses Verhalten nicht als intolerant ausegelgt wird, liegt daran, dass sie bislang unhinterfragt die Deutungshoheit über den Begriff innehaben.
Aber das kann sich ja ändern…

Vom Nationalstaat zur geistigen Gesellschaft

Über die Seite „lebensquellen“ bin ich auf einen lesenswerten (und erstaunlich gut lesbaren) Abdruck einens Vortrages von Peter Berger über die Ausbreitung der Religionen gestoßen. Berger behauptet dort, dass Säkularisation kein Kennzeichen der Moderne sei. Moderne Staaten erkenne man vielmehr an einem gelebten Pluralismus, also einer Gesellschaft, in der verschiedene Religionen und Weltanschauungen nicht nur nebeneinander existieren, sondern auch interagieren und dabei friedliche Umgangsformen pflegen.
Die Verbreitung der Religionen sei letztlich eine Verbreitung des Pluralismus, weil fast alle Religionen sich fast überall verbreiten.
Dabei weist er auf zwei Ausnahmen hin: die „intelligentsia“, also die akademische Elite Amerikas und Europas und Mitteleuropa als geografische Ausnahmeerscheinung.
Nach meiner Einschätzung erliegt er allerdings der Gefahr, die sich kaum umgehen lässt, sobald man den Begriff „Religion“ verwendet, und richtet seinen Blick auf die alten Religionen. Neue religiöse Erscheinungen, die sich vielleicht noch nicht zu großen offiziellen Glaubensgemeinschaften zusammengefunden haben, werden so nicht erfasst. Würde der Religionsbegriff um diese Facetten erweitert, ließe sich das Bild von der säkularen Elite oder gar einem säkularen Kontinent nicht mehr halten. Denn auch in Europa sprießen religiöse Vorstellungen nur so aus der Erde, seien es esoterische Gruppen, Neuheiden, Hexenzirkel und – was ich als bürgerliche Religion noch zu belegen versuche – die Naturmystik.
Und gibt es die beobachteten Ausbreitungstendenzen nicht auch außerhalb der Religionen? Der Atheismus ist ja in den letzten Jahren gerade durch seine aggressive Missionsarbeit aufgefallen, die roten und grünen Parteien kämpfen mit harten Bandagen für ihre Weltanschauungen und stehen keineswegs als passives Überbleibsel der Säkularisation still.
Möglicherweise sorgt die Globalisierung nicht, wie Berger sagt, für die Ausbreitung des Pluralismus, sondern zunächst für einen Bedeutungsverlust des Nationalstaates. Die beobachtbare Aktivitätssteigerung in den diversen Religionen und Weltanschauungen könnte daher auch eine Reaktion auf einen Identitätsverlust darstellen. Also es ist altmodisch, sich vor allem als Deutscher zu fühlen, deshalb identifiziert man sich beispielsweise lieber mit seiner Mitgliedschaft in einer Hexen-Community.
Diese soziologischen Erklärungen dürfen nicht als „Enttarnung“ verstanden werden, denn der jeweilige Glaube kann durchaus genuin sein, auch wenn man nichtreligiöse Gründe für die Wahl einer Religion hat (niemand bestreitet, dass die meisten Menschen in ihre Weltanschauung ode Religion hineingeboren werden). Aber so wie Macht und Reichtum Menschen verführen und von wichtigen Dingen ablenken könnenn, so können natürlich Armut und Elend den Blick für religiöse oder weltanschauliche Fragen öffnen.
Was sich also tatsächlich ausbreitet ist weder die Religion noch die Säkularisation noch der Pluralismus, sondern vor allem die Zugehörigkeit zu einer geistigen Gesellschaft. Diese Form wird in Zukunft vermutlich die Bedeutung des Nationalstaates ersetzen.
Christen müssen sich auf diese Entwicklung allerdings nicht umstellen, ihr Reich war schon immer jenseits der politischen Realität. Jesus selbst hat darauf hingewiesen, dass man das Reich Gottes nicht verorten kann (Lk 17,21) denn es ist mitten unter uns.

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Die Motive der Einwanderungspolitik

Es gibt mindestens fünf Gründe dafür, Ausländer aufzunehmen:
1. Man benötigt Arbeitskräfte.
2. Man benötigt Know How.
3. Man benötigt Nachwuchs.
4. Man will helfen.

Am häufigsten wird allerdings der 5. Grund übersehen: Man will die Gesellschaft in eine bestimmte Richtung formen.
Und dieser Punkt ist vielleicht der interessanteste, weil hier das meiste Potential für Streit begraben liegt.

Im Parteiprogramm der CDU wird die Nächstenliebe als Grund genannt (Punkt 4), wobei ich nicht beurteilen kann, ob dieses Motiv in politischen Alltag besonders ernst genommen wird. Aber er verdient besondere Beachtung, weil er der einzige Grund ist, der von Umständen unabhängig ist. Zeit für Nächstenliebe ist immer, auch wenn es gerade weder Ansehen noch Nutzen bringt.

Wenn man aber im Parteiprogramm der Grünen, auf ihrer Internetpräsenz und in Interviews liest, merkt man schnell, dass für die Grünen der 5. Punkt sogar sehr zentral ist, wenn nicht das Hauptanliegen. Sie betonen immer – häufig als erstes – die Notwendigkeit, „Vielfalt“ zu schaffen und die „Akzeptanz verschiedener Religionen und Kulturen“. Das kann man wohl ungezwungen so übersetzen: Das Ziel grüner Einwanderungspolitik ist vor allem die Relativitierung des christlichen Erbes.

Das klingt für manchen vielleicht sogar weltoffen, ist es aber nicht. Denn man will natürlich nur die Religionen der Anderen relativieren. Und damit bei Ausländern auch keine falschen Erwartungen geweckt werden, will man zufünftig von „Multikultureller Demokratie“ sprechen, meint damit aber erheblich mehr, als das Bekenntnis zum Wahlrecht. Frau Künast „denkt“ hier auch an die „Stellung der Frau“, die ja eigentlich nur dann etwas mit Demokratie zu tun hat, wenn Frauen vom Wahlgang mit Gewalt abgehalten werden. Es ist wohl kaum übertrieben, hinter diesen Beispielen noch mehr zu vermuten, möglicherweise das ganze Repertoire grüner Religion, der sich alle verpflichten müssen.

Von einer christlichen Partei würde ich mir neben den ersten drei Punkten wünschen, dass hier Punkt 4 verwirklicht wird und man sich nicht aus Anbiederung an bestimmte Wählergruppen zu einem restriktiveren Ausländerrecht hinreißen lässt.
Die Bibel ist hier sehr eindeutig: Gott schützt den Fremden und unterstellt ihn wie alle anderen auch den Geboten Gottes.

2Mo 22,20 Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen.
2Mo 23,9 Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, weil ihr auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen seid.

Ebenso eindeutig ist die Bibel in ihren Forderungen:
2Mo 12,49 Ein und dasselbe Gesetz gelte für den Einheimischen und den Fremdling, der unter euch wohnt.
3Mo 18,26 Darum haltet meine Satzungen und Rechte und tut keine dieser Gräuel, weder der Einheimische noch der Fremdling unter euch –
3Mo 19,10 Auch sollst du in deinem Weinberg nicht Nachlese halten noch die abgefallenen Beeren auflesen, sondern dem Armen und Fremdling sollst du es lassen; ich bin der HERR, euer Gott.

Im Prinzip ist es nichts anderes als die Einwanderungspolitik der Grünen – zu der sie jetzt langsam finden. Mit allerdings einem Unterschied: eine christliche Politik würde natürlich nach christlichen Maßstäben Einwanderungspolitik betreiben und nicht nach den Maßstäben der Grünen.

Und wer weiß: vielleicht gibt es ja eine große Erweckungswelle in der arabischen Welt und das Christentum wird eher von furchtlosen, konsequenten Geschwistern aus dem Iran befruchtet.
Schon möglich, dass die Grünen dann ziemlich schnell das Interesse an Einwanderern verlieren…

Sollte dieser Fall eintreten, den niemand ausschließen kann, der die Kraft Gottes kennt, müssen wir uns aber auf jeden Fall vor der Heuchelei der Grünen hüten, die zwar multikulturelle Gesellschaft predigen aber selbst in bürgerlichen Gegenden wohnen, ihre Kinder von der Außenwelt abkapseln (in Kindertagesstätten in die nur Politikerkinder dürfen), ihre Kinder im Ausland zur Schule auf Eliteschulen schicken und sich in der Partei selbst auf ein paar Quotenvorzeigetürken beschränken.

Denn Nächstenliebe bedeutet auch, etwas auszuhalten und sich auch zu denen zu stellen, die eben nicht immer nur eine Bereicherung für mein Leben bedeuten.

Interview mit Renate Künast:

www.renate-kuenast.de/themen/integration/multikulturelle_demokratie_integration_und_religion/