Was muss man sich eigentlich unter einem „Naturalisten“ vorstellen?

Früher nannten sie sich einfach „Atheisten“, d.h. sie glaubten ungefähr so fest daran, dass es Gott nicht gibt, wie Christen glauben, dass es ihn gibt. Offenbar fanden sie es aber unbefriedigend, sich allein über den Glauben an jemanden, den es nicht gibt, zu definieren, ist es heute üblicher, sich als „Naturalist“ zu bezeichnen. Wenn man sie fragt, was das denn bedeutet, erhält man zwei verschiedene Typen von Antworten: die Einen betonen, dass es nur Natur gibt, also nichts, jenseits der Natur. Die anderen betonen die Wissenschaftlichkeit und verstehen und „Naturalismus“ das Vertrauen in ein wissenschaftliches Vorgehen. Wikipedia nennt diese beiden Gruppen „ontologische“ und „methodische“ Naturalisten.

Wenn man genauer nachfragt, merkt man allerdings, dass diese Gruppen so unterschiedlich gar nicht sind. Die methodischen Naturalisten interessieren sich nicht unbedingt für Statistik und für eine ordentliche Pflege und Justierung von Messapparaten, sondern verstehen unter ihrer „Methode“ vor allem und zu allererst, dass man nicht an Gott glaubt und daher tunlichst nur Hypothesen verwenden darf, die ohne Gott auskommen. Ihre wissenschaftliche Methode setzt voraus, dass man Atheist ist. Der ontologische Naturalismus ist also immer die weltanschauliche Basis, die hinter dem methodischen Naturalismus nur oberflächlich verborgen wird. Letztlich bleibt das schlichte Bekenntnis, dass ein Naturalist eben nicht an Gott glaubt.

Wie die Süddeutsche Zeitung gegen das Christentum kämpft

In dem Artikel „Methoden an evangelischer Privatschule“ vom 19.10.2012 lässt die Süddeutsche Zeitung eine Journalistin (wichtig, denn bei Frauen ist die Beißhemmung geringer, und daher wurden in der Vergangenheit regelmäßig Frauen mit solchen Artikeln losgeschickt) indirekt ein Verbot des Christentums fordern. Es geht in dem Plädoyer, das im Gewand eines Berichtes über eine einzelne christliche Privatschule daher kommt, um die Kritik an Christen, für die die Bibel maßgeblich ist, die an Himmel und Hölle glauben, an Gott und den Teufel, an Gott den Schöpfer und an eine christliche Sexualethik (gerade das geht natürlich gar nicht). Natürlich verbietet sie nicht direkt und ausdrücklich das Christentum, weil sie sonst ein Fall für den Verfassungsschutz wäre, aber wer den Artikel aufmerksam liest, merkt, dass es keine andere Deutungsmöglichkeit gibt, als das Verbot des Christentums: „Wie die Süddeutsche Zeitung gegen das Christentum kämpft“ weiterlesen

Die Bedeutung der Gruppe in der nachchristlichen Gesellschaft

Der Hauptkritikpunkt an der Enthaltung Deutschlands, sich am Lybien-Krieg zu beteiligen, gründet in dem Umstand, dass Deutschland damit allein stehe und sich isolieren könnte.
Der Hauptärger über den Irak-Krieg wurde zumindest angestachelt, als klar wurde, dass Amerika unter Bush einen Krieg, den es für richtig hält, notfalls auch ohne Partner durchzieht.

Da jetzt auch grüne Politiker ganz offen für einen Kriegseinsatz der Bundeswehr sind, wird deutlich, wie sehr gerade diese beiden Punkte ins Gewicht fallen, denn alles, was an trauriger Kriegsphilosophie während des Irakkrieges über deutsche Medien ventiliert wurde, scheint auf einmal weit weg zu sein. „Die Bedeutung der Gruppe in der nachchristlichen Gesellschaft“ weiterlesen

Obama im Krieg

Die USA beteiligen sich an einem Militärschlag gegen das Regime in Lybien. Unter George W. Bush haben sie sich auch mit Militärschlag gegen einen Diktator gewendet, aber der Einsatz wurde in Europa völlig anders bewertet. Am deutlichsten ist der Stimmungswandel in Frankreich zu sehen: dort herrschte unter Bush brüske Ablehnung und heute beteiligen sie sich aktiv an dem Einsatz. Aber auch die Grünen bedauern offensichtlich, dass Deutschland sich nicht am Krieg beteiligt – sorry, die neue Wortwahl ist jetzt „militärisches Engagement“. Wie dem auch sei: Deutschland hat sich enthalten, ist aber sehr um eine ausgewogene Stimmung bemüht – und unterstützt den Krieg indirekt, indem es sich in Afghanistan stärker engagiert. Sowohl in Lybien als auch im Irak wurden die Menschen von einem grausamen Despoten unterdrückt, wobei der Zustand im Irak sogar noch schlimmer gewesen sein soll. Darüber hinaus bestand die – von der Weltgemeinschaft anerkannte – Gefahr eines Angriffes durch Giftwaffen, die aber während der langen Vorphase des Krieges beseitigt wurden, so dass der letzte Nachweis bis heute fehlt. Wäre Deutschland mit in den Krieg gezogen, wenn die Menschen im Irak auf Demonstrationen beschossen worden wären? Warum nicht dann, wenn willkürlich Menschen erschossen werden – und ohne große öffentliche Aufmerksamkeit? War das wirklich der große Unterschied zur Obama-Regierung? Würde Europa einen Angriff auf den Iran oder Nord-Korea unter Obama ebenso scharf verurteilen, wie einen Krieg unter Bush? Das wird kaum jemand ernsthaft annehmen.

Waren die alten Vorwürfe gegen Bush zu ungenau? „Obama im Krieg“ weiterlesen

Mythen über den neuen Atheismus

Mythos 1: Atheismus ist eine Weltanschauung von Menschen mit einem überdurchschnittlich hoher Bildung.

Auf diesen vermeintlichen Zusammenhang weisen Atheisten immer gerne hin und auch in der atheistischen Wikipedia taucht dieses Klischee auf.
Wenn man alle Deutschen fragt, wer sich als Atheist versteht, wird man selbstverständlich vor allem Akademiker herausfiltern, weil es ein gewisses Selbstbewusstsein erfordert, sich zu einer Weltanschauung offen zu bekennen und gegebenenfalls darüber Rechenschaft abzulegen. Wer sich als Atheist versteht, hat in der Regel ein Mindestmaß an Argumenten und verfügt über ein Mindestmaß an Reflexionsvermögen, wie ich es eben von Akademikern auch erwarten würde.
Wenn man allerdings Atheismus als die schlichte Überzeugung versteht, dass es keinen Gott gibt, oder man sich zumindest keine Gedanken darüber machen sollte, und danach fragt, sieht die Sache schon anders aus. Aus der Arbeit christlicher Missionare unter Gefängnisinsassen weiß ich, dass dort eine extrem scharfe Ablehnung jedes Gottesglaubens sehr verbreitet ist. Ich bezweifle aber, dass viele von Ihnen sich explizit als „Atheisten“ bezeichnen würden oder das Wort überhaupt nur kennen. Natürlich sind sie trotzdem Atheisten. Ebenso wie alle verbitterten Menschen in den großen Wohnblöcken, die auch eine geradezu aggressive Ablehnung gegenüber Gott zeigen.
Der philosophische Atheismus hat seine natürliche Heimstatt an der Universität, und dort gibt es naturgemäß die höhere Bildung. Der bloße Glaube, dass es keinen Gott gibt oder vielleicht oder wahrscheinlich oder egal, ist in jeder Schicht verbreitet, auch im Gefängnis.

Mythos 2: Atheisten haben eine nüchterne Haltung zum Tod.
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Respekt gegenüber konsequentem Atheismus

Die Wochenzeitung DIE ZEIT widmet sich in ihrer aktuellen Ausgabe (37/2010) der Rechtfertigung des Atheismus gegenüber seinen Gegnern. Ich habe mir die Ausgabe nicht gekauft, weil ich natürlich kein Geld in atheistische Mission stecken möchte, aber sehe es dennoch als willkommenen Anlass, das Thema noch mal aufzurollen.
Wenn man mit Atheisten redet, merkt man, dass viele ihre Weltanschauung gar nicht als solche wahrnehmen, sondern eigentlich für den Normalfall einer gesunden Vernunft halten. Man hört dann Aussagen wie „An Gott zu glauben ist genauso wenig ernst zu nehmen, wie an rosa Nilpferde zu glauben. Man darf es, aber man kann nicht erwarten, dass andere das glauben. Und man kann nicht behaupten, dass Leute, die nicht an rosa Nilpferde glauben, damit auch einen Glauben hätten.“ Das sind witzige Beispiele, und man ahnt schon, dass selbst Minderbegabte sie leicht vermehren können (lila Einhörner, fliegende Croissants, seifenblasenspeiende Drachen etc…), und sie sagen letztlich alle das Gleiche: man kann nur das ernstnehmen, was man sieht. Alles andere ist Fantasie. Punkt.
Nun wird es an dieser Stelle schon schwierig, denn die lustigen Beispiele leuchten ein, aber sobald man ausformuliert, was sie eigentlich beweisen sollen, verliert das Ganze seinen Reiz. Denn natürlich glaubt auch ein Atheist an Dinge, die er nicht sehen kann, nämlich an Naturgesetze, an die Entstehung des Lebens aus unbelebter Materie, an die Liebe seiner Freundin etc… er wird vielleicht einwenden, dass man aber diese Dinge zuverlässig reproduzieren kann. Aber die Entstehung des Lebens aus unbelebter Materie kann er ja gar nicht reproduzieren. Es ist also gar nicht so einfach, den Atheismus in eine vernünftige Form zu gießen, und dieses Problem stellt sich schon vor der Frage, ob er überhaupt Recht hat.
Aber wir machen es uns zu einfach. Es ist billig, über den Atheismus allgemein zu lästern, und dabei nur einzelne Inkonsistenzen herauszugreifen. Denn es gibt auch konsequente Atheisten, die mit ihrem Atheismus solchen Einwänden trotzen, und vor denen ich großen Respet habe. „Respekt gegenüber konsequentem Atheismus“ weiterlesen

Die Entstehung des modernen Opfer-Begriffes

Wer heute ein Opfer ist, möchte das auch bleiben. Niemand gibt freiwillig den Status des Opfers auf. Opfersein, bedeutet „Macht haben“. Wer kein Opfer ist, versinkt in die politische Bedeutungslosigkeit.
Wir haben uns an diese Tatsachen gewöhnt, aber wenn wir uns darüber Gedanken machen, werden sie fragwürdig. Und die erste Frage, die sich dabei stellt ist: wie konnte sich dieser auf den ersten Blick bizarre Opferbegriff entwickeln?

Die Anregung zu dem Thema erhielt ich durch ein „Bulletin“ des Institutes für Jugend und Gesellschaft, das unter dem Thema „Moderne Opferrhetorik“ stand.

Am meisten faszinierte mich ein Auszug aus dem Buch „Ich sah den Satan vom Himmel fallen“ von Rene Girard, der zuletzt an der Stanford Universität als Professor für französische Sprache, Literatur und Kultur tätig war.
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Evan Sayet: Wie moderne Liberale denken

Auf der „Gegenstimme“ hab ich es schon gepostet. Aber diese Gedanken haben einfach weitestmögliche Verbreitung verdient: Die deutsche Übersetzung des brillanten Vortrages des bekannten US-amerikanischen Comedians und politischen Kommentators Evan Sayet über die Denkweise hinter der Political Correctness, dem aggressiven Atheismus und dem gesellschaftspolitischen Erbe der 68er-Generation… viel Vergnügen!

http://www.youtube.com/watch?v=eaE98w1KZ-c

Ich würde mich selbst als Republikaner des 13. September bezeichnen. Aufgewachsen war ich als liberaler New Yorker Jude, wesentlich liberaler geht`s kaum noch – obwohl es noch im Kleinformat war im Vergleich zu dem, was man heute „liberal“ nennen würde. Ich ging von der High School und wusste über Politik nur eines: Dass die Demokraten gut und die Republikaner böse sind.
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Erbsünde und privates Glück

Die Erbsünde dürfte zu den unsympathischsten Lehren des Christentums gehören. In Gemeinden würde man ihr zwar kaum widersprechen, aber sie wird auch selten gepredigt. Und doch wäre ihr Verlust groß – für die Kirche wie für die Gesellschaft, aber dazu später mehr…
Die Erbsünde ist eine echte Sünde, d.h. es geht um wirkliche Schuld. Aber, und das ist das Anstößige, es ist eine Schuld, die man erbt. Man wird also nicht durch die erste bewusste Sünde schuldig, sondern die erste bewusste Sünde ist bereits eine Folge der geerbten sündigen Natur des Menschen. Die Schuld ist also mit dem Wesen des Menschen aufs Engste verwoben und nicht erst Folge eines persönlichen Pechs oder schlechter Prägung. Jeder Mensch bringt die Schuld schon mit auf die Welt.
Das Gegenmodell ist die Vorstellung vom „an sich“ guten Menschen. D.h. schuldig wird der Mensch erst durch eine bewusste Wahl der schlechten Handlung, und auch dann ist nicht der Mensch gut oder schlecht, sondern nur seine Taten. Da er eigentlich alles zum moralisch guten Leben mit auf die Welt gebracht hat, liegt der eigentliche Grund für seine Schlechtigkeit in seiner Außenwelt.
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Wurde den Germanen das Christentum aufgezwungen?

Vor ein paar Tagen ist mir ein Geschichtsbuch in die Hände gefallen – also technisch gesehen, habe ich es auf einem Basar aus der Kiste gezogen – in dem die frühe Geschichte des Christentums unter den Germanenstämmen dargestellt wird. Die erste Auflage erschien im Dritten Reich, der Weiterdruck wurde aber von den Nazis unterbunden, weil die dort vorgestellten Ergebnisse nicht zu dem gewünschten Geschichtsbild der Nazis passten. Hitler hielt ja beharrlich an dem Bild fest, die Juden hätten das Christentum in Deutschland eingeführt und die Deutschen mit Gewalt von sich und ihrem alten Glauben abgebracht. So beliebt diese Kurzfassung ist, so falsch ist sie.
Das Buch heißt schlicht „Jesus im frühen Mittelalter“ und es zeigt, dass es lange vor Karl dem Großen, der durch die Pädagogik der Nazis mehreren Generationen nur als „Der Sachsenschlächter“ in Erinnerung bleiben sollte, schon Erweckungsbewegungen unter den Germanen gab, es gab schon Christenverfolgungen und gerade die Gefangennahme christlicher Gegner brachte manche Germanen überhaupt zum ersten Mal mit dem Christentum in Kontakt. Es gab blühende Kirchen und nachweisbare Frömmigkeit, lange bevor das Christentum unter den Germanenstämmen Staatsreligion war.
Selbst die Sachsen waren schon vor Karl zum Teil schon Christen. Die brutale Niederschlagung ihres Aufstandes unter Widukind führte zwar zu vielen Zwangstaufen, sie waren aber nicht der Beginn der christlichen Geschichte der Sachsen, sondern das Ende einer Gegenbewegung, die eine Reheidnisierung zum Ziel hatte. Das Vorgehen Karls führte schon damals zu Kritik bei den Christen, wie wir aus den Protokollen der frühesten Missionsversammlungen der Christen entnehmen können. Dort würden u.a. folgende Grundsätze festgelegt:
1. Massentaufen kommen nicht in Frage; wir lehnen sie ab. Mit jedem, der Christ werden will, müssen wir in Ruhe zusammensein können, um ihn ihnerlich in das Neue einzuführen.[Man hatte zu dieser Zeit schon zu viele schlechte Erfahrungen mit oberflächlich angenommenem Christentum gemacht, Anm. MW]
2. Auf keine Weise darf irgendein Zwang ausgeübt werden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, als sei die Annahme des Christentums eine staatlich geforderte Leistung.
3. Nur nicht irgendwie das Geld mit der Sache Jesu vermengen. Sie seien keine Eintreiber von Zehnten, sondern wollten den Menschen innere Kräfte für ihr Leben bringen.

Schnepel bemerkt dazu: „Das war ein Missionsprogramm, das man noch heute unterschreiben kann. Es sah anders aus als die verbissene Art, die Karl bei den Sachsen angewandt hatte.“ (S. 131)