Was muss man sich eigentlich unter einem „Naturalisten“ vorstellen?

Früher nannten sie sich einfach „Atheisten“, d.h. sie glaubten ungefähr so fest daran, dass es Gott nicht gibt, wie Christen glauben, dass es ihn gibt. Offenbar fanden sie es aber unbefriedigend, sich allein über den Glauben an jemanden, den es nicht gibt, zu definieren, ist es heute üblicher, sich als „Naturalist“ zu bezeichnen. Wenn man sie fragt, was das denn bedeutet, erhält man zwei verschiedene Typen von Antworten: die Einen betonen, dass es nur Natur gibt, also nichts, jenseits der Natur. Die anderen betonen die Wissenschaftlichkeit und verstehen und „Naturalismus“ das Vertrauen in ein wissenschaftliches Vorgehen. Wikipedia nennt diese beiden Gruppen „ontologische“ und „methodische“ Naturalisten.

Wenn man genauer nachfragt, merkt man allerdings, dass diese Gruppen so unterschiedlich gar nicht sind. Die methodischen Naturalisten interessieren sich nicht unbedingt für Statistik und für eine ordentliche Pflege und Justierung von Messapparaten, sondern verstehen unter ihrer „Methode“ vor allem und zu allererst, dass man nicht an Gott glaubt und daher tunlichst nur Hypothesen verwenden darf, die ohne Gott auskommen. Ihre wissenschaftliche Methode setzt voraus, dass man Atheist ist. Der ontologische Naturalismus ist also immer die weltanschauliche Basis, die hinter dem methodischen Naturalismus nur oberflächlich verborgen wird. Letztlich bleibt das schlichte Bekenntnis, dass ein Naturalist eben nicht an Gott glaubt.

Wurde den Germanen das Christentum aufgezwungen?

Vor ein paar Tagen ist mir ein Geschichtsbuch in die Hände gefallen – also technisch gesehen, habe ich es auf einem Basar aus der Kiste gezogen – in dem die frühe Geschichte des Christentums unter den Germanenstämmen dargestellt wird. Die erste Auflage erschien im Dritten Reich, der Weiterdruck wurde aber von den Nazis unterbunden, weil die dort vorgestellten Ergebnisse nicht zu dem gewünschten Geschichtsbild der Nazis passten. Hitler hielt ja beharrlich an dem Bild fest, die Juden hätten das Christentum in Deutschland eingeführt und die Deutschen mit Gewalt von sich und ihrem alten Glauben abgebracht. So beliebt diese Kurzfassung ist, so falsch ist sie.
Das Buch heißt schlicht „Jesus im frühen Mittelalter“ und es zeigt, dass es lange vor Karl dem Großen, der durch die Pädagogik der Nazis mehreren Generationen nur als „Der Sachsenschlächter“ in Erinnerung bleiben sollte, schon Erweckungsbewegungen unter den Germanen gab, es gab schon Christenverfolgungen und gerade die Gefangennahme christlicher Gegner brachte manche Germanen überhaupt zum ersten Mal mit dem Christentum in Kontakt. Es gab blühende Kirchen und nachweisbare Frömmigkeit, lange bevor das Christentum unter den Germanenstämmen Staatsreligion war.
Selbst die Sachsen waren schon vor Karl zum Teil schon Christen. Die brutale Niederschlagung ihres Aufstandes unter Widukind führte zwar zu vielen Zwangstaufen, sie waren aber nicht der Beginn der christlichen Geschichte der Sachsen, sondern das Ende einer Gegenbewegung, die eine Reheidnisierung zum Ziel hatte. Das Vorgehen Karls führte schon damals zu Kritik bei den Christen, wie wir aus den Protokollen der frühesten Missionsversammlungen der Christen entnehmen können. Dort würden u.a. folgende Grundsätze festgelegt:
1. Massentaufen kommen nicht in Frage; wir lehnen sie ab. Mit jedem, der Christ werden will, müssen wir in Ruhe zusammensein können, um ihn ihnerlich in das Neue einzuführen.[Man hatte zu dieser Zeit schon zu viele schlechte Erfahrungen mit oberflächlich angenommenem Christentum gemacht, Anm. MW]
2. Auf keine Weise darf irgendein Zwang ausgeübt werden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, als sei die Annahme des Christentums eine staatlich geforderte Leistung.
3. Nur nicht irgendwie das Geld mit der Sache Jesu vermengen. Sie seien keine Eintreiber von Zehnten, sondern wollten den Menschen innere Kräfte für ihr Leben bringen.

Schnepel bemerkt dazu: „Das war ein Missionsprogramm, das man noch heute unterschreiben kann. Es sah anders aus als die verbissene Art, die Karl bei den Sachsen angewandt hatte.“ (S. 131)

Stockholm

Als Elton den Deckel der Petrischale abnahm, zitterten seine Hände vor Aufregung. Auf dem Nährboden entwickelten sich Bakterienstämme, die er nich dort angesetzt hatte -und zwar sehr verschiedene und sehr viele. Stand er kurz vor dem Nachweis einer Sprungmutation? Seit Wochen beobachtete er nun schon diese seltsame Entwicklung: zunächst entwickelte sich der Ansatz ganz normal. Dann war er von einem auf den anderen Tag verschwunden, der Nährboden war blank! Elton hatte damals die Schale verwundert ins Regal gestellt und machte einen neuen Ansatz. Nach ein paar Tagen bemerkte er, dass sich in der abgestellten und verschlossenen Schale nun neue Bakterienstämme zu entwickeln begannen und fing an, dieses unglaubliche Phänomen akribisch zu beobachten und zu dokumentieren. Er hatte in der letzten Zeit kaum geschlafen, seine Ernährung war sowohl quantitativ als auch qualitativ auf ein niedriges Level gesunken. Aber das alles störte ihn nicht, denn er wusste: Wissenschaft verlangt bisweilen Opfer.
Es klopfte. „Ja? – Ach, morgen Chef“
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„Um eine “atheistische Missionierung” ist es uns nicht bestellt“

Dieses Zitat stammt von der Homepage der Organisatoren der atheistischen Buskampagne, die in mehreren Städten Europas zu sehen war. Nach eigenen Angaben haben sie ca. 15-20 Millionen Menschen „erreicht“ (ich dachte, das wäre frommes Vokabular?). Ist die Kampagne nun eine Mission oder nicht? Da „Mission“ einen Auftraggeber voraussetzt, der die Missionare eben „sendet“, kann eine atheistische Kampagne nie eine Mission sein. Allerdings kann ein Atheist kaum jemandem Mission vorwerfen, weil er nicht an die Sendung glauben kann. Aus seiner Sicht handelt es sich bei Mission ebenfalls nur um eine Kampagne – wenn auch auf aus seiner Sicht falschen Voraussetzung. In Berlin wurde die Buswerbung der Atheisten nicht genehmigt, weil dort überhaupt keine religiöse oder weltanschauliche Werbung zugelassen werden soll. Es scheint, als würde den Atheisten niemand ihre Ablehnung der Missionierung abnehmen.
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Was können wir über das Leben nach dem Sterben wissen?

Die Antwort ist ganz einfach: Nichts. Und deshalb fallen die Antworten so unterschiedlich aus. Darauf weisen auch Atheisten gerne hin, wobei dieser Umstand keineswegs automatisch für die atheistische Vorstellung von einem Verlöschen des Geistes spricht. Wenn man keine Messdaten hat, kann man nicht einfach von dem Messwert „Null“ ausgehen. Ebenso wenig wie man aus Unwissenheit einfach behaupten kann, dass es kein fremdes Leben im Universum gibt oder keine Natur-Wirkungen, die man noch nicht kennt. Die Vorstellung von keinem Leben nach dem Tod ist also mitnichten naturwissenschaftlicher als jede andere, sondern muss in die Reihe der vielen Jenseitshoffnungen gestellt werden – von denen sie dem Buddhismus und seinem Sehnen nach dem endgültigen Verlöschen, nicht unähnlich ist.

Wieso kann ein Christ trotz der Vielzahl sich widersprechender Jenseitshoffnungen an die Auferstehung der Toten glauben?

Weil uns mit dem Neuen Testament Berichte von verschiedenen Autoren vorliegen, die uns von einem Menschen berichten, der von den Toten auferstanden ist. Und nein, es gibt keine diversen anderen Berichte, und es war auch damals nicht üblich, dass die Menschen alles geglaubt haben und die Literatur voll ist von ähnlichen Berichten. Wer dies behauptet, mag sich gerne mal auf die Suche machen.
Die Berichte sind nicht nur von mehreren Zeugen aufgeschrieben worden, sondern sie brachten ihren Autoren auch keinen Nutzen – wenn man nicht an die Auferstehung der Toten glaubt. Außer Johannes ist kein Jünger eines natürlichen Todes gestorben, sondern alle wurden verfolgt, bedroht, gesteinigt, gefoltert und schließlich getötet. Wozu hätten sie lügen sollen?

Ferner sprechen sie zu Gemeinden, unter denen es noch eine große Anzahl von Augenzeugen der Auferstehung gab. Selbst manche Nicht-Christen, die sich mit den Texten beschäftigen, sprechen verschleiernd von einer „Ostererfahrung“, ohne eine plausible Alternativerklärung für das Phänomen Urkirche anbieten zu können.

Man kann also sagen, dass die Auferstehungszeugnisse des Neuen Testamentes das sicherste Zeugnis über ein Leben nach dem Tod ermöglichen, dass überhaupt vorstellbar ist.

Wer nun nervös wird und schon überlegt, wo der Haken bei der Sache ist, sollte sich fragen, ob er dies wirklich macht, weil er so wissenschaftlich ist, oder weil er einfach jeden Gedanken vermeiden möchte, einmal vor Gott zu stehen. Wer gegen so ein Zeugnis anrennt, hat entweder sehr gute Gründe oder er hat gar keine Gründe. Er kann die Evangelien entweder ignorieren oder wird erst Frieden mit Gott finden, wenn er glaubt, dass Jesus für seine Sünden gestorben ist.
Erst dann wird der Gedanke an seine Auferstehung nicht von Angst sondern von Hoffnung bestimmt sein.

Man liest wieder Marx

Zeitweise war „das Kapital“ von Karl Marx seit der Finanzkrise vergriffen. Die Marxisten freuts und wir fragen uns: was erkennt man daran?
Interessieren sich die Deutschen jetzt auf einmal für volkswirtschaftliche Zusammenhänge? Dann gäbe es sicher Bücher, die ihnen hier besser weiter helfen könnten. Nein, die ernüchternde Antwort ist wohl eher, dass sich hier ein urdeutscher Reflex zeigt, der alle Hilfe vom Staat erwartet. Dieser Reflex funktioniert flächendeckend, schichtenübergreifend, altersunabhängig und unter dem Wohlwollen praktisch aller deutscher Medien.
Ich habe ja schon an anderer Stelle etwas darüber gelästert, dass ein Staat, der selbst kein Geld besitzt, den Finanzmarkt retten möchte. Besonders bizarr ist dieses ungebrochene Vertrauen aber wenn man bedenkt, dass gerade der deutsche Staat die seltene Leistung vollbracht hat, in einem einzigen Jahrhundert gleich zweimal bankrott zu gehen: nämlich 1923 und 1948 (Quelle: Wikipedia). Der marxistische Teil Deutschlands war dann in den 80er Jahren noch ein drittes Mal und nach nur etwa 40 jährigem Bestehen zahlungsunfähig. Woher kommt also das ungebrochene Vertrauen der Deutschen? Oder ist er doch nicht auf Deutschland beschränkt?

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Peter Singers „Praktische Ethik“

Was der Bioethiker Peter Singer von der Universität Princeton sagt, ist bekannt. Neu war für mich lediglich die Tatsache, dass deutsche Medien ihm unkommentiert Raum für seine Ansichten geben. In diesem Fall hat er eine Entscheidung eines Ausschusses des spanischen Parlamentes kommentiert, dass „Projekt Menschenaffen“ (Great Ape Projekt) unterstützen zu wollen.
Dieses u.a. von Singer gegründete Projekt habe die Aufgabe, „unseren engsten nicht menschlichen Verwandten – den Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans -, ein Recht auf Leben, Freiheit und Schutz vor Folter zuzugestehen“.

Klingt nett, gerade wenn man bedenkt wie rührend ernsthaft diese Affen im Zoo ihre Nahrung zerlegen oder ihr soziales Gefüge pflegen. Klar, das Patriarchat müssten irgendwelche feministisch gesinnten Affen noch abschaffen und mit der Egalität unter den Mitgliedern ist es auch nich besonders weit her, aber das kann man sicher ändern. Ein bisschen schwieriger wird es vielleicht, den Schimpansen abzugewöhnen, andere Affen zu fressen (evtl. durch Blauhelmeinsätze), aber wir wissen ja: keine Rechte ohne Pflichten.

Aber im Ernst: was kann man gegen den Vorschlag haben, zumindest Menschenaffen „ein Recht auf Leben, Freiheit und Schutz vor Folter zuzugestehen“? Es wird sich zeigen: sehr viel!
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Neurologen entdecken die Welt

Neurologen können im Gehirn den Sitz der Moral verorten, sie haben Religion als Schaltkreis entlarvt und den freien Willen als bloße Illusion. Wer sich in diesen Jahren die Berichterstattung über die neurologische Forschung durchsieht, wird den Eindruck nicht los, dass hier gerade die ganz großen Fragen der Menschheit behandelt, ach, was sage ich „behandelt“, geklärt werden.
Und der gebildete Laie kann in populären Zeitschriften wie „Gehirn und Geist“ oder populärwissenschaftlichen Büchern an der Beantwortung Anteil nehmen.
Das wirklich Erstaunliche an den Entdeckungen der Neorologie ist aber nicht, welche Gefühle man im Gehirn wo verorten kann, sondern dass ein so geringes Interesse daran besteht, die sich daraus ergebenden Fragen in die historische Diskussion einzubetten. Nur dadurch ist nämlich zu erklären, weshalb in der Öffentlichkeit zwar brandaktuelle Ergebnisse der Wissenschaft diskutiert werden aber niemand zu bemerken scheint, dass diese für die aufgeworfenen Fragen keinen erkennbaren Nutzen haben. Ich möchte dies an den drei angerissenen Themen verdeutlichen: Moral, freier Wille, Gott.
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McCain oder Obama? Wen werden die Deutschen wählen?

Ganz so weit ist es sicher noch nicht, aber es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass langsam aber sicher auch Wahlkämpfe global werden. Das hat zum Einen ganz naheliegende Gründe: die im Ausland lebenden Bürger müssen überzeugt werden und die außenpolitische Reputation des Staatsoberhauptes hängt (leider) mit dem Ruf des ganzen Landes in der Welt zusammen.
Das alles erklärt aber noch nicht, weshalb sich auch das Ausland so engagiert am Wahlkampf beteiligt, und dass es das tatsächlich tut, konnte man spätestens seit der Diskussion in Deutschland über die geplante Rede Obamas vor dem Brandenburger Tor erkennen. Die Argumente, die für und gegen diesen Ort ins Feld geführt wurden, waren an sich alle unverdächtig. Interessant war aber, dass vor allem linke Politiker für und konservative Politiker gegen dieses Setting plädierten. Und das riecht schon sehr nach deutschem Wahlkampf. Die Medien waren hier noch weniger zurückhaltend und haben schon längst Ms. Clinton zur Lieblingskandidatin gekürt. Aber jetzt kämpfen sie treu und tapfer für Obama. Die Berliner – also nicht nur die in Berlin lebenden Amerikaner – freuen sich auf die Rede Obamas und würden ihn mit klarer Mehrheit wählen: 70% der Stimmen bekäme Obama – wenn jemand die Deutschen fragen würde (lt. einem Bericht der FTD).
Und wenn man sich das Gekeife über George W. Bush anhörte, mochte man kaum glauben, dass es hierbei um das Staatsoberhauptes eines anderen Landes ging.

Die Frage ist nur: was soll das eigentlich? Wieso setzen sich Deutsche so für oder gegen einen amerikanischen Präsidenten ein?
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Spiegel erschüttert Christentum

Erfahrene Spiegelleser werden jetzt vielleicht fragen: was schon wieder? Oder sie fragen sich: Wie oft muss man eigentlich etwas erschüttern, bis es endlich stürzt?
Zunächst also die gute Nachricht: solange der Spiegel noch daran arbeitet, das Christentum zu erschüttern, scheint es nicht gänzlich gestürzt zu sein.

Nun aber zu der Erschütterung (jesmainernst:).
Forscher Knohl hat die Schrift auf einem Kalkstein, der ins erste Jahrhundert vor Christus datiert wird, neu interpretiert. Nach seiner Interpretation, die sich leider an der entscheidenden Stelle auf ein unleserliches Wort stützt, wäre dieser Stein ein Beleg dafür, dass schon vor Jesu Geburt eine Auferstehung nach drei Tagen beschrieben wurde.
Nehmen wir einmal für einen Moment an, das entscheidende Wort hieße wirklich „lebe“, wie es die Interpretation Knohls voraussetzt, was würde das bedeuten? Offenbar verfolgt zumindest der Spiegel jetzt folgende Logik: ein autentischer Bericht hat keine gedanklichen Vorlagen. Wenn es gedankliche Vorlagen gibt, ist der Text daher nicht autentisch.
Dieses Muster der Christentumskritik ist verbreitet und ich bin an anderer Stelle schon darauf eingegangen. Die Kritik funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad von Oberflächlichkeit, danach werden die Häufungen der Vorlagen in den unterschiedlichsten Kulturen so erdrückend, dass sich das Argument umkehrt und man sich fragen muss: wie kann eine Idee ohne Gottes Wirken zu so einer Verbreitung kommen?
In der Religionswissenschaft allgemein und in der Prophetie im Besonderen zeigt sich nämlich, dass Gott die Menschen mit bruchstückhaftem Wissen über sein Friedensreich ausgestattet hat, dass sich aber erst in Jesus erfüllt hat.
Ich möchte das in dem Zusammenhang mit der alten Steinplatte veranschaulichen:
Der Gedanke einer Auferstehung nach drei Tagen kam nicht nach Jesu Tod auf, sondern auf jeden Fall schon davor. Gerade Christen wissen doch, dass Jesus seine Auferstehung nach drei Tagen schon vorher angekündigt hat – und nicht nur das: er hat sie sogar mit einem alttestamentlichen Vorbild begründet (Mt 12,40)! Dieses Beispiel ist aber nur das augenfälligste von vielen, in denen nach drei Tagen eine Erlösung erwartet wurde:
– in Genesis 40 prophezeit Josef seinen beiden Mitgefangenen, dass der eine nach drei Tagen gehängt, der ander aber wieder in Ehren in seinen alten Beruf eingesetzt wird.
– Mose bat den Pharao, mit dem Volk „drei Tagereisen“ weit in die Wüste zu ziehen, um Gott dort Opfer zu bringen.
– und da der Pharao von Gott verstockt wurde, schickte Gott die 10 Plagen, von denen die Neunte in einer dreitägigen Finsternis bestand.
– (Exodus 15,22) Nach dem Durchzug durchs Schilfmeer reisten die Israeliten drei Tage lang ohne Wasser und wurden erst nach den drei Tagen fündig in Mara.
– Sehr schön ist auch Josua 1,11: „Da befahl Josua den Aufsehern des Volkes: Geht mitten durch das Lager und befehlt dem Volk und sprecht: Versorgt euch mit Wegzehrung, denn in noch drei Tagen werdet ihr über diesen Jordan ziehen, um hineinzugehen, das Land einzunehmen, das der HERR, euer Gott, euch gibt, es zu besitzen!“
– oder Jos 2,22: „Und sie gingen weg und kamen ins Gebirge und blieben drei Tage dort, bis die Verfolger zurückgekehrt waren. Die Verfolger aber hatten den ganzen Weg abgesucht und sie nicht gefunden.“
– Saul sucht drei Tage vergeblich nach den verlorenen Eselinnen seines Vaters bevor sie gefunden werden (1.Sam 9)
– in 1.Sam 30 findet Davids Heer einen völlig entkräfteten Ägypter, der drei Tage und drei Nächte nichts gegessen und getrunken hat und von ihnen nun gerettet wurde.
– als Elia den Sohn der Witwe vom Tod auferweckte, streckte er sich dreimal über dem Jungen aus.
– mit einer Konkordanz kann man diese Beispiele noch leicht vermehren…

Die „Idee“ einer Totenauferstehung nach drei Tagen ist wäre also nicht nur naheliegend, sondern nur schwer anders vorstellbar, denn gerade die Zahl 3 scheint im AT die Zahl einer Trauerzeit, einer Dunkelheit oder des Durstes vor der Zeit des Lebens und des Lichtes zu sein. Dass es für die Auferstehung Jesu nach drei Tagen gedankliche Vorlagen gab, muss man also nicht erst mit unleserlichen Wörtern beweisen. Man kann ganz im Gegenteil an der Verwendung dieser Zahl erkennen, dass die Auferstehung Jesu schon in einer bestimmten Form erwartet wurde, d.h, wenn jemand die Auferstehung des Messias erhoffte, dann musste er eigentlich von einer Dauer von drei Tagen ausgehen! Dass die Auferstehung nämlich gerade nach drei Tagen stattfand, kann man nicht als Legende abtun, die dem allgemeinen Wunsch der Menschen nach eine ewigen Leben entspringt. Gerade die Präzision und Verbreitung der Übereinstimmung in der Zahl zeigt, dass Gott sein Volk über seine Pläne nicht völlig im Dunkeln gelassen sondern auf sein Heil vorbereitet hat. Dieser Beweis ist zumindest um einiges klarer als alles, was Herr Knohl bisher über seine Kalkplatte herausgefunden hat.

Man kann aber umgekehrt fragen, woher eigentlich Herr Knohl seine weitergehende Interpretation nimmt, nach Jesus eigentlich nicht für die Vergebung der Sünden sondern die Erlösung Israels gestorben sei. Er stellt diese Auslegung natürlich so dar, als ergebe sie sich aus seiner Neuinterpretation des Stein-Textes. Tatsächlich liegt eine andere Vorlage viel näher und relativiert dadurch die Aussagekraft des Steinplattentextes – wenn ich mal die o.g. Logik der Religionskritik hier anwenden darf – nämlich die alte jüdische Sehnsucht, das Reich Gottes politisch zu verstehen. Knohls Interpretation ist keineswegs neu sondern die Position, mit der Jesus zu Lebzeiten schon zu kämpfen hatte:

„Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da nun Jesus erkannte, dass sie kommen und ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu machen, zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.“
(Joh 6,14f)