Dekonstruktion der Dekonstruktion

Wenn die Altherrenriege der Postmoderne wie Focault oder Derrida eine Lieblingsbeschäftigung hatte, dann war es sicherlich die Dekonstruktion der Axiome des abendländischen Denkens und der Religion: es gibt keine große Erzählung mehr … kurz: es gibt keine Wahrheit mehr. Bei Timothy Keller habe ich kürzlich ein wunderbares Beispiel dafür gehört: Ihr kennt doch die weitverbreitere Relgionsparabel „Gott ist wie ein Elefant und die Religionen verhalten sich wie blinde Elefantenforscher“…
… der eine hält den Schwanz und beschreibt den Elefanten als Schlange, der andere berührt das Bein und sagt ein Elefant ist wie ein Baum, der nächste fasst ihm am Ohr und sagt ein Elefant sei ein riesiger Fächer. Dieses Bild soll zeigen wie die verschiedenen Religionen immer nur ein Teil des Bildes haben und wie arrogant und dogmatisch es sei, zu behaupten die volle Wahrheit über Gott zu haben. ABER: Die einzige Möglichkeit wie diese Parabel irgendeinen Sinn macht, ist daß der Parabelerzähler kurz: die Postmoderne den ganzen Elefanten gesehen hat. Wenn diese also konstatiert alle Religionen sehen nur einen Teil der Wahrheit, nimmt sie für sich in Anspruch eine Sicht auf die Wahrheit zu haben, die kein anderer hat und macht sich damit ironischerweise derselben spirituellen Arroganz schuldig die sie selber uns Christen vorwirft. In anderen Worten zu sagen „alle Wahrheit ist relativ in Abhängigkeit zur Gruppe, der man angehört“ ist selbst ein Wahrheitsstatement, aber besonders tricky, weil es Nebelkerzen verwendet um sich selbst toleranter als den Rest darzustellen. Viele „open minded“-Typen fühlen sich natürlich wesentlich erleuchteter als diejenigen, die weiter an absoluten Wahrheiten festhalten, ohne zu merken, daß sie sich in einem ebenso dogmatischen Glaubenssystem befinden wie alle anderen … vielleicht sogar in einem stärkeren … … wenn du also ein Postmoderner bist, dessen default mode der Relativismus ist, weil du Teil einer community bist, wo man sich auf dieses Glaubenssystem als „common sense“ geeinigt hat rate ich dir folgendes: SEI EIN SKEPTIKER … SCHAU DIR DEINEN EIGENEN POSTMODERNEN GLAUBEN AN … MIT DEM GLEICHEN KRITISCHEN APPARAT MIT DEM DU ANDERER LEUTE GLAUBEN BEURTEILST … www.youtube.com/watch?v=aOJImh3QNZ87

Dekonstruktion der Dekonstruktion

Fight Club reloaded …

Ich hab mir gerade „Der kommende Aufstand – Revolutionäre Bewegung als Abenteuerroman mit soziologischer Sicht“ heruntergeladen, um mal 9 Monate vor meinem linksradikalen Sohn das derzeit angesagteste Buch dieser Szene gelesen zu haben … Soweit ich über DE:BUG und FAZ (Nils Minkmar) mitbekommen habe, wird ein neoanarchistischer Weg zwischen Sabotage und Landkommune propagiert sowie nebenbei mal eben die gesamte bürgerliche Linke dekonstruiert und der Lächerlichkeit preisgegeben. Ich als Konservativer erwarte mir daher natürlich rhetorisch brilliante Munition für den täglichen popkuturellen Kampf mit dem politischen Gegner … Aber jetzt mal Schluß mit lustig … In der Zusammenschau mit Ulfkottes “ Vorsicht Bürgerkrieg! “ erhalten wir nun sicherlich eine realistischen Ausblick auf die Zukunft Deutschlands. OK Leute wenn vor uns also wirklich die zur Anarchie führenden kommenden Aufstände in Deutschland liegen sollten … die Macht werden danach selbstverständlich nicht unsere revolutionären Kinder bekommen, sondern die Dorgenbosse, libanesischen Clans und Warlords … die Decke der Zivilisation ist nun mal HAUCHDÜNN … Als Pietist kann ich da nur sagen: „Ja Herr Jesus, komme bald!!!“ …
Fight Club reloaded …

Zur Sarrazin-Rezeption in Deutschland

Ihr deutschen „Journalisten“ könnt einem echt leid tun … fest eingesperrt in einem politisch korrektem Milieu der Denkverbote – wo Abweichung gegen die „herrschende Meinung“ sofort sanktioniert wird – habt ihr euch maximal entfernt von der Sichtweise der kleinen Leute vor Ort. Ein…e ntv-Telefonumfrage zeigt 96% sind der Meinung Sarrazin gehe NICHT zu weit mit seinen Aussagen[ -> www.youtube.com/watch?gl=DE&v=1aTOgcykbdk ], das deckt sich mit meinen Erfahrungen auch hier vor Ort … Hey Leute das sind doch nicht alles Faschos … Ihr bräuchtet mal sowas wie Bodenhaftung und den Mut zur wahrheit … echt jetzt!!!
OK, wer hat Lust auf eine kleine Entstalinisierung unserer Medienwelt???

Konservativ die Umwelt schützen

Viele kennen vermutlich schon die Seite, auf der Annie Leonard für eine grüne Umweltpolitik wirbt. Wer sie noch nicht kennt, sollte sie sich auf jeden Fall ansehen, denn sie ist ein kleines didaktisches Wunder und sehr unterhaltsam. Aber, wie alle didaktischen Wunder, eine gefällige Verkürzung.
Annie Leonard kommt zu dem bekannten Ergebnis, dass sich die weltweite Umweltzerstörung durch einen politischen grünen Weg abwenden lässt. Dieses Ergebnis hängt am Ende ihres Vortrages ziemlich haltlos, weil sie bis zu diesem Punkt eigentlich ganz gut die Akteure der Misere benannt hat: und das sind zu allererst die Konsumenten! Sie werden zwar von Unternehmen und deren Werbung verführt und von der Politik als Käufer betrachtet, aber sie sind es doch letztlich selbst, die sich verführen lassen. Wieso also wirbt sie am Ende für eine neue Politik?
Ganz einfach: weil alles andere eine Moralpredigt wäre. Sie müste Dinge sagen wie „Seid bescheiden“, „Macht nicht jede Mode mit“, „mäßigt eure Begierden“ etc… das klingt ziemlich christlich und deswegen ziemlich konservativ. Aber genau diese Forderungen sind das Einzige, was der Umwelt wirklich helfen kann. Es ist natürlich viel komfortabler, einfach zu kaufen, was man will und sich von seiner Wochenzeitung einreden zu lassen, dass die eigentlichen Bösewichter die Großkonzerne und Politiker sind – und welche Zeitung kann es sich schon leisten, ihre Kunden zu ermahnen? Aber die Triebfeder hinter der ausufernden Produktion von Müll ist eben das gedankenlose und gierige Kaufverhalten. Es gibt eine sehr kleine und elitäre Gegenbewegung wie den Versand „manufaktum“, der von einem grünen Unternehmer gegründet wurde. Und gerade das ökologisch korrekte Angebot dieses Kaufhauses sieht über weite Strecken einfach unglaublich konservativ aus. Vieles gehörte zum Alltag der 50er Jahre.
Das Ganze ist allerdings als Nobel-Kaufhaus angelegt und wird niemals die Massen versorgen können. Trotzdem zeigt es ganz anschaulich, dass ökologisches Konsumverhalten konservativ ist.
Die Politik wird keine Wunder vollbringen und keine Energiequellen auftun, die keine Nebenwirkungen haben. Umweltschutz beginnt nach wie vor mit so Banalitäten wie Auto stehen lassen, die alten Kleider auftragen, endlich auf Papier gedruckte Medien abbestellen (dafür gibt es mittlerweile wirklich keinen Grund mehr), technische Geräte so lange wie möglich reparieren lassen und nicht einfach zu ersetzen, etc… klingt ziemlich spießig. Viel spießiger, als sich weltmännisch über den Green New Deal auszulassen.
Von Politikern wird man so etwas nicht hören, weil sie ihre Arbeit gerne aufgewertet sehen. Von den Medien ebenfalls nicht, weil die Leser Kunden sind und keine Moral-Predigten hören wollen. Wer Umweltschutz wirklich ernst nimmt, drückt das nicht über sein Wahl- sondern über sein Konsumverhalten aus. Der Kern des Problems ist nicht die falsche Parteizugehörigkeit oder das falsche Weltbild, sondern eine Menge kleiner falscher Entscheidungen der Haushalte.

Der Turmbau zu Babel

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel steht in Genesis 11. Sie taucht zwar in fast jeder größeren Kinderbibel auf, wird jenseits des 7. Lebensjahres aber weder von Christen noch von Nicht-Christen viel beachtet . Dabei berichtet die Geschichte von einer hochinteressanten Phase, einer sehr frühen menschlichen Gesellschaft. Die Situation, in der sich die Menschen befanden, war überaus heikel:
Die Gruppe wuchs und begann, unübersichtlich zu werden. Vermutlich bildete sich schon auf einer sehr frühen Stufe so etwas wie Lokalpatriotismus, die Leute aus der Sippe X konnten die aus der Sippe Y nicht leiden, die Bauern hatten Vorbehalte gegenüber den Handwerkern und die Viehhirten gegenüber den Ackerbauern, die Sesshaften gegenüber denen, die eigentlich lieber weiterziehen wollten…
Bis zu diesem Zeitpunkt lebten alle in einer großen und immer größer werdenden Gruppe, aber nun wurde die Frage virulent, wie man den Zusammenhalt der Gemeinschaft sichern können würde. Denn, dass die Notwendigkeit bestand, haben die damaligen Oberhäupter offenbar so gesehen. Und man kann sich leicht vorstellen, welche Sorgen sie mit der Vorstellung eines Auseinanderbrechens der Gemeinschaft verbanden: wenn die Sippen nicht mehr zusammen halten würden, wären sie in kürzester Zeit befeindet. Diese Erfahrung dürften sie zu diesem Zeitpunkt schon gemacht haben. Die Menschen befanden sich außerhalb der Gemeinschaft im rechtsfreien Raum und ahnten wohl instinktiv, dass sie einander zum Wolf werden würden – zumindest außerhalb des Rudels.

Woher kam dieses ängstliche Zusammenglucken? „Der Turmbau zu Babel“ weiterlesen

Der Virus

Es war ein Dienstag im August, als der Bildschirm seines Fernsehers schwarz blieb. Mika versuchte es noch einmal, dann schaltete er alle Sender durch. Er blieb schwarz. Langsam, wie in Trance, bewegte er seine Hand zum „Power“-Knopf, wohl wissend, dass es vermutlich zum letzten Mal sein würde.

Der „Virus“ wie er in der Bevölkerung und in den Medien nur genannt wurde, wurde vor ziemlich genau zwei Jahren entdeckt. Die ersten Todesfälle traten in Spanien auf und man ging davon aus, dass Einwanderer aus Afrika ihn eingeschleppt hatten, eine Theorie die dann von zahllosen weiteren Theorien abgelöst wurde, weil es in Afrika selbst erst 4 Monate später zu den ersten amtlich bestätigten Todesfällen kam. Die Entstehung des Virus wurde nie aufgeklärt. Am Anfang sprachen die Boulevard-Zeitungen von einem „Killervirus“ und fragten schon nach den ersten Todesfällen, ob der Virus bald zu uns käme und wir alle sterben müssten. Es schien das geeignete Thema für ein Sommerloch zu werden. Aber je schneller sich die Epidemie ausbreitete, desto nüchterner wurden die Schlagzeilen. Der Virus war offenbar nicht nur ein Verwandlungskünstler wie normale Grippe-Viren, sondern auch ausgesprochen langlebig und zäh. Ihm schien weder Trockenheit noch Hitze bis 40 Grad Celsius etwas auszumachen. Wenn er einmal irgendwo saß, auf einem Fenstergriff, an einem Kamm, an der Schere des Friseurs, im Wasser des Schwimmbades oder einfach auf dem Asphalt, dann blieb er da, bis jemand ihn abstreifte. Die Krankheit hatte keinen Namen und verlief immer tödlich. Innerhalb eines einzigen Sommers sind alle großen Städte in Südeuropa ausgestorben. Auf dem Land schien er sich immer erst etwas verzögert auszubreiten. Im zweiten Sommer – es waren vor allem die Sommer, in denen er sich besonders schnell zu verbreiten schien – trat er in allen Städten der Welt auf und überrannte die letzten verschonten Gebiete so schnell, dass die Nachrichtensender kaum hinterher kamen. Tageszeitungen waren für die Berichterstattung mittlerweile zu langsam.

„Der Virus“ weiterlesen

Politische Paradiesvorstellungen

Jede Weltanschauung hat vermutlich ihren Traum vom Paradies: die Kommunisten träumen von der Zeit, in der die Menschen ohne Besitz miteinander lebten (allerdings auch ohne Staatseigentum…), die Naturmystiker träumen von der Zeit, bevor die Christen die Menschen von der Natur entfremdet hatten, die Nazis von der vermeintlichen Größe Deutschlands, bevor die Juden das Christentum gebracht haben, andere träumen von „früher“ ohne es genauer zu datieren oder vom Leben wie im Naturzustand.
Diese Träume sind eine nicht zu unterschätzende Quelle der politischen Aktivität, denn bekanntlich ist ein positiver Reiz immer stärker als ein negativer, also Belohnung motiviert stärker als Strafe. Die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies nennt man in der Politik allerdings lieber „Vision“ o.ä. Tatsächlich handelt es sich nach meiner Einschätzung allerdings immer um Vorstellungen, die im jeweiligen politischen Lager irgendwo in der Vergangenheit zu verorten sind.

Interessanterweise ähneln sich diese Vorstellungen irgendwie alle: immer leben die Menschen in Frieden miteinander und sich selbst. Das Leben erscheint immer irgendwie klar geregelt und die Menschen kennen keine Angst. Das klingt zu naiv? Finde ich auch, aber ich habe es in vielen Beschreibungen der Welt von „früher“ so verstanden. Kein Wunder, dass es Leute gibt, die für diesen Zustand zu kämpfen bereit sind.

Wie sieht es aber mit dem Christentum aus, denn immerhin habe ich ihm den Begriff des „Paradieses“ entlehnt? In der Bibel wird ein Paradies beschrieben, ein Garten mit den vier Strömen, in dem die Menschen ohne Scham und Schuld mit Gott in einer glücklichen Welt leben konnten.
Dass diese Zeit endete, war die Strafe für den Ungehorsam der Menschen (Gen 1-3) und hatte eine Konsequenz, die das christliche Paradies von allen anderen unterscheidet: Gott versperrte den Zugang durch die Cherubim (mächtige Engel), die mit flammendem Schwert ausgerüstet waren. Das Paradies war für immer verloren und kein Mensch sollte jemals wieder dortin zurück kehren.
Als Christ stehe ich daher immer etwas verloren zwischen dem wortgewaltigen Gequatsche von Visionen, dem „neuen Menschen“, einer „neuen Gesellschaft“ oder auch nur dem Kampf für eine bessere Welt. Nicht weil ich diese Ziele alle ablehne, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass dadurch starke Sehnsüchte geweckt werden, die nicht erfüllt werden können und im besten Fall Politik-Müdigkeit hervorrufen, im schlechtesten aber einen gigantischen Hass auf die Bösewichte, die dem vermeintlichen Paradies im Wege stehen. Und die beiden größten Schreckens-Regime wurden auf einer Woge aus großen Erwartungen und Begeisterung getragen.
Eine christliche Partei wird niemals die gleiche Leidenschaft und Begeisterung unter ihren Anhängern hervorrufen können, wie eine rote, grüne oder braune Partei. Christen haben in dieser Welt nicht ihr Herz verloren und glauben auch nicht, hier das große Glück finden zu können.
Unser Heil hängt nicht von dem ab, was Menschen in dieser Welt erreichen können, sondern von dem, was ein Mensch bereits für uns getan hat: Wer glaubt, dass Jesus für seine Sünden gestorben ist, kommt nicht ins Gericht sondern kann in Frieden mit Gott leben, hier und nach dem Tod. Und er kann sich darauf freuen, dass Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen wird, die jeden menschlichen Traum von einem Paradies übersteigt.

Und das klingt zu fantastisch? Zunächst einmal klingt jede irdische Erlösungshoffnung fantastisch, denn politische Träumerei ist alt und ermüdend. Man muss sich schon sehr viel Mühe geben, dafür noch etwas Begeisterung aufzubringen – oder vielleicht sehr jung und unerfahren sein.
Aber man muss sich umgekehrt auch sehr viel Mühe geben, an dem Auferstehungsbericht Jesu eine Schwäche zu entdecken: er kann nicht nur symbolisch gemeint sein, weil er dafür viel zu detailiert geschildert wird. Er nützte damals auch keinem Jünger, weil der Glaube an Jesus alle Jünger einer brutalen Verfolgung ausgesetzt hat. Die weltweite Verbreitung des Christentums haben die ersten Christen nicht mehr miterlebt. Wer sich fragt, weshalb er gerade die Hoffnung der Christen an ein Leben nach dem Tod teilen sollte, findet die Antwort u.a. in den Berichten von der Auferstehung.

Kann die Natur uns retten?

Wenn sie es nicht kann, läuft die westliche Welt geschlossen und konzentriert in die Irre, denn Klima- und Umweltschutz haben sich zur bestimmenden Kollektivsorge eines ganzen Kulturkreises entwickelt. Und wo es nicht darum geht, den Zustand seiner sog. „Umwelt“ zu retten, sucht der Mensch im Privaten das natürliche Leben und die eigene Natur und führt auf diese Weise seinen persönlichen Kampf gegen den vermeintlichen Naturverlust fort (einfach mal unter „Naturmystik“ googlen).

Die Überschrift „Kann die Natur uns retten?“ habe ich einer kurzen Erzählung des Pastors Wilhelm Busch entlehnt, mit der er die Frage auf schlichte Weise beantwortet.

Für alle, die sich von dieser weitsichtigen Ermahnung aus den 60er Jahren nicht ablenken lassen wollen, möchte ich hier auf die Zukunft der Natur hinweisen: die Natur ist endlich! Die Sonne wird erkalten und irgendwann erlöschen, der zweite Hauptsatz der Thermodynamik ist unumkehrbar und die Bevölkerung wächst exponentiell, während sich die Anbauflächen nur linear vermehren lassen (die bewohnbare Fläche der Erde ist ohnehin begrenzt), d.h. es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Menschen zwischen Essen und Atmen entscheiden müssen.
Die Welt ist nicht für die Ewigkeit geschaffen sondern todverfallen, sie trägt die Zeichen des Todes überall. Sie kann daher den Blick auf Gottes Herrlickeit lenken, aber sie wiederspiegelt sie nur noch unvollkommen.
Auch hier möchte ich darauf hinweisen, dass mir Naturschutz am Herzen liegt. Aber ich bin überzeugt davon, dass es eine Torheit ist, seine Hoffnung auf die Natur zu richten.
Und falls sich jemand darauf zurückziehen möchte, dass das Ende der Welt noch ziemlich weit entfernt ist, muss er sich daran erinnern lassen, dass es seine eigene Natur ist, die ihn töten wird, sofern er nicht eines „unnatürlichen“ Todes sterben sollte. Denn nicht die Atombombe, nicht die Handfeuerwaffe und auch nicht die Todesstrafe sind die größten Killer, sondern die Natur des Menschen. Wobei es eine Frage der Definition des „natürlichen“ Todes ist, ob man die über 200 000 Opfer des Tsunami, die innerhalb von Stunden sinnlos von der Natur hinweggerafft wurden, dazuzählt oder nicht.
Wenn mir die Natur also am Herzen liegt, dann nicht, weil sie mich retten kann, sondern weil sie mich auf meinen Retter verweist. Sie lehrt mich staunen (und fürchten) und sie lehrt mich vor allem den Blick nach oben zu richten, von wo jedes Lebewesen seine Kraft und sein Leben empfängt. Aber sie lehrt mich auch, über sie hinaus zu sehen, weil ich zwar die Trümmer der Herrlichkeit in ihr erkenne aber nicht mehr die Herrlichkeit selbst. So wird die Natur mir zur ersten Lehrerin der Güte Gottes und zur Mahnerin seines Gerichtes und lässt mich ohne Entschuldigung vor ihm stehen. Die Entschuldigung finde ich nur im Evangelium.

Grün war die Naivitiät

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: ich bin ein begeisterter Anhänger von Umweltschutz, und ich liebe alles, was grün ist und lebt. Aber oder gerade deswegen sehe ich die warnenden Stimmen, die in dem Gütesiegel „Bio“ eben nicht den Garanten für eine bessere Welt sehen. Gerade die Journalisten Maxeiner und Miersch haben sich hier durch ihre nüchtern kritischen Nachforschungen in meinen Augen höchsten Respekt verdient. Auf ihrer Homepage haben sie zahlreiche lesenswerte Essays veröffentlich. Auf zwei Artikel, die sie in Cicero veröffentlicht haben, möchte ich hier besonders hinweisen:
Unter der Überschrift „Schöne heile Welt“ geht Michael Miersch verschiedene Studien durch, in denen versucht wird, der positive Effekt von Bioprodukten zu untersuchen.
Im Artikel „Biodiesel tötet Nashörner“ zeigt er am Beispiel des Bio-Sprits, wie gefährlich es ist, bestimmte Lösungen vorschnell in der Bevölkerung als Lösung zu puschen – und andere kategorisch auszuschließen…
Wen diese Themen interessieren, wird sicher in der jüngsten Veröffentlichung von Maxeiner und Miersch fündig.

Was ist Entfremdung?

„Von seinen Wegen wird satt, wer abtrünnigen Herzens ist, und von dem, was in ihm ist, wird satt der gute Mann“
(Sprüche 14,14)

Es ist nicht egal, wovon man satt wird. Und gerade dann, wenn Hunger kein Problem mehr ist, leiden Menschen daran, auf die falsche Weise satt geworden zu sein.
Salomo beschreibt hier genau das, was wir heute als „Entfremdung“ bezeichnen würden: ihr Weg, also ihr Beruf und ihr ganzes Leben wird als Fremdkörper empfunden obwohl er sie eigentlich am Leben erhält.
Alle großen Ideologien haben an diesem Gefühl der Entfremdung angesetzt: der Marxismus hat die Entfremdung auf die Arbeitsverhältnisse zurückgeführt, der Nationalsozialismus auf die „jüdischen“ Lehren des Christentums und des Kommunismus, der Feminismus auf die Herrschaft des Mannes, der Muslim auf die Einflüsse des Westens und der Ökologismus auf die Herrschaft des Menschen über die Natur.

Jede Ideologie bietet natürlich auch eine passende Lösung an. Die Sehnsucht nach einer Überwindung der Fremdheit machen sich Werbung und Filmindustrie zunutze und bombardieren uns mit Vorstellungen von erfülltem Leben, dass wir entweder durch ein bestimmtes Produkt erhalten, oder wenn wir erst mal den richtigen Partner finden oder wenn wir gezwungen werden, einen neuen Beruf zu wählen, oder uns politisch engagieren oder oder…
Dabei ist allen Vorstellungen gemeinsam, dass der Mensch durch sein Umfeld in ein Leben gezwungen wird, dass ihn unter dem Gefühl der Entfremdung leiden lässt.

Der Vers aus der Weisheitsliteratur bringt einen ganz neuen Gedanken: Entfremdung hat etwas mit Gerechtigkeit zu tun, und zwar mit der eigenen!
Aber, so wird vielleicht jemand einwenden, ist nicht die Vorstellung von gut und böse der Grund dafür, dass sich Menschen entfremdet fühlen? Leiden sie nicht an dem Widerspruch, sich einem Leben verpflichtet zu fühlen, das sie eigentlich nicht wollen?

Ja, vermutlich ist das genau das Problem. Die Frage ist nun, welche Möglichkeiten man zur Lösung hat:
Entweder man hält das Gewissen für den Fremdkörper, der den Menschen von seinen eigentlichen Wünschen abhält oder man hält die Empfindungen und Sehnsüchte für den Fremdkörper, der vom eigenen Gewissen entlarvt wird.
Wenn das Gewissen der Fremdkörper ist, dann wäre das Ende der Entfremdung ein Leben, in dem wir unsere Wünsche, Sehnsüchte und Lüste ausleben könnten. Aber glaubt jemand ernsthaft, dass dieses Leben von irgendeinem Gewissen der Welt dann gutgeheißen wird? Salomo spricht ja gerade von den Schurken, die sich also nicht an gesellschaftliche Konventionen halten und dennoch nicht aus dem leben können, was in ihnen ist, weil in ihnen nur der Tod wohnt. Jeder kennt sein eigenes Herz gut genug um abschätzen zu können, ob das Leben, zu dem unser Herz uns zieht, wirklich erstrebenswert wäre.

Die Alternative ist, dass unser Gewissen unser eigenes ist und unser Handeln und Empfinden der entfremdete Teil. Dann aber wären wir als ganze Person der Fremdkörper. Denn wir empfinden doch nicht mit einem Teil von uns sondern wir selbst empfinden. Wir leiden also an dem Wissen, eben nicht gerecht zu sein, und zwar von unserem ganzen Wesen her. Wir haben nämlich das Wissen um die Fremdheit aber nichts, woran wir andocken könnten. Das ist der Grund für die ewige und ergebnislose Suche nach einer Überwindung der Entfremdung.

Aber jeder kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Empfindung der Fremdheit dort am geringsten ist, wo das eigene Handeln als gut und gerecht empfunden wird. Da wir keine eigene Gerechtigkeit haben, gibt es nur die Gerechtigkeit, die ein anderer uns geben kann. Und genau das ist die Botschaft des Evangeliums: Jesus Christus, der Sohn Gottes kam in die Welt um für unsere Schuld bestraft zu werden, damit wir durch seine Gerechtigkeit leben können.

„Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden „ (Eph. 2,4f)