Dekonstruktion der Dekonstruktion

Wenn die Altherrenriege der Postmoderne wie Focault oder Derrida eine Lieblingsbeschäftigung hatte, dann war es sicherlich die Dekonstruktion der Axiome des abendländischen Denkens und der Religion: es gibt keine große Erzählung mehr … kurz: es gibt keine Wahrheit mehr. Bei Timothy Keller habe ich kürzlich ein wunderbares Beispiel dafür gehört: Ihr kennt doch die weitverbreitere Relgionsparabel „Gott ist wie ein Elefant und die Religionen verhalten sich wie blinde Elefantenforscher“…
… der eine hält den Schwanz und beschreibt den Elefanten als Schlange, der andere berührt das Bein und sagt ein Elefant ist wie ein Baum, der nächste fasst ihm am Ohr und sagt ein Elefant sei ein riesiger Fächer. Dieses Bild soll zeigen wie die verschiedenen Religionen immer nur ein Teil des Bildes haben und wie arrogant und dogmatisch es sei, zu behaupten die volle Wahrheit über Gott zu haben. ABER: Die einzige Möglichkeit wie diese Parabel irgendeinen Sinn macht, ist daß der Parabelerzähler kurz: die Postmoderne den ganzen Elefanten gesehen hat. Wenn diese also konstatiert alle Religionen sehen nur einen Teil der Wahrheit, nimmt sie für sich in Anspruch eine Sicht auf die Wahrheit zu haben, die kein anderer hat und macht sich damit ironischerweise derselben spirituellen Arroganz schuldig die sie selber uns Christen vorwirft. In anderen Worten zu sagen „alle Wahrheit ist relativ in Abhängigkeit zur Gruppe, der man angehört“ ist selbst ein Wahrheitsstatement, aber besonders tricky, weil es Nebelkerzen verwendet um sich selbst toleranter als den Rest darzustellen. Viele „open minded“-Typen fühlen sich natürlich wesentlich erleuchteter als diejenigen, die weiter an absoluten Wahrheiten festhalten, ohne zu merken, daß sie sich in einem ebenso dogmatischen Glaubenssystem befinden wie alle anderen … vielleicht sogar in einem stärkeren … … wenn du also ein Postmoderner bist, dessen default mode der Relativismus ist, weil du Teil einer community bist, wo man sich auf dieses Glaubenssystem als „common sense“ geeinigt hat rate ich dir folgendes: SEI EIN SKEPTIKER … SCHAU DIR DEINEN EIGENEN POSTMODERNEN GLAUBEN AN … MIT DEM GLEICHEN KRITISCHEN APPARAT MIT DEM DU ANDERER LEUTE GLAUBEN BEURTEILST … www.youtube.com/watch?v=aOJImh3QNZ87

Dekonstruktion der Dekonstruktion

Konservativ die Umwelt schützen

Viele kennen vermutlich schon die Seite, auf der Annie Leonard für eine grüne Umweltpolitik wirbt. Wer sie noch nicht kennt, sollte sie sich auf jeden Fall ansehen, denn sie ist ein kleines didaktisches Wunder und sehr unterhaltsam. Aber, wie alle didaktischen Wunder, eine gefällige Verkürzung.
Annie Leonard kommt zu dem bekannten Ergebnis, dass sich die weltweite Umweltzerstörung durch einen politischen grünen Weg abwenden lässt. Dieses Ergebnis hängt am Ende ihres Vortrages ziemlich haltlos, weil sie bis zu diesem Punkt eigentlich ganz gut die Akteure der Misere benannt hat: und das sind zu allererst die Konsumenten! Sie werden zwar von Unternehmen und deren Werbung verführt und von der Politik als Käufer betrachtet, aber sie sind es doch letztlich selbst, die sich verführen lassen. Wieso also wirbt sie am Ende für eine neue Politik?
Ganz einfach: weil alles andere eine Moralpredigt wäre. Sie müste Dinge sagen wie „Seid bescheiden“, „Macht nicht jede Mode mit“, „mäßigt eure Begierden“ etc… das klingt ziemlich christlich und deswegen ziemlich konservativ. Aber genau diese Forderungen sind das Einzige, was der Umwelt wirklich helfen kann. Es ist natürlich viel komfortabler, einfach zu kaufen, was man will und sich von seiner Wochenzeitung einreden zu lassen, dass die eigentlichen Bösewichter die Großkonzerne und Politiker sind – und welche Zeitung kann es sich schon leisten, ihre Kunden zu ermahnen? Aber die Triebfeder hinter der ausufernden Produktion von Müll ist eben das gedankenlose und gierige Kaufverhalten. Es gibt eine sehr kleine und elitäre Gegenbewegung wie den Versand „manufaktum“, der von einem grünen Unternehmer gegründet wurde. Und gerade das ökologisch korrekte Angebot dieses Kaufhauses sieht über weite Strecken einfach unglaublich konservativ aus. Vieles gehörte zum Alltag der 50er Jahre.
Das Ganze ist allerdings als Nobel-Kaufhaus angelegt und wird niemals die Massen versorgen können. Trotzdem zeigt es ganz anschaulich, dass ökologisches Konsumverhalten konservativ ist.
Die Politik wird keine Wunder vollbringen und keine Energiequellen auftun, die keine Nebenwirkungen haben. Umweltschutz beginnt nach wie vor mit so Banalitäten wie Auto stehen lassen, die alten Kleider auftragen, endlich auf Papier gedruckte Medien abbestellen (dafür gibt es mittlerweile wirklich keinen Grund mehr), technische Geräte so lange wie möglich reparieren lassen und nicht einfach zu ersetzen, etc… klingt ziemlich spießig. Viel spießiger, als sich weltmännisch über den Green New Deal auszulassen.
Von Politikern wird man so etwas nicht hören, weil sie ihre Arbeit gerne aufgewertet sehen. Von den Medien ebenfalls nicht, weil die Leser Kunden sind und keine Moral-Predigten hören wollen. Wer Umweltschutz wirklich ernst nimmt, drückt das nicht über sein Wahl- sondern über sein Konsumverhalten aus. Der Kern des Problems ist nicht die falsche Parteizugehörigkeit oder das falsche Weltbild, sondern eine Menge kleiner falscher Entscheidungen der Haushalte.

Der Turmbau zu Babel

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel steht in Genesis 11. Sie taucht zwar in fast jeder größeren Kinderbibel auf, wird jenseits des 7. Lebensjahres aber weder von Christen noch von Nicht-Christen viel beachtet . Dabei berichtet die Geschichte von einer hochinteressanten Phase, einer sehr frühen menschlichen Gesellschaft. Die Situation, in der sich die Menschen befanden, war überaus heikel:
Die Gruppe wuchs und begann, unübersichtlich zu werden. Vermutlich bildete sich schon auf einer sehr frühen Stufe so etwas wie Lokalpatriotismus, die Leute aus der Sippe X konnten die aus der Sippe Y nicht leiden, die Bauern hatten Vorbehalte gegenüber den Handwerkern und die Viehhirten gegenüber den Ackerbauern, die Sesshaften gegenüber denen, die eigentlich lieber weiterziehen wollten…
Bis zu diesem Zeitpunkt lebten alle in einer großen und immer größer werdenden Gruppe, aber nun wurde die Frage virulent, wie man den Zusammenhalt der Gemeinschaft sichern können würde. Denn, dass die Notwendigkeit bestand, haben die damaligen Oberhäupter offenbar so gesehen. Und man kann sich leicht vorstellen, welche Sorgen sie mit der Vorstellung eines Auseinanderbrechens der Gemeinschaft verbanden: wenn die Sippen nicht mehr zusammen halten würden, wären sie in kürzester Zeit befeindet. Diese Erfahrung dürften sie zu diesem Zeitpunkt schon gemacht haben. Die Menschen befanden sich außerhalb der Gemeinschaft im rechtsfreien Raum und ahnten wohl instinktiv, dass sie einander zum Wolf werden würden – zumindest außerhalb des Rudels.

Woher kam dieses ängstliche Zusammenglucken? „Der Turmbau zu Babel“ weiterlesen

Politische Paradiesvorstellungen

Jede Weltanschauung hat vermutlich ihren Traum vom Paradies: die Kommunisten träumen von der Zeit, in der die Menschen ohne Besitz miteinander lebten (allerdings auch ohne Staatseigentum…), die Naturmystiker träumen von der Zeit, bevor die Christen die Menschen von der Natur entfremdet hatten, die Nazis von der vermeintlichen Größe Deutschlands, bevor die Juden das Christentum gebracht haben, andere träumen von „früher“ ohne es genauer zu datieren oder vom Leben wie im Naturzustand.
Diese Träume sind eine nicht zu unterschätzende Quelle der politischen Aktivität, denn bekanntlich ist ein positiver Reiz immer stärker als ein negativer, also Belohnung motiviert stärker als Strafe. Die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies nennt man in der Politik allerdings lieber „Vision“ o.ä. Tatsächlich handelt es sich nach meiner Einschätzung allerdings immer um Vorstellungen, die im jeweiligen politischen Lager irgendwo in der Vergangenheit zu verorten sind.

Interessanterweise ähneln sich diese Vorstellungen irgendwie alle: immer leben die Menschen in Frieden miteinander und sich selbst. Das Leben erscheint immer irgendwie klar geregelt und die Menschen kennen keine Angst. Das klingt zu naiv? Finde ich auch, aber ich habe es in vielen Beschreibungen der Welt von „früher“ so verstanden. Kein Wunder, dass es Leute gibt, die für diesen Zustand zu kämpfen bereit sind.

Wie sieht es aber mit dem Christentum aus, denn immerhin habe ich ihm den Begriff des „Paradieses“ entlehnt? In der Bibel wird ein Paradies beschrieben, ein Garten mit den vier Strömen, in dem die Menschen ohne Scham und Schuld mit Gott in einer glücklichen Welt leben konnten.
Dass diese Zeit endete, war die Strafe für den Ungehorsam der Menschen (Gen 1-3) und hatte eine Konsequenz, die das christliche Paradies von allen anderen unterscheidet: Gott versperrte den Zugang durch die Cherubim (mächtige Engel), die mit flammendem Schwert ausgerüstet waren. Das Paradies war für immer verloren und kein Mensch sollte jemals wieder dortin zurück kehren.
Als Christ stehe ich daher immer etwas verloren zwischen dem wortgewaltigen Gequatsche von Visionen, dem „neuen Menschen“, einer „neuen Gesellschaft“ oder auch nur dem Kampf für eine bessere Welt. Nicht weil ich diese Ziele alle ablehne, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass dadurch starke Sehnsüchte geweckt werden, die nicht erfüllt werden können und im besten Fall Politik-Müdigkeit hervorrufen, im schlechtesten aber einen gigantischen Hass auf die Bösewichte, die dem vermeintlichen Paradies im Wege stehen. Und die beiden größten Schreckens-Regime wurden auf einer Woge aus großen Erwartungen und Begeisterung getragen.
Eine christliche Partei wird niemals die gleiche Leidenschaft und Begeisterung unter ihren Anhängern hervorrufen können, wie eine rote, grüne oder braune Partei. Christen haben in dieser Welt nicht ihr Herz verloren und glauben auch nicht, hier das große Glück finden zu können.
Unser Heil hängt nicht von dem ab, was Menschen in dieser Welt erreichen können, sondern von dem, was ein Mensch bereits für uns getan hat: Wer glaubt, dass Jesus für seine Sünden gestorben ist, kommt nicht ins Gericht sondern kann in Frieden mit Gott leben, hier und nach dem Tod. Und er kann sich darauf freuen, dass Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen wird, die jeden menschlichen Traum von einem Paradies übersteigt.

Und das klingt zu fantastisch? Zunächst einmal klingt jede irdische Erlösungshoffnung fantastisch, denn politische Träumerei ist alt und ermüdend. Man muss sich schon sehr viel Mühe geben, dafür noch etwas Begeisterung aufzubringen – oder vielleicht sehr jung und unerfahren sein.
Aber man muss sich umgekehrt auch sehr viel Mühe geben, an dem Auferstehungsbericht Jesu eine Schwäche zu entdecken: er kann nicht nur symbolisch gemeint sein, weil er dafür viel zu detailiert geschildert wird. Er nützte damals auch keinem Jünger, weil der Glaube an Jesus alle Jünger einer brutalen Verfolgung ausgesetzt hat. Die weltweite Verbreitung des Christentums haben die ersten Christen nicht mehr miterlebt. Wer sich fragt, weshalb er gerade die Hoffnung der Christen an ein Leben nach dem Tod teilen sollte, findet die Antwort u.a. in den Berichten von der Auferstehung.

Kann die Natur uns retten?

Wenn sie es nicht kann, läuft die westliche Welt geschlossen und konzentriert in die Irre, denn Klima- und Umweltschutz haben sich zur bestimmenden Kollektivsorge eines ganzen Kulturkreises entwickelt. Und wo es nicht darum geht, den Zustand seiner sog. „Umwelt“ zu retten, sucht der Mensch im Privaten das natürliche Leben und die eigene Natur und führt auf diese Weise seinen persönlichen Kampf gegen den vermeintlichen Naturverlust fort (einfach mal unter „Naturmystik“ googlen).

Die Überschrift „Kann die Natur uns retten?“ habe ich einer kurzen Erzählung des Pastors Wilhelm Busch entlehnt, mit der er die Frage auf schlichte Weise beantwortet.

Für alle, die sich von dieser weitsichtigen Ermahnung aus den 60er Jahren nicht ablenken lassen wollen, möchte ich hier auf die Zukunft der Natur hinweisen: die Natur ist endlich! Die Sonne wird erkalten und irgendwann erlöschen, der zweite Hauptsatz der Thermodynamik ist unumkehrbar und die Bevölkerung wächst exponentiell, während sich die Anbauflächen nur linear vermehren lassen (die bewohnbare Fläche der Erde ist ohnehin begrenzt), d.h. es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Menschen zwischen Essen und Atmen entscheiden müssen.
Die Welt ist nicht für die Ewigkeit geschaffen sondern todverfallen, sie trägt die Zeichen des Todes überall. Sie kann daher den Blick auf Gottes Herrlickeit lenken, aber sie wiederspiegelt sie nur noch unvollkommen.
Auch hier möchte ich darauf hinweisen, dass mir Naturschutz am Herzen liegt. Aber ich bin überzeugt davon, dass es eine Torheit ist, seine Hoffnung auf die Natur zu richten.
Und falls sich jemand darauf zurückziehen möchte, dass das Ende der Welt noch ziemlich weit entfernt ist, muss er sich daran erinnern lassen, dass es seine eigene Natur ist, die ihn töten wird, sofern er nicht eines „unnatürlichen“ Todes sterben sollte. Denn nicht die Atombombe, nicht die Handfeuerwaffe und auch nicht die Todesstrafe sind die größten Killer, sondern die Natur des Menschen. Wobei es eine Frage der Definition des „natürlichen“ Todes ist, ob man die über 200 000 Opfer des Tsunami, die innerhalb von Stunden sinnlos von der Natur hinweggerafft wurden, dazuzählt oder nicht.
Wenn mir die Natur also am Herzen liegt, dann nicht, weil sie mich retten kann, sondern weil sie mich auf meinen Retter verweist. Sie lehrt mich staunen (und fürchten) und sie lehrt mich vor allem den Blick nach oben zu richten, von wo jedes Lebewesen seine Kraft und sein Leben empfängt. Aber sie lehrt mich auch, über sie hinaus zu sehen, weil ich zwar die Trümmer der Herrlichkeit in ihr erkenne aber nicht mehr die Herrlichkeit selbst. So wird die Natur mir zur ersten Lehrerin der Güte Gottes und zur Mahnerin seines Gerichtes und lässt mich ohne Entschuldigung vor ihm stehen. Die Entschuldigung finde ich nur im Evangelium.

Grün war die Naivitiät

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: ich bin ein begeisterter Anhänger von Umweltschutz, und ich liebe alles, was grün ist und lebt. Aber oder gerade deswegen sehe ich die warnenden Stimmen, die in dem Gütesiegel „Bio“ eben nicht den Garanten für eine bessere Welt sehen. Gerade die Journalisten Maxeiner und Miersch haben sich hier durch ihre nüchtern kritischen Nachforschungen in meinen Augen höchsten Respekt verdient. Auf ihrer Homepage haben sie zahlreiche lesenswerte Essays veröffentlich. Auf zwei Artikel, die sie in Cicero veröffentlicht haben, möchte ich hier besonders hinweisen:
Unter der Überschrift „Schöne heile Welt“ geht Michael Miersch verschiedene Studien durch, in denen versucht wird, der positive Effekt von Bioprodukten zu untersuchen.
Im Artikel „Biodiesel tötet Nashörner“ zeigt er am Beispiel des Bio-Sprits, wie gefährlich es ist, bestimmte Lösungen vorschnell in der Bevölkerung als Lösung zu puschen – und andere kategorisch auszuschließen…
Wen diese Themen interessieren, wird sicher in der jüngsten Veröffentlichung von Maxeiner und Miersch fündig.

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Natur und Geist

Die Sehnsucht nach der Natur ist paradox: entweder wir sind bereits mit allen unseren Sehnsüchten ein Teil der Natur, dann fehlt der Sehnsucht der Sinn. Oder unsere Sehnsüchte sind kein Teil der Natur, dann wäre aber die Natur schuld an unserem Schlamassel, der die Sehnsucht erst wachsen lässt.
Ein Einwand könnte lauten: die Entfremdung von der Natur habe der Mensch oder insbesondere die Religion bewirkt und sei genuin nicht-natürlich.
Aber dieser Einwand übersieht, dass Gedanken oder Ideen zwar menschlichen Ursprungs sein können, aber diese sind nur möglich, weil die Natur des Menschen sie möglich macht. Der Mensch hat sein Reflexionsvermögen nicht erfunden. Und dieses Vermögen entfremdet ihn von den anderen Geschöpfen und erhebt ihn, nicht irgendwelche Ideen! Man kann sogar sagen, sobal der Mensch überhaupt die Unterscheidung zwischen Kultur und Natur vornimmt, ja sobald er überhaupt den Begriff „Natur“ denkt, hat er sich schon der Natur entfremdet. Er nimmt sie für die Dauer eines Wortes wie ein Fremdkörper in die Hand und betrachtet sie von außen. Und diese Fähigkeit ist auf keine Religion oder Kultur beschränkt. Ich sage bewusst „Fähigkeit“, denn ich halte es für wahrscheinlich, dass es Völker gibt, in denen die Unterscheidung zwischen Natur und Kultur unbekannt ist. Aber die Fähigkeit zur Begriffsbildung und zu der nötigen Reflexion besitzen sie dennoch, und in jedem Begriff von Dingen steckt der Wille zu objektivieren und die Umwelt zu beherrschen. Die Bildung von Begriffen ist daher der eigentliche Sündenfall der Naturmystik.

Man kann aber auch anders an das Thema herangehen und fragen: Wie konnte die Evolution einen Geist hervorbringen, der zu solchen Leistungen in der Lage ist? Weist die Natur nicht selbst über sich hinaus?
Denn mit der Evolution kann man die Fähigkeiten des Menschen nicht erklären. Sie bieten zwar einen Überlebensvorteil, aber der Vorteil fällt etwas aus dem Rahmen: Eine biologische Eigenschaft wird vererbt, wenn sie ihrem Träger die Eroberung einer ökologischen Nische erlaubt. Aber der Mensch hat gerade die Fähigkeit, sich in jede beliebige Nische hinein zu erfinden und eben nicht von bestimmten Lebensräumen abhängig zu sein. Der Mensch hat jeden Lebensraum von der Tiefsee bis zum Mond erobert. Diese Fähigkeit ist so überragend, dass man allein mit den Mechanismen der Evolution nicht erklären kann, weshalb nicht alle Lebewesen, oder doch zumindest einige, diese Super-Fähigkeiten entwickelt haben. Wie konnte es passieren, dass der Mensch zum Herren über die ganze Schöpfung wird, ohne dass es irgendwo auch nur den Hauch einer Konkurrenz gibt? Selbst unsere „nächsten Verwandten“, also die sog. „Menschenaffen“, überleben derzeit nur durch unser Mitleid.

Die Evolution ist keine gute Erklärung für die besondere Stellung des Menschen. Der Mensch bleibt mit seiner Vernunft allein und wird seine Fremdheit in der Natur nicht los. Und je mehr er sich mit seiner Stellung in der Natur beschäftigt, desto mehr bestätigt er seine Sonderstellung als denkendes Wesen.
Das klingt gut, aber es ist keine Hilfe, wenn man sich eben doch nach der Natur sehnt. Aber es hilft zu zeigen, dass die Natur zwar eine Sehnsuch in uns wecken aber nicht stillen kann, weil der Unterschied zwischen uns und der übrigen Schöpfung so grundlegend ist, dass er weder von Menschen verursacht nocht von Menschen behoben werden kann. Denn selbst wenn man sich mal ganz harmonisch eins mit allem möglichen fühlt, wird dieser Zustand doch irgendwann öde und verfliegt, weil man sich mit interessanterem beschäftigen kann.

Für unseren Geist, unsere Vernunft oder unser Reflexionsvermögen benötigen wir eine Erklärung, die über die Natur hinausgeht, und die uns doch gerade im Umgang mit der Natur bewusst wird.

Noch mal zum Klimawandel

In einem „nano-Spezial“ zum Thema „Klimawandel“ verteidigte der Sender 3Sat noch einmal die hinlänglich bekannte These. U.a. kamen Forscher zu Wort, die sich beklagten, ihnen werde vorgeworfen, politisch motiviert zu argumentieren. Der Vorwurf ist für einen Forschern zweifellos ärgerlich. Aber da dieses Thema tatsächlich ein Politikum geworden ist und die Hauptakteure Politiker sind, kann man als Laie auch nicht ohne weiteres diesen Bereich ausblenden.
Und da Wissenschaftler zu einem großen Teil vom Geld der Politik leben, haben sie – ohne dass man hier besonders kriminelle Absichten unterstellen muss – ein natürliches Interesse an politischer Aufmerksamkeit. Besonders anfällig sind hier natürlich Bereiche, die kaum sichere Prognosen zulassen, denn hier bleibt immer ein Spielraum in dem man sich seriös bewegen kann. Auf diese Weise können leicht auch 2000 Wissenschaftler gefunden werden, die unterschreiben, dass sich das Klima in einer ganz bestimmten Weise entwickeln wird – während sie noch nicht einmal das Wetter für den nächsten Tag sicher voraussagen können…
Andererseits gibt es handfeste politische Motive, nicht an den Klimawandel zu glauben und seine Gefahren herunter zu spielen.

Was soll man als Laie nun glauben? Zunächst einmal scheint es über verschiedenen Punkten Einigkeit zu geben:
1. Das globale Klima ist heute wärmer als zu irgendeiner anderen Zeit, in der Menschen auf dem Planeten leben.
2. Der Mensch erhöht den Anteil des CO2 in der Atmosphäre.
3. Ein Abschmelzen der Polkappen führt zu einem Anstieg des Meeresspiegels wodurch Lebensraum für Menschen verloren geht.
4. Der Prozess der Klimaerwärmung lässt sich nicht stoppen sondern nur dämpfen bzw. herauszögern.
5. Der Anstieg der CO2-Konzentration lässt sich nicht durch Aufforstung stoppen, weil ein Baum genau die Menge, die er in seinem Leben an CO2-bindet bei seiner Zersetzung wieder abgibt. Wirklich abbauen lässt sich das CO2 nur, indem man es entweder in verdichteten Tanks unter der Erde lagert oder indem man künstlich Ökosysteme so manipuliert dass sie in größerem Maße CO2 binden und (beispielsweise im Meer) so einlagern, dass es nicht mehr durch Zersetzung vollständig frei wird. Welche Auswirkungen dies aber auf die marinene Ökosysteme haben würde, ist bisher noch unklar. Eigentlich bleibt derzeit nur die Lösung mit den unterirdischen Tanks.
6. Mit Atomkraftwerken könnte man den CO2-Ausstoß um die gewünschte Menge reduzieren. Gegen die Nutzung der Atomkraftwerke wird eingewandt, dass diese nicht mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben werden und daher keine dauerhafte Lösung darstellen. Aber ist nicht auch das Problem „nicht dauerhaft“? Die CO2-Konzentration entsteht ja durch die Nutzung fossiler Brennstoffe, und die gehen ja angeblich bereits zur Neige. Das restliche CO2 kann ohnehin nur nachwachsenden Rohstoffen entnommen werden.

Also man kann sicher sagen, dass es sich nicht um eine Katastrophe handelt (eine Katastrophe wäre eine unheilbare globale Grippe-Epidemie) und schon gar nicht um eine aufhaltbare. Und erneuerbare Energien sind keineswegs der einzige Ausweg.
Und was man nicht vergessen darf: durch den enormen Kostenanstieg durch die geplanten Maßnahmen zur CO2-Reduktion wird das Geld an anderen Stellen fehlen – z.B. beim Umweltschutz!

Unklar sind die Fragen
1. welchen Anteil das anthropogene CO2 an der Klimaerwärmung hat,
2. welche Auswirkungen eine globale Erwärmung auf die Erde hat (wo entstehen möglicherweise Wüsten, wo entstehen möglicherweise neue Lebensräume für Pflanzen – auch diesen Effekt kann man beobachten. Denn wo mehr Wärme ist, gibt es auch mehr Verdunstung, die wiederum zu Abkühlungen und mehr Niederschlag führt. Ein erhöhter CO2-Gehalt fördert darüber hinaus das Pflanzenwachstum, was wiederum zur CO2-Bindung führt, Verdunstung und Abkühlung etc.)
3. ob der Mensch die Erwärmung durch CO2-Reduktion wirkungsvoll beeinflussen kann (das CO2 ist hinter dem Wasserdampf, der zwei Drittel der Klimagase ausmacht, nur das zweitwichtigste Klimagas und der Mensch hat an diesem Anteil wiederum nur einen Anteil von 3%, von denen wiederum nur ein kleiner Teil politisch verhandelbar ist).

Ich persönlich halte alle möglichen Szenarien für denkbar und würde mich nicht gegen erneuerbare Energien aussprechen (z.B. weil ich eine Religion hätte, die grundsätzlich erneuerbare Energien ablehnt 😉 ).
Aber die These vom Klimawandel mit seinen politischen Implikationen ist in sich an so vielen Stellen fragwürdig, und die Motive der Politik so durchschaubar (und damit leider auch die der Wissenschaft), dass sich bei mir noch nicht so recht Katastrophenstimmung einstellen will. Wenn die Klimatologen aus dieser Sache nicht mit einem Imageschaden herausgehen wollen, der wohl in 100 Jahren nicht zu reparieren ist, dann sollten sie auf jeden Fall auch deutlich machen, an welchen Stellen sie der Politik widersprechen müssen – und sei es nur in Randaspekten und in differenzierenden Ergänzungen. Und genau das vermisse ich zur Zeit.

Jürgen Trittin in der Nazi-Falle?

Auf einem wissenschaftlichen Fachkongress zum Verhältnis von Naturschutz und Nationalsozialismus sagte der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin in seiner Rede, es gehe bei dieser Frage ums „ehrliches Verstehen“. “ Keine billigen und beliebig primitiven Entschuldigungen. Aber auch keine selbstgerechten Anklagen, wo nichts Verwerfliches war. Umgekehrt ist aber auch klar: Naturschutz als politischer Auftrag wird nicht deshalb entwertet und für die Zukunft unwichtig, weil Naturschützer und Nazis sich auf die Natur beziehen. Eine Kollektivschuld der Naturschützer gibt es nicht.“ (in: Radkau, Joachim (Hg.), Naturschutz und Nationalsozialismus, Frankfurt, 2003.)

So einfach kann das sein: kein Presserummel, kein Rausschmiss, kein öffentliches Mobbing, einfach nichts. Und dabei besteht zwischen dem Nationalsozialismus und dem Naturschutz sogar eine wesentlich engere Verbindung als zwischen dem damaligen Familienmodell und dem Nationalsozialismus:

Für die Unterordnung der Frau sprach im Nationalsozialismus eigentlich nichts. Das einzige Interesse der Nazis an der Familie bestand eigentlich nur daran, dass viele Kinder geboren werden (daran hat sich in manchen Parteien bis heute nicht viel geändert). Dieses Ziel erreichte man damals, indem man die vorhandenen Idealvorstellungen aufgriff und unterstützte, und man erreicht das Ziel heute, in dem man die HEUTE vorhandenen Ideale aufgreift und unterstützt. Niemand wird ernsthaft behaupten, die Nazis hätten ihren Wunsch nach mehr Kindern/Soldaten einem bestimmten Familienmodel geopfert. Niemals hätten sie aus Rücksicht auf das Familienleben auf ihre Reproduktionspolitik verzichtet, und das bedeutet auch: Heute hätte Hitler selbstverständlich die Krippen befürworten können, ohne an seiner Ideologie Abstriche machen zu müssen!

Der Naturschutz war hingegen ein Herzensanliegen der Nazis. Die Natur war der heile Urzustand, die Zivilisation wurde als störende „Überfremdung“ empfunden (wenn man sich politisch korrekt ausdrücken möchte, muss man hier von „Entfremdung“ sprechen, dann ist die gleiche Aussage völlig unverdächtig). Zur „Überfremdung“ gehörte es beispielsweise, wenn neuerdings Reklametafeln die Landschaft verschandelten. Dieser Umstand konnte das Bürgertum regelrecht in Rage versetzen. Es war tatsächlich das gleiche Gefühl, dass auch den Antisemitismus befeuerte, denn es entstand aus der Angst, von einer fremden Macht geistig und kulturell überlagert zu werden und seine Ursprünglichkeit zu verlieren.

Friedemann Schmoll schreibt „Hier lieg ein wichtiger Verknüpfungspunkt zwischen modernem Antisemitismus und Naturschutz, deren beider Logik nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Erstarken völkischer und antisemitischer Strömungen anschlussfähig werden sollte. Beide sind unauflöslich an missglückte Emanzipation aus vorkapitalistischen Verhältnissen geknüpft; beide diagnostizierten Entfremdung als „Überfremdung“. Natur- und Heimatschutz wie Antisemitismus waren Bestandteil einer spezifisch deutschen Kultur, die Prozesse gesellschaftlicher Modernisierung zutiefst skeptisch verfolgte und mit Sehnsüchten nach der Wiederherstellung einer verlorenen Zeit beantwortete.
Die völkischen Bewegungen wie auch der Natur- und Heimatschutz beantworteten solche Entfremdungserfahrungen mit dem hartnäckigen Hinweis auf die Harmonie natürlicher Ordnungen“ (S. 174f).

Der Ausländer war den Nazis ebenso wenig willkommen, wie die Werbetafel und das Christentum. In allen Fällen lag der gleiche Gedanke zugrunde: Deutschland könne nur geheilt werden, wenn es sich von allem Fremden entledige. Und in diesem Kampf spielte der Natur- und Heimatschutz eine große Rolle. Den wenigsten Naturschützern dürfte das bewusst sein.

Aber das ist in Deutschland nicht weiter gefährlich. Solange man dem Mainstream folgt, darf man großflächig Teile der Nazi-Ideologie vertreten, ohne dass dies auch nur wahrgenommen würde.