Was ist los mit den christlichen Kleinparteien?

Die PBC hat bei der Europawahl 2009 bundesweit 0,3 % der Stimmen bekommen und verschlechterte sich zur Europawahl von 2004 um 0,1 %, dass sie vermutlich an die AUF verloren hat, die eben gerade 0,1 % der Stimmen erhielt.
Die Werbespots beider Parteien haben mir die Schamröte ins Gesicht getrieben – „wir schreiben Europa mit C…“. Das wirkte nicht nur unprofessionell, was man bei kleinen Parteien entschuldigt, sondern auch ungengagiert und desinteressiert.

Mein Wunsch für die nächste Wahl wäre eigentlich ein kleines Set aus Wünschen:

1. Macht die AUF-Partei dicht. Das Konzept einer gemeinsamen Partei für Evangelikale und Katholiken ist nicht nötig, denn die CDU war als traditionell katholische Partei trotzdem für viele Evangelikale wählbar, bevor sie sich in ihrer Familien- und Sexualpolitik vom Christentum weg bewegt hat. Umgekehrt könnte eine evangelikal geprägte Partei auch für Katholiken attraktiv sein, denn ein gemeinsames Themenspektrum gibt es tatsächlich.
2. Gebt der PBC einen neuen Namen, der zwar den christlichen Bezug aber keine evangelikalen Spezialitäten enthält. Ein Evangelikaler kann zwar eine christlich demokratische Union wählen, aber er hätte vermutlich Schwierigkeiten mit einer katholisch demokratischen Partei o.ä….
Wie wärs einfach mit CDP?
3. Bringt die Steckenpferde zum Metzger. Man mag ja von der Israel-Politik der PBC halten was man mag, aber sie gehört in einem Parteiprogramm einfach nicht in den ersten Teil. Wenn das Programm nicht nur von Freaks Zustimmung erfahren soll, muss es auch allgemeiner angelegt sein und politischen Gestaltungswillen für alle wichtigen Bereiche eines Programms deutlich machen.
4. Etwas mehr Propaganda vor einer Wahl wäre nicht übertrieben. Ich glaube, dass es das Potential für eine Stimmenzahl weit über der 5%-Hürde gibt, wenn man die Wähler zu überzeugen versteht. Das wäre in meinen Augen eine gute und überfällige Ergänzung zur CDU.
5. Vielleicht fällt mir noch mehr ein…

Es ginge auch anders…

Die Grünen haben ihr Wahlprogramm verabschiedet und wenig Überraschendes zu bieten: mehr Steuern, mehr Schulden (20 Milliarden), mehr Staatsquote, mehr Staat. Und 1 Million Arbeitsplätze.
Jetzt hat die Partei „Die Linke“ nachgezogen und das Paket noch übertroffen: sie möchte gerne 100 Milliarden investieren, die Steuern noch stärker anziehen und bietet dafür 2 Million Arbeitsplätze.
Selbstverständlich enstehen ein Großteil der Arbeitsplätze bei Grünen und der Linken im öffentlichen Sektor und hängen direkt von öffentlichen Investitionen ab.
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Sind Sie Hesse?

Haben Sie sich eigentlich mal gefragt, wieviel Zeit Sie in den letzten Monaten mit der Regierungsbildung in Hessen verbracht haben? Vielleicht sind Sie Hesse, aber die meisten Deutschen sind keine Hessen und haben sich trotzdem damit beschäftigt. Klar, hier geht es auch um die Frage, wie man in Zukunft mit der „Linken“ umgeht und welcher politischen Akzeptanz sie sich erfreut. Aber was hat das mit meinem Wahlverhalten zu tun? Ich wähle die Linke doch nicht, weil sie irgendwo in der Regierungsbildung in Hessen mitwuselt.
Wieviel Zeit haben Sie mit der Wahl in Amerika verbracht? Wieviel Zeit werden Sie in den nächsten Monaten mit nutzlosen Artikeln über Politker vor der Wahl verbringen? Natürlich bekommt man so einen Eindruck von den Personen, aber der ist völlig uninteressant. Entscheidend ist alleine das Parteiprogramm und der schlechteste Kandidat mit dem besten Partei-Programm wird meinen Vorstellungen viel näher kommen als der beste Kandidat eines absurden Programms. Also werde ich die Wahlvorbereitung wie gewohnt auch 2009 kurz halten: alle Parteiprogramm synchron vergleichen (gibt es vermutlich alle kostenlos im Internet also billiger als eine einzige Tageszeitung) und gut ist.

Sparen Sie Geld und Zeit und beschäftigen Sie sich doch mal mit den Themen, die wichtig sind und nicht mit den Themen, die Ihre Zeitung wichtig findet.

Artikel des Monats April 2008

AUF-Partei
[auf-partei.de] Gründung des Landesverbandes Berlin
Bücher
[crosswalk.com] Amy E. Black: Beyond Left and Right
Die Linke
[achgut] Henryk M. Broder: Autoritäre Opportunisten von links
Eva Hermann
[pro] Eva Herman bei „Spring“: Über Karriere und Familie
Evangelikale
[merkur.de] Evangelische Allianz – Tragbalken des Protestantismus
Familie
[pro] In „Cicero“: „Der Staat greift nach der Familie“
Gender Mainstreaming
[idea] Prof. Günter Rohrmoser: Deutschland arbeitet an „biologischer Selbstabschaffung“
[WELT] Gerhard Amendt: Jeder setzt sich selbst die Grenzen
George W. Bush
[WELT] Richard Herzinger: In zentralen Fragen hat sich Bush beim Nato-Gipfel doch durchgesetzt
Homosexualität
[idea] Christliche Therapiezentren: Wir bedrängen Homosexuelle nicht
Irak
[WELT] Richard Herzinger: Amerikaner vom Erfolg ihres Konzepts überrascht
Iran
[anti-anti-americanism.com] International Iran-conference in Berlin
Islamisums
[PI] PI-Interview mit Hans-Olaf Henkel
Italien
[blogkon] Zefirelli über die Kulturhegemonie der Linken
Kreationismus
[WELT] Till-r. Stoldt: Der Allmächtige erobert den Bio-Unterricht
Lobpreis
[crosschannel.de] CrossCharts
Mormonen
[bodenpersonal] Die „polygamistische Sekte“
Neo-Atheismus
[pro] Britischer Philosoph: Was Atheisten im Schilde führen
Prophetien
[idea] Vorsicht bei ausländischen Prophetien über Deutschland
US-Evangelikale
[taz] Marcia Pally: Der Wandel der Evangelikalen
[christiantoday.com] Bill Hybels: The DNA of effective leadership
[christianitytoday.com] Yes, Nominal Evangelicals Exist
US-Wahl
[nyt] Maureen Dowd: Hillary or Nobody
[charismamag.com] Drew Dyck: The Preacher Who Dared to Be President
[commentarymagazine.com] Peter Wehner: The High Cost of Hillary

Um welchen Preis sollen Christen in die Politik gehen?

Die Ankündigung einer neuen christlichen Partei hat mich zunächst begeistert, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger schmeckt mir der Gedanke. Man hat sich als Wähler vielleicht damit abgefunden, dass eine Partei nicht alle Ideale verwirklichen kann, die sie gerne verwirklichen würde, und dass bei der derzeitigen Parteienmenge (die durch die „AUF-Partei“ noch erhöht würde) Entscheidungen immer stärker von Kompromissen geprägt sind als noch vor 30 Jahren. Aber – Gewöhnung hin oder her – dürfen Christen eine Entscheidung treffen, die sie nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können? Ich kann es doch als Wähler nicht verantworten, Geschwister mit einem Mandat zu beauftragen, in dem sie nicht ohne zu sündigen überleben können.

Und darüber hinaus gibt es noch ein erheblich ernsteres Problem: AUF nennt sich zwar „christlich“, will aber eine Dachpartei für Evangelikale und Katholiken sein. Als Grundlage verweist die Homepage auf die „jüdisch-christliche Ethik“, das deutsche Grundgesetz und dann, für meinen Geschmack etwas zu beiläufig, auf das Glaubensbekenntnis, das Vater-Unser und die zehn Gebote.
Dass die Partei christlich ist, kann man am ehesten noch am Glaubensbekenntnis erkennen, denn die zehn Gebote sind ja bekanntlich auch Juden wichtig und das Vater-Unser ist zwar das Gebet für Christen, aber ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass jeder, der das Vater-Unser betet, als Christ angesehen werden kann.
Bleibt also das Glaubensbekenntnis, in dem doch der christliche Glaube zusammengefasst werden soll: aber selbst hier kann man strenggenommen nicht mit Katholiken ehrlich den gleichen Text sprechen. Denn ein Katholik wird an der Stelle „eine heilige, katholische Kirche“ auch dann an seine eigene Kirche denken, selbst wenn er sich dazu herabließe, die reformatorische Fassung („heilige, christliche/allgemeine Kirche“) zu sprechen, während ein Protestant bei dem Wort „Kirche“ an jede andere Organisation denken kann als an die Katholische Kirche. Denn man darf nicht vergessen, dass es bis heute kein einheitliches Verständnis von Kirche zwischen beiden Organisationen gibt!
Und an der Stelle „Vergebung der Sünden“ ist für den Katholiken noch längst nicht geklärt, wieviele Sünden er darüber hinaus aber doch noch bezahlen muss (z.B. im Fegefeuer).

Im Glaubensbekenntnis kommt also nicht in hinreichender Klarheit das Evangelium vor, durch das ein Christ sich wirklich vom Nicht-Christen unterscheidet. Noch bevor die AUF-Partei also gestartet ist, hat sie alles aufgegeben, wofür ein Christ lebt, nämlich das Evangelium! Dazu passt dann auch die Einladung der Partei zum „Internationalen Kongress Treffpunkt Weltkirche“.

Gerade im Hinblick auf unsichere Christen halte ich es für dringend geboten, lieber auf eine politische Mitwirkung zu verzichten, als auch nur einen Hauch an Unsicherheit über den Heilsweg Gottes an den Menschen zu lassen. Und ein ökumenischer Kongress ist eine theologische Nebelmaschine, die mehr Schaden anrichtet als die gottloseste Partei, weil er das Herzstück des Glaubens angreift. Zwischen allen Wölfen wird der Wolf im Schafspelz den größten Fang machen.