Gefahren im Umgang mit der Bibel

Im Christentum ist die Bibel verbindliche Grundlage für Glauben und Leben. Als Gottes Wort kann sie nicht hoch genug geschätzt und geliebt werden. Trotzdem gibt es Gefahren im Umgang mit der Heiligen Schrift, um die es in diesem Beitrag gehen soll.

Gefahr 1: Man schafft eine Kultur von Altphilologen. Das bedeutet, wer am besten im Umgang mit alten Sprachen ist, wer am liebsten Texte auslegt, Kommentare wälzt und gerne Auslegungen schreibt, ist der (heimliche) König der Gemeinde. Man sagt es zwar nicht so offen, erwartet aber stillschweigend von jedem guten Christen, dass er es wenigstens nach Kräften auf dem Weg zum Altphilologen möglichst weit bringt. Es ist eine Gemeindekrankheit, eine Gabe über alle anderen zu erheben. Daher gibt es prominente Texte, die sich ausdrücklich mit dieser Problematik beschäftigen und immer wieder den Blick für die Vielfalt der Gaben in der Gemeinde öffnen (1. Kor. 12). Ist jeder ein Lehrer? Die rhetorische Frage wird korrekt beantwortet mit: Nein!

Gefahr 2: Man versteckt seinen Ungehorsam hinter mangelndem Verständnis. Es ist viel leichter, stundenlang über schwierige Einzelfälle des Liebesgebotes nachzudenken als einen Menschen zu lieben. Vielleicht stellt sich sogar das Gefühl ein, durch diese Spitzfindigkeiten auf einem höheren Niveau zu leben als die anderen, die mit ihrer Lieblosigkeit im Alltag zu kämpfen haben. Hinter der emsigen Studierarbeit von Theologen kann sich schlichtweg Ungehorsam verbergen. Über dieses Problem spricht Jesus in seinem Gleichnis von den beiden ungleichen Söhnen. Einer hat gesagt, er wolle nicht gehorchen, tat es aber doch, der andere hat gesagt, er wolle gehorchen, tat es aber nicht. Eine der unangenehmsten und demütigendsten Erfahrungen für einen Theologen ist die Beobachtung, dass er mit einem Menschen diskutiert und beobachten muss, dass der andere Gott in diesem Punkt vielleicht trotz weniger Erkenntnis mehr gehorcht.

Gefahr 3: Die Entstehung eines hermetischen Text-Kosmos. Ein anerkannter Grundsatz der Hermeneutik lautet, dass die Schrift sich selbst auslegen muss. Wie soll das aber funktionieren? Wenn es in den Sprüchen (6,6) heißt, „Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr!“, dann ist die richtige Auslegung nicht in anderen Bibelstellen verborgen (wobei es sich natürlich lohnt, sich mit der Frage zu beschäftigen, wo und in welchem Zusammenhang die Themen „Ameise“, „Faulheit/Fleiß“ und auch „Naturbeobachtung“ in der Bibel vorkommen), sondern Ameisen zu beobachten. Man versteht den Text vor allem, wenn man Ameisen beobachtet. Wenn Jesus von den Lilien auf dem Feld spricht und sie als Beleg für Gottes Fürsorge anführt, dann zeigt das, dass er seine Gotteserkenntnis keineswegs nur aus der Schrift hat und uns dazu anleiten möchte, die Natur zu betrachten und Gottes Wesen in ihr zu erkennen. In einem hermetischen Text-Kosmos wird ein Mensch bestenfalls anfangen, Lilien toll zu finden (aus theologischen Gründen und mit Bibelstelle abgesichert). Der Text ist aber eine Sehschule! Es heißt „Sehet!“ Wir sollen Gottes Güte in diesen Blumen selbst entdecken und nicht nur mit dem Bibeltext begründen können, weshalb das theoretisch möglich sein müsste. Wie weit sind wir davon entfernt! Wenn man sich ansieht, in welchen Situationen Jesus wie argumentiert, fällt übrigens auf, dass er vor allem dann mit Bibelstellen argumentiert, wenn er vom Teufel oder den Schriftgelehrten mit Bibelstellen versucht wird. In den Texten, in denen er von sich aus Reden initiiert, verwendet er überraschend häufig Beispiele aus dem Alltag, dem Familienleben und nicht zuletzt aus der Natur!

Gefahr 4: Die Predigt wird zum hohlen Zauber. Wie kommt es dazu? Der Text-Kosmos ist seinem Wesen nach eine Zauberwelt, eine Welt, in der Wörter nichts bedeuten, sondern bewirken. Gottes Wort ist aber kein Zauberwort. Was er sagt, bedeutet etwas und die Wirkung liegt nicht in der Formulierung, sondern in seiner Macht! Wenn er sagt, „Es werde Licht“, ist das keine dunkle und unverständliche Silbenfolge, sondern eine sehr klare Anweisung, die etwas bedeutet. Wenn wir dasselbe sagen, passiert überhaupt nichts. Das beweist, dass es nicht um Formulierungen ohne Bedeutung sondern um Gottes Macht geht, die hinter seinem Wort steht. Eine sehr tückische Gefahr der Theologie besteht darin, dass dieser Unterschied schleichend aus dem Blick gerät und den Worten eine Zauberkraft – unabhängig von Gott – zugedacht wird. Formulierungen und festgefügte Begriffe nehmen eine immer wichtigere Rolle ein, und man hofft, durch sie Menschen erretten zu können. Gerettet werden Menschen aber durch Gottes Wort und nicht durch Formeln. An dieser Stelle findet nämlich der Übergang von der Predigt zur Zauberei statt, und Zauberei ist kraftlos. Die Gemeinde hört Floskeln und fühlt sich schlecht, weil sie davon gelangweilt ist. Es ist so, als würde man einen unverständlichen und fremden Text einfach immer wieder vorlesen, um sich und anderen Verständnis vorzutäuschen. Die Folgen sind nicht nur für die Gemeinde sondern auch für Nicht-Christen verheerend, weil sie überhaupt nicht wissen, worum es geht. Die Kraft der Predigt liegt in Gottes Wort, nicht in Wörtern.

Gefahr 5: Die Bibel wird durch Menschen verteidigt. Dabei ist sie die stärkste Waffe der Welt und dringt bis in die geheimsten Gedanken durch. Ein Schwert bewacht man aber nicht mit bloßen Händen. Was nützt es also, wenn Menschen versuchen, die Bibel zu verteidigen? Sehr viel! Aber nur, wenn sie sich dabei auf Gottes Handeln berufen. Z.B. ist es sinnvoll, archäologischen Einwänden durch archäologische Einwände zu begegnen oder naturwissenschaftlichen mit naturwissenschaftlichen. Es ist aber nicht wirkungsvoll sondern gerade eine Kapitulation und ein Rückzugsgefecht, wenn Christen sich als Gleichgesinnte zusammen schließen, und versuchen, der Bibel durch Abstimmung Bedeutung zu verschaffen.

 

Dekonstruktion der Dekonstruktion

Wenn die Altherrenriege der Postmoderne wie Focault oder Derrida eine Lieblingsbeschäftigung hatte, dann war es sicherlich die Dekonstruktion der Axiome des abendländischen Denkens und der Religion: es gibt keine große Erzählung mehr … kurz: es gibt keine Wahrheit mehr. Bei Timothy Keller habe ich kürzlich ein wunderbares Beispiel dafür gehört: Ihr kennt doch die weitverbreitere Relgionsparabel „Gott ist wie ein Elefant und die Religionen verhalten sich wie blinde Elefantenforscher“…
… der eine hält den Schwanz und beschreibt den Elefanten als Schlange, der andere berührt das Bein und sagt ein Elefant ist wie ein Baum, der nächste fasst ihm am Ohr und sagt ein Elefant sei ein riesiger Fächer. Dieses Bild soll zeigen wie die verschiedenen Religionen immer nur ein Teil des Bildes haben und wie arrogant und dogmatisch es sei, zu behaupten die volle Wahrheit über Gott zu haben. ABER: Die einzige Möglichkeit wie diese Parabel irgendeinen Sinn macht, ist daß der Parabelerzähler kurz: die Postmoderne den ganzen Elefanten gesehen hat. Wenn diese also konstatiert alle Religionen sehen nur einen Teil der Wahrheit, nimmt sie für sich in Anspruch eine Sicht auf die Wahrheit zu haben, die kein anderer hat und macht sich damit ironischerweise derselben spirituellen Arroganz schuldig die sie selber uns Christen vorwirft. In anderen Worten zu sagen „alle Wahrheit ist relativ in Abhängigkeit zur Gruppe, der man angehört“ ist selbst ein Wahrheitsstatement, aber besonders tricky, weil es Nebelkerzen verwendet um sich selbst toleranter als den Rest darzustellen. Viele „open minded“-Typen fühlen sich natürlich wesentlich erleuchteter als diejenigen, die weiter an absoluten Wahrheiten festhalten, ohne zu merken, daß sie sich in einem ebenso dogmatischen Glaubenssystem befinden wie alle anderen … vielleicht sogar in einem stärkeren … … wenn du also ein Postmoderner bist, dessen default mode der Relativismus ist, weil du Teil einer community bist, wo man sich auf dieses Glaubenssystem als „common sense“ geeinigt hat rate ich dir folgendes: SEI EIN SKEPTIKER … SCHAU DIR DEINEN EIGENEN POSTMODERNEN GLAUBEN AN … MIT DEM GLEICHEN KRITISCHEN APPARAT MIT DEM DU ANDERER LEUTE GLAUBEN BEURTEILST … https://www.youtube.com/watch?v=aOJImh3QNZ87

Dekonstruktion der Dekonstruktion

John Piper: Desiring God zum kostenlosen Download

Hallo an alle, ich möchte Euch ein sehr aufregendes Buch empfehlen – John Piper: Desiring God … Wahrscheinlich bin ich eh grad der letzte in der theologischen Blogosphäre, der es liest. Über Facebook habe ich heute eine Meldung von John Piper erhalten, dass es ein paar ältere Bücher von ihm jetzt zum kostenlosen Download gibt -> http://www.desiringgod.org/resource-library/online-books/by-language. Unter anderem eben die oben genannte 2003er-Version seines Klassikers „Desiring God“ -> http://s3.amazonaws.com/media2.desiringgod.org/resources/documents/1594/bdg.pdf
John Piper beschreibt darin seinen Weg zum christlichen Hedonisten, dessen höchstes Ziel es ist sich zu freuen an Gott und an der Anbetung Gottes. Die Kernbibelstelle ist Philipper 4,4 (Luther 1912): „Freuet euch in dem HERRN allewege! Und abermals sage ich: Freuet euch!“

Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger
John Piper: Desiring God zum kostenlosen Download

Die Entstehung des modernen Opfer-Begriffes

Wer heute ein Opfer ist, möchte das auch bleiben. Niemand gibt freiwillig den Status des Opfers auf. Opfersein, bedeutet „Macht haben“. Wer kein Opfer ist, versinkt in die politische Bedeutungslosigkeit.
Wir haben uns an diese Tatsachen gewöhnt, aber wenn wir uns darüber Gedanken machen, werden sie fragwürdig. Und die erste Frage, die sich dabei stellt ist: wie konnte sich dieser auf den ersten Blick bizarre Opferbegriff entwickeln?

Die Anregung zu dem Thema erhielt ich durch ein „Bulletin“ des Institutes für Jugend und Gesellschaft, das unter dem Thema „Moderne Opferrhetorik“ stand.

Am meisten faszinierte mich ein Auszug aus dem Buch „Ich sah den Satan vom Himmel fallen“ von Rene Girard, der zuletzt an der Stanford Universität als Professor für französische Sprache, Literatur und Kultur tätig war.
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„Kulturkampf 2.0“

Ich möchte hier nur auf einen Artikel von Dr. Thomas Schirrmacher hinweisen, der den Begriff des „Kulturkampfes 2.0“ geprägt hat. Der Aufsatz ist Bestandsaufnahme, historische Bewertung und Appell.

http://www.medrum.de/?q=content/der-aufziehende-kulturkampf-20

Hinzuzufügen gibt es nicht viel, außer, dass der Kampf gegen das Christentum der einzige wirkliche Kampf gegen die Verfassung ist, den die Gesellschaft wirklich zu befürchten hat – nur dass er so offen ausgetragen wird, dass der Verfassungsschutz sich wohl nicht damit beschäftigen muss. Dieser Punkt wird von Christen soweit ich sehe noch zu wenig betont.
Wer die Ehe zwischen Mann und Frau gegenüber der homosexuellen Beziehung nivellieren will, kämpft gegen das Grundgesetz (vgl. zu diesem Punkt den zeitlich nachfolgenden Beitrag; Anm. MW). Wer den staatlichen Religionsunterricht abschaffen möchte, kämpft gegen das Grundgesetz. Wer den besonderen Schutz der Religionsgemeinschaften abschaffen möchte, kämpft gegen das Grundgesetz, ebenso wie derjenige, der die staatliche Sonntagsruhe abschaffen möchte.
Das Grundgesetz hat nicht nur verschiedene Freiheiten gesichert, sondern auch das Verhältnis von Staat und Kirche und die Institution der Familie geschützt. Leider haben sich insbesondere die Grünen angewöhnt, in jedem politischen Gegner geradezu reflexhaft einen Verfassungsfeind zu sehen, (und wo das nicht geht, muss das Grundgesetz eben geändert werden), und gerade deshalb ist es wichtig, ihnen das Grundgesetz nicht als persönliches Spielzeug zu überlassen. Auf gute bestehende Ordnungen darf man sich als Christ berufen, solange es sie gibt.

Türkischstämmige Frauenrechtlerin und deutscher Evangelikaler einig: GRÜNE unwählbar!

Interessanterweise gibt es zwischen der türkischstämmigen Frauenrechtlerin Seyran Ates und mir, einen wertkonservativen bibeltreuen Evangelikalen eine biographische Gemeinsamkeit:
Wir haben beide früher GRÜN gewählt und warnen heute eindringlich andere Menschen davor dies ebenfalls zu tun.
In der heutigen Ausgabe meiner GRUEN-LIBERALEN (und im übrigen ehemals konservativen) Tageszeitung DIE WELT erklärt Seyran Ates, warum sie die GRÜNEN aus großer Enttäuschung heraus seit vielen Jahren nicht mehr wählt
Bei den Grünen begegnet man den meisten Kopftuchträgerinnen und VerteidigerInnen des Kopftuchs, den meisten Kulturrelativisten und Multikulturalisten. Den meisten Grünen ist sehr schwer zu erklären, warum ein eigener Straftatbestand Zwangsheirat so wichtig ist, und dass Ehegattennachzug für Frauen ohne Deutschkenntnisse selten einen Segen darstellt. Bei der doppelten Staatsbürgerschaft sind die Grünen schon mal eingeknickt, und von Parallelgesellschaften will ein Grüner selten was hören. Eine kritische Diskussion über Moscheebauten kann den einen oder anderen Grünen sehr aggressiv machen.
All diese Punkte sind in der Tat bei den GRÜNEN mehr oder weniger scharf zu kritisieren. Vor allen Dingen aber in Kombination mit dieser bessermenschlichen Verlogenheit und dem Drang vor offensichtlichen Problemen die Augen zu verschließen oder gar mit der Faschismuskeule zu antworten … kommt es immer öfter zu dem Ergebnis, dass sich in Mitten unserer Gesellschaft das Gegenteil von den propagierten GRÜNEN Zielen (Frauenrechte, Selbstbestimmung, friedliches Miteinander unterschiedlicher Kulturen) entwickelt.

Mein Ansatzpunkt ist natürlich nicht uuunbedingt ein feministischer …
Einst selbst Parteimitglied bei den GRÜNEN (Die größten Kritiker der Elche waren früher …), habe ich mich im Rahmen meiner Rückbesinnung auf ein christlich-biblisches Menschenbild dieser Partei zunehmend entfremdet. OK das ist alles ein weites Feld. Ich möchte nicht langweilen und es daher kurz machen: Ich werde eine These formulieren, dann schnell die Lupe auf ein mich ausgesprochen irritierendes Detail richten und das ganze dann schließlich mit einem kleinen Clou enden lassen … Was im übrigen eine probate Methode für Blogautoren ist, die größer erscheinen wollen, als es ihre intellektuelle Substanz hergibt…
These: Die strategisch brillianten 68er – in dessen Tradition die GRÜNEN ja unbestritten stehen – haben wesentliche christlich-abendländische Werte-Grundlagen, die Ehe zwischen Mann und Frau sowie die Familie als Kernzelle der Gesellschaft erfolgreich dekonstruiert, die Rückbesinnung auf einen gesunden Patriotismus durch unsägliche Faschismusdefinitionsausweitungsdiskurse blockiert und durch die sexuelle Revolution sowie linksalternative Sozialingenieurstechniken eine Verwahrlosung weiter Teile der Unterschicht zu verantworten.
Lupe: Sie sind ja lobenswerterweise mutige Streiter gegen Präimplantations-Diagnostik und Stammzelltherapie. Das Absurde ist nur: Wird das im Reagenzglas von den GRUENEN Löwenmüttern heftigst gegen die Reproduktionsindustrie verteidigte Embryo in den Uterus einer Frau eingepflanzt, ist es plötzlich zum Abschuß durch Abtreibung freigegeben, sofern sich die Frau dafür entscheidet … Zu diesem absurden Antagonismus gesellt sich nun auch noch die interessante Konstellation, dass deren Heilsbringer und Weltenretter der gute Barak Obama die böse Stammzelltherapie forciert!
Clou: Vielleicht sehnen sich sogar die GRUENEN in einiger Zeit nochmal nach dem guten alten George W. Bush – wie jeder weiss, ein entschiedener Stammzellforschungsgegner – zurück!

Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger
Türkischstämmige Frauenrechtlerin und deutscher Evangelikaler einig: GRÜNE unwählbar!

Erbsünde und privates Glück

Die Erbsünde dürfte zu den unsympathischsten Lehren des Christentums gehören. In Gemeinden würde man ihr zwar kaum widersprechen, aber sie wird auch selten gepredigt. Und doch wäre ihr Verlust groß – für die Kirche wie für die Gesellschaft, aber dazu später mehr…
Die Erbsünde ist eine echte Sünde, d.h. es geht um wirkliche Schuld. Aber, und das ist das Anstößige, es ist eine Schuld, die man erbt. Man wird also nicht durch die erste bewusste Sünde schuldig, sondern die erste bewusste Sünde ist bereits eine Folge der geerbten sündigen Natur des Menschen. Die Schuld ist also mit dem Wesen des Menschen aufs Engste verwoben und nicht erst Folge eines persönlichen Pechs oder schlechter Prägung. Jeder Mensch bringt die Schuld schon mit auf die Welt.
Das Gegenmodell ist die Vorstellung vom „an sich“ guten Menschen. D.h. schuldig wird der Mensch erst durch eine bewusste Wahl der schlechten Handlung, und auch dann ist nicht der Mensch gut oder schlecht, sondern nur seine Taten. Da er eigentlich alles zum moralisch guten Leben mit auf die Welt gebracht hat, liegt der eigentliche Grund für seine Schlechtigkeit in seiner Außenwelt.
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„Um eine “atheistische Missionierung” ist es uns nicht bestellt“

Dieses Zitat stammt von der Homepage der Organisatoren der atheistischen Buskampagne, die in mehreren Städten Europas zu sehen war. Nach eigenen Angaben haben sie ca. 15-20 Millionen Menschen „erreicht“ (ich dachte, das wäre frommes Vokabular?). Ist die Kampagne nun eine Mission oder nicht? Da „Mission“ einen Auftraggeber voraussetzt, der die Missionare eben „sendet“, kann eine atheistische Kampagne nie eine Mission sein. Allerdings kann ein Atheist kaum jemandem Mission vorwerfen, weil er nicht an die Sendung glauben kann. Aus seiner Sicht handelt es sich bei Mission ebenfalls nur um eine Kampagne – wenn auch auf aus seiner Sicht falschen Voraussetzung. In Berlin wurde die Buswerbung der Atheisten nicht genehmigt, weil dort überhaupt keine religiöse oder weltanschauliche Werbung zugelassen werden soll. Es scheint, als würde den Atheisten niemand ihre Ablehnung der Missionierung abnehmen.
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Wie Familie und Kirche die bürgerlichen Freiheiten sichern (sollten)

Familie und Kirche erscheinen vielen als eng. Die Kirche wacht über der Lebensführung ihrer Mitglieder und die Eltern über dem Leben der Kinder. Man könnte also das Gefühl haben, dass beide Institutionen eigentlich nur eine Quelle der Einschränkungen sind, die es abzuschütteln gilt. Tatsächlich sind diese Institutionen die Voraussetzungen dafür, dass der Staat einen Gang runter schalten kann. Wo es kein Verbrechen gibt, braucht man auch kein Gesetz. Erst wenn das Verbrechen auftaucht, spricht man von einer „Gesetzeslücke“. Und selbst wenn es das Gesetz gibt, muss der Staat die Kontrolle nur so weit treiben, wie es das Maß an Gesetzesübertretungen erfordert. Wenn z.B. das Betreten einer Wiese verboten ist – z.B. weil dort ein Nistgebiet einer vom aussterben bedrohten Vogelart ist – und sich alle daran halten, genügt ein einfaches Schild und niemand muss sich darum kümmern. Wenn alle paar Jahre mal ein Chaot das Gebiet betritt, wird sich daran nicht viel ändern. Wahrscheinlich genügt sogar zunächst ein Schild „Bitte nehmen Sie Rücksicht auf brütende Gänse“ o.ä., und erst später ist ein ausdrückliches Verbot nötig. Zunächst kommt man mit Bußgeldern, später wird mit Anzeigen gedroht. Wenn es häufiger vorkommt, dass Spaziergänger das Verbot missachten, wird aber irgendwann jemand nötig, der regelmäßig dort die Grenzen abgeht und gegebenenfalls Bußgelder verhängt. Je nachdem, wie reizvoll das Betreten ist, oder vielleicht, weil es zum politischen Kampfplatz wird, reicht ein einzelner Aufpasser nicht mehr aus, und man fängt an, gewaltige Zäune zu bauen, Überwachungskameras zu installieren, die Strafen zu verschärfen etc… oder das Verbot einfach von der Masse überrennen zu lassen.
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