erstaunliche Losungen…

Eigentlich bin ich kein Freund der sog. „Losungen„, die unter Christen so verbreitet sind. Aber ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Tageslosungen während des Marburger Kongresses tatsächlich goldene Äpfel auf silbernen Schalen waren:

Der Kongress fand vom 20-24.5. statt und war von extrem christenfeindlichen Parolen begleitet. Näheres auf medrum.de.

Die Losungen dieser Tage können hier durchgeblättert werden.

Der Turmbau zu Babel

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel steht in Genesis 11. Sie taucht zwar in fast jeder größeren Kinderbibel auf, wird jenseits des 7. Lebensjahres aber weder von Christen noch von Nicht-Christen viel beachtet . Dabei berichtet die Geschichte von einer hochinteressanten Phase, einer sehr frühen menschlichen Gesellschaft. Die Situation, in der sich die Menschen befanden, war überaus heikel:
Die Gruppe wuchs und begann, unübersichtlich zu werden. Vermutlich bildete sich schon auf einer sehr frühen Stufe so etwas wie Lokalpatriotismus, die Leute aus der Sippe X konnten die aus der Sippe Y nicht leiden, die Bauern hatten Vorbehalte gegenüber den Handwerkern und die Viehhirten gegenüber den Ackerbauern, die Sesshaften gegenüber denen, die eigentlich lieber weiterziehen wollten…
Bis zu diesem Zeitpunkt lebten alle in einer großen und immer größer werdenden Gruppe, aber nun wurde die Frage virulent, wie man den Zusammenhalt der Gemeinschaft sichern können würde. Denn, dass die Notwendigkeit bestand, haben die damaligen Oberhäupter offenbar so gesehen. Und man kann sich leicht vorstellen, welche Sorgen sie mit der Vorstellung eines Auseinanderbrechens der Gemeinschaft verbanden: wenn die Sippen nicht mehr zusammen halten würden, wären sie in kürzester Zeit befeindet. Diese Erfahrung dürften sie zu diesem Zeitpunkt schon gemacht haben. Die Menschen befanden sich außerhalb der Gemeinschaft im rechtsfreien Raum und ahnten wohl instinktiv, dass sie einander zum Wolf werden würden – zumindest außerhalb des Rudels.

Woher kam dieses ängstliche Zusammenglucken? „Der Turmbau zu Babel“ weiterlesen

Ein Kampf gegen das Christentum

Konkret geht es um einen christlichen Kongress für Therapie und Seelsorge, auf dem es (wie beim Christival neben vielen anderen auch) Seminare zur Therapie Homosexueller gibt. Ein Aktionsbündnis mit prominenter politischer Unterstützung hat diesem Kongress den Kampf angesagt. Gleichzeitig stellen die Organisatoren in ihrem Flyer aber folgendes fest:
„Ein Kampf gegen das Christentum“ weiterlesen

Was können wir über das Leben nach dem Sterben wissen?

Die Antwort ist ganz einfach: Nichts. Und deshalb fallen die Antworten so unterschiedlich aus. Darauf weisen auch Atheisten gerne hin, wobei dieser Umstand keineswegs automatisch für die atheistische Vorstellung von einem Verlöschen des Geistes spricht. Wenn man keine Messdaten hat, kann man nicht einfach von dem Messwert „Null“ ausgehen. Ebenso wenig wie man aus Unwissenheit einfach behaupten kann, dass es kein fremdes Leben im Universum gibt oder keine Natur-Wirkungen, die man noch nicht kennt. Die Vorstellung von keinem Leben nach dem Tod ist also mitnichten naturwissenschaftlicher als jede andere, sondern muss in die Reihe der vielen Jenseitshoffnungen gestellt werden – von denen sie dem Buddhismus und seinem Sehnen nach dem endgültigen Verlöschen, nicht unähnlich ist.

Wieso kann ein Christ trotz der Vielzahl sich widersprechender Jenseitshoffnungen an die Auferstehung der Toten glauben?

Weil uns mit dem Neuen Testament Berichte von verschiedenen Autoren vorliegen, die uns von einem Menschen berichten, der von den Toten auferstanden ist. Und nein, es gibt keine diversen anderen Berichte, und es war auch damals nicht üblich, dass die Menschen alles geglaubt haben und die Literatur voll ist von ähnlichen Berichten. Wer dies behauptet, mag sich gerne mal auf die Suche machen.
Die Berichte sind nicht nur von mehreren Zeugen aufgeschrieben worden, sondern sie brachten ihren Autoren auch keinen Nutzen – wenn man nicht an die Auferstehung der Toten glaubt. Außer Johannes ist kein Jünger eines natürlichen Todes gestorben, sondern alle wurden verfolgt, bedroht, gesteinigt, gefoltert und schließlich getötet. Wozu hätten sie lügen sollen?

Ferner sprechen sie zu Gemeinden, unter denen es noch eine große Anzahl von Augenzeugen der Auferstehung gab. Selbst manche Nicht-Christen, die sich mit den Texten beschäftigen, sprechen verschleiernd von einer „Ostererfahrung“, ohne eine plausible Alternativerklärung für das Phänomen Urkirche anbieten zu können.

Man kann also sagen, dass die Auferstehungszeugnisse des Neuen Testamentes das sicherste Zeugnis über ein Leben nach dem Tod ermöglichen, dass überhaupt vorstellbar ist.

Wer nun nervös wird und schon überlegt, wo der Haken bei der Sache ist, sollte sich fragen, ob er dies wirklich macht, weil er so wissenschaftlich ist, oder weil er einfach jeden Gedanken vermeiden möchte, einmal vor Gott zu stehen. Wer gegen so ein Zeugnis anrennt, hat entweder sehr gute Gründe oder er hat gar keine Gründe. Er kann die Evangelien entweder ignorieren oder wird erst Frieden mit Gott finden, wenn er glaubt, dass Jesus für seine Sünden gestorben ist.
Erst dann wird der Gedanke an seine Auferstehung nicht von Angst sondern von Hoffnung bestimmt sein.

Zum Sündigen verdammt

Die Menschen wollten ihre Freiheit von Gott und wurden zu Sklaven der Sünde. Nachdem sie Gott verworfen hatten, hat Gott sie an in ihrer Bosheit dahingegeben. Erst wollten sie sündigen, dann mussten sie.

Erst wollten sie am Sonntag arbeiten, dann mussten sie. („Ich weiß, dass morgen Sonntag ist, aber ihr Kollege hat das letztes Mal trotzdem für mich gemacht!“)
Erst wollten sie vor der Ehe zusammen schlafen, dann mussten sie. („Oder willst du etwa bis zur Ehe warten?“ *lachschlapp*)
Erst wollten sie ihren Tod selbst herbeiführen, dann mussten sie. (oder welches Recht hat der teure unheilbare Patient, noch am Leben zu hängen, dessen Heiligkeit niemand mehr sieht?)
Erst wollten sie abtreiben, dann mussten sie. („Wieso habt ihr das Kind denn dann bekommen? Konnte man da nicht irgendetwas machen…?“)
Erst wollten sie ihr Leben um ihre eigene Karriere aufbauen, dann mussten sie.

Wir erleben langsam, was es bedeutet, von Gott „dahingegeben“ zu werden in die Sünde, die wir scheinbar freiwillig gewählt haben. Hier hilft keine Politik, keine menschliche Macht sondern allein das Wort Gottes, das wir predigen müssen. Nur das Wort hat die Kraft, den Verdammten wieder zu Gott zu rufen und selbst Tote zum Leben zu erwecken.

„Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen – nicht mit klugen Worten, damit nicht das Kreuz Christi zunichte werde.
Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.« Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.“
(1.Kor. 1,17-21)

Wie Kirchen untergehen

Kirchen sterben nicht durch Verfolgung oder weil sie von der Gesellschaft nicht gemocht werden – das ist normal-, sondern wenn sie Christus verlieren.
Michael Horton, Professor für Apologetik und Systematische Theologie am Westminster Theological Seminary (Escondido, Kalifornien), hat einen Aufsatz unter dem Titel veröffentlicht, der auf der Seite TheoBlog auszugsweise auf Deutsch übersetzt wurde.

Einstiegshilfe zum Bibellesen

Die Bibel ist nicht nur das weltweit am meisten verbreitete Buch, sie ist auch mit Abstand das wirkmächtigste. Die Ethik der Bibel hat das Rechtsempfinden fast weltweit beeinflusst und verbreitet diesen Einfluss immer noch. Und selbst in nach-christlichen Religionen und Weltanschauungen hat sie greifbare Spuren hinterlassen – und sei es nur als Karikatur. Sie hat das Denken ihrer Gegner geprägt und dies selbst dort, wo Menschen versuchen, bewusst an vor-christlichen Zeiten anzuknüpfen.
Wem es nicht genügt, sich sein Bild über das Christentum von seiner Lieblingszeitung bestätigen zu lassen, wird also nicht umhin kommen, sich von diesem Buch ein eigenes Bild zu verschaffen.

Nun ist es allerdings nicht ganz leicht, einfach so mit dem Lesen der Bibel anzufangen, denn die Bibel ist eine Sammlung aus vielen und sehr unterschiedlichen Büchern und die Reihenfolge ist nicht unbedingt so, dass es ein fortlaufend ansteigendes Niveau darin gibt. Ich weiß daher von klugen Leuten, die das Lesen abgebrochen haben, weil sie an sehr mühsamen Texten hängengeblieben sind und zu denen, die sie wirklich gut und mit Vergnügen hätten lesen können, nicht gekommen sind.

Ich möchte daher versuchen, hier eine kleine Übersicht zusammen zustellen, die den Einstieg des kursorischen Bibellesens erleichtern soll.

Der erste Abschnitt, den ich empfehlen würde, ist das erste Buch Mose (Genesis) bis zu 2.Mose 24. Der Abschnitt erzählt die Zeit von der Erschaffung der Welt über die Erwählung Abrahams (Anfang der Geschichte Israels) bis hin zum Auszug aus Ägypten und der Bundesschließung am Sinai. Danach kommen viele Regelungen, an der ein Neueinsteiger vermutlich erst mal hängen bleiben würde. In diesem Abschnitt sind viele der bekanntesten Geschichten des Alten Testamentes enthalten (Adam und Eva, Noah, Abraham, Josef, Auszug aus Ägypten…)

Wer sich für die Ethik des Gesetzes interessiert, kann 3.Mose 11-20 lesen. Darin sind auch die Regelungen für reine und unreine Tiere enthalten sowie das Verbot der Homosexualität. Im 4.Mose wird die Zeit der Wüstenwanderung beschrieben, die nicht mehr viele der ganz bekannten Texte enthält. 5.Mose ist vom Abschied von Mose geprägt. Das Gesetz wird noch einmal zusammengefasst und dem Volk Segen und Fluch vorgelegt. Josua wird Moses Nachfolger und führt im Buch „Josua“ das Volk ins verheißene Land.
Die erste Phase der Besiedlung des Landes bis zur Einsetzung des ersten Königs nennt man die Zeit der Richter, von der das Buch „Richter“ erzählt. Die berühmtesten Gestalten dieses Buches sind wohl Gideon (Kap. 6-8) und Simson (13-16).
Das Buch Rut enthält eine wunderschöne Liebesgeschichte mit viel orientalischem Lokalkolorit.

Die Zeit der Könige beginnt mit 1.Sam. 8. Von hier aus kann man ohne große Anstrengung durchlesen bis zum Ende des zweiten Buchs der Könige. Es handelt sich fast durchgehend um Geschichtswerke, die nur streckenweise von Aufzählungen unterbrochen werden (die ich beim ersten Lesen überspringen würde). Hier stehen die Geschichten der ersten drei Könige von Israel: Saul, David (auch die Geschichte von David und Goliath) und seinem Sohn Salomo. Unter Salomos Sohn Rehabeam kommt es zur folgenschweren Reichsteilung und die Geschichte wird abwechselnd vom Nord- und Südreich erzählt. Wenn von „Israel“ die Rede ist, ist immer das Nordreich gemeint. Das Südreich wird „Juda“ genannt. Der wichtigste Prophet des Alten Testamentes war Elia. Er trat zu der dunkelsten Zeit des Nordreichs auf. Das zweit Buch Könige endet mit der Babylonischen Gefangenschaft.
Die Zustände in Israel während des babylonischen Exils werden im Buch „Klagelieder“ beschrieben, eine historisch besondere Literaturgattung, weil das Elend der Besiegten hier aus der Sicht der Besiegten und nicht der Sieger geschildert wird.
In den Büchern Esra und Nehemia wird die Rückkehr eines Überrestes nach Israel geschildert, der Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels.
Die Geschichte des Esther-Buches spielt während der Perserherrschaft. Die beteiligten Juden sind offenbar nach der babylonischen Gefangenschaft nicht mehr nach Israel zurückgezogen. Die Geschichte ist sehr schön zu lesen und darüber hinaus sehr bekannt.
Ebenso natürlich das Buch Hiob, das sich daran anschließt. Die Geschichte Hiobs lässt sich allerdings in wenigen Kapiteln zusammenfassen: in 1-3 wird die Ausgangslage geschildert. Danach erscheinen die Freunde Hiobs, die schier endlose Dialoge über das unfassbare Elend und dessen Sinn führen bis dann in Kapitel 38 (!) Gott dem Geschwätz ein Ende macht und Hiob in Kapitel 42 Gottes Größe anerkennt und das Ende der Geschichte erzählt wird.

Das Buch der Psalmen ist eine Liedersammlung. Die bekanntesten sind Psalm 1; 2; 23; und 139.
Das Buch der Sprüche oder Sprichwörter, wie es je nach Übersetzung auch genannt wird, enthält genau das, was man erwartet: mehr oder weniger zusammenhängende Sprichwörter, die auf mich immer einen besonderen Reiz ausüben. Aber ich weiß auch, dass vielen dieser Reiz beim ersten Lesen abgeht, weil man sich an das Lesen von Weisheitsliteratur erst gewöhnen muss. Der gleiche Autor Salomo hat auch das Buch „Prediger“ geschrieben, das den Sinn des Lebens auf den Punkt bringt (verrate ich aber nicht 😉 ).
Das „Hohelied der Liebe“ oder „Lied der Lieder“ enthält Liebesgedichte, die in Israel m.W. bei Hochzeiten gesungen und rezitiert wurden. Es klingt sogar in den meisten Übersetzungen noch wunderschön.

Danach kommen die Propheten, die erfahrungsgemäß für Anfänger sehr mühsam zu lesen sind. Ich würde sie daher nicht für die erste Lektüre empfehlen, auch wenn ich dies mit Bauchschmerzen schreibe. Sie enthalten so viel historische Informationen über die Länder und sagen so viel Zukünftiges voraus (beispielsweise die Abfolge der Großreiche bis zum römischen Reich, das dann von Gottes Reich abgelöst wird), dass man hier viel verpasst.
Herausgreifen möchte ich aber nur Jes. 53, das Lied vom leidenden Gottesknecht, das zu den berühmtesten Ankündigungen des Messias gehört.
Das Buch Daniel enthält neben Prophetien noch einen Teil bekannter und gut lesbarer Geschichten, die in den Kapiteln 1-6 erzählt werden. Danach kommen die „Gesichte“ (Erscheinungen) Daniels.
Der Prophet Jona ist ebenfalls noch einmal ein Prophet, von dem aber eigentlich nur die Geschichte erzählt wird. Sie ist eine der bekanntesten Geschichten aus dem Alten Testament und absolut lesenswert!

Dann würde ich empfehlen, mit dem Neuen Testament weiter zu machen. Das Leben Jesu wird in den vier Evangelien aus unterschiedlicher Perspektive erzählt (gleich die ersten vier Bücher des Neuen Testamentes). Das Markusevangelium ist am Kürzesten und wird daher gerne für den Einstieg verwendet. Theologisch am reflektiertesten ist allerdings das Johannesevangelium, das mit dem berühmten Prolog beginnt „Am Anfang war das Wort“. Hier findet man den eigentlichen Zusammenhang dieses Satzes und kann mal versuchen, ihn zu verstehen.
Die Berpredigt und das Vaterunser stehen in Matthäus 5-7.

In der Apostelgeschichte wird die Geschichte der ersten Christen erzählt, von ihren theologischen Herausforderungen, ihrer Stellung zu den Juden, von dem Verhältnis zwischen Juden-Christen und Heiden-Christen, von ihrer Verfolgung und ihrem Leben in den Gemeinden.
Im Römerbrief erhält man eine sehr gute Zusammenfassung des christlichen Glaubens in komprimierter Form. Der Römerbrief ist nicht ganz leicht zu lesen aber sollte für jemanden, der sich die Ruhe nimmt, auch einen komplizierteren Gedanken zu verfolgen durchaus in seinen Grundzügen verstehbar sein. Wer sich wirklich mit der Frage beschäftigt „Was ist eigentlich das Christentum?“, bekommt tatsächlich mit diesem Buch den besten Zugang.
Die folgenden Briefe behandeln wieder viele Fragen, die in den jungen Gemeinden oft zum ersten Mal aufgetreten sind und viele Ausführungen zu theologischen Fragen. Herausheben möchte ich hier den Hebräerbrief, weil in ihm die Frage beantwortet wird, wieso wir eigentlich von einem „Alten und Neuen Testament“ sprechen. Dieser Brief ist besonders wichtig für das Verhältnis von Juden und Christen.
Das letzte Buch der Bibel ist wieder eines der bekanntesten: die Offenbarung oder Apokalypse. Viele Szenen wurden gemalt oder tauchten womöglich sogar in Filmen auf. Für Christen interessanter ist allerdings das Ende der Geschichte in den letzten Kapiteln mit der Aussicht auf den jüngsten Tag.

Ich habe mich bemüht, diese Auswahl so zu gestalten, dass jeder nach seinen eigenen Interessen seine Bibellektüre gestalten kann und punkgenau an die Stellen kommt, die ihn interessieren. Bei spezielleren Fragen zu bestimmten Themen oder Geschichten bitte einfach die Kommentarfunktion benutzen.

Und jetzt: viel Spaß beim Lesen!

McCain oder Obama? Wen werden die Deutschen wählen?

Ganz so weit ist es sicher noch nicht, aber es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass langsam aber sicher auch Wahlkämpfe global werden. Das hat zum Einen ganz naheliegende Gründe: die im Ausland lebenden Bürger müssen überzeugt werden und die außenpolitische Reputation des Staatsoberhauptes hängt (leider) mit dem Ruf des ganzen Landes in der Welt zusammen.
Das alles erklärt aber noch nicht, weshalb sich auch das Ausland so engagiert am Wahlkampf beteiligt, und dass es das tatsächlich tut, konnte man spätestens seit der Diskussion in Deutschland über die geplante Rede Obamas vor dem Brandenburger Tor erkennen. Die Argumente, die für und gegen diesen Ort ins Feld geführt wurden, waren an sich alle unverdächtig. Interessant war aber, dass vor allem linke Politiker für und konservative Politiker gegen dieses Setting plädierten. Und das riecht schon sehr nach deutschem Wahlkampf. Die Medien waren hier noch weniger zurückhaltend und haben schon längst Ms. Clinton zur Lieblingskandidatin gekürt. Aber jetzt kämpfen sie treu und tapfer für Obama. Die Berliner – also nicht nur die in Berlin lebenden Amerikaner – freuen sich auf die Rede Obamas und würden ihn mit klarer Mehrheit wählen: 70% der Stimmen bekäme Obama – wenn jemand die Deutschen fragen würde (lt. einem Bericht der FTD).
Und wenn man sich das Gekeife über George W. Bush anhörte, mochte man kaum glauben, dass es hierbei um das Staatsoberhauptes eines anderen Landes ging.

Die Frage ist nur: was soll das eigentlich? Wieso setzen sich Deutsche so für oder gegen einen amerikanischen Präsidenten ein?
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Spiegel erschüttert Christentum

Erfahrene Spiegelleser werden jetzt vielleicht fragen: was schon wieder? Oder sie fragen sich: Wie oft muss man eigentlich etwas erschüttern, bis es endlich stürzt?
Zunächst also die gute Nachricht: solange der Spiegel noch daran arbeitet, das Christentum zu erschüttern, scheint es nicht gänzlich gestürzt zu sein.

Nun aber zu der Erschütterung (jesmainernst:).
Forscher Knohl hat die Schrift auf einem Kalkstein, der ins erste Jahrhundert vor Christus datiert wird, neu interpretiert. Nach seiner Interpretation, die sich leider an der entscheidenden Stelle auf ein unleserliches Wort stützt, wäre dieser Stein ein Beleg dafür, dass schon vor Jesu Geburt eine Auferstehung nach drei Tagen beschrieben wurde.
Nehmen wir einmal für einen Moment an, das entscheidende Wort hieße wirklich „lebe“, wie es die Interpretation Knohls voraussetzt, was würde das bedeuten? Offenbar verfolgt zumindest der Spiegel jetzt folgende Logik: ein autentischer Bericht hat keine gedanklichen Vorlagen. Wenn es gedankliche Vorlagen gibt, ist der Text daher nicht autentisch.
Dieses Muster der Christentumskritik ist verbreitet und ich bin an anderer Stelle schon darauf eingegangen. Die Kritik funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad von Oberflächlichkeit, danach werden die Häufungen der Vorlagen in den unterschiedlichsten Kulturen so erdrückend, dass sich das Argument umkehrt und man sich fragen muss: wie kann eine Idee ohne Gottes Wirken zu so einer Verbreitung kommen?
In der Religionswissenschaft allgemein und in der Prophetie im Besonderen zeigt sich nämlich, dass Gott die Menschen mit bruchstückhaftem Wissen über sein Friedensreich ausgestattet hat, dass sich aber erst in Jesus erfüllt hat.
Ich möchte das in dem Zusammenhang mit der alten Steinplatte veranschaulichen:
Der Gedanke einer Auferstehung nach drei Tagen kam nicht nach Jesu Tod auf, sondern auf jeden Fall schon davor. Gerade Christen wissen doch, dass Jesus seine Auferstehung nach drei Tagen schon vorher angekündigt hat – und nicht nur das: er hat sie sogar mit einem alttestamentlichen Vorbild begründet (Mt 12,40)! Dieses Beispiel ist aber nur das augenfälligste von vielen, in denen nach drei Tagen eine Erlösung erwartet wurde:
– in Genesis 40 prophezeit Josef seinen beiden Mitgefangenen, dass der eine nach drei Tagen gehängt, der ander aber wieder in Ehren in seinen alten Beruf eingesetzt wird.
– Mose bat den Pharao, mit dem Volk „drei Tagereisen“ weit in die Wüste zu ziehen, um Gott dort Opfer zu bringen.
– und da der Pharao von Gott verstockt wurde, schickte Gott die 10 Plagen, von denen die Neunte in einer dreitägigen Finsternis bestand.
– (Exodus 15,22) Nach dem Durchzug durchs Schilfmeer reisten die Israeliten drei Tage lang ohne Wasser und wurden erst nach den drei Tagen fündig in Mara.
– Sehr schön ist auch Josua 1,11: „Da befahl Josua den Aufsehern des Volkes: Geht mitten durch das Lager und befehlt dem Volk und sprecht: Versorgt euch mit Wegzehrung, denn in noch drei Tagen werdet ihr über diesen Jordan ziehen, um hineinzugehen, das Land einzunehmen, das der HERR, euer Gott, euch gibt, es zu besitzen!“
– oder Jos 2,22: „Und sie gingen weg und kamen ins Gebirge und blieben drei Tage dort, bis die Verfolger zurückgekehrt waren. Die Verfolger aber hatten den ganzen Weg abgesucht und sie nicht gefunden.“
– Saul sucht drei Tage vergeblich nach den verlorenen Eselinnen seines Vaters bevor sie gefunden werden (1.Sam 9)
– in 1.Sam 30 findet Davids Heer einen völlig entkräfteten Ägypter, der drei Tage und drei Nächte nichts gegessen und getrunken hat und von ihnen nun gerettet wurde.
– als Elia den Sohn der Witwe vom Tod auferweckte, streckte er sich dreimal über dem Jungen aus.
– mit einer Konkordanz kann man diese Beispiele noch leicht vermehren…

Die „Idee“ einer Totenauferstehung nach drei Tagen ist wäre also nicht nur naheliegend, sondern nur schwer anders vorstellbar, denn gerade die Zahl 3 scheint im AT die Zahl einer Trauerzeit, einer Dunkelheit oder des Durstes vor der Zeit des Lebens und des Lichtes zu sein. Dass es für die Auferstehung Jesu nach drei Tagen gedankliche Vorlagen gab, muss man also nicht erst mit unleserlichen Wörtern beweisen. Man kann ganz im Gegenteil an der Verwendung dieser Zahl erkennen, dass die Auferstehung Jesu schon in einer bestimmten Form erwartet wurde, d.h, wenn jemand die Auferstehung des Messias erhoffte, dann musste er eigentlich von einer Dauer von drei Tagen ausgehen! Dass die Auferstehung nämlich gerade nach drei Tagen stattfand, kann man nicht als Legende abtun, die dem allgemeinen Wunsch der Menschen nach eine ewigen Leben entspringt. Gerade die Präzision und Verbreitung der Übereinstimmung in der Zahl zeigt, dass Gott sein Volk über seine Pläne nicht völlig im Dunkeln gelassen sondern auf sein Heil vorbereitet hat. Dieser Beweis ist zumindest um einiges klarer als alles, was Herr Knohl bisher über seine Kalkplatte herausgefunden hat.

Man kann aber umgekehrt fragen, woher eigentlich Herr Knohl seine weitergehende Interpretation nimmt, nach Jesus eigentlich nicht für die Vergebung der Sünden sondern die Erlösung Israels gestorben sei. Er stellt diese Auslegung natürlich so dar, als ergebe sie sich aus seiner Neuinterpretation des Stein-Textes. Tatsächlich liegt eine andere Vorlage viel näher und relativiert dadurch die Aussagekraft des Steinplattentextes – wenn ich mal die o.g. Logik der Religionskritik hier anwenden darf – nämlich die alte jüdische Sehnsucht, das Reich Gottes politisch zu verstehen. Knohls Interpretation ist keineswegs neu sondern die Position, mit der Jesus zu Lebzeiten schon zu kämpfen hatte:

„Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da nun Jesus erkannte, dass sie kommen und ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu machen, zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.“
(Joh 6,14f)

Was ist Entfremdung?

„Von seinen Wegen wird satt, wer abtrünnigen Herzens ist, und von dem, was in ihm ist, wird satt der gute Mann“
(Sprüche 14,14)

Es ist nicht egal, wovon man satt wird. Und gerade dann, wenn Hunger kein Problem mehr ist, leiden Menschen daran, auf die falsche Weise satt geworden zu sein.
Salomo beschreibt hier genau das, was wir heute als „Entfremdung“ bezeichnen würden: ihr Weg, also ihr Beruf und ihr ganzes Leben wird als Fremdkörper empfunden obwohl er sie eigentlich am Leben erhält.
Alle großen Ideologien haben an diesem Gefühl der Entfremdung angesetzt: der Marxismus hat die Entfremdung auf die Arbeitsverhältnisse zurückgeführt, der Nationalsozialismus auf die „jüdischen“ Lehren des Christentums und des Kommunismus, der Feminismus auf die Herrschaft des Mannes, der Muslim auf die Einflüsse des Westens und der Ökologismus auf die Herrschaft des Menschen über die Natur.

Jede Ideologie bietet natürlich auch eine passende Lösung an. Die Sehnsucht nach einer Überwindung der Fremdheit machen sich Werbung und Filmindustrie zunutze und bombardieren uns mit Vorstellungen von erfülltem Leben, dass wir entweder durch ein bestimmtes Produkt erhalten, oder wenn wir erst mal den richtigen Partner finden oder wenn wir gezwungen werden, einen neuen Beruf zu wählen, oder uns politisch engagieren oder oder…
Dabei ist allen Vorstellungen gemeinsam, dass der Mensch durch sein Umfeld in ein Leben gezwungen wird, dass ihn unter dem Gefühl der Entfremdung leiden lässt.

Der Vers aus der Weisheitsliteratur bringt einen ganz neuen Gedanken: Entfremdung hat etwas mit Gerechtigkeit zu tun, und zwar mit der eigenen!
Aber, so wird vielleicht jemand einwenden, ist nicht die Vorstellung von gut und böse der Grund dafür, dass sich Menschen entfremdet fühlen? Leiden sie nicht an dem Widerspruch, sich einem Leben verpflichtet zu fühlen, das sie eigentlich nicht wollen?

Ja, vermutlich ist das genau das Problem. Die Frage ist nun, welche Möglichkeiten man zur Lösung hat:
Entweder man hält das Gewissen für den Fremdkörper, der den Menschen von seinen eigentlichen Wünschen abhält oder man hält die Empfindungen und Sehnsüchte für den Fremdkörper, der vom eigenen Gewissen entlarvt wird.
Wenn das Gewissen der Fremdkörper ist, dann wäre das Ende der Entfremdung ein Leben, in dem wir unsere Wünsche, Sehnsüchte und Lüste ausleben könnten. Aber glaubt jemand ernsthaft, dass dieses Leben von irgendeinem Gewissen der Welt dann gutgeheißen wird? Salomo spricht ja gerade von den Schurken, die sich also nicht an gesellschaftliche Konventionen halten und dennoch nicht aus dem leben können, was in ihnen ist, weil in ihnen nur der Tod wohnt. Jeder kennt sein eigenes Herz gut genug um abschätzen zu können, ob das Leben, zu dem unser Herz uns zieht, wirklich erstrebenswert wäre.

Die Alternative ist, dass unser Gewissen unser eigenes ist und unser Handeln und Empfinden der entfremdete Teil. Dann aber wären wir als ganze Person der Fremdkörper. Denn wir empfinden doch nicht mit einem Teil von uns sondern wir selbst empfinden. Wir leiden also an dem Wissen, eben nicht gerecht zu sein, und zwar von unserem ganzen Wesen her. Wir haben nämlich das Wissen um die Fremdheit aber nichts, woran wir andocken könnten. Das ist der Grund für die ewige und ergebnislose Suche nach einer Überwindung der Entfremdung.

Aber jeder kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Empfindung der Fremdheit dort am geringsten ist, wo das eigene Handeln als gut und gerecht empfunden wird. Da wir keine eigene Gerechtigkeit haben, gibt es nur die Gerechtigkeit, die ein anderer uns geben kann. Und genau das ist die Botschaft des Evangeliums: Jesus Christus, der Sohn Gottes kam in die Welt um für unsere Schuld bestraft zu werden, damit wir durch seine Gerechtigkeit leben können.

„Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden „ (Eph. 2,4f)