erstaunliche Losungen…

Eigentlich bin ich kein Freund der sog. „Losungen„, die unter Christen so verbreitet sind. Aber ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Tageslosungen während des Marburger Kongresses tatsächlich goldene Äpfel auf silbernen Schalen waren:

Der Kongress fand vom 20-24.5. statt und war von extrem christenfeindlichen Parolen begleitet. Näheres auf medrum.de.

Die Losungen dieser Tage können hier durchgeblättert werden.

Einstiegshilfe zum Bibellesen

Die Bibel ist nicht nur das weltweit am meisten verbreitete Buch, sie ist auch mit Abstand das wirkmächtigste. Die Ethik der Bibel hat das Rechtsempfinden fast weltweit beeinflusst und verbreitet diesen Einfluss immer noch. Und selbst in nach-christlichen Religionen und Weltanschauungen hat sie greifbare Spuren hinterlassen – und sei es nur als Karikatur. Sie hat das Denken ihrer Gegner geprägt und dies selbst dort, wo Menschen versuchen, bewusst an vor-christlichen Zeiten anzuknüpfen.
Wem es nicht genügt, sich sein Bild über das Christentum von seiner Lieblingszeitung bestätigen zu lassen, wird also nicht umhin kommen, sich von diesem Buch ein eigenes Bild zu verschaffen.

Nun ist es allerdings nicht ganz leicht, einfach so mit dem Lesen der Bibel anzufangen, denn die Bibel ist eine Sammlung aus vielen und sehr unterschiedlichen Büchern und die Reihenfolge ist nicht unbedingt so, dass es ein fortlaufend ansteigendes Niveau darin gibt. Ich weiß daher von klugen Leuten, die das Lesen abgebrochen haben, weil sie an sehr mühsamen Texten hängengeblieben sind und zu denen, die sie wirklich gut und mit Vergnügen hätten lesen können, nicht gekommen sind.

Ich möchte daher versuchen, hier eine kleine Übersicht zusammen zustellen, die den Einstieg des kursorischen Bibellesens erleichtern soll.

Der erste Abschnitt, den ich empfehlen würde, ist das erste Buch Mose (Genesis) bis zu 2.Mose 24. Der Abschnitt erzählt die Zeit von der Erschaffung der Welt über die Erwählung Abrahams (Anfang der Geschichte Israels) bis hin zum Auszug aus Ägypten und der Bundesschließung am Sinai. Danach kommen viele Regelungen, an der ein Neueinsteiger vermutlich erst mal hängen bleiben würde. In diesem Abschnitt sind viele der bekanntesten Geschichten des Alten Testamentes enthalten (Adam und Eva, Noah, Abraham, Josef, Auszug aus Ägypten…)

Wer sich für die Ethik des Gesetzes interessiert, kann 3.Mose 11-20 lesen. Darin sind auch die Regelungen für reine und unreine Tiere enthalten sowie das Verbot der Homosexualität. Im 4.Mose wird die Zeit der Wüstenwanderung beschrieben, die nicht mehr viele der ganz bekannten Texte enthält. 5.Mose ist vom Abschied von Mose geprägt. Das Gesetz wird noch einmal zusammengefasst und dem Volk Segen und Fluch vorgelegt. Josua wird Moses Nachfolger und führt im Buch „Josua“ das Volk ins verheißene Land.
Die erste Phase der Besiedlung des Landes bis zur Einsetzung des ersten Königs nennt man die Zeit der Richter, von der das Buch „Richter“ erzählt. Die berühmtesten Gestalten dieses Buches sind wohl Gideon (Kap. 6-8) und Simson (13-16).
Das Buch Rut enthält eine wunderschöne Liebesgeschichte mit viel orientalischem Lokalkolorit.

Die Zeit der Könige beginnt mit 1.Sam. 8. Von hier aus kann man ohne große Anstrengung durchlesen bis zum Ende des zweiten Buchs der Könige. Es handelt sich fast durchgehend um Geschichtswerke, die nur streckenweise von Aufzählungen unterbrochen werden (die ich beim ersten Lesen überspringen würde). Hier stehen die Geschichten der ersten drei Könige von Israel: Saul, David (auch die Geschichte von David und Goliath) und seinem Sohn Salomo. Unter Salomos Sohn Rehabeam kommt es zur folgenschweren Reichsteilung und die Geschichte wird abwechselnd vom Nord- und Südreich erzählt. Wenn von „Israel“ die Rede ist, ist immer das Nordreich gemeint. Das Südreich wird „Juda“ genannt. Der wichtigste Prophet des Alten Testamentes war Elia. Er trat zu der dunkelsten Zeit des Nordreichs auf. Das zweit Buch Könige endet mit der Babylonischen Gefangenschaft.
Die Zustände in Israel während des babylonischen Exils werden im Buch „Klagelieder“ beschrieben, eine historisch besondere Literaturgattung, weil das Elend der Besiegten hier aus der Sicht der Besiegten und nicht der Sieger geschildert wird.
In den Büchern Esra und Nehemia wird die Rückkehr eines Überrestes nach Israel geschildert, der Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels.
Die Geschichte des Esther-Buches spielt während der Perserherrschaft. Die beteiligten Juden sind offenbar nach der babylonischen Gefangenschaft nicht mehr nach Israel zurückgezogen. Die Geschichte ist sehr schön zu lesen und darüber hinaus sehr bekannt.
Ebenso natürlich das Buch Hiob, das sich daran anschließt. Die Geschichte Hiobs lässt sich allerdings in wenigen Kapiteln zusammenfassen: in 1-3 wird die Ausgangslage geschildert. Danach erscheinen die Freunde Hiobs, die schier endlose Dialoge über das unfassbare Elend und dessen Sinn führen bis dann in Kapitel 38 (!) Gott dem Geschwätz ein Ende macht und Hiob in Kapitel 42 Gottes Größe anerkennt und das Ende der Geschichte erzählt wird.

Das Buch der Psalmen ist eine Liedersammlung. Die bekanntesten sind Psalm 1; 2; 23; und 139.
Das Buch der Sprüche oder Sprichwörter, wie es je nach Übersetzung auch genannt wird, enthält genau das, was man erwartet: mehr oder weniger zusammenhängende Sprichwörter, die auf mich immer einen besonderen Reiz ausüben. Aber ich weiß auch, dass vielen dieser Reiz beim ersten Lesen abgeht, weil man sich an das Lesen von Weisheitsliteratur erst gewöhnen muss. Der gleiche Autor Salomo hat auch das Buch „Prediger“ geschrieben, das den Sinn des Lebens auf den Punkt bringt (verrate ich aber nicht 😉 ).
Das „Hohelied der Liebe“ oder „Lied der Lieder“ enthält Liebesgedichte, die in Israel m.W. bei Hochzeiten gesungen und rezitiert wurden. Es klingt sogar in den meisten Übersetzungen noch wunderschön.

Danach kommen die Propheten, die erfahrungsgemäß für Anfänger sehr mühsam zu lesen sind. Ich würde sie daher nicht für die erste Lektüre empfehlen, auch wenn ich dies mit Bauchschmerzen schreibe. Sie enthalten so viel historische Informationen über die Länder und sagen so viel Zukünftiges voraus (beispielsweise die Abfolge der Großreiche bis zum römischen Reich, das dann von Gottes Reich abgelöst wird), dass man hier viel verpasst.
Herausgreifen möchte ich aber nur Jes. 53, das Lied vom leidenden Gottesknecht, das zu den berühmtesten Ankündigungen des Messias gehört.
Das Buch Daniel enthält neben Prophetien noch einen Teil bekannter und gut lesbarer Geschichten, die in den Kapiteln 1-6 erzählt werden. Danach kommen die „Gesichte“ (Erscheinungen) Daniels.
Der Prophet Jona ist ebenfalls noch einmal ein Prophet, von dem aber eigentlich nur die Geschichte erzählt wird. Sie ist eine der bekanntesten Geschichten aus dem Alten Testament und absolut lesenswert!

Dann würde ich empfehlen, mit dem Neuen Testament weiter zu machen. Das Leben Jesu wird in den vier Evangelien aus unterschiedlicher Perspektive erzählt (gleich die ersten vier Bücher des Neuen Testamentes). Das Markusevangelium ist am Kürzesten und wird daher gerne für den Einstieg verwendet. Theologisch am reflektiertesten ist allerdings das Johannesevangelium, das mit dem berühmten Prolog beginnt „Am Anfang war das Wort“. Hier findet man den eigentlichen Zusammenhang dieses Satzes und kann mal versuchen, ihn zu verstehen.
Die Berpredigt und das Vaterunser stehen in Matthäus 5-7.

In der Apostelgeschichte wird die Geschichte der ersten Christen erzählt, von ihren theologischen Herausforderungen, ihrer Stellung zu den Juden, von dem Verhältnis zwischen Juden-Christen und Heiden-Christen, von ihrer Verfolgung und ihrem Leben in den Gemeinden.
Im Römerbrief erhält man eine sehr gute Zusammenfassung des christlichen Glaubens in komprimierter Form. Der Römerbrief ist nicht ganz leicht zu lesen aber sollte für jemanden, der sich die Ruhe nimmt, auch einen komplizierteren Gedanken zu verfolgen durchaus in seinen Grundzügen verstehbar sein. Wer sich wirklich mit der Frage beschäftigt „Was ist eigentlich das Christentum?“, bekommt tatsächlich mit diesem Buch den besten Zugang.
Die folgenden Briefe behandeln wieder viele Fragen, die in den jungen Gemeinden oft zum ersten Mal aufgetreten sind und viele Ausführungen zu theologischen Fragen. Herausheben möchte ich hier den Hebräerbrief, weil in ihm die Frage beantwortet wird, wieso wir eigentlich von einem „Alten und Neuen Testament“ sprechen. Dieser Brief ist besonders wichtig für das Verhältnis von Juden und Christen.
Das letzte Buch der Bibel ist wieder eines der bekanntesten: die Offenbarung oder Apokalypse. Viele Szenen wurden gemalt oder tauchten womöglich sogar in Filmen auf. Für Christen interessanter ist allerdings das Ende der Geschichte in den letzten Kapiteln mit der Aussicht auf den jüngsten Tag.

Ich habe mich bemüht, diese Auswahl so zu gestalten, dass jeder nach seinen eigenen Interessen seine Bibellektüre gestalten kann und punkgenau an die Stellen kommt, die ihn interessieren. Bei spezielleren Fragen zu bestimmten Themen oder Geschichten bitte einfach die Kommentarfunktion benutzen.

Und jetzt: viel Spaß beim Lesen!

Wofür kämpfen wir?

„Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes! Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist!“ (Kol 3,1f)

Gerade wenn man sich als Christ politisch oder journalistisch betätigt, passiert es leicht, dass dieser Grundsatz vergessen wird und man entwickelt weltliche Ziele. Z.B. passiert es leicht, dass man der Versuchung erliegt, gesellschaftlichen Einfluss zu nutzen, um hier auf der Erde als Christ komfortabel leben zu können. Natürlich ist es schön, in einer christlichen Gesellschaft zu leben, in der alle den Sonntag heiligen, die 10 Gebote in hohem Ansehen stehen und der Reliunterricht vom Feinsten ist. Wenn Gott uns das schenkt, dürfen wir solche Zeiten genießen. Wir sollen sogar regelmäßig dafür beten, dass Gott uns ein „ruhiges und stilles Leben“ ermöglicht (1.Tim 2,2) und wir dürfen auch vor Gericht für unser Recht streiten, wenn wir verfolgt oder bedroht werden. Denn wenn Gott die Obrigkeit als „Dienerin, dir zum Guten“ (Röm 13,4) eingesetzt hat, wäre es falsche Bescheidenheit, auf solche Hilfe zu verzichten.

Aber es bleiben trotzdem weltliche Ziele und sie sollten keinen zu hohen Stellenwert für uns besitzen, weil sie nicht das Ziel unserer Hoffnung sind. Wir sollen auf das „sinnen“, was „droben“ ist, nämlich im Himmel bei Gott. Wenn wir uns aber für eine christliche Gesellschaft einsetzen, geschieht es leicht, dass wir unsere Hoffnung auch auf die Entwicklung in der Gesellschaft setzen und durch vereinzelte Erfolge befeuert das eigentliche Ziel vergessen. Wir werden dann nicht mehr von der Liebe für andere getrieben oder vom Gehorsam gegen Gott, sondern nur noch von dem reizvollen Gedanken, etwas zu bewegen. Diese kleinen Anfälle von Machtgefühlen sind zwar vermutlich erhebend, aber ungeistlich, weil sie unsere Hoffnung auf unsere Kraft richten und auf dieses Leben. Im schlimmsten Fall verführen sie uns sogar dazu, Gottes Gebote zu übertreten, weil wir uns schon so nah am Ziel eines greifbaren Reiches Gottes wähnen, dass die Mittel das Ziel zu rechtfertigen scheinen.

Das muss nicht so offensichtlich geschehen, dass jemand versucht, durch Gewalt das Reich Gottes zu verwirklichen. In der stilleren Variante wird das Engagement einfach lieblos, d.h. man wird nicht mehr von dem Wunsch getrieben, etwas für Menschen zu tun, sondern wir wollen dann „etwas“ bewegen oder „die Gesellschaft“ ändern. Das ist aber ein spärliches Ziel und keinesfalls besser als das, was auch gottlose Politikern anstreben.
Wenn wir uns selbst prüfen wollen, ob wir unsere Hoffnung auf das ewige Leben richten, dann müssen wir uns fragen, ob wir das, was wir tun, auch dann noch tun würden, wenn wir das Ergebnis nicht mehr erleben werden und andere Menschen den Nutzen davon haben werden, und wir auch keinen posthumen Ruhm dafür ernten. Nur wenn wir etwas wirklich für andere ohne Hintergedanken oder Selbstsucht tun, also als Sterbende, die mit diesem Leben abgeschlossen haben und in der Kraft der Auferstehung jetzt für andere leben, können wir sagen, dass wir auf das gesehen haben, „was droben“ ist, bei Christus, sitzend zur Rechten Gottes.