Europäischer Menschengerichtshof schwächt nicht die Autonomie der Kirche sondern fordert klare Regelungen

Im konkreten Fall ging es um einen Organisten, dem von der katholischen Kirche wegen „Ehebruchs und Bigamie“ gekündigt wurde. Der europäische Menschengerichtshof hat die Kündigung für illegal erklärt und dem Organisten einen Schadensersatz von 40.000€ zugesprochen.

In verschiedenen Medien und Foren wurde diese Entscheidung vorschnell so verstanden, dass die Autonomie der Kirchen durch das Urteil geschwächt wurde und Ehebruch akzeptiert werden müsse. Genau darum ging es bei diesem Urteil aber nicht, „Europäischer Menschengerichtshof schwächt nicht die Autonomie der Kirche sondern fordert klare Regelungen“ weiterlesen

Was ist los mit den christlichen Kleinparteien?

Die PBC hat bei der Europawahl 2009 bundesweit 0,3 % der Stimmen bekommen und verschlechterte sich zur Europawahl von 2004 um 0,1 %, dass sie vermutlich an die AUF verloren hat, die eben gerade 0,1 % der Stimmen erhielt.
Die Werbespots beider Parteien haben mir die Schamröte ins Gesicht getrieben – „wir schreiben Europa mit C…“. Das wirkte nicht nur unprofessionell, was man bei kleinen Parteien entschuldigt, sondern auch ungengagiert und desinteressiert.

Mein Wunsch für die nächste Wahl wäre eigentlich ein kleines Set aus Wünschen:

1. Macht die AUF-Partei dicht. Das Konzept einer gemeinsamen Partei für Evangelikale und Katholiken ist nicht nötig, denn die CDU war als traditionell katholische Partei trotzdem für viele Evangelikale wählbar, bevor sie sich in ihrer Familien- und Sexualpolitik vom Christentum weg bewegt hat. Umgekehrt könnte eine evangelikal geprägte Partei auch für Katholiken attraktiv sein, denn ein gemeinsames Themenspektrum gibt es tatsächlich.
2. Gebt der PBC einen neuen Namen, der zwar den christlichen Bezug aber keine evangelikalen Spezialitäten enthält. Ein Evangelikaler kann zwar eine christlich demokratische Union wählen, aber er hätte vermutlich Schwierigkeiten mit einer katholisch demokratischen Partei o.ä….
Wie wärs einfach mit CDP?
3. Bringt die Steckenpferde zum Metzger. Man mag ja von der Israel-Politik der PBC halten was man mag, aber sie gehört in einem Parteiprogramm einfach nicht in den ersten Teil. Wenn das Programm nicht nur von Freaks Zustimmung erfahren soll, muss es auch allgemeiner angelegt sein und politischen Gestaltungswillen für alle wichtigen Bereiche eines Programms deutlich machen.
4. Etwas mehr Propaganda vor einer Wahl wäre nicht übertrieben. Ich glaube, dass es das Potential für eine Stimmenzahl weit über der 5%-Hürde gibt, wenn man die Wähler zu überzeugen versteht. Das wäre in meinen Augen eine gute und überfällige Ergänzung zur CDU.
5. Vielleicht fällt mir noch mehr ein…

„Sexueller Totalitarismus“

Unter dem gleichnamigen Titel ist derzeit ein aufschlussreicher Essay der Publizistin Gabriele Kuby auf der Homepage des christlichen Informationsforums „Medrum“ zu lesen.
Auch wenn ich an dieser Stelle vor ihrer Marien-Begeisterung warnen möchte, ist dieser Text in meinen Augen lesenswert.

Ist der Buddhismus eine Religion?

Es gibt Begriff, die sind unklar und daher schwer zu definieren (z.B. „Globalisierung“, „gut“, „Freund“…). Andere können wir hingegen einigermaßen einfach definieren ( z.B. „Kugel“) weil wir eine klare Vorstellung von der bezeichneten Sache haben. Aber es gibt auch Fälle, in denen wir zwar einen klaren Begriff haben, aber zu einer Definition kaum imstande sind. Z.B. wenn wir die eigenwillige Wohnung von Siggi beschreiben wollen und jeden einzelnen Gegenstand noch vor uns sehen und einem dritten erklären wollen, wie die Wohnung so ist. Dann haben wir das Gefühl, es liegt uns auf der Zunge, aber da liegt garnichts, und so sagen wir schließlich: „sie ist einfach typisch Siggi!“
Und jeder, der Siggi kennt, weiß, was gemeint ist. Wer ihn nicht kennt, hat natürlich keine Ahnung. Er würde an der Wohnung natürlich auch nichts typisches entdecken und fände vermutlich noch nicht einmal einen Begriff, unter dem er die Wohnungseinrichtung gut fassen könnte.

Das ist ein Beispiel für einen Fall, in dem man einen Gegenstand nicht über seine Eigenschaften definieren kann, sondern ihn über die Eigenschaften eines Dritten definieren muss.
Jeder, der schon mal verliebt war, kennt das Gefühl, durch alle möglichen Personen oder Gegenstände an den geliebten Menschen erinnert zu werden, wo ein Außenstehender keine Chance hätte, diese geheime Verbindung der Dinge und Personen zu erkennen. Bei der einen erinnert ihn die Stimme, bei der anderen vielleicht die Form der Fingernägel oder sogar ihr Auto an sie.

Und genau dieser Fall scheint mir auch bei dem Begriff „Religion“ vorzuliegen: jeder hat eine ziemlich klare Vorstellung davon und hat vielleicht sogar den Eindruck, es könne nur eine Formsache sein, hier noch eine Definition zu finden. Und erst bei näherem Hinsehen fällt auf, dass es kein Element gibt, dass alle gemeinsam haben. Es sei denn, man formuliert es so vage, dass der Begriff nicht mehr von einer „Weltanschauung“ zu trennen und letztlich uninteressant ist.
Für dieses Phänomen ist es die naheliegendste und beste Erklärung, von einem Urbild auszugehen, also einer Religion, die gleichsam zum Modell für jede sogenannte „Religion“ wurde, weil sie alle Gedanken, die auch in anderen Religionen auftauchen, in der klarsten Weise enthält.

Ich möchte dies anhand des Buddhismus etwas ausführlicher zeigen:
Der Buddhismus bereitet dem Definitionssucher eine besondere Schwierigkeit, weil er keinen Gott kennt und auch kein Jenseits, wie wir es verstehen. Denn „Jenseits“ drückt die Trennung und Unterscheidbarkeit von einem Diesseits aus, die der Buddhismus m.W. so nicht kennt.
Und dennoch zögert kaum jemand, den Buddhismus als Religion zu bezeichnen. Warum? Weil er dem Christentum ähnlich sieht. Das mag auf den ersten Blick überraschen, aber wenn man aus dem Christentum den persönlichen Gott wegdenkt, erhält man eine Religion, die dem Buddhismus sehr ähnlich sieht, und zwar ähnlicher als jede polytheistische Religion.
Das Gebet wird dann zu einer Übung, bei der der Gläubige keinen Kontakt mit einer Person sucht, sondern bemüht ist, die vermeintliche Pespektive eines Gottes selbst einzunehmen, der das Wesen aller Dinge versteht und so zur Erleuchtung gelangt. Aus dem Gebet ist die Meditation geworden. In beiden Fällen nimmt die Seele für eine Zeit Urlaub vom Leben auf der Erde und erhält einen kleinen Vorgeschmack von dem oder auf das, worauf ihre Hoffnung ruht.

Nimmt man der christlichen Ethik den persönlichen Gott, wird aus dem moralischen Anspruch eine mechanische Konsequenz. D.h. negative Konsequenzen kommen nicht aus dem Zorn Gottes, sondern aus dem Handeln des Menschen. Sie sind keine „Strafe“ sondern „Folge“, mechanisch, notwendig und vor allem unpersönlich.

Dadurch entsteht aber das Problem, wie man mit dem Versagen des Menschen umgeht, denn Gnade kann es im Buddhismus nicht geben. Die Lösung bietet die Wiedergeburt, bei der jeder Mensch in beliebig häufiger Folge zum perfekten Menschen werden kann. Im Christentum kennen wir diese Konzeption aus der Katholischen Kirche. Auch hier wurde das Heil Gottes mechanisiert und zu einem Heils-Algorithmus pervertiert, der für Gott wenig Raum ließ. Das Problem der fehlenden Gnade löste man hier durch die Erfindung des „Fegefeuers“, bei dem die schlechten Taten noch weggebrannt werden können, bevor die Seele des Gläubigen dann zu guter Letzt doch noch in den Himmel kann. Der Buddhismus hat das Fegefeuer hingegen auf die Erde verlegt und lässt den Menschen hier für seine Vergehen büßen, bis der Mensch vollkommen und – wie ein Christ sagen würde – „heilig“ ist.

Für einen Christen bietet der Buddhismus daher einen sehr großen Wiedererkennungeffekt und er wird ihn als Religion bezeichnen, ohne vielleicht genau zu wissen, wieso. Bei anderen Religionen ist der Vergleich noch einfacher, weil sie meistens die Verehrung eines Gottes kennen und sich mit der Frage nach Schuld und Sühne, Güte und Jenseits beschäftigen.

Es ist daher nicht erstaunlich, dass die Religionswissenschaft auf christlichem Boden – wenn auch nicht von Christen – entwickelt wurde. Denn das Christentum bietet zwar kein genuines Interesse an dem Religionsvergleich, aber es bietet das Urbild, durch das überhaupt der zu erforschende Gegenstand erkennbar wird.
Wieviel Vergnügen einem Christen allerdings die Beschäftigung mit anderen Religionen, zeitgenössischen und antiken, bietet, werde ich vielleicht in einem weiterem Beitrag zeigen.

TOP 20 Theocons 2007: Die meistgelesenen Artikel

Papst ist „Anti-Gay Person 2005“

Die Homo-Zeitung „Washington Blade“ hat Papst Benedikt XVI den Titel „Anti-Gay Person 2005“ verliehen. „Während seiner Zeit als Kardinal, hat Ratzinger die homofeindlichste Rhetorik des Vatikans verfasst“, so die 1969 gegründete Zeitung. Daraufhin hätte der neu gewählte Papst in wenigen Monaten „Schwule und Lesben einseitig als moralische Bedrohung der Gesellschaft angegriffen.“ Der Artikel steht unter der Überschrift „Heilige Engstirnigkeit“. Der deutsche katholische Nachrichtendienst kreuz.net schrieb daraufhin: Begründet wurde die Kür des Heiligen Vaters unter anderem mit dem im November veröffentlichten Schreiben über Homosexualität und Weiheamt. Außerdem stemple Benedikt XVI. die Homos einseitig als „moralische Bedrohung für die Gesellschaft“ ab. Der Papst würde auch ein weltweites, aggressives Lobbying gegen die angeblichen Rechte homosexuell Unzüchtiger betreiben.

Papst ist „Anti-Gay Person 2005“

Weltjugendtag und Papstbesuch

Der Papst wurde gestern abend von einem seiner ehemaligen Studenten, der mittlerweile Pilot geworden ist mit einer Lufthansamaschine wieder nach Rom zurückgebracht. Und die Million Jugendlicher Pilger macht sich ebenfalls auf die Heimreise. Viele weltliche Journalisten haben jetzt ein Problem … Die Begeisterung der Jugend der Welt für den erzkonservativen Papst aus Deutschland ist für sie einfach nicht nachvollziehbar. Daher liest man in all diesen Artikeln auch wieder die gleichen Begriffsversatzstücke, wie „Pop-Ikone Benedikt XVI.“, „Eventkultur“ und „Paatiee“-Stimmung … All diese hilflosen Erklärungschiffren einer WElterklärergeneration, die es gewohnt ist der Welt ihre eignen postmodernen Ideologien als die Grundlinien des Zeitgeistes auszulegen. Dies findet man nicht nur in Zeit und Spiegel sondern auch in der konservativen Welt.
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Weltjugendtag in Köln: So viele Pilger wie nie zuvor

Johannes Paul II. hatte die Idee, den Weltjugendtag in Köln zu veranstalten … Mit einer verblüffenden Begründung: „Nachdem im 20. Jahrhundert die beiden großen Weltkatastrophen von Deutschland ausgegangen sind, möchte ich, daß im 21. Jahrhundert von Köln eine große positive Bewegung für ganz Europa und die Welt ausgeht.“ … „Bislang haben sich 405.000 Pilger für den 20. Weltjugendtag angemeldet. Kirchenvertreter zeigen sich tief beeindruckt von der beispiellosen Resonanz der Gläubigen.“ berichtet die Süddeutsche „Zu Jesus Christus gibt es keine Alternative“, sagte der Kölner Kardinal Joachim Meisner.
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Referendum zu künstlicher Befruchtung in Italien gescheitert

Nach dem Boykottaufruf der katholischen Kirche verfehlt das Bioethik-Referendum in Italien die erforderliche Mindestquote. Dies ist ein grosser Tag für die Lebensschützer in Italien, aber nicht nur dort sondern in ganz Europa. Das Ergebnis zeigt den immer noch ausserordentlich grossen Stellenwert der katholischen Kirche in diesem südeuropäischen Land und unterstreicht ihre Deutungshoheit zu der Thematik „Kultur des Lebens“. Mit der Ernennung des deutschen Kardinal Ratzinger zum Papst ist nun auch in Deutschland ein „Kampf der Kulturen“ eingeleitet worden … Wir von theocons.de hoffen auf ein gross angelegtes Roll-Back der „Kultur des Todes“ hier in unserem Land … Gott segene Deutschland!
Referendum zu künstlicher Befruchtung in Italien gescheitert

Unionsparteien sollten das „C“ streichen

Ein sehr interessanter Aspekt für die voraussichtlich im Herbst stattfindende Bundestagswahl kommt vom Kölner Kardinal Joachim Meisner. Wie die Welt in ihrer Ausgabe vom 06.06.2004 meldet forderte er die Unionsparteien auf, das C aus ihren Parteinamen zu streichen. „Was christlich ist, kann nicht die CDU definieren, das machen wir“, sagte der für seine konservativen Positionen bekannte Erzbischof der „Westdeutschen Zeitung“.
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