Dekonstruktion der Dekonstruktion

Wenn die Altherrenriege der Postmoderne wie Focault oder Derrida eine Lieblingsbeschäftigung hatte, dann war es sicherlich die Dekonstruktion der Axiome des abendländischen Denkens und der Religion: es gibt keine große Erzählung mehr … kurz: es gibt keine Wahrheit mehr. Bei Timothy Keller habe ich kürzlich ein wunderbares Beispiel dafür gehört: Ihr kennt doch die weitverbreitere Relgionsparabel „Gott ist wie ein Elefant und die Religionen verhalten sich wie blinde Elefantenforscher“…
… der eine hält den Schwanz und beschreibt den Elefanten als Schlange, der andere berührt das Bein und sagt ein Elefant ist wie ein Baum, der nächste fasst ihm am Ohr und sagt ein Elefant sei ein riesiger Fächer. Dieses Bild soll zeigen wie die verschiedenen Religionen immer nur ein Teil des Bildes haben und wie arrogant und dogmatisch es sei, zu behaupten die volle Wahrheit über Gott zu haben. ABER: Die einzige Möglichkeit wie diese Parabel irgendeinen Sinn macht, ist daß der Parabelerzähler kurz: die Postmoderne den ganzen Elefanten gesehen hat. Wenn diese also konstatiert alle Religionen sehen nur einen Teil der Wahrheit, nimmt sie für sich in Anspruch eine Sicht auf die Wahrheit zu haben, die kein anderer hat und macht sich damit ironischerweise derselben spirituellen Arroganz schuldig die sie selber uns Christen vorwirft. In anderen Worten zu sagen „alle Wahrheit ist relativ in Abhängigkeit zur Gruppe, der man angehört“ ist selbst ein Wahrheitsstatement, aber besonders tricky, weil es Nebelkerzen verwendet um sich selbst toleranter als den Rest darzustellen. Viele „open minded“-Typen fühlen sich natürlich wesentlich erleuchteter als diejenigen, die weiter an absoluten Wahrheiten festhalten, ohne zu merken, daß sie sich in einem ebenso dogmatischen Glaubenssystem befinden wie alle anderen … vielleicht sogar in einem stärkeren … … wenn du also ein Postmoderner bist, dessen default mode der Relativismus ist, weil du Teil einer community bist, wo man sich auf dieses Glaubenssystem als „common sense“ geeinigt hat rate ich dir folgendes: SEI EIN SKEPTIKER … SCHAU DIR DEINEN EIGENEN POSTMODERNEN GLAUBEN AN … MIT DEM GLEICHEN KRITISCHEN APPARAT MIT DEM DU ANDERER LEUTE GLAUBEN BEURTEILST … https://www.youtube.com/watch?v=aOJImh3QNZ87

Dekonstruktion der Dekonstruktion

Erbsünde und privates Glück

Die Erbsünde dürfte zu den unsympathischsten Lehren des Christentums gehören. In Gemeinden würde man ihr zwar kaum widersprechen, aber sie wird auch selten gepredigt. Und doch wäre ihr Verlust groß – für die Kirche wie für die Gesellschaft, aber dazu später mehr…
Die Erbsünde ist eine echte Sünde, d.h. es geht um wirkliche Schuld. Aber, und das ist das Anstößige, es ist eine Schuld, die man erbt. Man wird also nicht durch die erste bewusste Sünde schuldig, sondern die erste bewusste Sünde ist bereits eine Folge der geerbten sündigen Natur des Menschen. Die Schuld ist also mit dem Wesen des Menschen aufs Engste verwoben und nicht erst Folge eines persönlichen Pechs oder schlechter Prägung. Jeder Mensch bringt die Schuld schon mit auf die Welt.
Das Gegenmodell ist die Vorstellung vom „an sich“ guten Menschen. D.h. schuldig wird der Mensch erst durch eine bewusste Wahl der schlechten Handlung, und auch dann ist nicht der Mensch gut oder schlecht, sondern nur seine Taten. Da er eigentlich alles zum moralisch guten Leben mit auf die Welt gebracht hat, liegt der eigentliche Grund für seine Schlechtigkeit in seiner Außenwelt.
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„Um eine “atheistische Missionierung” ist es uns nicht bestellt“

Dieses Zitat stammt von der Homepage der Organisatoren der atheistischen Buskampagne, die in mehreren Städten Europas zu sehen war. Nach eigenen Angaben haben sie ca. 15-20 Millionen Menschen „erreicht“ (ich dachte, das wäre frommes Vokabular?). Ist die Kampagne nun eine Mission oder nicht? Da „Mission“ einen Auftraggeber voraussetzt, der die Missionare eben „sendet“, kann eine atheistische Kampagne nie eine Mission sein. Allerdings kann ein Atheist kaum jemandem Mission vorwerfen, weil er nicht an die Sendung glauben kann. Aus seiner Sicht handelt es sich bei Mission ebenfalls nur um eine Kampagne – wenn auch auf aus seiner Sicht falschen Voraussetzung. In Berlin wurde die Buswerbung der Atheisten nicht genehmigt, weil dort überhaupt keine religiöse oder weltanschauliche Werbung zugelassen werden soll. Es scheint, als würde den Atheisten niemand ihre Ablehnung der Missionierung abnehmen.
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Was können wir über das Leben nach dem Sterben wissen?

Die Antwort ist ganz einfach: Nichts. Und deshalb fallen die Antworten so unterschiedlich aus. Darauf weisen auch Atheisten gerne hin, wobei dieser Umstand keineswegs automatisch für die atheistische Vorstellung von einem Verlöschen des Geistes spricht. Wenn man keine Messdaten hat, kann man nicht einfach von dem Messwert „Null“ ausgehen. Ebenso wenig wie man aus Unwissenheit einfach behaupten kann, dass es kein fremdes Leben im Universum gibt oder keine Natur-Wirkungen, die man noch nicht kennt. Die Vorstellung von keinem Leben nach dem Tod ist also mitnichten naturwissenschaftlicher als jede andere, sondern muss in die Reihe der vielen Jenseitshoffnungen gestellt werden – von denen sie dem Buddhismus und seinem Sehnen nach dem endgültigen Verlöschen, nicht unähnlich ist.

Wieso kann ein Christ trotz der Vielzahl sich widersprechender Jenseitshoffnungen an die Auferstehung der Toten glauben?

Weil uns mit dem Neuen Testament Berichte von verschiedenen Autoren vorliegen, die uns von einem Menschen berichten, der von den Toten auferstanden ist. Und nein, es gibt keine diversen anderen Berichte, und es war auch damals nicht üblich, dass die Menschen alles geglaubt haben und die Literatur voll ist von ähnlichen Berichten. Wer dies behauptet, mag sich gerne mal auf die Suche machen.
Die Berichte sind nicht nur von mehreren Zeugen aufgeschrieben worden, sondern sie brachten ihren Autoren auch keinen Nutzen – wenn man nicht an die Auferstehung der Toten glaubt. Außer Johannes ist kein Jünger eines natürlichen Todes gestorben, sondern alle wurden verfolgt, bedroht, gesteinigt, gefoltert und schließlich getötet. Wozu hätten sie lügen sollen?

Ferner sprechen sie zu Gemeinden, unter denen es noch eine große Anzahl von Augenzeugen der Auferstehung gab. Selbst manche Nicht-Christen, die sich mit den Texten beschäftigen, sprechen verschleiernd von einer „Ostererfahrung“, ohne eine plausible Alternativerklärung für das Phänomen Urkirche anbieten zu können.

Man kann also sagen, dass die Auferstehungszeugnisse des Neuen Testamentes das sicherste Zeugnis über ein Leben nach dem Tod ermöglichen, dass überhaupt vorstellbar ist.

Wer nun nervös wird und schon überlegt, wo der Haken bei der Sache ist, sollte sich fragen, ob er dies wirklich macht, weil er so wissenschaftlich ist, oder weil er einfach jeden Gedanken vermeiden möchte, einmal vor Gott zu stehen. Wer gegen so ein Zeugnis anrennt, hat entweder sehr gute Gründe oder er hat gar keine Gründe. Er kann die Evangelien entweder ignorieren oder wird erst Frieden mit Gott finden, wenn er glaubt, dass Jesus für seine Sünden gestorben ist.
Erst dann wird der Gedanke an seine Auferstehung nicht von Angst sondern von Hoffnung bestimmt sein.

Ist der Buddhismus eine Religion?

Es gibt Begriff, die sind unklar und daher schwer zu definieren (z.B. „Globalisierung“, „gut“, „Freund“…). Andere können wir hingegen einigermaßen einfach definieren ( z.B. „Kugel“) weil wir eine klare Vorstellung von der bezeichneten Sache haben. Aber es gibt auch Fälle, in denen wir zwar einen klaren Begriff haben, aber zu einer Definition kaum imstande sind. Z.B. wenn wir die eigenwillige Wohnung von Siggi beschreiben wollen und jeden einzelnen Gegenstand noch vor uns sehen und einem dritten erklären wollen, wie die Wohnung so ist. Dann haben wir das Gefühl, es liegt uns auf der Zunge, aber da liegt garnichts, und so sagen wir schließlich: „sie ist einfach typisch Siggi!“
Und jeder, der Siggi kennt, weiß, was gemeint ist. Wer ihn nicht kennt, hat natürlich keine Ahnung. Er würde an der Wohnung natürlich auch nichts typisches entdecken und fände vermutlich noch nicht einmal einen Begriff, unter dem er die Wohnungseinrichtung gut fassen könnte.

Das ist ein Beispiel für einen Fall, in dem man einen Gegenstand nicht über seine Eigenschaften definieren kann, sondern ihn über die Eigenschaften eines Dritten definieren muss.
Jeder, der schon mal verliebt war, kennt das Gefühl, durch alle möglichen Personen oder Gegenstände an den geliebten Menschen erinnert zu werden, wo ein Außenstehender keine Chance hätte, diese geheime Verbindung der Dinge und Personen zu erkennen. Bei der einen erinnert ihn die Stimme, bei der anderen vielleicht die Form der Fingernägel oder sogar ihr Auto an sie.

Und genau dieser Fall scheint mir auch bei dem Begriff „Religion“ vorzuliegen: jeder hat eine ziemlich klare Vorstellung davon und hat vielleicht sogar den Eindruck, es könne nur eine Formsache sein, hier noch eine Definition zu finden. Und erst bei näherem Hinsehen fällt auf, dass es kein Element gibt, dass alle gemeinsam haben. Es sei denn, man formuliert es so vage, dass der Begriff nicht mehr von einer „Weltanschauung“ zu trennen und letztlich uninteressant ist.
Für dieses Phänomen ist es die naheliegendste und beste Erklärung, von einem Urbild auszugehen, also einer Religion, die gleichsam zum Modell für jede sogenannte „Religion“ wurde, weil sie alle Gedanken, die auch in anderen Religionen auftauchen, in der klarsten Weise enthält.

Ich möchte dies anhand des Buddhismus etwas ausführlicher zeigen:
Der Buddhismus bereitet dem Definitionssucher eine besondere Schwierigkeit, weil er keinen Gott kennt und auch kein Jenseits, wie wir es verstehen. Denn „Jenseits“ drückt die Trennung und Unterscheidbarkeit von einem Diesseits aus, die der Buddhismus m.W. so nicht kennt.
Und dennoch zögert kaum jemand, den Buddhismus als Religion zu bezeichnen. Warum? Weil er dem Christentum ähnlich sieht. Das mag auf den ersten Blick überraschen, aber wenn man aus dem Christentum den persönlichen Gott wegdenkt, erhält man eine Religion, die dem Buddhismus sehr ähnlich sieht, und zwar ähnlicher als jede polytheistische Religion.
Das Gebet wird dann zu einer Übung, bei der der Gläubige keinen Kontakt mit einer Person sucht, sondern bemüht ist, die vermeintliche Pespektive eines Gottes selbst einzunehmen, der das Wesen aller Dinge versteht und so zur Erleuchtung gelangt. Aus dem Gebet ist die Meditation geworden. In beiden Fällen nimmt die Seele für eine Zeit Urlaub vom Leben auf der Erde und erhält einen kleinen Vorgeschmack von dem oder auf das, worauf ihre Hoffnung ruht.

Nimmt man der christlichen Ethik den persönlichen Gott, wird aus dem moralischen Anspruch eine mechanische Konsequenz. D.h. negative Konsequenzen kommen nicht aus dem Zorn Gottes, sondern aus dem Handeln des Menschen. Sie sind keine „Strafe“ sondern „Folge“, mechanisch, notwendig und vor allem unpersönlich.

Dadurch entsteht aber das Problem, wie man mit dem Versagen des Menschen umgeht, denn Gnade kann es im Buddhismus nicht geben. Die Lösung bietet die Wiedergeburt, bei der jeder Mensch in beliebig häufiger Folge zum perfekten Menschen werden kann. Im Christentum kennen wir diese Konzeption aus der Katholischen Kirche. Auch hier wurde das Heil Gottes mechanisiert und zu einem Heils-Algorithmus pervertiert, der für Gott wenig Raum ließ. Das Problem der fehlenden Gnade löste man hier durch die Erfindung des „Fegefeuers“, bei dem die schlechten Taten noch weggebrannt werden können, bevor die Seele des Gläubigen dann zu guter Letzt doch noch in den Himmel kann. Der Buddhismus hat das Fegefeuer hingegen auf die Erde verlegt und lässt den Menschen hier für seine Vergehen büßen, bis der Mensch vollkommen und – wie ein Christ sagen würde – „heilig“ ist.

Für einen Christen bietet der Buddhismus daher einen sehr großen Wiedererkennungeffekt und er wird ihn als Religion bezeichnen, ohne vielleicht genau zu wissen, wieso. Bei anderen Religionen ist der Vergleich noch einfacher, weil sie meistens die Verehrung eines Gottes kennen und sich mit der Frage nach Schuld und Sühne, Güte und Jenseits beschäftigen.

Es ist daher nicht erstaunlich, dass die Religionswissenschaft auf christlichem Boden – wenn auch nicht von Christen – entwickelt wurde. Denn das Christentum bietet zwar kein genuines Interesse an dem Religionsvergleich, aber es bietet das Urbild, durch das überhaupt der zu erforschende Gegenstand erkennbar wird.
Wieviel Vergnügen einem Christen allerdings die Beschäftigung mit anderen Religionen, zeitgenössischen und antiken, bietet, werde ich vielleicht in einem weiterem Beitrag zeigen.

Wie glaubwürdig ist der Mann, der sich mit „ozeangleiche Weisheit“ anreden lässt?

Seine Jünger nennen ihn „Dalai Lama“ und sogar Spiegelreporter reden ihn mit „Seine Heiligkeit“ an. Ich bleibe bei seinem bürgerlichen Namen Tenzin Gyatso.

Nach buddhistischer Lehre hat Tenzin schon unzählige Leben hinter sich und ist nun bei der höchsten Weisheit angelangt. Diese Eigenschaft macht ihn bekanntlich nicht nur zum religiösen sondern auch zum politischen Oberhaupt Tibets. Früher nannte man das „König“, heute „tibetisches Oberhaupt“ und die Regierungsform heißt eigentlich „Theokratie“, oder? egal. Genaugenommen ist er ein „Friedensbotschafter“ (frühere Bezeichnung: „Exilkönig“), denn die Chinesen lassen ihn nicht ins Land, weil sie meinen, ein modernes Land brauche beispielsweise eine Eisenbahn dringender als einen König. Zur Eisenbahn sagt Mr. Weisheit in einem Spiegelinterview:
„Nach ihrer Eröffnung im vorigen Juli kommen nach unseren Informationen jeden Tag 5000 bis 6000 Chinesen nach Tibet, von denen nur 2000 zurückkehren. Sogar Prostituierte und Bettler lassen sich in Tibet nieder. Wir werden in die Ecke gedrängt, überfremdet – was da stattfindet, ist eine Art kultureller Völkermord.“

http://tibet-initiative.de/frames.html?Seite=/Kap9/9-4/Kap9_4-177.html

„Überfremdung“? Darf man in einem deutschen Interview so etwas sagen? Manche schon, wobei der Teil in der Presseschau allerdings nicht zitiert wurde. Nun muss sich Tenzin ja nicht mit deutscher politischer Korrektheit auskennen, aber die interessantere Frage ist doch, wie sich die Sorge vor Überfremdung mit dem von ihm gelehrten Mitgefühl zusammen denken lässt. Heißt „Mitgefühl“ nicht gerade, sich der Einheit mit der anderen Person im umfassendsten Sinne bewusst zu werden? Ist das nicht gerade die Lehre des Buddhismus? Wie kann man dann überhaupt jemanden als „fremd“ empfinden?
Diese Sorge rückt natürlich auch seine Toleranz in ein anderes Licht. Er ermutigt jeden, in seiner Religion zu bleiben und in seiner Kultur verwurzelt zu sein. Gut, diese Toleranz besitzen auch die deutschen Neonazis. Die haben nämlich nichts gegen Ausländer – sie wollen sie nur nicht in Deutschland haben. Gleichzeitig sieht Tenzin aber kein Problem darin, den Buddhismus zu verbreiten und damit andere Kulturen möglicherweise zu verändern. Mir solls recht sein, man darf sich dann nur nicht über die Chinesen beschweren. Wenn der Buddhismus zu den „missionierenden Religionen“ gezählt würde, müsste man hier glatt von „Mission“ sprechen. Also alle sollen bei ihrer Religion bleiben und sich mit Buddhismus beschäftigen? Nein, sagt er, Mitgefühl wäre die zentrale Botschaft in allen Religionen. Das stimmt im Christentum sicher nicht: hier geht es zunächst tatsächlich um die Errettung und das Leben nach dem Tod. Die Ethik wiederum ist nicht vom Mitgefühl, sondern von der Nächstenliebe bestimmt, die absolut nichts mit dem buddhistischen Mitgefühl zu tun hat! Auch hier klingt die Botschaft Tenzins versöhnlich und entpuppt sich erst bei näherem Hinsehen als große Heuchelei: alle dürfen in ihrer Religion bleiben (ja, sollen sie sogar!), wenn sie anfangen, buddhistisch zu denken. Denn wenn er erklärt, was Mitgefühl meint, wird sehr schnell klar, dass dieser Begriff im Zentrum des Buddhismus steht und keineswegs in allen Religionen übernommen werden kann.

Seine Politik ist nicht weniger verlogen: er predigt überall den Frieden und macht sich über Politiker lustig. Den Irakkrieg hätte er gewaltlos gelöst (Diese Fähigkeit kann er gerne beim nächsten Konflikt unter Beweis stellen) und seine einzige Mission ist das Überleben Tibets. Als kluger Mensch hat er schnell erkannt, dass Tibet eine gewaltsame Befreiung wohl kaum überleben würde und deswegen probiert er es mit starken Freunden. Hat sich irgend jemand mal die Frage gestellt, weshalb er im Westen über Tibet redet? Es ist wohl keine gewagte Unterstellung, wenn man davon ausgeht, dass er die wirtschaftliche und politische Macht des reichen Westens für seine politische Ziele verwenden möchte. Er befindet sich in einem Krieg und versucht andere dazu zu bringen, die Waffen für ihn einzusetzen – wobei er natürlich immer fein raus ist und jedes grobe Vorgehen verurteilen würde. Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, was daran tolerant oder friedlich sein soll.

Da er aber schlecht als Exilkönig hier aufkreuzen und sagen kann, er wolle wieder König in seinem kleinen theokratischen Bauernstaat werden, muss er die Heuchelei noch etwas weiter treiben. Er hat in Tibet (aus dem Exil) die Demokratie eingeführt und würde sogar einen weiblichen Nachfolger begrüßen. Man fragt sich nur, wieso die ozeangleichen Weisheiten vor ihm nich schon auf diese Ideen gekommen sind, wenn er sie ehrlich meint. Wieso hat er die Demokratie nich schon eingeführt, als er noch regierte? Wieso muss er nach tausenden von Leben erst in den Westen kommen, um so eine grundsätzliche Frage für sich zu klären?

Die Heuchelei Tenzins ist so offensichtlich, dass es in jedem anderen Fall geschmacklos wäre, darauf herum zu reiten. Hier scheinen aber selbst kritische Medien mit einer geradezu bewunderswerten Naivität begabt zu sein.

Um das Phänomen zu verstehen, muss man nach ähnlichen Fällen suchen: z.B. Gandhi. Auch er war im Westen auf friedlicher Kriegsmission und auch ihm lagen die Leute zu Füßen. Offenbar gibt es eine Schablone, in die die beiden hinein passen. Vielleicht ist es die Schablone vom alten weisen Mann aus der Ferne, der ganz anders aussieht und selbstbewusst, vielleicht auch frech genug, auftritt. Wenn man diese Rolle beherrscht, wird einem offenbar alles nachgesehen, man lebt gut, wird eingeladen und gehört, man kann seine politischen Interessen verfolgen und nebenbei auch sonst alles loswerden, was man über das Leben sagen möchte.

Mission und Courage

Der Buddhismus wird im Westen oft als Vorbild hingestellt, weil er nicht missioniert. Aber wenigen scheint bewusst zu sein, dass er aus den gleichen Gründen, die ihn von der Mission zurück halten, auch keine Courage fördert.

Im Buddhismus spielt sich alles Wesentliche im Inneren des Menschen ab: der Mensch hat den Zugang zur Wahrheit und die Fähigkeit sie zu entdecken in sich selbst. Das Nirwana wird durch Prozesse im Geist des Menschen angestrebt. Dies ist ein fundamentaler Gegensatz zum Christentum, in dem das Heil außerhalb vom Menschen, nämlich in Christus am Kreuz erworben wurde!
Für den Buddhisten gibt es folglich auch kein völliges Verlorensein, sondern nur eine mehr oder weniger große Erkenntnis bis hin zur Erleuchtung.

Das klingt für westliche Ohren sehr verlockend, hat aber mehrere Tücken: Wenn alle Menschen den gleichen Zugang zur Wahrheit haben, können sich die Menschen, die hier besonders viel entwickeln, etwas darauf einbilden und Bewunderung der anderen genießen – was im Christentum grundsätzlich verpönt ist, eben weil Erkenntnis ein Geschenk des Heiligen Geistes ist.
Ein weiteres Problem ist die faktische Nicht-Hinterfragbarkeit. Der Buddhismus betont zwar, grundsätzlich von jedem selbst durch Erfahrung bestätigt werden zu können, aber in der Praxis scheint kaum jemand die Buddha-Natur in seinem Leben zu erreichen und folglich auch nicht beurteilen, was Buddha über diesen Zustand lehrt. Durch ihre Heilige Schrift ist in Buchreligionen mehr Transparenz möglich.
Ein Problem, um das es hier aber vor allem geht, ist die mangelnde Courage. Umstände werden nicht verändert sondern die Leidensfähigkeit wird erhöht. Der Buddhist mag in der Meditation Gefühle der umfassenden Liebe und Vereinigung mit aller belebten und unbelebten Natur erleben – aber er setzt sich nicht für sie ein. Buddhisten behaupten oft, die geistige Grundlage für den Umweltschutz zu liefern, indem sie die Einteilung der Welt in Subjekt und Objekt negieren. Wenn der Mensch sich als Eins mit der Natur begreift, fehlt ihm tatsächlich der Grund, sie auszubeuten. Es fehlt ihm aber auch der Grund, sich für sie einzusetzen. Vgl. den Aufsatz von Lambert Schmithausen:
http://www.tibet.de/tib/tibu/2002/tibu61/61natur.html

Eine ähnliche Haltung hat der Buddhismus zur Politik. Er verdankt seine Verbreitung zwar im Wesentlichen dem politischen Willen verschiedener Könige, hat aber seinem Wesen nach kein großes politisches Interesse. Lange Zeit galt daher die Diktatur im Westen als die typische Staatsform, die man in buddhistischen Gesellschaften gefunden hat. Was kann ein Herrscher sich mehr wünschen als ein Volk, dass dem Leid durch Meditation entfliehen möchte?

Nun spielt „Sittlichkeit“ im Buddhismus aber durchaus eine Rolle. Von Buddha selbst werden einige anrüchige Handlungen aufgezählt, wie das Quälen anderer Lebewesen, die Ehe brechen, hochstapeln, neidisch sein etc. Aber das Ziel dieser Ethik ist nicht ein bestimmter Zustand, z.B. ein friedliches Zusammenleben oder die Sorge um andere Lebewesen, sondern:
„Sie soll überschießenden Egoismus dämmen und sie soll das Leben „kühl“, das Herz leicht und glücklich machen“. (Greschat, Die Religion des Buddhisten, 1980, S.133)
Eine Handlung wird nicht gelobt, weil sie nützt, weil sie aus Liebe oder Aufopferung geschieht (ein Begriff, der im Buddhismus schlichtweg unsinnig ist), sondern weil sie eine seelische Leistung darstellt, die einen guten Fortschritt in der Erkenntnis beweist.

Es gibt im Buddhismus also Sittlichkeit, die auch gegen die eigenen Begierden beachtet wird. Aber sie ist immer eine Dienerin des Erwachens, und dient keinem bestimmten Zweck. Etwas zu tun, um Umstände zu verändern, setzt die Unterscheidung von Subjekt und Objekt voraus. Ob man diese Unterscheidung verwendet, um seine Mitmenschen und die Umwelt zu unterdrücken, oder um ihr in aufopferungsvoller Liebe zu dienen, hängt dann möglicherweise noch von anderen Einstellungen ab.

Man wird also erwarten dürfen, dass der Buddhismus nicht mehr Einsatz zum Schutz der Umwelt bei den Menschen bewirkt, sondern dass stattdessen mehr über „Naturbewusstsein“, „ökologisches Denken“ und „Einssein mit der Natur“ geredet wird.

Und nebenbei bemerkt: selbstverständlich gibt es im Buddhismus auch Mission, auch wenn sie hier tatsächlich eine ungleich geringere Rolle spielt als im Christentum:
Während der ersten zwei Jahrhunderte nach Buddhas Tod war seine Jüngerschar nicht von der anderer Schulen zu unterscheiden. Erst durch Aschoka, Herrscher eines Großreiches, der sich zum Buddhismus bekehrte, wurde der Buddhismus generalstabsmäßig, gewaltsam und flächendeckend verbreitet und zur Staatsreligion. Dieses Vorgehen mag unbuddhistisch gewesen sein. Aber man darf nicht vergessen, dass es vorher keine Anzeichen für eine Entwicklung zur Weltreligion gab und dass wir uns vermutlich nur wegen dieser Phase überhaupt für den Buddhismus interessieren.
Und wer sich in den Buchläden umsieht, stellt fest, dass auch der sog. „Dalai Lama“ offenbar nichts gegen die Verbreitung seiner Lehre einzuwenden hat. Zwar gewaltfrei, aber das tun christliche Missionare auch. Zur Gewalt kam es auch hier vor allem, wenn ein Herrscher die Religion in die Finger bekam und mit seinen Mitteln der Verbreitung nachhalf.

Kritik an Ministerpräsident Koch: Festakt für Dalai Lama ein „Skandal“

Auf Kath.net kommt der hessische Unternehmer und Vorstandsvorsitzende des Evangeliums-Rundfunks (ERF) in Wetzlar JoachimLoh zuWort, der den hessischen Ministerpräsidenten Koch (CDU) heftig für seine Unterstützung für den Dalai Lama kritisiert.
Kritik an Ministerpräsident Koch: Festakt für Dalai Lama ein „Skandal“