Wer interessiert sich eigentlich für den Mittelstand?

Nach Adam Smith ist der Wohlstand des Mittelstandes das wichtigste Ziel der Politik, weil sein Wohlergehen der ganzen Gesellschaft nützt. Wer die Ober- und Unterschicht fördert, erreicht nur diese Schichten, aber es hat keinen positiven Streu-Effekt. In beiden Schichten versackt das Geld, während im Mittelstand dadurch Arbeitsplätze entstehen.
Deswegen ist es eigentlich wichtig zu fragen, welche politische Richtung sich für den Mittelstand einsetzt. Die FDP ist traditionell die Partei, die hier am Meisten zu bieten hat und der das Problem auch durchaus bewusst ist. Aber da sie gleichzeitig wirtschaftsliberal ist, kann sie der Ketten- und Konzernbildung nichts entgegensetzen und sieht achselzuckend zu, wenn kleine Geschäfte geschluckt werden.
Die Linke unterstützt denselben Prozess, weil in ihren Augen „Marktversagen“ immer dem Staatsmonopol in die Hände spielt. Der Mittelstand ist für sie nur ein lästiges Überbleibsel, eine nervende Übergangsform, die am Ende der kapitalistischen Wirtschaft ohnehin verschwunden ist. Und dem Zusammenbruch der Wirtschaft fiebert die Linke ja entgegen, weil sie darin ihre Legitimation sieht, den Staat als Allesbesitzer und -verwalter umzufunktionieren. Es wäre dämlich zu denken, es gehe ihr um die Armen. Dann hätte sie ja ein Interesse daran, Arbeitslose mit Arbeit zu versorgen. Die Politik der Linken war immer darauf ausgelegt, die Schwächen des Kapitalismus zu katalysieren und herauszustellen. Sie möchte Probleme nicht mildern sondern verschärfen. Eine verbesserte Arbeitsmarktpolitik liegt gar nicht in ihrem Interesse, weil der Weg zum Sozialismus – nach ihrem Geschichtsbild – auf diese Weise nur verzögert wird.
Der freie Markt bewegt sich aber in einzelnen Wirtschaftsbereichen auf das gleiche Ziel zu, nämlich die Konzentration auf wenige Giganten, die Großteile der Bevölkerung zu Arbeitnehmern macht. Soweit ich sehe, gibt es in Deutschland keine Partei, der ich Förderung und Schutz des Mittelstandes zutrauen kann. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Konservativ die Umwelt schützen

Viele kennen vermutlich schon die Seite, auf der Annie Leonard für eine grüne Umweltpolitik wirbt. Wer sie noch nicht kennt, sollte sie sich auf jeden Fall ansehen, denn sie ist ein kleines didaktisches Wunder und sehr unterhaltsam. Aber, wie alle didaktischen Wunder, eine gefällige Verkürzung.
Annie Leonard kommt zu dem bekannten Ergebnis, dass sich die weltweite Umweltzerstörung durch einen politischen grünen Weg abwenden lässt. Dieses Ergebnis hängt am Ende ihres Vortrages ziemlich haltlos, weil sie bis zu diesem Punkt eigentlich ganz gut die Akteure der Misere benannt hat: und das sind zu allererst die Konsumenten! Sie werden zwar von Unternehmen und deren Werbung verführt und von der Politik als Käufer betrachtet, aber sie sind es doch letztlich selbst, die sich verführen lassen. Wieso also wirbt sie am Ende für eine neue Politik?
Ganz einfach: weil alles andere eine Moralpredigt wäre. Sie müste Dinge sagen wie „Seid bescheiden“, „Macht nicht jede Mode mit“, „mäßigt eure Begierden“ etc… das klingt ziemlich christlich und deswegen ziemlich konservativ. Aber genau diese Forderungen sind das Einzige, was der Umwelt wirklich helfen kann. Es ist natürlich viel komfortabler, einfach zu kaufen, was man will und sich von seiner Wochenzeitung einreden zu lassen, dass die eigentlichen Bösewichter die Großkonzerne und Politiker sind – und welche Zeitung kann es sich schon leisten, ihre Kunden zu ermahnen? Aber die Triebfeder hinter der ausufernden Produktion von Müll ist eben das gedankenlose und gierige Kaufverhalten. Es gibt eine sehr kleine und elitäre Gegenbewegung wie den Versand „manufaktum“, der von einem grünen Unternehmer gegründet wurde. Und gerade das ökologisch korrekte Angebot dieses Kaufhauses sieht über weite Strecken einfach unglaublich konservativ aus. Vieles gehörte zum Alltag der 50er Jahre.
Das Ganze ist allerdings als Nobel-Kaufhaus angelegt und wird niemals die Massen versorgen können. Trotzdem zeigt es ganz anschaulich, dass ökologisches Konsumverhalten konservativ ist.
Die Politik wird keine Wunder vollbringen und keine Energiequellen auftun, die keine Nebenwirkungen haben. Umweltschutz beginnt nach wie vor mit so Banalitäten wie Auto stehen lassen, die alten Kleider auftragen, endlich auf Papier gedruckte Medien abbestellen (dafür gibt es mittlerweile wirklich keinen Grund mehr), technische Geräte so lange wie möglich reparieren lassen und nicht einfach zu ersetzen, etc… klingt ziemlich spießig. Viel spießiger, als sich weltmännisch über den Green New Deal auszulassen.
Von Politikern wird man so etwas nicht hören, weil sie ihre Arbeit gerne aufgewertet sehen. Von den Medien ebenfalls nicht, weil die Leser Kunden sind und keine Moral-Predigten hören wollen. Wer Umweltschutz wirklich ernst nimmt, drückt das nicht über sein Wahl- sondern über sein Konsumverhalten aus. Der Kern des Problems ist nicht die falsche Parteizugehörigkeit oder das falsche Weltbild, sondern eine Menge kleiner falscher Entscheidungen der Haushalte.

Es ginge auch anders…

Die Grünen haben ihr Wahlprogramm verabschiedet und wenig Überraschendes zu bieten: mehr Steuern, mehr Schulden (20 Milliarden), mehr Staatsquote, mehr Staat. Und 1 Million Arbeitsplätze.
Jetzt hat die Partei „Die Linke“ nachgezogen und das Paket noch übertroffen: sie möchte gerne 100 Milliarden investieren, die Steuern noch stärker anziehen und bietet dafür 2 Million Arbeitsplätze.
Selbstverständlich enstehen ein Großteil der Arbeitsplätze bei Grünen und der Linken im öffentlichen Sektor und hängen direkt von öffentlichen Investitionen ab.
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Obama setzt sich für staatliche Abtreibungsförderung ein

Obama hat gleich in den ersten Tagen seiner Amtszeit eine Verordnung seines Vorgängers außer Kraft gesetzt, nach der Organisationen, die Abtreibungen durchführen oder unterstützen keine staatliche Förderung erhalten sollen. Das ist nicht besonders erstaunlich, weil die Haltung zur Abtreibung in Amerika zu einem wichtigen Mittel der politischen Profilbildung geworden ist. Erstaunlich ist vielleicht, wie eilig Obama es mit diesem Thema hatte. Aber es wäre falsch, Obama jetzt als Hauptursache für das ganze Grauen anzusehen, dass durch dieses neue Gesetz für Millionen von Kindern entsteht, denn der Bedarf nach Kindestötungen besteht offensichtlich auch unabhängig von Obama und war schon vor seiner Wahl ein klarer Auftrag seiner Wähler. Mit Clinton überbot er sich regelrecht darin, wer die liberalere Abtreibungspolitik verfechten würde.

Wie kommt es eigentlich, dass gerade in den reichsten Nationen der Welt scheinbar so viele Frauen in Not sind, dass sie keine andere Lösung mehr sehen, als ihre eigenen Kinder zu töten? Die Entwicklungsländer haben hier traditionell eine viel konservativere Vorstellung. Und auch in den Industrienationen sind es nicht unbedingt die ärmsten Frauen, die sich für Abtreibung stark machen sondern die reiche bürgerliche Mittel- und Oberschicht. Die Armen treiben zwar auch viel ab, aber sie sind nicht die Gruppe, die sich laut dafür stark macht. Früher galt es als Zeichen der größten Verzweiflung, wenn Eltern ihre eigenen Kinder aufaßen, was z.B. in Zeiten der Belagerung durchaus vorkam. Heute scheint es ein Zeichen des Wohlstandes zu sein. Vielleicht stimmt es auch, dass größte Armut und größter Reichtum eine ähnlich starke Gier in den Menschen wecken. Damit könnte man zumindest auch erklären, weshalb sich die Grünen und die SPD in ihrer Regierungszeit so für eine Regelung stark gemacht hatten, die gerade die wohlhabenden Eltern finanziell stark für jedes Kind belohnt, während die Armen erheblich weniger Geld bekommen sollten. Vielleicht muss die Wirtschaft wirklich erst zusammenbrechen, bevor die Menschen im Westen sich wieder Kinder leisten können.

Grundlagen einer christlichen Wirtschaftsordnung

Die Finanzkrise und die zu erwartende Rezession haben tiefgreifende Zweifel an unserer Wirtschaftsordnung geweckt – die allerdings auch nicht sehr tief geschlafen haben. Die Vorschläge sind aber alle altbekannt und bewegen sich auf einer Skala, auf der die Lenkmöglichkeiten des Staates stufenlos gesteigert oder gesenkt werden. Da unsere derzeitige soziale Marktwirtschaft sich irgendwo zwischen den Extremen bewegt, bewegen sich beide Lager zu den Extremen und fordern entweder den Sozialismus oder die völlige Freigabe des Marktes.

Aber sind das wirklich die Alternativen? Muss man sich auf dieser Skala bewegen, auf der man sich nur zwischen Elend der Armen und Diktatur entscheiden kann oder einer beliebigen Mischung aus beidem?
Der Sozialismus verhindert jedes wirtschatliche Denken sowohl bei Bürgern als auch bei der Regierung, die irgendwie alle in kürzester Zeit bettelarm sind. Und in der freien Marktwirtschaft gibt es keine effektiven Mittel gegen die Kapital-Akkumulation, die wiederum die wirtschaftlichen Freiheiten der Ärmsten empfindlich beschneidet. Denn egal was man produzieren will, es gibt immer irgendwo ein Unternehmen dafür, dass jedes Gut zu einem Bruchteil des Preises in perfekter Qualität vertreibt. Wer sich selbstständig machen will kann in der Regel nicht viel mehr als seine Arbeitskraft anbieten und die ist nicht mehr viel wert, weil alle wichtigen Güter schon billig mit wenig Personalaufwand produziert werden. Die Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung sind dabei die Banken, die das nötige Kapital zu Verfügung stellen. Unsere Wirtschaft lebt davon, dass Zinsnahme akzeptiert ist, was ja bis zur Reformation in Europa nicht der Fall war. Mit dem Geld steht dem Markt daher ein Gut zu Verfügung, das theoretisch unbegrenzt vermehrt werden kann, unabhängig von der technischen Entwicklung und der Arbeitskraft der Menschen ist. Es kann ohne nennenswerte Verzögerung um den Globus wandern und das in unbegrenztem Ausmaß. Da dieses Gut aber gleichzeitig das anerkannte Tauschmittel gegenüber allen anderen Gütern ist, nimmt der ganze Markt die Eigenschaften des Geldes an: jedes noch so große Unternehmen kann auf der ganzen Welt gekauft werden und eine beliebig große Menge kann sich theoretisch auf eine beliebig kleine Bevölkerungsgruppe konzentrieren. Durch die Finanzwirtschaft wird das Wirtschaftsleben erst leichtflüssig. Alle Eigenschaften des freien Marktes werden auf dem Gebiet der Geldwirtschaft ins Unbegrenzte gesteigert. Wenn es in der Wirtschaft gilt, dass derjenige mit dem höheren Kapital auch bessere Verkaufschancen hat, dann gilt das für das Geld im engeren Sinn noch mehr. Hier besteht ja die ganze Leistung in nichts anderem als darin, Geld zu besitzen. Je mehr man hat, desto mehr kann man damit verdienen (wenn man davon ausgeht, dass so Einflüsse wie Talent und Glück in der Bevölkerung einigermaßen nach dem Zufallsprinzip verteilt sind). Und zwar nicht nur beliebig viel sondern auch fast beliebig schnell – je mehr desto schneller. Das Ganze funktioniert naturgemäß nur eine zeitlang, wie man sich an einer einfachen Rechnung veranschaulichen kann, auf die mich ein Freund gestoßen hat: stellen wir uns vor, ein Vorfahre von uns hätte zu Lebzeiten Jesu einen Cent auf sein Sparbuch gezahlt und dort mit 2,5% verzinst. Was könnten wir dann heute erben? Mehrere Tausend €? Nein. Die korrekte Zahl lautet: 28.036.951.059.598.430.000,00 € (nach 2000 Jahren Laufzeit). Das ist ein Vielfaches des gesamten auf der Welt verfügbaren Geldvolumens. Es ist völlig offensichtlich, dass Zinsnahme daher nur für kurze Laufzeiten funktioniert und die Realität den Finanzmarkt in regelmäßigen Abständen in Form von Inflationen, Revolutionen, Kriegen und Währungsreformen einholen muss. Man darf sich über so etwas nicht wundern.

Als ich diese Zahl gehört habe, habe ich zum ersten Mal verstanden, wie klug es von Gott war, Zinsnahme zu verbieten… Mit diesem viel belächelten Mittel hat er nicht nur die Ausbeutung der Armen verhindert sondern auch dem Markt eine potente Schranke verpasst. Außerdem verbot er den Israeliten, ihren Grundbesitz zu verkaufen, der am Anfang gleichmäßig an die Sippen aufgeteilt wurde. Auf diese Weise hat er verhindert, dass eben jenes Gut, von dem es eben nur eine begrenzte Menge gibt – nämlich den Boden – , sich in den Händen weniger anhäuft (dass dies dann doch geschah, lag daran, weil sich offenbar viele nicht an dieses Verbot gehalten haben). Selbst der dümmste und faulste Mensch hatte so immerhin noch ein Grundkapital, dass ihm bei dem nötigen Fleiß ähnliche Verdienstchancen ermöglichte wie allen anderen.

Mit dieser Gesellschaftsordnung ist nicht der Staat der Lenker des wirtschaftlichen Geschehens sondern jeder Einzelne bzw. jede Familie. Durch die einfachen und überwachbaren Sanktionen, dass kein Grundstück verkauft werden und keine Zinsen erhoben werden dürfen, wird wirtschaftliches Arbeiten ermöglicht ohne die Gefahr einer unbegrenzten Kapitalakkumulation. Statt einer Revolution bräuchte man dann nur eine „Flurbereinigung“ wie sich in der Landwirtschaft ohnehin in regelmäßigen Abständen und unter viel Gezank nötig ist. Alles Land würde unter den Familien aufgeteilt. Damit es aber nicht zu einer Aufteilung des Landes käme, die wieder die Lebensbedingungen innerhalb von wenigen Generationen vernichten, müsste man den Erbbesitz auf ein Kind (im AT der älteste Sohn) beschränken, das dafür für seine alten Eltern sorgen und seine Geschwister mit der Hälfte des Besitzes auszahlen muss.

Darüber hinaus gibt es im AT noch weitere Gesetze, die vor allem den Armen schützen sollten. Niemand sollte um sein lebesnotwendiges Kapital gebracht werden. Auf die entsprechenden Regeln will ich hier aber nicht im Einzelnen eingehen.

Die Vorstellung, dass der freie Markt sich von selbst reguliert und dabei allen den größten Nutzen bringt, ist der Evolutionstheorie entlehnt (die im gleichen Jahrhundert entwickelt wurde) und funktioniert weder in der Theorie noch in der Praxis. Denn so wie die Evolutionstheorie kalt einfach mit dem Tod der meisten Tiere rechnet, so rechnet der Markt mit dem Untergang der Ärmsten.

Man liest wieder Marx

Zeitweise war „das Kapital“ von Karl Marx seit der Finanzkrise vergriffen. Die Marxisten freuts und wir fragen uns: was erkennt man daran?
Interessieren sich die Deutschen jetzt auf einmal für volkswirtschaftliche Zusammenhänge? Dann gäbe es sicher Bücher, die ihnen hier besser weiter helfen könnten. Nein, die ernüchternde Antwort ist wohl eher, dass sich hier ein urdeutscher Reflex zeigt, der alle Hilfe vom Staat erwartet. Dieser Reflex funktioniert flächendeckend, schichtenübergreifend, altersunabhängig und unter dem Wohlwollen praktisch aller deutscher Medien.
Ich habe ja schon an anderer Stelle etwas darüber gelästert, dass ein Staat, der selbst kein Geld besitzt, den Finanzmarkt retten möchte. Besonders bizarr ist dieses ungebrochene Vertrauen aber wenn man bedenkt, dass gerade der deutsche Staat die seltene Leistung vollbracht hat, in einem einzigen Jahrhundert gleich zweimal bankrott zu gehen: nämlich 1923 und 1948 (Quelle: Wikipedia). Der marxistische Teil Deutschlands war dann in den 80er Jahren noch ein drittes Mal und nach nur etwa 40 jährigem Bestehen zahlungsunfähig. Woher kommt also das ungebrochene Vertrauen der Deutschen? Oder ist er doch nicht auf Deutschland beschränkt?

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Aphorismen zur Faulheit

Wer Faulheit rügt, hat heute keine Chance mehr, eine Wahl zu gewinnen. Wer klug ist, lässt sich von solchen Stimmungen nicht beirren, denn niemand rettet den Faulen aus seinem Elend.
Das Thema „Faulheit“ taucht in der Bibel vor allem im Buch der „Sprüche“ (oder „Sprichwörter“) auf und ist im Rahmen der Weisheitslehre eine Warnung – die eben weise machen soll. Hier ein paar Beispiele für zwischendurch:

„Der Faule spricht: Ein Junglöwe ist auf dem Weg, ein Löwe mitten auf den Plätzen!

Die Tür dreht sich in ihrer Angel und der Faule auf seinem Bett.

Hat der Faule seine Hand in die Schüssel gesteckt, ist es ihm zu beschwerlich, sie an seinen Mnd zurückzubringen.

Der Faule ist in seinen Augen weiser als sieben, die verständig antworten.“

(Spr. 26, 13-16)

Die Sinus-Milieus® in Deutschland

Eine sehr differenzierte Einteilung der sozialen Milieus bieten die Sinus-Milieus®. Folgende Bevölkerungsgrupierungen wurden durch eine detailierte jährliche Fragebogenaktion über 25 Jahre hinweg isoliert:

Konservative 5%
„Das alte deutsche Bildungsbürgertum: konservative Kulturkritik, humanistisch geprägte Pflichtauffassung und gepflegte Umgangsformen“
Traditionsverwurzelte 14%
„Die Sicherheit und Ordnung liebende Kriegsgeneration: verwurzelt in der kleinbürgerlichen Welt bzw. in der traditionellen Arbeiterkultur“
DDR-Nostalgische 5%
„Die resignierten Wende-Verlierer: Festhalten an preußischen Tugenden und altsozialistischen Vorstellungen von Gerechtigkeit und Solidarität“
Etablierte 10%
„Das selbstbewusste Establishment: Erfolgs-Ethik, Machbarkeitsdenken und ausgeprägte Exklusivitätsansprüche“
Bügerliche Mitte 15%
„Der statusorientierte moderne Mainstream: Streben nach beruflicher und sozialer Etablierung, nach gesicherten und harmonischen Verhältnissen“
Konsum-Materialisten 12%
„Die stark materialistisch geprägte Unterschicht: Anschluss halten an die Konsum-Standards der breiten Mitte als Kompensationsversuch sozialer Benachteiligungen“
Postmaterielle 10%
„Das aufgeklärte Nach-68er-Milieu: Liberale Grundhaltung, postmaterielle Werte und intellektuelle Interessen“
Moderne Performer 10%
„Die junge, unkonventionelle Leistungselite: intensives Leben – beruflich und privat, Multi-Optionalität, Flexibilität und Multimedia-Begeisterung“
Experimentalisten 8%
„Die individualistische neue Bohème: Ungehinderte Spontaneität, Leben in Widersprüchen, Selbstverständnis als Lifestyle-Avantgarde“
Hedonisten 11%
„Die spaßorientierte moderne Unterschicht / untere Mittelschicht: Verweigerung von Konventionen und Verhaltenserwartungen der Leistungsgesellschaft“

Eigentlich dachte ich spontan, ich müsse mich bei den Konservativen wiederfinden. Jedoch weit gefehlt … dort halten sich eher die pensionierten Gymnasiallehrer im Lodenmantel auf. Letztendlich fand ich mich in der bürgerlichen Mitte wieder … beruflich etabliert und vor allem familienorientiert …

Auf der Basis der Sinus-Milieus® wurden inzwischen auch schon interessante Zukunftszenarios entwickelt. Interessanterweise gibt es genau drei Szenarien:
– ein neoliberales
– ein sozialdemokratisches …. und
– ein grünes … ähem … postmaterielles

Diese werden in der Presse rezipiert und durchventiliert:

1. Manager-Magazin: „Bedrohte Mitte“
… mit einem neoliberalen Zukunfstszenario
http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,395920,00.html
Zitat: „In einem deregulierten Deutschland sind die modernen Performer die Gewinner. Sie rücken in die Mitte der Gesellschaft. Ihr Lebensstil wird zum neuen Mainstream, dem die Angehörigen anderer Milieus, so gut es geht, nacheifern. … Doch unter dem Regiment der modernen Performer ginge den Deutschen auch vieles verloren. Chibesakunda wird wahrscheinlich niemals eine Handballspielgemeinschaft leiten. Und es muss noch einiges passieren, damit er zwei Kinder großzieht.“

2. Spiegel: „Wir werden Deutschland“
… Das „postmaterielle“ Metamorphosis-Szenario
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,423043,00.html
Zitat: „Im Jahr 2020 haben die Menschen eine Art kollektives Bewusstsein entwickelt … Zukunftsforscher glauben, dass das Modell der Kleinfamilie im Jahr 2050 vom Schwarm, der aus dem selbstgewählten Freundeskreis besteht, endgültig abgelöst sein wird.“

Offensichtlich sind beide Szenarios nicht gerade familien- und kinderfreundlich … jedenfalls aus meiner … zugegebenermaßen beschränkten Sicht der „bürgerlichen Mitte“!

Was völlig ausgeklammert wurde ist die Renaissance von Christentum, Islam und fundamentalistischen Atheismus … Aber davon gelegentlich mehr!

Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger

Das Vermögen des verlorenen Sohnes

Das Gleichnis „Vom verlorenen Sohn“ (Lukas 15, 11-32) dürfte einer der bekanntesten Texte des Neuen Testamentes sein. Ich möchte hier nur auf einen Aspekt eingehen, der auch eine politische Bedeutung enthält: das Vermögen des verlorenen Sohnes. Die Geschichte kennt nicht nur die Phase, in der es dem Sohn gut ging, solange er bei seinem Vater war, und die Phase, wo es ihm in der Fremde schlecht geht, sondern sie enthält eine Phase, in der es ihm getrennt von seinem Vater sogar gut ging – und zwar unglaublich gut. Nachdem er sich sein ganzes Erbe vorzeitig auszahlen ließ und davon zog, „weg in ein fernes Land“, vergeudete er sein Vermögen, „indem er verschwenderisch lebte“. Das ist nichts, was Jesus noch umständlich ausführen müsste, weil jeder weiß, wie ein verschwenderischer Lebensstil der Reichen aussieht. Der Sohn zählte eine Zeit lang zu den reichen im Lande. Er musste nicht arbeiten, konnte großzügig sein und sich so eine angenehme und lustige Gesellschaft sichern. Er lästerte über die erniedrigende Arbeit bei seinem Vater und die vielen Regeln, die auf einem Hof einzuhalten waren. Und seine Freund hörten seine lästerlichen Reden sicher gerne und genossen seinen lockeren Umgang mit Geld. Er war für viele ein Vorbild und lockte sicher auch ärmere an, die glaubten, bei ihm neben dem Geld auch den gleichen verschwenderischen Lebensstil annehmen zu können. Er war bekannter als zuvor, genoss größeres Ansehen bei den Menschen und vor allem hatte er mehr Sex (V.30).

Aber egal wie verlockend man sich diese Phase ausmalt, sie behält für den Leser immer einen drohenden Unterton, denn jeder Mensch, der auch nur halbwegs bei Sinnen ist, weiß, dass dieser Lebensstil ein Leben aus der Reserve ist – ohne die Hoffnung, diese wieder auffüllen zu können. Und das Gleichnis nimmt dann seinen vorhersehbaren Verlauf. Und es endet – für alle, die es doch nicht kennen – sehr unvorhersehbar.

Mit dieser Phase des verschwenderischen Wohlstandes hat Jesus den Zustand eines Menschen gekennzeichnet, der sich vom Glauben lossagt und „weit weg“ von seinem himmlischen Vater leben will. Diesem Menschen wird es nicht nur eine ganze Weile gut gehen, sondern es wird ihm vielleicht eine Weile besser gehen als denen, die nicht fortgelaufen sind. Und es geht ihm auch besser als den meisten, die nie Christen waren, denn er kann den Reichtum seines Vaters mit vollen Händen verprassen. Ich habe mich gefragt: Stimmt das denn? Kann man das über Ex-Christen sagen? Womit „prassen“ sie denn?
Die Frage ist nicht von der Hand zu weisen, denn das Gleichnis hätte auch ohne diesen Reichtum funktioniert: der Sohn hätte sich doch auch ohne das Geld seines Vaters absetzen und in Armut geraten können. Was mag Jesus mit dem Geld gemeint haben?

Als Erstes musste ich an den tatsächlichen Reichtum in christlichen Kulturen denken. Durch die christliche Arbeitsmoral und das Verhältnis zur Welt, sind christliche Kulturen durchgehend reicher als nicht-christliche. Und selbst in Ländern, die sich vom Christentum abwenden, wird der Reichtum vermutlich noch ein paar Jahrzehnte vorhalten, bis er endgültig verprasst, verteilt und vernichtet ist. Ein weiteres Gut ist die Prägung eines Volkes: auch ein Mensch, der sich als Atheist betrachtet, wird nicht gleich sein von seine christliche Prägung abschütteln sondern weiter arbeiten und zu einem großen Teil auch die gleichen Werte übernehmen, die er von seiner christlichen Umgebung gelernt hat – natürlich nicht, ohne sie anders zu begründen.
Wie lange so ein Abbau dauert, kann wohl niemand vorhersagen. Aber eins ist sicher: wenn die Grundlagen des Reichtums versiegt oder verstopft sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Reichtum erschöpft ist. Es wäre daher töricht, Länder danach zu beurteilen, unter welchen Umständen sie ihren Reichtum leben, man muss vielmehr danach fragen, unter welchen Umständen sie reich geworden sind.

Die Beispiele bezogen sich bisher allerdings nur auf Gesellschaften und beschrieben Entwicklungen, die nicht immer auf das Schicksal eines Individuums übertragen werden können. Es gibt genug Menschen, die nach ihrer Abkehr vom Christentum weder mehr noch weniger Geld haben, die ihr Leben mehr oder weniger unverändert lassen oder sich nach ihrer Abkehr von Gott in die Gosse stürzten.
Es gibt aber noch eine dritte Deutung für den Reichtum des verlorenen Sohnes, der sich auch sicher auf den einzelnen Menschen übertragen lässt, der sich vom Christentum entfernt, und das ist der geistliche Reichtum. Jeder Christ, auch wenn er nicht gerade in einer Hoch-Phase seines Glaubens steckt, weiß um die Hoffnung auf das ewige Leben und den unglaublichen Reichtum, der in dem Wissen verborgen liegt, das David in Psalm 16,5 beschreibt, wenn er singt: „Der Herr ist mein Gut und mein Teil“. Denn wie sollte Gott uns nicht auch alles von seinen Gütern geben, die ihm gehören, für den die Erde nur der Fußschemel seiner Füße ist?
Jemand, der vor Gott flieht und diese Hoffnung geschmeckt hat, wird dies wohl oft in der Hoffnung tun, dadurch sein Leben einfach von verschiedenen Pflichten und Lasten zu befreien, aber er will den Reichtum seines Vaters mitnehmen. Und dann muss er erleben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis bei ihm die Erkenntnis durchsickert, dass nichts davon bleibt, weil er es mit beiden Händen vergeudet hat.
Aber selbst dann kann er sich noch an seinem nach-christlichen Umfeld mitziehen lassen, und sich und andere glauben machen, dass er keine Angst vor dem Tod habe und natürlich keine Angst vor Gott haben müsse.
Doch auch wenn der geistliche Reichtum einer ganzen Gesellschaft langsamer abgebaut wird als im Leben des Einzelnen, wird er auch hier und vielleicht sogar um so gründlicher abgebaut. Zur Zeit leben wir noch in einer Phase, in der die Menschen mit nicht-christlichen Überzeugungen und heidnischen Religionen eher spielen. D.h. sie übernehmen bestimmte Kulte in dem Wissen, jederzeit wieder in ihr altes bürgerliches, nach-christliches Leben zurückkehren zu können. Noch deutlicher ist die offensichtliche Übereinstimmung dieser vermeintlich alten Kulte mit der modernen political correctness, die sie eher wie am Reißbrett entworfen erscheinen lässt. Eine wirkliche Religion werden sie erst dann, wenn ihre Anhänger nicht mehr das Gefühl haben, sich einen Glauben nach ihren Vorstellungen zu entwerfen, sondern zu dem Gefühl, dem woran sie glauben, unterworfen zu sein auf die Überzeugung kommt.
Sie kaufen Bücher, in denen christliche Werte systematisch verworfen werden, ohne diese doch selbst wirklich konsequent zu verwerfen – das wäre ein zu starker Schlag gegen ihre Prägung. Aber es wird wohl die Zeit kommen, in der die Phase des Vergeudens vorbei ist. Und viele Neu-Heiden werden dann zum ersten Mal wirkliche Angst vor ihren Geistern erleben und sie werden sich an Rituale gewöhnen, die zur Besänftigung der Geister dienen sollen, vor denen ihnen jetzt noch schaudern würde. Das Gefühl, Religion müsse sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen ist ein Wahn des Überganges, in dem gleichzeitig noch die Sicherheit des christlichen Reichtums gefühlt aber das Christentum selbst abgelehnt wird. Im Christentum gibt es keinen Grund zur Angst vor bösen Geistern, weil Christus Herr über die Geister ist. Diese Furchtlosigkeit herrscht jetzt auch noch bei denen vor, die eigentlich nicht mehr an Jesus glauben und mit dem Geisterglauben nur spielen. Aber dieses Erbe wird eines Tages eschöpft sein – bei dem einen früher, bei dem anderen später.
Und vielleicht müssen wir als Christen bis zu diesem schrecklichen Tag abwarten, weil erst dann Menschen in Europa wieder die einzige notwendige Botschaft hören wollen von dem Gott, der seinen Sohn Mensch werden ließ, um durch ihn die Sünden der Welt weg zu nehmen.

Die Linke

Wieviele mögen bei der Parteigründung der Linken gedacht haben „Endlich gibt es wieder eine Partei, die meine Interessen ernst nimmt und mir ein hohes Grundeinkommen sichert“. Andere hatten vielleicht eine höhere Besteuerung von großen Unternehmen im Sinn, aber ich bezweifel doch ernsthaft, dass die Wähler der Linken langfristig enteignet werden wollten. Aber eben hierzu, und vor allem zur Enteignung „kleinen und mittleren Eigentums“ bekannte sich der Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Dieter Dehm, wie die FAZ berichtet.
Die FAZ bezieht sich dabei auf einen Text von Dehm aus dem Jahre 2001:
Dehm erklärt hier, inwiefern und weshalb der Kommunismus gescheitert ist und wie ein moderner Kommunismus aussehen sollte. Er möchte bei dem nächsten Anlauf noch für längere Zeit das kapitalistische Wirtschaften kleiner und mittlerer Betriebe zulassen, aber, wenn ich ihn richtig verstehe, dies als Vorlauf für einen in ferner Zukunft liegenden richtigen Kommunismus sehen, in dem es dann überhaupt kein privates Eigentum mehr gibt. Durch diese Vorbereitung der Menschen, sollen die genannten „Ängste vor Enteignung“ abgebaut werden, indem man zunächst nur die großen Betriebe und Konzerne verstaatlicht.

Sollte es Wähler geben, die wirklich genau das, also ihre eigene Enteignung, wollten, dann möchte ich sie an dieser Stelle ohne jede Ironie darauf hinweisen, dass das kommunistische Ideal im privaten Rahmen m.W. auch in der BRD verwirklicht werden kann. Es steht jedem frei, sich in einer Kommunität zusammen zu schließen und einfach mal auszuprobieren, wie gut man ohne privates Eigentum zurecht kommt. Wer aber sein Eigentum behält und die Eigentumslosigkeit propagiert, ist ein Heuchler. Und wenn sich jemand schon selbst nicht überzeugen kann, wieviel weniger wird er ein ganzes Land überzeugen. Es ist daher in der Heuchelei der Grund für die Diktatur gelegt. Und Kommunismus, der auf der politischen Ebene erst beginnt, ist immer Heuchelei.