Spiritualität in der Naturmystik

Über das gedankliche Gerüst der Naturmystik habe ich schon öfter geschrieben. Hier soll es um die religiöse Praxis gehen. Für Spiritualität gibt es kein System, ich beschränke mich daher auf die Sammlung einiger Beispiele.

Die Suche nach der unio mystica scheint es in fast allen Kulturen zu geben. In unserer taucht sie überraschenderweise im Zusammenhang mit der Arbeit auf, wo sie als „Flow“ voll im Trend liegt. Es gibt auch Versuche, ähnliche Erlebnisse in buddhistischer Meditation zu erreichen, ich bin aber nicht sicher, wie verbreitet dieses Bemühen ist.

An die regelmäßigen Eckpunkte des Tages, also den Morgen und den Abend, ist die Zeitungslektüre bzw. die Nachrichten getreten. Jüngere (unter 50) checken vor dem Schlafengehen noch mal die Nachrichten, um sicher zu gehen, dass die Welt noch in den Fugen ist. In der Tagesschau beginnt die Weltneuordnung jeden Tag aufs Neue mit Posaunen und Gong und die Nachrichtensprecher erinnern an die Moderatoren in manchen Freikirchen.

Der Wunsch nach unhinterfragbarem, letztbegründentem Wissen wird durch den Begriff der „Fakten“ bedient. Fakten sind Meinungen, die den Stellenwert eines Naturereignisses haben. Da Menschen nicht allein durch den individuellen Kontakt jedes EInzelnen mit der Natur zu regieren sind, benötigen Sie in der Naturmystik Anleitung. Da sie aber keinen Raum für geistige Autoritäten kennt, müssen sich Autoritäten mit Fakten ausweisen, d.h. Aussagen über die Wirklichkeit machen, die durch das Attribut „Fakt“ (oder „isso“) über die Kategorien von wahr und falsch, anständig oder unanständig hinaus gehoben werden.

An die Stelle des Gewissens ist die Scham geworden, sein Internetverhalten entblößt zu sehen durch Datenklau. Die Sorge um die Sicherheit ihrer Daten, ist mittlerweile zu einer der verbreitetsten Sorgen der Deutschen geworden, aber was meint „Sicherheit“ in diesem Zusammenhang anders als „blickdicht“. Die Scham ist nicht ausgestorben, sie hat nur neue Formen gefunden.


Nationaldemokratischer Rundfunk

Am 17.12.2019 veröffentlichte die tagesschau einen Kommentar von Jörg Seisselberg zum Ausschlussverfahren gegen Thilo Sarrazin. Ehrlich gesagt habe ich kein einziges Buch von Sarrazin gelesen und interessiere mich auch nur am Rande für die Themen, die ihn umtreiben, aber der Kommentar von Herrn Seisselberg hat mich nun doch fasziniert. Er begrüßt das Ausschlussverfahren als absolut notwendig und vor allem als Zeichen dafür (und damit auch jeder es als gesellschaftlich relevantes Zeichen deutet, weist er ja auch auf den Zeichen-Charakter hin), „wer in demokratischen Parteien in Deutschland eine Heimat hat – und wer nicht.“

Auch das Thema „Heimat“ interessiert mich eigentlich nicht, Herrn Seisselberg mit diesem selbst für einen Deutschen schon fast unaussprechlich deutschen Namen, aber offenbar schon.

In dem Zitat gibt es zwei Unklarheiten: Erstens weiß man nicht, ob das „eine Heimat hat“ deskriptiv oder normativ zu verstehen ist. Heißt es also, dass jemand irgendwo keine Heimat hat oder dass ihm seine Heimat, die er durchaus hat, genommen werden soll? Da Herr Seisselberg sich für den Ausschluss von Sarrazin stark macht, scheint es um letzteres zu gehen, dann wäre die Formulieren allerdings ziemlich feige. Zweitens ist nicht klar, worauf sich das „in Deutschland“ bezieht. Es könnte einschränkend auf die Parteien bezogen sein und bedeuten, dass jemand nur in solchen Parteien keine Heimat haben soll, auf die zwei Kriterien zutreffen: erstens sind sie demokratisch, zweitens in Deutschland. Oder es bezieht sich nicht auf die Parteien, dann müsste man es so verstehen, dass Sarrazin in Deutschland keine Heimat haben soll. Aber wie will Herr Seisselberg das erreichen? Im besten Fall kann er damit eine gesellschaftliche Ächtung befördern, die man juristisch auch als Volksverhetzung bezeichnen könnte. Eine harmlosere Variante scheint mir kaum denkbar und daher unterstelle ich ihm einfach mal, dass es ihm um die erste Lesart geht, in der das „in Deutschland“ sich auf die Parteien bezieht.

Das würde allerdings bedeuten, dass Sarrazin in demokratischen Parteien durchaus eine Heimat haben kann – nur eben nicht in Deutschland. Wofür Herr Seisselberg sich also stark macht, ist eine spezifisch deutsche Form der Demokratie, und die Frage ist, worin das spezifisch Deutsche dieser Demokratie liegt.

Ein paar mögliche Erklärungen fallen mir ein:

Erstens ist Herr Seisselberg ebensowenige wie der Sender, für den er arbeitet, demokratisch gewählt. Macht geht in dieser deutschen Demokratie offenbar nicht uneingeschränkt vom Volk aus.

Zweitens werden in dieser Demokratie andere Maßstäbe an die Bürger angelegt als an die Mächtigen. Während ein Bürger gleichgültig darüber hinwegsehen soll, welche Hautfarbe, Religion, Alter etc. ein Mensch hat, finde ich auf der Homepage des NDR, für den Herr Seisselberg arbeitet, ein erstaunlich einheitliches – um nicht zu sagen „biederes“ – Bild. Dieser Sender stellt als Moderatoren fast ausschließlich Menschen ein, die eine mitteleuropäische Hautfarbe haben und Namen wie Ilka, Kristoffer, Heike oder Jens. Wenn ich auf ein Alter tippen müsste, würde ich sagen, dass 95% so zwischen 35 und 45 liegen. Keine schrägen Transvestiten. Keine Kopftücher. Und ein Farbspektrum, dass sich zwischem spritzigem Dunkelblau und Schwarz bewegt. Vielfalt sieht anders aus.

Eine dritte Besonderheit dieser Demokratie ist, dass dem Wahlvorgang offenbar eine Gewissensprüfungn vorausgehen soll. Denn selbst wenn man Herrn Seisselberg so versteht, dass Menschen wie Herr Sarrazin zwar weiter in Deutschland aber in keiner Partei hierzulande eine Heimat finden dürfen, sind sie auch nicht wählbar! Herr Sarrazin stand zwar nie als Kanzlerkandidat zur Debatte, aber mit seinem Parteiausschluss soll ja gerade deutlich gemacht werden, dass seine Ansichten nicht zur Wahl stehen dürfen.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich froh bin, dass Herr Seisselberg hier nur für sich spricht und in dieser Frage keine Kompetenz besitzt. Dass er sich so öffentlichkeitswirksam zu dem Thema äußern kann, ist den Eigenarten dieser besonderen Form der Demokratie geschuldet.


Design News

Als Konzernchef weiß man heute, dass man nicht gleichzeitig positive Quartalsergebnisse und Entlassungen von Mitarbeitern verkünden darf. Selbst wenn es dem Konzern gut geht, muss man im Zusammenhang mit Entlassungen entweder auf den globalen Konkurrenzdruck verweisen oder die Herausforderungen der technischen Entwicklung usw. Warum? Weil zwei Informationen bei dem Leser zu einer Argumentationskette verknüpft werden. Der Leser/Hörer denkt in diesem Moment nicht über „Design News“ nach, also über die Möglichkeit, aus der Fülle an Nachrichten eine beliebige Informationskette anzulegen, sondern begnügt sich mit der Frage „Stimmt die Information?“ Kann er die Frage bejahen, akzeptiert er auch die Argumentationskette.

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Moderne Diktaturen unter dem Deckmantel des Umweltschutzes

Ich erinnere mich noch dunkel an die ersten Erfahrungen der Menschen mit den Grünen: sie fühlten sich irgendwie betrogen. Gewählt hatten sie eine Partei, die sich für den Wald einsetzt, bekommen haben sie eine Partei im Parlament, die offenbar gegen alles ist, was Menschen als Familie kannten. Darüber hinaus bot sie einen Schutzraum für Pädophile und viele hielten wohl aus weltanschaulichen Gründen offenbar auch nicht viel von Körperpflege. Und jetzt? Treten sie wieder als Schützer von Walen und Delphinen auf und als Retter des Welt-Klimas. Ich will ihnen gar nicht absprechen, dass ihnen diese Themen auch wichtig sind – wer will schon eine Überfischung der Meere? Bisher, und das heißt eben auch in der Zeit, als sie mitregieren konnten, hatten allerdings gesellschafts- und  familienpolitische  Themen immer den Vorrang. Wer sich darüber wundert, hat die politische Seite der Naturmystik nicht verstanden:

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Im Griff der Finanzwelt

Es ist richtig, über mögliche Interessenkonflikte von Friedrich Merz zu berichten. Aber immerhin würde er seine Ämter für seine Arbeit in der Politik (hoffentlich) ruhen lassen. Was hätte Merz in der Zeit seiner politischen Pause eigentlich tun sollen? Nur Jobs bis zu einer Obergrenze anzunehmen? Oder gar nicht arbeiten und in der Wüste meditieren, um sich angemessen auf die Aufgabe vorzubereiten.

Für sein Amt wird es entscheidend sein, alle finanziellen Verbindungen konsequent zu kappen. Damit wäre er ein wunderbares Vorbild für die Medien, die ihre unappetitliche Abhängigkeit von der Wirtschaft in Form von Werbeeinnahmen und Rabatten nie aufgegeben haben.

Blassgrün

Der Aufstieg der Grünen wird derzeit mit großem Beifall der Medien verfolgt. Ob sie bald schon einen Kanzler stellen? Wie können sie Volkspartei sein, ohne sich so zu nennen? Und welche großartigen Eigenschaften dieser Partei sind ausschlaggebend für ihren Erfolg? Fragen über Fragen. Wer in Deutschland wissen möchte, wie politischer Erfolg  funktioniert, kommt um Angela Merkel nicht herum. Sie hat die Politik in Deutschland revolutioniert, und sie konnte das, weil sie in einer Diktatur zur Schule gegangen ist. Als öffentlich bekannt wurde, dass sie in der DDR als Kommunistin bereits erfolgreiche erste Gehversuche in der Politik unternommen hatte, fragten sich einige Konservative besorgt, ob sie immer noch eine heimliche Kommunistin sein könnte. Das halte ich für Unsinn. Sie war ganz einfach immer genau das, was ihr half, an die Macht zu kommen. Bei Bedarf eben auch Kommunistin. Nach der Wende ging sie einfach in die größte Partei des Westens, weil man dort die besten Chancen hat, Kanzler zu werden. Gleichzeitig bot ihr die größte Partei den Vorteil, dass es sich um eine konservative Partei mit einer konservativen Wählerschaft handelte. Wäre die größte Partei damals eine linke Partei gewesen, hätte sie es schwerer gehabt. Aber konservative Wähle neigen eben auch zu einem konservativen Wahlverhalten, d.h. sie bleiben ihrer Partei treu, weil sie irgendwie das vage Gefühl haben, dass sie immer noch eher zu ihren Interessen passt als andere. Etwas Neues probiert man nicht aus. Mit dieser – sorry – dämlichen Wählerschaft an Bord konnte Merkel ihre Politik fast beliebig weit nach links ausdehen und dort die linken Wechselwähler einsammeln, während die Stammwähler die Zähne knirschten – und ihr trotzdem weiter treu blieben. Mit dieser Taktik erreichte Merkel in ihren besten Zeiten fast die absolute Mehrheit. Aber nicht nur die Stammwähler im eigenen Lager stöhnten über diese Entwicklung, auch die linken Parteien mussten hilflos zusehen, wie ihnen ein Kampfplatz nach dem anderen entzogen wurde. Wie soll man sich gegen einen körperlosen Feind wehren?

Aber hat Merkel nicht auch für Positionen gekämpft? Als politische Schülerin hat sie wie gesagt die Mechanik der Macht in einer Diktatur kennen gelernt. Und ein erfolgreicher Diktator weiß, dass man mit Gewalt allein auf Dauer nicht herrschen kann. Man muss ausreichend Lügen streuen, um den Menschen das Selbstbild zu ermöglichen, nicht aus Angst sondern aus Überzeugung die Unterdrückung zu akzeptieren. Das wichtigste Werkzeug in einer Diktatur ist daher neben der nackten Gewalt das Propagandaministerium. Die erste Frage, die sich ein Politiker stellen muss, der in einer Diktatur politisch zur Schule gegangen ist und nun in einer westlichen Demokratie erfolgreich sein möchte, lautet: Wo ist hier das Propaganda-Ministerium? Vermutlich bedeutet es einige Umgewöhnung, bis man sich daran gewöhnt hat, dass das Propagandaministerium ähnlich der ehemaligen Zentralbank von der Politik autonom agieren kann. Aber man kann sich darauf einstellen. Die Inhalte werden eben jetzt von den staatlichen Medien vorgegeben und denen hat man gewissenhaft Folge zu leisten. Und für diese Positionen muss man u.U. auch kämpfen. Aber wer die Medien im Rücken hat, kann nicht verlieren.

Die Säulen der Regierung sind also eine ideen-, kraft-, kontur- und charakterlose Politik unter einer devoten Hingabe an die Medien. Und eine fett gewordene, träge Wählerschaft.

Der Witz ist dabei, dass Angela Merkel durch den Raubzug auf linkem Terrain die politische Linke gestärkt hat! Denn sie hat auch diese Parteien jeder Kontur beraubt und insbesondere die Grünen ausgesprochen blass aussehen lassen. Was hat man hier um Positionen gekämpft und doch immer nur Pannen produziert. Dann ist es ziemlich still geworden. Dann kam der große Glücksfall für die Linke: der Erfolg der AfD! Jetzt gab es eine große Wählerschicht, die irgendwie nicht rechts wählen wollte, aber keine Lust mehr auf die große Koalition hat. Diese neue etablierte linke Wählerschicht funktioniert ähnlich wie die alte konservative Elite, sie schaut nicht mehr genau hin und wählt ebenso „grob links“ wie man vorher „grob konservativ“ gewählt hat. Und das funktioniert aus einer Kombination aus dem historischen Erbe und der aktuellen Konturlosigkeit, bei der gleichzeitigen absolut verpflichtenden Hingabe an die Medien. Und natürlich gehört auch hier eine fett gewordene Wählerschaft dazu, der es reicht, einem Lager anzugehören, von dem man früher mal überzeugt war.

Man kann also sagen, dass zuerst Merkel den linken Parteien die Themen geklaut hat. Jetzt ist die Ideenlosigkeit der größte Trumpf der Grünen. Blassgrün ist einfach schick.

Formulierungskünste der Medien

Der Begriff „Abtreibung“ ist bereits sehr technisch. Es gibt weder einen Akteur noch ein Opfer. Nur ein Geschehen. Es ist eine ärztliche Technik, bei der etws sprachlich in Fluss gebracht wird. Aber natürlich kann man nicht ganz ohne Kopfkino diesen Begriff verwenden, so dass auch er kaum noch verwendet wird. Heute wird eher davon gesprochen, dass „Frauen in Notsituationen behandelt werden“ oder „medizinische Unterstützung“ erhalten.

In dieser flauschigen Begriffswelt war es natürlich unerträglich, von dem Oberhaupt der Katholischen Kirche Worte wie „Auftragsmord“ zu hören.

Als ersten Schritt für eine ehrliche Auseinandersetzung fordere ich daher Klarheit: sagt was ihr meint und versteckt eure Ansichten nicht hinter Floskeln. Und hebt endlich das Verbot auf, Bilder der Opfer zu zeigen!

Dürfen Eltern ihre Kinder töten?

Der Linken scheinen die sinnvollen Themen auszugehen, deswegen diskutieren wir jetzt eben auch diese Frage: Dürfen Eltern ohne Angabe von Gründen auf Kosten der Krankenkasse ihre Kinder töten lassen?

Die derzeitige Rechtslage sieht vor, dass das möglich ist, die Eltern sollten sich allerdings nicht länger als 3 Monate Zeit mit der Entscheidung lassen. Im römischen Reich war es der Pater familias, der über das Leben seiner Kinder gleich nach der Geburt entschied und ein Kind, dass keine Gnade fand, wurde kurzerhand geötet oder ausgesetzt, wo es den sicheren Tod durch Unterkühlung ausgesetzt war.

Heute ist es die Mutter, die formal die Entscheidung trifft, wobei es genug Fälle gibt, in denen Frauen vor allem von den Vätern des Kindes massiv unter Druck gesetzt werden, um ihre Kinder abtreiben zu lassen. Bei einer Spätabtreibung ist das Kind oft bereits voll überlebensfähig und wird entweder vom Arzt erwürgt oder einfach schreiend liegen gelassen, bis es an Unterkühlung stirbt. Genau wie im römischen Reich, nur dass es jetzt formal die Mater familias ist, von der die Entscheidung juristisch ausgehen muss.