68er-Revolution am Ende

Idea-Spektrum berichtet in seiner aktuellsten Ausgabe vom 08.Juni2005 über den lutherischen Sozialphilosoph Prof. Günter Rohrmoser aus Stuttgart, der auf der Jahrestagung des Vereins „Die Wende“ in Löwenstein das Ende der 68er-Revolution proklamierte, die Ursache hierfür jedoch nicht als den Verdienst konservativer Gruppen darstellte, sondern hierin ein „unverdientes Geschenk Gottes“ sieht. Genau zu dieser Sichtweise neigen auch wir bei Theocons.de …
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Papst verurteilt Homo-Ehen und Gentechnik

In der Online-Ausgabe vom 07.Juni 2005 berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung über die Mobilmachung des Papstes Benedikt XVI. gegen homosexuelle Ehen und Abtreibung. Kürzlich habe er auf einem Konvent zum Thema Familie beides scharf verurteilt.

Mit besonders deutlichen Worten sprach sich Joseph Ratzinger gegen homosexuelle Eheschließungen aus: Diese seien „Pseudo-Ehen“ und Ausdruck einer „anarchischen Freiheit, die sich fälschlicherweise als wahre Befreiung des Menschen darstellen will“, erklärte der Kirchenführer in der römischen Lateran-Basilika.

Der Papst wandte sich ausserdem gegen sogenannte „offene Beziehungen“ und eine „Ehe auf Probe“. Er bezeichnete die Ehe als Institution, die tief im Wesen des Menschen verwurzelt sei.
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Unionsparteien sollten das „C“ streichen

Ein sehr interessanter Aspekt für die voraussichtlich im Herbst stattfindende Bundestagswahl kommt vom Kölner Kardinal Joachim Meisner. Wie die Welt in ihrer Ausgabe vom 06.06.2004 meldet forderte er die Unionsparteien auf, das C aus ihren Parteinamen zu streichen. „Was christlich ist, kann nicht die CDU definieren, das machen wir“, sagte der für seine konservativen Positionen bekannte Erzbischof der „Westdeutschen Zeitung“.
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NON zum stolzen Europa!! NON zu Schröder/Chirac

Hallo zusammen,
Wär hätte das vor 2 Jahren gedacht … Schröder und Chirac … die Verlierer der Geschichte! Was war das vor 2 Jahren noch für eine Polarisation. Gerhard Schröder und Jacques Chirac als Führer der stolzen humanistisch-atheistischen „Friedensmacht“ Europa gegen George W. Bush und Tony Blair. Getragen auf einer Welle der Sympathie der vermeintlich moralisch überlegenen, zivilisierten gebildeten europäischen Öffentlichkeit, die sich auserkoren sahen, zusammen mit dem tapferen Michael-Moore-Amerika die Welt vor einem vermeintlich durchgeknallten wiedergeborenen US-Präsidenten und seinen evangelikalen Reaktionären und Bündnispartnern retten zu müssen [-> Bush, Moore, die Evangelikalen und Europa ]. „NON zum stolzen Europa!! NON zu Schröder/Chirac“ weiterlesen

Howard & Roberta Ahmanson: Die Finanziers

Howard & Roberta Ahmanson wurden im Februar vom TIME MAGAZINE in die Liste der 25 einflussreichsten Evangelikalen Amerikas aufgenommen.
Geld regiert die Welt und dieses wohlhabende, konservative Republikaner-Ehepaar unternimmt schwindelerregende geistliche Anstrengungen um finanzielle Mittel für Evangelisation aufzubringen. Die Projekte die Spar- und Darlehns-Multimillinäre Howard und Roberta Ahmanson über Fieldstead & Co, eine private Philanthropie-Organisation in Irvine, Californien über die Jahre finanziert haben bilden ein Füllhorn von glaubensbasierten Aktivitäten, einschliesslich eines Institutes, das in der Kreationismus– und Intelligent-Design-Bewegung verankert ist sowie einer Studie über soziales Engagement von Pfingstgemeinden in der Dritten Welt. „Howard & Roberta Ahmanson: Die Finanziers“ weiterlesen

25 Top US-Evangelikale

Liebe Geschwister,

Das TIME MAGAZINE widmete in seiner Ausgabe vom 7. Februar 2005 die Titelgeschichte den amerikanischen Evangelikalen. Unter anderem wird eine Liste mit den 25 einflussreichsten Evangelikalen Amerikas veröffentlicht. Diese Liste erhaltet Ihr in der Anlage zu diesem Posting. Ich werde zu allen 25 in regelmäßigen Abständen etwas hier veröffentlichen.
Mit freundlichen Grüssen
wanderprediger

Liste der 25 einflussreichsten US-Evangelikalen:
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Folgen des Geburtenrückgangs: Evangelikale Revolution oder NeoFeministische Menschenparks?

Einer der besten Artikel zum Thema Geburtenrückgang den ich dieses Jahr gelesen habe erschien am 11.03.2005 in der FAZ und stammt aus der Feder des renomierten Sozialwissenschaftlers Stanley Kurtz von der Universität Stanford. Es geht schlicht und ergreifend um Hypothesen über gesellschaftliche Megatrends, die aus dem ständigen Geburtenrückgang in den klassischen Industrienationen ableiten lassen. Ein Megatrend lautet: Grossflächiges Wiedererwachen des christlichen Glaubens ein anderer Megatrend lautet Neue Allianz zwischen Feminismus und Gentechnik mit der Entwicklung einer künstlichen Gebärmutter. Dieser Artikel ist eine echte Anregung zum Nachdenken!
Mit freundlichen Grüssen
wanderprediger

Demographie und Krieg der Kulturen
Werden die Uhren der Moderne zurückgedreht ? Der weltweite Bevölkerungsrückgang könnte zu einer Renaissance des Konservativismus führen /Von Stanley Kurtz
Die sich dramatisch verändernde demographische Lage ist in ihren kulturellen Auswirkungen noch nicht erfaßt worden . Sie wird einerseits zu einer Neubewertung des Alters führen , andererseits aber aus schierer ökonomischer Notwendigkeit eine neue Sicht auf Familie und Elternschaft erzwingen . Der Sozialwissenschaftler Stanley Kurtz , der an der Hoover Institution der Universität Stanford arbeitet , entwirft verschiedene Szenarien für die künftige Entwicklung# : Es könnte zu einer weltweiten Renaissance traditioneller Werte des Familienlebens kommen und damit auch zu einer Rücknahme emanzipatorischer Errungenschaften der Moderne . Angesichts der wachsenden technischen Möglichkeiten künstlicher Reproduktion ist aber auch denkbar , daß uns Veränderungen bevorstehen , die wir bislang nur aus Science-fiction kannten : Gerade Feministinnen könnten zu Befürwortern einer künstlichen Züchtung von Kindern werden , um die Frauen vom Zwang zur Reproduktion zu entlasten .

Der langsame, anscheinend unaufhaltsame Zerfall traditioneller sozialer Strukturen, und ganz besonders der Familie, ist eine Entwicklung, an die wir uns mittlerweile gewöhnt haben, die aber auf einen grundlegenden Widerspruch in der modernen Gesellschaft verweist. In den industrialisierten Ländern sinkt die Geburtenrate seit mehr als dreißig Jahren, und die Auswirkungen zeichnen sich erst jetzt allmählich ab. Bevölkerungswachstum stimuliert die Wirtschaft, trägt den Wohlfahrtsstaat und prägt die moderne Kultur. Ein Bevölkerungsrückgang könnte die Dynamik der Modernisierung sehr wohl in Frage stellen.
Werfen wir zunächst einen Blick auf die demographischen Verhältnisse. Seit 1972 sind die Geburtenziffern weltweit um die Hälfte zurückgegangen. Damit die Bevölkerungszahl einer modernen Nation auf dem gleichen Stand bleibt, muß jede Frau im Laufe ihres Lebens durchschnittlich 2,1 Kinder zur Welt bringen. Keine einzige industrialisierte Nation weist eine Geburtenrate von 2 ,1 auf – in den meisten Ländern liegt diese Zahl deutlich darunter. Aufgrund dieses Bevölkerungsrückgangs werden die Gesellschaften überall in beispielloser Weise altern. Auch die gestiegene Lebenswartung trägt zu einer Überalterung der Weltbevölkerung bei. 1900 betrug die Lebenserwartung in Amerika 47 Jahre, heute sind es 76 Jahre. Im Jahr 2050 wird jeder fünfte Amerikaner über 65 Jahre alt sein, die amerikanische Bevölkerung wird deutlich älter sein als die heutige Bevölkerung Floridas. So bemerkenswert diese demographischen Zahlen auch sein mögen, für Italien oder Japan sehen die Prognosen noch ungünstiger aus. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 42 Prozent aller Italiener und Japaner 60 Jahre oder älter sein.
Kurzum, der Westen verzeichnet deutliche demographische Veränderungen – mit tiefgreifenden kulturellen Konsequenzen. In früheren Zeiten waren alte Menschen immer nur ein kleiner Teil der Gesellschaft, die Hauptsorge galt dem Nachwuchs. Nun werden die Kinder eine kleine Minderheit sein, und die Versorgung der Alten wird im Vordergrund stehen – immer unterstellt, daß Gesellschaften, in denen die Alten einen Anteil von zwanzig, dreißig, ja vierzig Prozent und mehr ausmachen, überlebensfähig sind. Doch das ist keineswegs klar.
Bei einem Bevölkerungsrückgang verringert sich auch der Anteil potentieller Mütter in jeder Generation. Doch selbst, wenn irgendwann eine Frauengeneration herangewachsen ist, deren Geburtenziffer über derjenigen ihrer Mütter liegt, wäre die Dynamik des Bevölkerungsrückgangs nicht sofort aufgehoben. Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen würden das verhindern. Zur Versorgung der wachsenden Zahl alter Menschen müßten die Berufstätigen immer höhere Steuern zahlen. Diese jungen Leute könnten sich also noch weniger Kinder leisten als heute, die künftigen Generationen würden noch weiter schrumpfen.
Wenn die Geburtenraten weltweit das Niveau erreichen, das heute in den entwickelten Ländern üblich ist (und das scheint tatsächlich der Trend zu sein), könnte es sein, daß in wenigen Jahrhunderten auf der ganzen Welt weniger Menschen leben als heute in Amerika. Natürlich ist nicht zu erwarten, daß die Menschheit sich nicht mehr fortpflanzen und irgendwann nicht mehr existieren wird. Entscheidend ist jedoch, daß diese Entwicklung sich nur dann umkehren läßt, wenn es zu einer deutlichen Steigerung der Geburtenziffern kommt. Und jeder Ansatz dazu wird tiefgreifende kulturelle Veränderungen notwendig machen.
Warum führt das moderne Leben zu niedrigen Geburtenziffern und all diesen Konsequenzen? Ein Faktor ist die Urbanisierung. In traditionellen bäuerlichen Gesellschaften werden Kinder schon früh zur Arbeit herangezogen. Sie erben Land, dessen Ertrag in die Versorgung der Eltern fließt. In modernen urbanen Gesellschaften bedeuten Kinder dagegen enorme Kosten, die den Eltern immer seltener in Form von Vermögen oder Altersversorgung zurückerstattet werden. In einer wachstumsorientierten Konsumgesellschaft haben potentielle Eltern die Möglichkeit, sich für Kinder oder aber für mehr Konsumgüter und Dienstleistungen für sich selbst zu entscheiden.
Ein zweiter Faktor ist die Berufstätigkeit von Frauen, die durch den technologischen Wandel begünstigt wird. In einer modernen, wissenorientierten Wirtschaft sind Frauen nicht mehr körperlich benachteiligt. Ihre Arbeitsfähigkeit hängt von der Verfügbarkeit moderner Verhütungsmittel ab, die (neben Abtreibungen) eine effektive Geburtenregelung ermöglichen. Das ganze Ausmaß der weltweit rapide sinkenden Geburtenziffern impliziert, daß Empfängnisverhütung eine notwendige Voraussetzung dieses Wandels ist. Bevor die Fruchtbarkeit durch medizinische Methoden zuverlässig gesteuert werden konnte, waren Ehe und soziale Stigmatisierung außerehelicher Geburten die wichtigsten Instrumente, mit denen eine Gesellschaft die Geburtenziffer regelte. Wirtschaftlicher Niedergang bedeutete späte Heirat und damit sinkende Fruchtbarkeit. Doch mit modernen Verhütungsmitteln kann die Fruchtbarkeit auch in der Ehe gezielt geregelt werden. Mutterschaft wird zu einer Frage der bewußten Entscheidung. Daß dann auch weniger Kinder geboren werden, zeigt die demographische Entwicklung deutlich.

Empfängnisverhütung, Abtreibung und die Berufstätigkeit von Frauen, aber auch die Abwanderung von Landbewohnern in die Städte haben zu den tiefgreifenden kulturellen Veränderungen in der postmodernen Welt geführt. Säkularismus , Individualismus und Feminismus sind Bestandteile eines sozialen Systems , das sinkende Geburtenziffern begünstigt# . Wenn die Welt angesichts dieses Bevölkerungsrückgangs nicht überlebensfähig ist , dann mögen diese kulturellen Trends ebensowenig überlebensfähig sein . Anders gesagt , wenn wir diese kulturellen Trends nicht modifizieren oder ausgleichen können , wird die Weltbevölkerung immer rascher abnehmen .
Mit den neuen demographischen Verhältnisse und deren sozialen Auswirkungen hat sich besonders Ben Wattenberg in seiner neuen Studie „Fever. How the New Demography of Depopulation Will Shape our Future“ beschäftigt. Schon 1987 schrieb Wattenberg „The Birth Death“. Es war die erste öffentliche Warnung vor einem Bevölkerungsrückgang. Doch viele nahmen Wattenbergs Botschaft nicht ernst. In einer Zeit, in der man wie selbstverständlich von einer „Bevölkerungsexplosion“ ausging, widersprachen die Aussagen des Autors allen landläufigen Auffassungen. Doch die Entwicklung hat ihm recht gegeben. Doch während Wattenberg damals noch für eine aggressive Geburtenförderung plädierte, scheint er heute kaum noch die Hoffnung zu haben, daß eine deutliche Steigerung der Geburtenrate möglich ist. Einerseits hält er es für unwahrscheinlich, daß die Weltbevölkerung einer endlosen Schrumpfung unterliegen könnte, andererseits sieht er nicht, wie eine Umkehr dieses Trends zu erreichen wäre.
Eine andere Ansicht vertritt Phillip Longman in „The Empty Cradle. How Falling Birthrates Threaten World Properity and What to Do About It“. Er glaubt, daß der Bevölkerungsrückgang aufgehalten werden kann, weiß aber, daß dafür ein grundlegender kultureller Wandel notwendig ist. Die kommende demographische Krise wird zahlreiche postmoderne Ideologien in Frage stellen . Longman ist ein säkularer Liberaler, der nach Wegen sucht, wie die Bevölkerungszahl stabilisiert werden kann, auch ohne Rückgriff auf religiöse Traditionen, die, wie er befürchtet, im Gefolge der demographischen Entwicklung wiederbelebt werden könnten.
Longman ist klar, daß die Abwärtsbewegung nicht ohne größere soziale Transformationen umgekehrt werden kann. Er zieht Parallelen zum Viktorianischen Zeitalter und anderen Epochen, in denen die Sorge vor einem Bevölkerungsrückgang, vor Dekadenz und sich auflösender sozialer Sicherheit den Familienzusammenhalt stärkte und Abtreibung und Empfängnisverhütung stigmatisiert wurden. Er weist auch darauf hin, daß die Bewegungen der sechziger Jahre (Frauenbewegung, Umweltschutz und sexuelle Revolution) durch die Sorge vor einer Bevölkerungsexplosion gestützt wurden. Wenn feststeht, daß unser wahres Problem der Bevölkerungsrückgang ist, könnte das diese Bewegungen und Haltungen schwächen. Longman befürchtet daher vor allem eine Wiederkehr des Fundamentalismus, den er grob definiert als Bewegung, die auf überkommene (religiöse und nichtreligiöse) Mythen und Legenden zurückgreift, „um moderne, liberale und kommerzielle Werte zu bekämpfen“. Anders als säkulare Modernisten haben religiöse Traditionalisten meist (relativ) große Familien. Longman befürchtet , daß der Anteil der westlichen säkularen Liberalen in der Welt mit der Zeit abnehmen wird und die Traditionalisten überall die Oberhand gewinnen . In gewissen Punkten muten seine Überlegungen aber sonderbar und übertrieben an. So wirft er amerikanische Evangelisten als vermeintliche Modernisierungsgegner in einen Topf mit Nazis, Rassisten und Islamisten. Das ist aufschlußreich als Ausdruck liberaler Voreingenommenheit, weniger ein ausgewogenes Urteil über das Verhältnis zwischen Christentum und Moderne. Und die bloße Tatsache, daß religiöse Konservative mehr Kinder haben als säkulare Liberale, bietet noch lange nicht die Gewähr, daß diese Kinder nicht von der säkularen Kultur berührt werden.
Dennoch weist Longman zu Recht darauf hin , daß der Bevölkerungsrückgang ohne tiefgreifenden kulturellen Wandel nicht aufgehalten werden kann und daß durchaus mit einer religiösen Neuorientierung zu rechnen ist . In einer Zukunft , in der sehr vielen alten Menschen relativ wenige junge Berufstätige gegenüberstehen , die mit hohen Steuern belastet sind , könnten die wichtigsten Errungenschaften postmoderner Gesellschaften in Frage gestellt werden . Manche Leute werden natürlich von einem religiösen Standpunkt aus sagen , die Menschheit habe gegen das göttliche Gebot verstoßen , fruchtbar zu sein und sich zu vermehren , und müsse nun die Konsequenzen tragen .
Aber auch ohne Katastrophenszenarien ist deutlich zu erkennen, daß das gegenwärtige demographische Dilemma zu tiefgreifenden kulturellen Veränderungen führen wird. Angenommen, im Gefolge der kommenden ökonomischen und demographischen Schwierigkeiten wird ein seriöses Geburtenförderungsprogramm, wie Longman es vorschlägt, mit Erfolg durchgeführt. Das Ergebnis müßte nicht unbedingt „Fundamentalismus“ sein, aber höchstwahrscheinlich würde es doch zu einer konservativeren Atmosphäre kommen. Prognosen einer künftigen Vorrangstellung der Demokratischen Partei gründen auf der zunehmenden demographischen Bedeutung alleinstehender Frauen. Durch späte Heiraten sinkt die Geburtenziffer, und die Gesellschaft bewegt sich nach links. Wenn man diesen Trend durch Förderung von Ehe und Elternschaft umkehrt, wird das Land eher konservativ – ob im religiösen oder nichtreligiösen Sinne.
Aber können die Motoren der Postmoderne tatsächlich auf Rückwärtsgang geschaltet werden? Immerhin bekommen die Leute nicht deswegen Kinder, weil sie glauben, daß dies der Gesellschaft nützt. Ihre Entscheidung gründet auf persönlichen Wünschen und Interessen. Werden Frauen irgendwann nicht mehr berufstätig sein wollen? Ist eine deutlich erschwerte Geburtenregelung vorstellbar? So kritisch der Bevölkerungsrückgang auch sein mag, es sieht wirklich nicht danach aus, als würden die westlichen Länder den Zugang zu empfängnisverhütenden Mitteln erheblich einschränken.

Vergessen wir aber nicht, daß die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, irgendwann vermutlich in einer deutlich veränderten sozialen Atmosphäre getroffen wird. In traditionellen Gesellschaften haben Kinder einen hohen Stellenwert, weil sie für die Alten sorgen. In der entwickelten Welt gründet die Altersversorgung im wesentlichen auf eigenen Ersparnissen und den Leistungen des Wohlfahrtsstaates. Aber was, wenn Wirtschaft und Wohlfahrtsstaat deutlich schrumpfen? Möglicherweise werden die Menschen wieder an die Familie als Altersversorgung zurückdenken – und es könnte wieder notwendig sein, mehr Kinder in die Welt zu setzen.

Andererseits könnten wir auf die Probleme einer rasch alternden Gesellschaft mit einer Kombination aus Produktivitätssteigerung, Sozialreformen und späterem Rentenbeginn reagieren. In diesem Fall würden die Geburtenziffern weiterhin sinken, und die Weltbevölkerung würde dementsprechend abnehmen. Das Endergebnis wäre Krise oder Wandel oder lediglich ein substantieller Rückgang der Weltbevölkerung mir kaum prognostizierbaren geostrategische Auswirkungen. So oder so scheint uns ein Wandel unserer sozialen Ordnung bevorzustehen.
Die sich abzeichnende Bevölkerungsimplosion könnte demnach auch als Antwort auf Francis Fukuyamas Thesen gesehen werden. Wie Fukuyama in „Our Posthuman Future“(2002) selbst erkannte, kollidiert ein mögliches „Ende der Geschichte“ vor allem mit der Aussicht, daß die Biotechnologie eine grundlegende Veränderung der menschlichen Natur und der Gesellschaft herbeiführen könnte. In
Gestalt moderner Empfängnisverhütung ist das ja vielleicht schon eingetreten. Und das wäre erst der Anfang.
Die zersetzenden Auswirkungen der Gentechnik werden sich besonders in einer überalterten Welt zeigen . Die unmittelbare Herausforderung für die Menschheitsgeschichte ist die Aussicht , daß die Familie durch ein gentechnisches Fortpflanzungssystem ersetzt wird . Nicht die Erzeugung von Supermenschen könnte bald die wichtigste soziale Herausforderung des wissenschaftlichen Fortschritts sein , sondern die Entwicklung einer künstlichen Gebärmutter . Natürlich besteht die Gefahr, daß die Gentechnik eines Tages eine Hierarchie herbeiführt. Die Gentechniker der Zukunft werden aber eher unter dem Druck stehen, überhaupt Nachwuchs zu erzeugen. Sollte es irgendwann tatsächlich die Möglichkeit geben, „bessere“ Menschen zu konstruieren, so wird das in einer stark überalterten Welt geschehen. Der Druck, dem Bevölkerungsschwund entgegenzuwirken, wird die Gentechniker noch lange begleiten.

Wo über künstliche Gebärmütter und das Ende der Familie geredet wird, sind wir weit entfernt von konservativ-religiösen Erneuerungsbewegungen. Angesichts einer Bevölkerungskrise ist eine konservative Rückbesinnung ebenso möglich wie ein eugenischer Albtraum. Der Soziologe David Popenoe hat in seiner bahnbrechenden Untersuchung über den Zerfall der westlichen Familie („Disturbing the Nest“,1988) idealtypische Szenarien entworfen, die eine Stärkung aber auch eine weitere Zerrüttung der Familie denkbar erscheinen lassen.
Was kann den Niedergang der westlichen Kleinfamilie aufhalten ? Laut Popenoe alles , was Wohlstand , Säkularismus und Individualismus entgegenwirkt , all jenen Dingen , die zum Zerfall der Familie führten . Der wirtschaftliche Niedergang könnte die Menschen zwingen , sich wieder auf die Familie statt auf den Staat zu verlassen . Eine religiöse Erneuerung könnte zu einer Rückbesinnung auf traditionelle Werte führen . Und eine veränderte Interessenlage angesichts des sozialen Chaos könnte die Vorzüge eines extremen Individualismus in Frage stellen. Wir haben bereits gesehen, daß in einer demographisch-ökonomischen Krise alle drei Varianten möglich sind. Und was, wenn die Kleinfamilie ganz und gar verschwindet? Laut Popenoe könnte unsere zunehmende Neigung, Partnerschaft von Sexualität und Fortpflanzung zu trennen, in verstärktem Maß zu einem Ende der Kleinfamilie führen.
Besonders in Europa verwandeln sich Ehen in elterliche Partnerschaften. Und überall dort, wo Eltern gewöhnlich zusammenwohnen, geht man zum living alone together über. Unverheiratete Eltern leben „zusammen“, haben aber getrennte Wohnungen, und nur einer der beiden Partner hat ein Kind. Und natürlich stellt auch die bewußte Mutterschaft von älteren alleinstehenden Frauen eine deutliche Abkehr von der Kleinfamilie dar. Der nächste logische Schritt könnte so aussehen, daß alleinstehende Mütter ihre Kinder an eine andere Person oder Gruppe zur Aufzucht übergeben. Das wäre definitiv das Ende der Kleinfamilie.
Eine langanhaltende Wirtschaftskrise , begleitet von einem besorgniserregenden Bevölkerungsrückgang , würde die Frauenbewegung zweifellos unter Druck setzen . Es ist aber unwahrscheinlich , daß postmoderne Einstellungen zu Frauen , Arbeit und Familie ohne größere kulturelle Kämpfe einfach abgeschafft oder deutlich modifiziert werden können . In einer Welt mit rapide schwindender Bevölkerung wäre ein eugenisches Regime der logische Weg zum Schutz feministischer Ziele , und es gibt ja auch genügend Beispiele für ein Zusammengehen von Eugenik und Feminismus .
Immerhin haben Pionierinnen der Geburtenregelung zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Feminismus und Eugenik zusammengebracht. In dem Maße, wie Geburtenregelung weithin praktiziert wurde, ging die Geburtenrate deutlich zurück – vor allem in der Oberschicht, die Zugang zu den technischen Möglichkeiten hatte. Aus Sorge über den zahlenmäßigen Rückgang der Eliten appellierte Theodore Roosevelt an die Frauen der Oberschicht, mehr Kinder zu bekommen. Selbst fortschrittliche Menschen stellten ihr Engagement für die Rechte der Frauen in Frage. Margaret Sanger plädierte für ein eugenisches Regime von erzwungener Sterilisierung und Geburtenregelung. Statt „die Gebildeten“ aufzufordern, mehr Kinder zu bekommen, sprach sie sich dafür aus, „Geisteskranke und Behinderte“ daran zu hindern, Kinder in die Welt zu setzen.
Die Frauenbewegung der sechziger Jahre stellte noch weitere Bezugspunkte zwischen Feminismus und Eugenik her. Shulamith Firestone etwa schrieb , daß Frauen erst dann wirklich frei seien , wenn sie von der Bürde der Fortpflanzung befreit seien . Heute , da Wissenschaftler daran arbeiten , Embryonen im Labor zu züchten , und Techniken entwickeln , mit deren Hilfe immer früher geborene Babys am Leben erhalten werden können , ist die Aussicht , daß es eines Tages eine funktionstüchtige künstliche Gebärmutter gibt , durchaus real . Wenn es um die Wahl geht zwischen beruflicher Gleichstellung und der sozialen Notwendigkeit, mehr Kinder zu haben, kann man sich leicht vorstellen, daß sich manche Linke für technisches Outsourcing entscheiden (also verschiedene Formen der Leihmutterschaft). In gewisser Weise wird dies ja schon praktiziert. Man denke nur an die kleine, aber wachsende Zahl von älteren Karrierefrauen, die jüngere Frauen anheuern und dafür bezahlen, daß sie Kinder für sie zur Welt bringen. Manche Frauen dürften die Eugenik als „logische“ Antwort auf den Druck zur Rückkehr zur traditionellen Familie betrachten.
Christine Rosen , die die Möglichkeiten und Auswirkungen der „Ektogenese“ untersucht hat, weist darauf hin , daß die Kritik an der menschlichen Ausbeutung , die in der Leihmutterschaft angelegt ist , tatsächlich die Entwicklung einer künstlichen Gebärmutter vorantreiben könnte . Das würde den Warencharakter des Gebärens natürlich noch verstärken – und die Eltern-Kind-Beziehung schwächen, wenn nicht völlig beseitigen. Und wenn künstliche Gebärmütter eines Tages „sicherer“ sind als die menschliche Schwangerschaft, könnten Versicherungsgesellschaften fordern, daß Kinder nicht mehr in der hergebrachten, altmodischen Weise zur Welt gebracht werden.
Mit solch düsteren Aussichten muß man sich ernsthaft auseinandersetzen. Prinzipielle Kritik an Eingriffen in die menschliche Natur reicht aber ebensowenig aus wie gefühlsmäßiger Abscheu. Selbst im berühmten Image des Konservativen, der der Geschichte ein „Halt!“ entgegenruft, steckt die Erkenntnis von der Unausweichlichkeit der Modernisierung. Tocqueville betrachtete den historischen Trend zu immer mehr Individualismus als unüberwindliche Kraft.
Bestenfalls sei ein Kompromiß zwischen Individualismus und modernen Formen von religiösen, familiären und zivilen Gemeinschaften zu erreichen. Heute sind selbst Tocquevilles Gegengewichte zu einem radikalen Individualismus verschwunden – vor allem im Bereich der Familie.
Die Ansicht, die tiefgreifenden sozialen Veränderungen der sechziger Jahre seien inzwischen unumkehrbar, ist in der Tat verlockend. Weithin verfügbare Verhütungsmöglichkeiten, Abtreibung, Berufstätigkeit von Frauen, immer weniger Eheschließungen, zunehmender Säkularismus und Individualismus – all das ist kaum noch wegzudenken. Die langfristigen Auswirkungen sind aber keineswegs klar. Selbst die große Babyboomer-Welle ist noch nicht vorbei. Irgendwann wird sich vielleicht zeigen , daß die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht da Ende der Geschichte gebracht hat , sondern eine Übergangsphase zwischen der Moderne und einer neuen , langen Epoche eines Bevölkerungsrückgangs war# . Eine Kursänderung der Moderne wäre auch ohne ein komplettes ökonomisches Desaster oder eine relative Disparität in der Geburtenziffer von Fundamentalisten und Säkularisten möglich. Chronische ökonomische Probleme in einer rasch alternden Welt reichen aus. Es gibt gute Gründe, das Schicksal von älteren Babyboomern mit fragilen Familien, eingeschränkten Ersparnissen und relativ wenigen Kindern mit Sorge zu verfolgen. Eine jüngere Generation von Berufstätigen wird bald für die Versorgung dieser älteren Generation aufkommen müssen . Der ohnehin akute Mangel an Pflegepersonal wird sich noch verstärken. Der Bevölkerungsrückgang könnte den Wert von Immobilien gefährden. Und über all diese Probleme, die die demographische Entwicklung mit sich bringt, werden die Medien täglich berichten.
In einer solchen Situation könnten sich, neben einer grundsätzlichen Neuorientierung von persönlichen Interessen, neue soziale Werte herausbilden. Die Moderne selbst könnte in die Kritik geraten , während Ehe und Elternschaft wieder Respekt genießen . Eine erfolgreiche Geburtenförderung (sofern sie auf die herkömmliche Familie setzt und nicht auf Leihmutterschaft oder künstliche Gebärmutter) kann konservative Trends nur verstärken. In diesem Fall werden wir feststellen, daß es Radikale sind, die sich dem neuen geschichtlichen Trend entgegenstellen und „Halt!“ rufen.
In den kommenden Jahren werden die Menschen zwischen drei Möglichkeiten wählen können : einer partiellen Wiederherstellung traditioneller sozialer Werte , einer radikalen neuen Eugenik oder einem unaufhaltsamen Bevölkerungsrückgang . Lange Zeit wird es keine klaren Entweder-oder-Lösungen geben. In den Gesellschaften wird über den richtigen Weg gestritten werden. Manche Regionen werden sich für traditionellere Wege entscheiden , andere werden mit radikal neuen sozialen Formen experimentieren , wieder andere werden weiter schrumpfen . Und viel wird von der wirtschaftlichen Zukunft abhängen, die niemand zuverlässig vorhersagen kann. Die sozialen Innovationen der Moderne werden jedenfalls noch immer ausprobiert – und das Ergebnis ist offen.
Folgen des Geburtenrückgangs: Evangelikale Revolution oder NeoFeministische Menschenparks?

Europa ist krank

In der Mai-Ausgabe des äusserst empfehlenswerten Cicero, dem Magazins für politische Kultur erschien anlässlich der Wahl von Kardinal Ratzinger zum Papst ein kulturkritisches Essay von ihm aus dem Sommer 2004 mit dem Titel „Europa ist krank„, welches ich nur jedem zum Lesen ans Herz legen möchte. Ratzinger träumt nicht wie die stolzen EU-Utopisten oder frustrierte amerikanische Intellektuelle den „Europäischen Traum„, sondern er warnt vor Zerfallserscheinungen, die die Säkularisten gar nicht wahrnehmen können. „Europa ist krank“ weiterlesen